Neue Spindeln und ein altes Buch

Foto 5-8Die Spindelsammlung wächst und wächst.

Ich habe schon ein paar mal von der Drechselwerkstatt der Familie Matthes geschrieben. Sie machen wirklich wunderschöne Handspindeln aus Edelhölzern in reiner Handarbeit. In den letzten Jahren ist ihr Sortiment um einiges größer geworden, so waren diesmal in meiner Bestellung eine russische Orenburgspindel und supported Schälchen. Es ist wirklich eine große Freude, so einerseits unterschiedliche Spindeltypen zu testen und zu sammeln und gleichzeitig wunderschöne Einzelstücke zu erhalten, die in reiner Handarbeit entstanden. Letzteres ist mir inzwischen zu einem echten Anliegen geworden und ich ziehe sie jeder industriell gefertigten Arbeit vor.

Meine diesjährigen Wunschspindeln sind Tiefwirtelspindeln gewesen. Ich kann mich nach wie vor nicht entscheiden, welcher  Spindeltyp mir der liebste ist. Ich stelle fest, dass ich den Spindeltyp immer mehr nach der Faser aussuche. Die Faser bestimmt die Technik und diese bestimmt den Typ, das Gewicht und den Wirteldurchmesser. Also ist es gut, von jeder Sorte die wichtigsten Gewichte daheim zu haben, oder? Ich denke das ist wohl eher ein Alibi für meinen Sammeltrieb in Sachen Spindeln. 😉 (Rosenholz und Osage Orange, 28g, 29 cm; Thula Maser und Bubinga Pummele, 27g, 29 cm; Myrte Maser Schälchen)

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Für meine leichten Tiefwirtelspindeln habe ich mir noch ein Schälchen bestellt, um mir keine Sorgen über das Gewicht machen zu müssen. Es gibt zwar superleichte Lacespindeln mit nur 10g, aber ich ziehe es vor, etwas mehr in der Hand zu haben, so 25-30 g finde ich angenehm. Das hält aber – wenn schon etwas Lauflänge aufgewickelt ist – ein dünner unterdrehter Faden irgendwann nicht mehr aus. Dafür gibt es nun das Schälchen.

Dazu gab es eine Kreuzspindel aus wunderschön gemaserten Holz. Bei dieser Spindel ist die Handarbeit besonders schön gelungen. Die einzelnen Kreuzarme passen perfekt ineinander und sind glatt und rundgeschliffen. (Brown Mallee und Makasser Ebenholz, 24g, 18 cm)

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Zuletzt wünschte ich mir schon länger eine echte russische Spindel. Die Orenburg sieht nicht nur schön aus, sie ist auch wahnsinnig schnell und läuft wie eine 1. Wer schnell ausziehen kann (langer Auszug) und dünne lange Lauflängen spinnen möchte, der ist hier wohl richtig. Ich beherrsche diese Technik noch nicht. Noch:-) Jetzt kann und werde ich Üben! (Makassar Ebenholz und Padouk im Schälchen, 52g, 29cm lang)

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91DJib1zvQL._SL1500_Es gibt noch einige andere Techniken, die ich gerne auf der Handspindeln beherrschen möchte. Dazu habe ich dieses etwas ältere Buch ausfindig gemacht und bestellt: High Whorling von Priscilla A. Gibson-Roberts. Es gibt eine neuere Version von diesem Buch: Spinnig in the old Way. Es ist im Prinzip eine Neuauflage, denn inhaltlich unterscheidet sich das neue Buch kaum, so schildern es Reviews auf Foren und in Online-Shops. Ich fand eben das etwas ältere recht günstig und ich bevorzuge Hardcover, das waren die einzigen Gründe warum ich dieses und nicht das andere kaufte. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Die Autorin interessiert sich sehr für die Techniken von normadisch (denn diese nutzten bis heute die Handspindel) lebender Völker der ganzen Erde und erforscht sie anhand von Bilddokumenten und durch Ausprobieren. Vieles in dem Buch beschreibt die Grundlagen, aber sie unterscheidet sehr analytisch zwischen den unterschiedlichen Auszügen und ihr Ergebnis. So beschreibt sie z.B. auch welche Auswirkung es hat eine glattes Garn von einem „fold“ zu spinnen, anstatt die Fasern einfach vom Band abzuziehen.51CjhR3pD2L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX278_SY278_PIkin4,BottomRight,1,22_AA300_SH20_OU03_ Die Folge ist, dass ALLE Faserenden in einer Richtung liegen und nicht das eine Ende in die eine Richtung und das andere Ende in die andere Richtung. Bei Fasern wie Angora, wo gerne die Enden frei werden ist das sicherlich eine tolle Sache und ermöglicht einen noch perfekteren Eindruck von Garn. Auch kurzfaserige Materialien lassen sich so hervorragend glatt verspinnen.  Sie unterscheidet auch zwischen „draw“ und „draft“. Somit werden die Handgriffe und die Armbewegung von einander getrennt betrachtet, was das Spektrum der Technik erweitert. Zuletzt hatte ich noch einen Aha-Effekt. Da ich ja keine echte Strickerin bin, hatte ich mich zwar gewundert, aber nicht weiter darüber nachgedacht: Die Zwirnrichtung im Garn ist wichtig für das Stricken und unterschiedet sich von der in Garnen, die verhäkelt werden soll. Der S-Drall öffnet sich nicht während dem Stricken durch die Nadelbewegung und der Z-Drall nicht beim Häkeln. Sehr cool, dass ich das Problem endlich gecheckt habe 🙂

Ach ja, das Buch ist auf englisch, und nicht ganz so leicht geschrieben. Aber dafür gibt es ja Wörterbücher;-)

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3 Gedanken zu „Neue Spindeln und ein altes Buch“

  1. ja, ja, das kenne ich so gut. Der Sammeltrieb.
    Ich kann mich auch nicht für eine Spindelsorte entscheiden, wobei ich recht wenig mit Spindeln spinne, bei mir ist es oft die Kleidung, trage ich Röcke, nehme ich lieber die Kreuzspinden oder die Fallspindel, trage ich Hosen, gerne die Kopfspindel, dann kann ich sie am Hosenbein gut anschieben.

    Wunderschöne Exemplare hast du dir bestellt.

    LG Tina

    1. Uh, ich glaube, ich habe deinen Kommentar nicht beantwortet, bitte entschuldige.

      Vielen Dank! Das Sammeln hat echt Suchtpotential, die vielen tollen Hölzer verleiten ganz schön:-)
      Das mit der Kleidung ist wirklich ein Punkt. Wobei ich festgestellt habe, dass ich die Kopfspindeln auch gerne mal per Hand antreibe, irgendwie eine Gewohnheit. Hast du dein Glück mal mit den Russischen Spindeln versucht? Noch habe ich nicht heran gewagt, das ist so eine ungewohnte Technik…

      Liebe Grüße, Kathrin.

      1. ach, kein Problem ♥
        nein russische Spindeln sind irgendwie nicht meins, keine Ahnung warum aber da bin ich zu blöd zu.

        Macht aber gar nichts, so fange ich wenigstens nicht auch noch an die zu sammeln ♥

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