Angora vom Hobbyzüchter – Kardieren

Angora ist eine Premiumfaser
Sie kann nicht schöner, flauschiger und weicher sein. Ein Traum im Garn. Doch wie kann ich sie als Spinner verarbeiten?
Das einfachste ist es eine fertige Mischung mit Angoraanteil zu spinnen. Bei einer Mischung von Angora und Schafwolle oder Seide sind die Hürden recht gering. Das Angora ist in eine lange glatte Faser eingebettet, mit der der Umgang gewohnt ist.

Soll Angora jedoch pur versponnen werden, wird es etwas schwieriger. Jetzt kommt es auch die Faserlänge an. Stammt das Angora vom den bekannten Wolllieferanten, so erfolgte zuvor ein optimaler Schnitt und eine perfekte Faservorbereitung, d.h. feine Kammzüge mit langen geschnittenen Haaren. Wie man diese am besten spinnt zeige ich euch ein andermal.

Fasern vom Hobbyhalter
Mir geht es heute um einen anderen Fall: Angorahase von Hobbyhalter um die Ecke, die erst selbst auf das Spinnen vorbereitet werden muss. Übrigens seht hier kein Angora, sondern ein Teddykaninchen, dessen Fasern sich ebenso verspinnen lassen…

1024px-Wassernapf_Water_cupIch nehme solche Fasern sehr gerne, denn ist ein Geschenk der Natur ohne große Lieferwege und ethischen Problemen. Ich habe ein paar Hasen im Umfeld, die mit Liebe versorgt werden, die ich selbst besuchen kann und die einfach regelmäßig geschnitten werden müssen. So oder so, fällt die Wolle an und die dann weg zu werfen ist für mich ein Frevel. Also freue mich über die Fasern und der Halter, darüber, dass er ein wenig Wertschätzung für das Produkt seiner Tierchen bekommt. Win Win!

rohangoraDoch hier ist die Faser nicht perfekt vorbereitet. Links seht hier meine Beute 😉 Oben liegt blaues Angora (links) und wildfarbenes (rechts) und unten Teddyfasern (links) und weißes Angora (rechts), so wie ihr es wahrscheinlich am ehesten bekommt. Doch was sind nun die Schwierigkeiten: Die Fasern sind schon einmal nicht perfekt geschnitten. Die Hasen wurden geschnitten, als sie den Schnitt nötig hatten und nicht dann, wenn die Faser für uns Spinner die optimale Länge hat. Der Halter ist auch kein Spinnexperte und achtet beim Schneiden seinerseits nichts auf den perfekten Schnitt, denn die Wolle muss runter und Hase soll wenig Stress haben, so ihre Aussage, die ich gut verstehen kann. Eine Ausnahme sind solche Halter, die auch Spinner sind oder sich auf das Fasergeschäft fokussiert habe. Die gibt es, aber in der Mehrheit trifft das bestimmt nicht zu. Wir Spinner müssen also mit dem umgehen, was wir haben. Und ich persönlich bin der Meinung, wir sollten das auch. Lieber etwas mehr Anpassung lernen, als die Wolle in die Tonne wandern zu lassen, wenn man schon die Fasern mit maximaler Transparenz vor der Türe hat.

Und so kann das aussehen

220px-Teddyzwerg

Zum einen gibt es wahnsinnig schöne Naturtöne bei den Angoras. Der reinweise Hase ist ein Albinohase und natürlich für die industrielle Garnproduktion interessant, da weiß gefärbt werden kann. Mir haben es die naturfarben  Hasen angetan, wie blaue (dunkles grau), gelbe, rote, wildfarbe und Satinangoras. Daneben gibt es auch Teddykaninchen (Bild rechts), ein Hase, der langhaarig ist, aber anders als die Angora einen Fellwechsel haben und nicht geschoren werden müssten.  Allerdings bekam der Teddy meiner Zulieferin auch einen Frühjahrsschnitt. Gefühlt finde ich wenig Unterschied zum Angora, vielleicht etwas weniger glatt.

