Fractal Spinning

Vor einiger Zeit habe ich im Blog von Jacey Boggs einen Artikel gelesen, der sich mit unterschiedlichen Spinn- und Zwirntechniken für Verlaufsgarne und Multicolorgarne gelesen (I took an online class and I totally didn’t hate it!).

Hier erwähnt Jacey Boggs auch das Fractal Spinnig.

Erst hatte ich es für so eine unnötig neue Spinntechnik gehalten, der man einen coolen, komplexklingenden Namen verpasst hatte, aber eigentlich nichts neues bringt. Aber nein! Fractal spinning ist echt spannend und ich habe es ausprobiert.

Meine Spinn- und Strickprobe dazu:

Ok zugegeben, die Farben sind nicht der Brüller, schließlich war es ja auch einfach nur ein Test mit einem schnellen Griff in die Wollkiste…

Update: Bild fehlt derzeit und wird demnächst wieder aktualisiert.

 

Typisch sind Garnabschnitte, die einfarbig sind zusammen mit Abschnitten, die aus zwei Farben bestehen. Das Garn ist weder ein Verlaufsgarn mit einem vollfarbigen Farbwechsel – d.h. alle mit einander verzwirnten Singles haben an der gleichen Stelle im Garn die gleiche Farbe. Noch ist es ein Garn, wie es entsteht, wenn Singles verzwirnt werden, deren jeweiligen Verläufe nicht synchron sind.

Verstrick ergibt das ein Bild, das die Merkmale beider Garntypen aufweist: vollfarbige Abschnitte, genauso wie gemischte Abschnitte.

Was passiert hier?

Ein Fraktal ((lat.: fractus – zerbrochen) ist eigentlich ein mathematischer Begriff u.a. aus der Geometrie für das hier:

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(Quelle)

Eine Form, deren bildende Elemente, die gleiche Form darstellen. Das Farnblatt ist nur ein Beispiel von vielen unterschiedlichen Formen, die ein Fraktal abbilden. Aber was hat das mit dem Spinnen zu tun.

Nimmt man für das Spinnen einen Kammzug, der in unterschiedlichen Farben gefärbt wurde, dann muss man sich fragen, wie man ihn verspinnt. Spinnt man ihn einfach von oben ab oder zieht man in vorher aus (predrafting) oder unterteilt man ihn vorher in mehrere schmalere Kammzüge, die man nacheinander verspinnt. Alle Varianten ergeben unterschiedliche Farbmuster im Single und dann später im Zwirn, je nachdem welche Zwirntechnik angewendet wird. Hier steht am einfachsten, das Zweifach- und Navajozwirnen zur Wahl. Navajo ergibt am Ende ein Verlaufsgarn, bei dem der Farbverlauf des Singles erhalten bleibt. Beim Zweifachzwirnen treffen meist zwei Farben aufeinander. Die Frage ist dann nur, welche Farben treffen aufeinander und in welchen Rhythmen. Und warum ist das so wichtig? Die Farbverteilung im Garn ergibt das Farbmuster im Strickstück. Wie unterschiedliche diese sein können, zeigt Jacey Boggs wunderbar in ihrem Artikel. Sie zeigt dort Spinnproben neben Strickproben.

Hier setzt nun das fractal spinning an: es ist eine Technik, die einen Kammzug mit unterschiedlichen Farbzonen auf eine bestimmte Art unterteilt, dann verspinnt und zuletzt so verzwirnt, dass es eine ganz typische Farbverteilung im Garn und letztlich im Strickstück erzeugt.

Das Vorgehen sieht so aus: Ein Kammzug wird mittig geteilt. Die eine Hälfte wird einfach so verspinnt, wie sie ist und ergibt den einen Single. Die andere Hälfte wird wieder in schmalere, möglichst gleich starke Stränge unterteilt und nach einander verspinnt. Das ist der zweite Single. Beide Singles werden mit einander verzwirnt.

Einen super Artikel dazu gibt’s von Alexandra Tinsley in der Kitty Winter 2011.

Dieses Bild zeigt den unterteilten Kammzug in einen dicken und mehrere schmalen Strängen:

Bild

(Bildquelle)

Versponnen hat man einen Single mit wenigen langen Farbzonen und einen Single mit vielen kurzen Farbzonen. Verzwirnt entsteht folgender Farbrhythmus:

Bild

Bild

Bild

(Bildquellen)

Hier treffen je ein Single mit einer langen Farbzone jeder Farbe auf den Single mit den kurzen Zonen, bei dem jede Zone einmal dargestellt ist. Die Schemata zeigen nun noch den Unterschied, der sich ergibt, wenn man je nach dem in welcher Reihenfolge die Farbzonen untereinander versponnen wurden. Im Detail ergibt sich natürlich ein anderes Bild, der Gesamtrhythmus ist aber immer der gleiche. Dieses Detail kann im Artikel der Kitty nachvollzogen werden, dort wird es sehr ausführlich beschrieben.

