Angora vom Hobbyzüchter: Spinnen und Stricken

Heute gibt es eine Fortsetzung zum Angora vom Hobbyzüchter. Das letzte Mal hatte ich euch die Faser gezeigt, die ich vom Hobbyzüchter bekommen hatte und wie ich sie zu Batts verarbeiten konnte.

Diesmal zeige ich euch mein Test dieser Fasern in Rolags. Die habe ich dann auch versponnen und verstrickt. Und ich bin wirklich überrascht. Zwischenzeitlich hatte ich meine Zweifel, zu Garn und strickbarkeit. Doch jetzt bin ich hin und weg. Ein Träumchen….

Aber von Anfang an: zuerst hatte ich die rohen Fasern auf dem Blendingboard einkassiert. Die Mischung war Merinofasern (pastellgelb), weiße reine Seide und die Hasenfasern in wild (helles naturgrau). Alle drei Faseranteile hatte ich gleichmäßig auf dem Brett verteilt. Doch die fliegenden, leichten Fasern machen es nicht sehr leicht auf dem Kardierbrett eine homogene Mischung herzustellen. Dazu ist das Drumcarder doch etwas besser geeignet, da sich die Batts mehrfach kardieren lassen. Beim Blendingboard ist ja nur ein Durchgang möglich – es ist eben nur zum Mischen gedacht.

IMG_5803Es kamen also folgende Rolags dabei heraus: Die Faseranteile waren gut verteilt, aber dennoch nicht 100% homogen. Es gab Stellen mit mehr oder weniger Fasern der jeweiligen Sorte. Genauer ist das zu sehen, wenn die Rolags zum Vorgarn gezogen sind.

Das wanderte auf die Spule. Sehr fein verspinnen und zu einem 3-ply-Garn via Navajozwirnen weiterverarbeitet. Beim Spinnen war es etwas tricky. Dadurch, das es Stellen gab mit mehr Merino-Seide, Stellen mit Merino-Hase und Stellen mir überwiegend nur Hase konnte ich nicht durchgehen den gleichen Auszug verwenden. Seidenfasern ist wesentlich länger als die Angorafasern und brauchen deshalb eine andere Handhabung. Also verspinnte ich alle Stellen mit überwiegend Merino-Seide mit dem kurzen Auszug. Wenn aber der Hase in den Vordergrund trat oder stellenweise sogar pur vorlag musste ich zu einer Mischform wechseln, die am ehesten an das Baumwollspinnen erinnert.

IMG_5804Ich kann dieses Spinnen nicht den langen Auszug nennen, denn das war es streng genommen nicht. Die lange Armbewegung und das schnelle Ausziehen nach hinten machte ich nicht. Aber ich ließ etwas Drall ansammeln und nutzte diese Drallmenge dazu, die Hasenfasern von selbst aus dem Vorgarn heraus ziehen zu lasse ohne dass ich einen klassischen Vorwärt- oder Rückwärtauszug machte. Ich lies meine zweite Hand, die sonst beim kurzen Auszug benutze, wegfallen und zog wie beim langen Auszug, die Faserhand leicht nach hinten, damit der Drall die Hasenfasern verdrehen konnte. Nur war die Strecke, die die Faserhand zurücklegte sehr kurz. Ich hatte also ein freies Faserdreieck und nur eine Hand am Start – wie beim langen Auszug aber eine Spinnstrecke wie beim kurzen Auszug. Die Hasenfasern sind in diesem Faden wenig elastisch und ihre Enden stehen wie bei einer Flaschenbürste von Faden weg und machten ihn sofort flauschig. Und natürlich brauchte es gut Drall. Da aber auch Seide Drall gebrauchen kann, blieb der Faden überall gleich energetisiert.
In diesem Faden gab es also Stellen mit viel oder nur Hase und Stellen ganz ohne. Durch das 3-fach-Zwirnen verteilten sich diese Stellen homogener im Garn und es trafen immer solche Stellen auf Abschnitte mit einer anderen Fasermischung. So war das Garn dann überall gleich elastisch und bestand niemals nur aus Hase. Das war mir wichtig, denn ich wollte ja ein Garn, mit einer Hasen-Wollmischung.

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Das Spinnen dauerte etwas länger 😉 auf 50g kamen dann 150 Laufmeter als 3-ply. Das klingt nicht so viel, aber es dauerte wirklich. Denn die Mischung ließ sich nicht eben schnell ohne hinzusehen durch spinnen. Immer wieder wechselte die Mischung ihre Faseranteile und damit mein Auszug…

Bildschirmfoto 2016-04-05 um 13.02.59Und dann ging es ans Stricken, ich war wirklich sehr gespannt, wie sich die Fasermischung  in der Fläche entwickelt. Das war der Punkt an dem ich noch sehr skeptisch war. Hier mal Hase, da mal weniger… ich wusste wirklich nicht, was ich davon halten sollte. Auch die Lauflänge hatte ich unterschätzt. Also nahm ich ein Strickmuster für Baby, das genau 150m benötigt. Und schon nach den ersten Reihen war ich sehr überrascht. Es strickte sich super leicht und angenehm und die Seide entwickelte einen schönen Glanz. Auch Aufribbeln war recht einfach möglich sollte aber nicht so oft an der gleichen Stelle passieren, da der Hase das nicht so cool findet. Aber 1,2 mal ist überhaupt kein Problem. Als ich dann in der Mitte der Strickerei ankam, konnte ich schon sehen, was der Hase in der Fläche macht: es bildeten sich hier und da Streifen (Reihen) mit mehr Angora und erzeugten ein pastelgelb-hellgraues meliertes Bild. Und die freien Angorafasern waren wie eine weiche, seidige Wolke. Das Gefühl auf der Haut ist ein Traum. So weich… ❤

Und nun habe ich noch immer die Hälfte der Lauflänge übrig…

Das Strickmuster heißt übrigens RIA und ist auf Ravelry zu finden.