AngoraschnittDer Schnitt kann so aussehen: Hier findet sich Haare in voller Länge zum Schnittzeitpunkt. In diesem Fall waren das etwa 5 cm. Also keine Klasse 1. Und es finden sich kurze „Verschnitte“, wenn die Schere zweimal angesetzt wurde. Letzteres sortiere ich, wenn möglich, noch vor dem kardieren heraus. Nicht perfekt, aber trotzdem wertvoll.

Optimal wäre ein sauberer Schnitt, sowie ein Schnitt zu einem Zeitpunkt, dass das Haar besonders lange ist.

Ein weiteres „Problem“ ist, dass die Fasern an der Schnittkante leicht zusammen heften können. Das sind die Zonen des Haares, die direkt an der Haut des Tieres sitzen. Diese Fasern müssen vor dem Kardieren gezupft werden. Das ist kein wirkliches Problem, denn es ist kein Filz, sondern nur eine Frage des Lockerns, ähnlich dem Picken bei den Schafsfasern. Ich denke, das ließe sich bei der Haltung auch vermeiden – ich habe schon Qualitäten ohne diesen Problemchen gesehen –  doch das kann mir sicher nur ein „Angoraexperte“ beantworten. Schreibt doch in die Kommentare, wenn ich mir das beantwortet könnt 🙂

Ein neues Kardiergerät

KardiergerätfeinNun habe ich die ganze Zeit von Kardieren gesprochen. Leider kann ich die Fasern nicht so ohne weiteres zuhause Kämmen. Ich besitze englische Kämme und dafür sind meine Angorafasern zu kurz. Hier hat das maschinelle Kämmen nach dem Kardieren einen Vorteil. Somit entfallen reine Kammgarne für mich. Bleiben nur Streich- und Halbkammgarne, welche ich aus Vliesen herstellen  kann. Doch die Bandbreite ist immer noch groß.
Im Winter bei mir ein zweites Kardiergerät ein: ein Ashford Drumcarder mit superfeiner Benadelung: 120 Nadeln pro Quartratzoll – die Maximalbenadelung. Wer meinen Beitrag zum schlaufenfreien Kardieren kennt, weiß, dass ich in Sachen Vliesen so einen Tick habe. So eignet sich eine feine Benadelung nicht nur für Angora, sondern auch Seide und sehr feinen Merinofasern, Kamelfasern, Ramie, oder Sojafasern. Ein Traum 😉

IMG_3204

Trotzdem braucht es Geduld, denn um alle Fasern zu mischen, brauche ich mindestens 4 Durchgänge. 3 Durchgänge braucht das Vorvlies und einen weiteren Durchgang (oder mehr) für die Farbmischung.

Erst ein Vorvlies

Dazu mische ich gezupfte Angorafasern mit Schafsfasern (z.B. Merino, 21 mic) 50:50. Ich zupfe zunächst erst eine Lage Schaf sehr fein und kardiere die erste Lage auf. Dabei achte ich sehr drauf, dass die Fasern sehr dünn aufgelockert sind.

Nach der ersten Lage beginne ich mit dem Angora. Dieses zupfe ich eben so fein (linkes Bild) auf und platziere darauf eine feine Lage Schaf (rechtes Bild). Das reduziert die Menge and Angora, die auf der kleinen Trommel landet. Das kann leicht passieren, denn Angora liebt es zu fliegen 😉

Kardiere ich reines Angora oder zuviel Angora auf einmal, sieht das so aus:

Ich kardiere also mehrere Schichten auf die große Trommel. Nach dem ersten Durchgang (linkes Bild) kann man gut sehen, dass die Angorafasern noch Cluster bilden und nicht gerade im Vlies liegen. Das ist der Grund, warum ich dieses Vlies noch 2-3 mal kardiere. Das homogenisiert die Mischung (rechtes Bild). Erst dann mische ich die bunten Fasern ein.

 

Ich kardiere also das Vorvlies noch mal, zusammen mit anderen Fasern in einer Mischung 50:50. Hier war es Merino und Seide.