Verstrickt ergeben sich nun folgende Bilder. Auch hier ist wieder der Gesamteindruck der gleiche. Im Detail, spielt die Reihenfolge der Farbwiederholungen in den Singles aber natürlich eine Rolle.

(Bildquelle)

Auf ihrem Blog zeigt Alexandra Tinsley einige Strickstücke, die mit solch einem Garn gestrickt wurden:

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(Bildquellen)

Typisch für dieses Strickbild ist die Mischung aus vollfarbigen Streifen und und Streifenabschnitte in denen das Garn aus aus zwei Farben besteht. Bei größeren Strickstücken entsteht ein Rhythmus aus diesen Zonen, der sich immer wieder in der gleichen Form wiederholt. Das Besondere ist, dass man sich nicht entscheiden muss, ob ein Strickstück ein vollfarbigen Zonenwechsel zeigt, weil man ein Verlaufsgarn nimmt, oder ob das Stück einen Wechsel von Zonen zeigt, die aus mehrfarbigen Garn bestehen. Letztes würde dann auch keinen solchen Zonenrhythmus aufweisen, wie es das fractal spinning produziert.

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5 Gedanken zu „Fractal Spinning“

  1. Danke für die ausführliche Erklärung. Ich teile meine Kammzüge immer in kleiner dünne Streifen, weil die sich leichter verspinnen lassen.
    Aus einem dicken Streifen habe ich noch nie gesponnen, ich dachte, dadurch vermischen sich die Farben zu sehr. Aber vielleicht nicht?
    Jedenfalls klingt das sehr interessant.

    LG, Christina

    1. Hi Christina,

      du meinst mit dem „Farben vermischen“, dass sie so etwas „muddy“ werden? Du hast vollkommen Recht, aber das trifft nur dann zu, wenn du predraftest…

      Dazu gibt es einen super interessanten Artikel auf dem Blog von Jacey Boggs. Sie hat die ganzen Möglichkeiten Farbverläufe zu verspinnen durchexerziert und die Spinnproben verstrickt.

      Ich hab das genau in diesem Fall nachgemacht, weil ich diesen Umstandt unlogisch fand, aber sie hat völlig Recht. Wenn du einen Strang mit Farbverlauf verspinnst ohne ihn vorher zu teilen, dann hast du 2 Möglichkeiten. 1. predrafting. Das machen die meisten und genau dann wird’s „muddy“. 2. Ohne predrafting. Dann ist das Ausziehen etwas anstrengender und nicht so smothy, aber die Farben bleiben brillianter. Du musst aber die Fasern beim Spinnen quer zum breiten Strang und s-förmig (also von rechts nach links und wieder nach rechts uws.) abziehen. Ist etwas nerviger, aber das Ergebnis ist viel schöner. Das predraften zieht eben mit den Fasern auch die Farben etwas auseinander und die Übergänge werden unscharf, weil sie sich entzerren und leicht vermischen. Tja… schwer zu erklären. Das muss man echt mal testen und das Faserverhalten beim Spinnen vergleichen. Das war für mich der totale Augenöffner, vor allem weil es keiner thematisiert bzw. glaubt, wohl weil es selten ausprobiert wird.

      Teste das mal!
      Liebe Grüße und viel Spaß:-)

      1. ja, genau das meine ich – predraften also… ja, dass passiert einem ja schnell wenn man so dahin spinnt. Werde das mal ausprobieren… ob ich das hinbekomme mit dem s-förmigen ausziehen… kling aber sehr logisch um die Farbverläufe zu erhalten.

        Und herzlich willkommen auf meinem Blog!
        Ja, ich mag mein Allrounder!
        Ich überlege, ob meine 6 jährige Tochter auch das Sonata oder das Fantasia bekommen soll, dass ist günstiger, hat einen Sliding Hook – aber lässt sich nicht verstauen – da kein Reiserad – aber auch ein Allround-Talent.
        Noch ist aber etwas Zeit – sie entdeckt gerade das Spinnen für sich – mal sehen, ob sie dranbleibt.

        Liebe Grüße und ich werde berichten!
        Christina

  2. Danke, dito 🙂

    Dein Tochter hat schon das Spinnen angefangen? Nicht schlecht, Respekt! Ich hatte es zu Weihnachten der Nichte meines Mannes gezeigt, sie hatte das mal bei mir gesehen und darauf bestanden auch eine Spindel zu bekommen. Allerdings ist sie schon mit der Handspindel ziemlich gefordert und sie ist 9… Schon witzig, früher hat in dem Alter jedes Mädchen spinnen können.
    Warum kein Kinderspinnrad? Ich hab erst letztens ein altes als Dachbodenfund übereignet bekommen. Ok, das muss restauriert werden. Aber das Prinzip find ich klasse: abgestimmt auf die Kindergröße. Die Alten kann man auch total easy in ihre Einzelteile zerlegen. Wäre kein Holzwurm drin, wäre das Teil echt genial.

    Liebe Grüße!

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