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6 Gedanken zu „Angora vom Hobbyzüchter: Spinnen und Stricken“

  1. Toll!! Vielen Dank für den Bericht!!
    Ich hatte meine Batts vom Grünhasen ja an der Spindel angefangen (und werd das da auch beenden), weil ich das Gefühl habe, da mehr Kontrolle zu haben. Meine Spinnprobe hab ich allerdings nur 2fach verzwirnt.
    Interessant finde ich, dass Du die Rolags zu Vorgarn ausziehst, bevor Du sie spinnst. Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Worin liegt da genau der Vorteil?

    Und darf ich neugierig nach den technischen Daten des Garns fragen? auf wieviel WPI bist du gekommen? Mit welchen Übersetzungen hast Du gesponnen und dann verzwirnt? Wieviel TPI hat das verzwirnte Garn (wenn man das so genau bestimmen kann) / welchen Winkel?

    Nicht, dass ich das jemals nachspinnen könnte… 🙂

    Liebe Grüße aus Berlin

    1. Hallo Kathrin,

      Ja, ich ziehe Rolags immer zu einem Vorgarn aus, denn so wird der Auszug bei mir viel gleichmäßiger und ich hab viel mehr Luft zwischen den losen Fasern. Ich denke aber, das ist Geschmacksache. Probiere es mal aus!

      Die Daten: 150lm/50g, 20WPI, 11TPI. Winkelmesser habe ich gerade nicht zur Hand, den muss ich dir nachliefern, aber er ist recht spitz für meine Verhältnisse. Ich mag viel TPI recht gerne.

      Liebe Grüße nach Berlin.

      1. O vielen Dank!
        Mein Garn sieht (an einer repräsentativen Stelle *hust*) so aus: 2ply, 25m/5g, 20 – 25 WPI (ist nicht ganz so gleichmäßig geworden), 10 TPI, ca 50-60° (ich kann das immer nur sehr schlecht erkennen). Was mir das alles sagt, weiss ich nicht so genau…aber flauschig ist es 🙂

  2. Haha, du bist gut 🙂
    Aber dann bist du auch ganz schön fein unterwegs. Den Winkel hast du dann aber von oben gemessen – also das größere Segment von Halbkreis? Ich messe anders herum, also das kleinere Segment, so komme ich auf einen spitzen Winkel. Aber interessant: mein Winkel wird trotzdem noch spitzer sein (ich schätze etwas weniger als 30°) und das bei 3-ply (da steigt der Winkel immer, da ja ein Faden mehr dabei ist)…
    Wichtig ist aber, dass du gut damit stricken kannst. Schon ne Planung, was draus wird?

    1. Also ich hab so eine Schablone von Chantimanou, da ist eine horizontale Linie und eine vertikale Linie, und rechts und links von der vertikalen sind dann in 10°-Schritten die Winkel aufgemalt für S und für Z. ich lege den Faden immer auf die 90°-Linie und verschiebe ihn nach rechts oder links, Je nachdem, was für eine Drallrichtung ich hab. Ich schiebe, bis die Grube zwischen zwei Fäden eine Winkellinie genau verlängert (wenn man das erkennen kann) und nehme dann die Zahl, die an der Linie steht… da gibt es nur eine.
      Aber siehste, dass der Winkel anders sein muß, wenn mehr Fäden verzwirnt werden, darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich bin ja auch noch nicht zuende mit meiner Überlegung zu „ausgeglichen“, „overspun and underplied“ bzw. „underspun and overplied“. Schwierige Kiste für meinen Kopf.
      Was draus wird? Erst mal ein Probestück. Immerhin sind noch 150g mit der Spindel zu spinnen, und daneben hab ich noch meine schönen Schätze aus Leipzig mit anderen Fasern angesponnen…es wird wohl noch ne Wiele dauern. Aber dann…ein tolles Tuch!!

      1. Hallo Kathrin,

        du hast Recht, ich habe gestern bei älteren Projekten gesehen, dass ich es auch so herum gemacht hatte. Eigentlich ist es egal, die Aussage bleibt ja die gleiche… Aber wenn alle es so machen, schließe ich mich an 😉
        Ja, der Winkel verändert sich bei mehr Fäden, aber nur, wenn der Spinn- u. Zwirndrall der gleiche ist wie im Vergleichsfaden. Du kannst das gut mit sehr dicken Fäden sehen. Da fällt es mehr auf.
        Mach dir keinen Stress damit. Wichtig ist, dass das Garn am Ende balanciert ist und so aussieht, wie du es gerne haben möchtest.

        Liebe Grüße!

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