 

Dazu zupfe ich wieder alle Fasern super dünn und wende das Sandwich auch bei Seide (linkes Bild) und beim Einkardieren des Vorvlieses (rechtes Bild) an. Und ich kardiere immer seeeehhr langsam…

Und danach sieht das Ergebnis so aus:


Ein Merino-Seidenvlies mit 25% Angora. Die Fasern sind garantiert schlaufenfrei 🙂 ABER: Es finden sich immer noch kleine Cluster Angora. Sie sind zwar gut verteilt und es sind keine Klümpchen, aber dennoch ist es nicht zu 100% homogen. Es gibt Stellen mit etwas mehr Angora als an anderen Stellen. Das liegt einfach an der Faserlänge und der Feinheit. Anders wäre es mit einem Angorakammzug vom Wolllieferanten. Hier haben wir aber auch einen höheren Faserpreis (10€+ /100g) und weniger Bezug zur Faser… Diese Wahl muss jeder selbst treffen.

Solltet ihr jedoch Fasern vom Hasen um die Ecke bekommen können, so hoffe ich, dass ich euch bei der Weiterverarbeitung helfen konnte.

Wenn ihr Tipps und Tricks kennt, dann schreibt mir doch. Ich wäre sehr gespannt, wie ihr reines Rohangora kardiert. Die nächsten Male schreibe ich euch von Angora im Kammzug, der ist nämlich schon auf dem Weg zu mir. Und ich schreibe euch von einem Versuch, Wildangora mit dem Kardierbrett in Garn zu mischen. Hier geht es dann um das Spinnen mir zwei Spinntechniken abwechselnd.

Mein Fazit zum Hasen um die Ecke

Geduld, Geduld, Geduld. Aber Die Geduld lohnt sich für mich als Spinner, für den Hasen und seinen Halter, denn die Faser wird genutzt und wertgeschätzt!

Grünhase

 

Advertisements

3 Gedanken zu „Angora vom Hobbyzüchter – Kardieren“

  1. hi, der Bericht über Angora vom Hobbyzüchtern ist hervorragend und interessant geschrieben, auch die Aufnahmen sehr gut. Man könnte immer so weiter lesen und sich inspirieren lassen. Dies gilt auch für die Bücherecke.
    Bin auf den nächsten Bericht gespannt.

  2. Grias di….
    Sehr interessant der Bericht.
    Ich bin selber stolzer Besitzer von Angora Hasen, habe mittlerweile 18 Stück.
    Auch ich spinne die Wolle und habe genau die gleiche Kadiermaschiene.
    Mein Spinnrad ist auch von Ashford.
    Kann dir nur in jeder Weise zustimmen, Geduld, Geduld.
    Ich habe 3 Monate nur mit Schafwolle gesponnen, dann mit Alpaka geübt, bis ich mich über die Angorawolle gewagt habe.
    Meine „Spinnmeisterin“ eine alte „Spinnerin“ hat zu mir gesagt:“ Erst wenn du Angorawolle spinnen kannst, dann bist du Meister, denn Angorwolle ist die Königs-Disziplin beim Spinnen!“
    Ich spinne jetzt nur mehr reine Angorawolle, keine Mischung.
    Meine Hasen werden alle 3 Monate mit der Schere geschoren, da ist die “ Wolle“ lang genug (ca 6cm) und für den Hasen noch angenehm. Mir gefallen auch die Wildfarben mehr als nur die „rein weißen“.
    Auch meine Kundschaften wollen die Wildfarben (grau, schwarz, braun,..) lieber

    Danke das du mit deinen Berichten die Leute wieder hinführst zur traditionellen Wollgewinnung…
    Mach weiter so…
    lg Eva-Maria

    1. Hey, liebe Eva-Maria,
      das klingt spannend, was du schreibst. Ja, reines Angora ist schon ein Genre für sich. Auch die Weiterverabeitung von Angora-Garn ist speziell. Ich würde gerne mehr erfahren, von deinen Häschen und Spinnerfahrung. Hast du eine Webseite oder Blog?

      Liebe Grüße, Käthe:-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s