Mr. Sandman…

Lange lange ist es her, dass ich Zeit fand, etwas zu posten, ganz zu schweigen etwas fertig zu spinnen. Vorbei ist es mit der Zeit, zu der ich locker flockig mehrere Stunden pro Tag runter spinnen konnte. Freizeit ist rah geworden. Aber umso mehr macht mir nun meine eigentliche Arbeit als Kunsthistoriker wieder sehr viel Freude.

Aber hin und wieder finde ich dann doch am Abend mal eine Stunde der Entspannung und dabei ist nun nach 3 Wochen (was für eine Quote, haha) dieses Garn heraus gesprungen.

Mr. Sandman:

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100% Merino superwashed, handgefärbt von der Seifensiederin auf DaWanda und von mir mit einer Handspindel gesponnen. Um den Farbverlauf zu erhalten wurde der Single navajo-verzwirnt. 100g, 87 m, Nadelstärke 3,5.

Das Garn ist für ein Babystrickstück gedacht und daher absichtlich nicht so dünn wir möglich gesponnen, sondern etwas dicker und bewusst mit weniger Drall, damit es nach dem Zwirnen mehr Volumen entwickelt. Es sollte weich und gestrickt dicht werden.

Ich habe festgestellt, dass es in der deutschen Spinnszene eine Tendenz gibt,  a) traditionell zu spinnen – das ist ja nichts neues – aber auch b) immer maximal dünn als ein Zeichen für ausgeprägte Spinnfähigkeiten. Punkt a) brauche ich hier nicht groß diskutieren, denn es ist kein Geheimnis, dass ich traditionelle Spinnerei als technische Basis für wichtig und notwendig halte , als einzige Methode als zu einseitig empfinde. Punk b) hingegen halte ich einfach für Quatsch. Man lernt schnell seine Kompfortzone kennen und kann sie locker zur Maximaldünner herunter trainieren. Das ist keine Kunst, im Gegenteil, es passiert mit der Zeit automatisch. Zu Lernen, wie man bewusst Stärke und Drall kontrolliert und so auf zielgesetzte Funktionen ausrichtet ist wesentlich anspruchsvoller. Es braucht Erfahrung, bis man weiß welches Endergebnis zu erwarten ist, bei bestimmten „Starteinstellungen“, d.h. z.B. wieviel Drall etwa muss ich in den ersten Single geben um ein bestimmten Drall und damit bestimmtes Volumen und auch bestimmte Anzahl von Verzwirnungen der Singles miteinander pro inch/cm (Twist per inch, Tpi, nicht zu verwechseln mit Wpi, wraps per inch) zu erhalten. Solche Fragen gilt es am Anfang vorzuplanen, will man kontrolliert spinnen. Dazu kommt dann die manuelle Fähigkeit, diese auch konstant umzusetzen. Und es in der Tat so, dass es schwieriger ist, konstant in einer Stärke zu spinnen, die nicht die Maximaldünne ist, als einfach jedes mal bis zum Möglichsten, die Fasern auszuziehen. Ich habe hier nur an der Oberfläche gekratzt, wenn es um Fragen bezüglich des kontrollieren Spinnens geht. Daher finde ich die Haltung: du spinnst ja noch relativ dick… oder gar die Fehlfolgerung daraus: … du bist noch Anfänger? einen total Quatsch. Wo ist da bitte der Technikbezug, der beim Spinnen traditioneller Garne immer sofort in Abgrenzung zu der als eklektisch (und oftmals trifft das ja auch zu, aber das ist ein anderes Thema) betrachteten Artyarn-Spinnerei in Felde gebracht wird? Ich spüre da viel mehr die im stillen vereinbarten Normen einer Szenendynamik, als echtes Technikbewusstsein.

Und diejenigen, die mich gut kennen werden wahrscheinlich lachen, denn eigentlich reibe ich mich mal wieder am typischen Gruppenverhalten. Ich werde wohl wieder ein weiteres Hobby im Alleingang betreiben, anstatt mich einem, egal wie weichgespülten, Gruppenzwang oder milder gesprochen einen Gruppenmaßstab zu unterwerfen.

Ok, und die letzten Gedanken zu diesem Thema habe ich wieder gelöscht, denn es ist wohl besser sie im Stillen zu Ende zu denken;-)

Meine Erkenntnis: dünn ist nicht immer Qualität oder ein Zeichen von Erfahrung.

Und eine Bestätigung für eine alte Erkenntnis: Gruppennormen und Hinterfragen stehen sich im Weg.

Trotzalledem war das Projekt dick spinnen sowie mit großem Volumen und trotzdem eine höhere Tpi-Anzahl zwirnen eine echte Herausforderung, die teilweise gelang, aber teilweise auch noch viel mehr Erfahrung benötigt. Hier greift wirklich Üben, Experimentieren und über viele Jahre hinweg Erfahrungen sammeln, um wirklich exakt das Ergebnis zu erhalten, das man zuvor im Kopf hatte.

In diesem Sinne, möge der Wind des Freidenkens mich mal weniger mit Gruppen kollidieren lassen, sondern mehr zu anderen Einzelgängern führen.

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