Locken ohne Ende…

Gerade eben war ich etwas auf Facebook in der Spinngruppe stöbern und bin über handgefärbte Locken gestoßen, die mit der Frage gepostet wurden, wie man die denn verspinnen kann, dass die Löckchen dabei schön zu sehen sind.

Ich dachte ich antworte mal schnell darauf und dann erinnerte ich mich an ein Garn, dass ich vor Jahren mal machte… also flott ins Fotoarchiv und Bild rausgezogen. Dabei bemerkte ich, dass ich immer wieder Lockengarne fotografiert hatte, die ich schon völlig vergessen hatte, also schob ich immer noch ein Bild in den Antwort-Thread bis ich bemerkte, dass es ganz schon viele werden…Ähm, sorry an dieser Stelle…

Also schreibe ich jetzt mal flott einen Post und suche mal alle meine Lockengarne raus und zeige euch die unterschiedlichen Methoden, die ich ausprobiert hatte…

Meine Fazit vorweg:

IMG_0933Die Locken sollten vor dem Spinnen sorgfältig vorbereitet werden. Wie immer ist Faservorbereitung die halbe Miete. Die häufigste Vorbereitung bei mir ist das Trennen der Locken aus dem Verbund zu Einzelnen. Das macht man am besten indem man die Locken von den Spitzen nach oben zu den Schnittenden auseinander zieht / abzieht. Anders herum Ziehen zerstört die Lockenform!

Danach öffne ich die Schnittenden mit der Flickkarde vollkommen auf, dass die Fasern super fuffly liegen und alle kürzeren Haare raus gekämmt sein. Denn die geben nur eine Verdickung beim Einspinnen.

In meine Shop biete ich meine handgefärbten  Locken nur so fertig vorbereitet an, das sieht dann so aus:

 

IMG_0934Bei einige Methoden, kann man Locken auch direkt aus dem Vlies oder aus der Flocke spinnen. Darunter fallen Methode 1, 2, und 7 (Magic Thumb). In gewässerweise auch Methode 8, denn beim Kardieren, werden die Locken auch geöffnet. Dennoch würde ich sie in letzten Fall vorher Picken, sonst ist es kein Vergnügen für das Kardiergerät und die Langlebigkeit seines Belages.

Methode 1: Corespinning ohne „Fertigcore“.

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Mit „Fertigcore“ meine ich das Umspinnen eines fertigen Garnes, dass als stabiler Kern fungiert. Das ist der normale Weg des Corespinnings und auch ziemlich praktisch, wenn man ein reißfestes Garn haben will. In diesen Fall aber, soll das Lockengarn als Single verbleiben. Also strebe ich einen Single mit möglichst wenig Drall an, sodass er nicht überdrallt ist und nicht überbadet werden muss. Ich löse das immer mit den „coreless“ Corespinning, wobei ich während dem Spinnen der Locken noch weitere Fasern (meist günstigere Naturfarbene Fasern um nicht die Edelfasern zu verschwenden) mitlaufen lasse und daraus den Core spinne. Ich spinne also 2 Dinge auf einmal: den Core mit „günstigen“, am besten krauseren Fasern (da haften die anderen Fasern darauf besser) und dann spinne ich die Oberfläche mit den Locken oben auf. Bei den Locken zupfe ich die Schnittenden zuvor mit der Flickkarde auf, die Lockenenden bleiben aber intakt. Die Locken werden dann mit den geflufften Schnittenden voran an den Core gehaftet und nach einander auf den Core gesponnen. Das der Core gleichzeitig gesponnen wird hat einen Vorteil: er ist dünner als das komplette Garn und verträgt dadurch mehr Drall als das dickere Komplettgarn auf die gleiche Strecke (Drall sammelt sich ja immer an der dünnsten Stelle). So verhindere ich das Überdrallen. Außerdem bieten die ausgesponnene Faserlage noch Widerstand gegen den Core-Drall und wirken ein wenig drallneutralisierend?

Methode 2: Corespinning mit Spiralply

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Ein vielleicht einfacherer Weg ist das normale Corespinning mit einem dünnen reißfesten Fertiggarn als Core (z.B.: ein Baumwollhäkelgarn für Gardinen). Die Locken werden ebenfalls zuvor einzeln mit der Flickkarde an den Schnittenden geöffnet und dann an den Kern angehaftet und aufgesponnten.

Wichtig ist hierbei der Faserwinkel von fast 90°!

Der Single wird überdrallt werden, aber das macht nichts. Der Drall wird im nächsten Schritt mit dem Zwirnen wieder heraus geholt. Ich zwirne dabei gerne mit einem sehr dünnen Nähgarn, Seidengarn oder Glitzergarn. Das nimmt kaum Einfluss auf die Locken und bleibt dezent im Hintergrund der Garnoberfläche. Spiralply funktioniert indem man die zu verzwirnenden Fäden mit einem Tick unterschiedlicher Fadenspannung hält und den Winkel zueinander leicht variiert: das Nähgarn hat etwas mehr Spannung und der Lockenfaden in einem etwas größeren Winkel als sonst abgewendet. So wird der Lockensingle zu einer schönen Spirale.

 
Durch das Zwirnen gehen die Locken wieder schön auf und bekommen Weichheit und Volumen. Damit hier der Core nicht hervor blitzt wurde zuvor beim corespinnen der Winkel von fast 90° beibehalten, ansonsten befinden sich zu wenig Locken pro Fadenabschnitt an Ort und Stelle und können nach den Auffluffen im Zwirnprozess den Core nicht vollständig bedecken.

bildschirmfoto-2016-11-11-um-14-03-34Weitere Möglichkeiten: Du hast noch super viele andere Gestaltungsmöglichkeiten. Du kannst Perlen auf den Zwirnsfaden fädeln, du kannst während dem Corespinning Cocoons oder anderen Effekte aufspinnen – das geht übrigens auch während dem Zwirnschritt – oder du kannst Beilaufgarne in beiden Schritten mitlaufen lassen. (Dieses Garn ist übrigens aus der Flocke von Heidschnuckenlocken gesponnen.)

Methode 3: Eine Locke nach der anderen.

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Du kannst auch einen Singlefaden spinnen, indem du eine Locke nach der andern hintereinander reihst und verdrehst. Öffne wieder die Schnittenden aller Locken mit der Flickkarde und dann spinnst du die Locken aneinander indem du die Locken Spitzen nach oben (also zum Einzugsloch hin) hälst. Du setzt eine Locke nach der andern an und überlabbst aber die Lockenspitzen so dass ein Teil frei stehen bleibt. Die aufgeflufften Enden verdrehen sich gut und ergeben ein festes Garn.

 

Besonders Locken mit mehr Lanolin eigenen sich gut. Das Lanolin kannst du nach dem Spinnen beim Baden heraus waschen. Der Single muss noch verzwirnt werden, dazu verwende ich gerne wieder die spiralply-Methode.

Kleine Alternative: Bei kurzen Locken kannst du zusätzliche Fasern ohne Locken der gleichen Farbe hinzunehmen um die Fadenbasis zu spinnen in die die Locken, wie oben beschrieben, eingesetzt werden.

Methode 4: Tailspinning.

Orangevio10Das Tailspinning ist für besonders lange und / oder glatte Locken sehr gut geeignet. Hier werden die geöffneten Lockenenden nacheinander gereiht versponnen. Das kann man mit Methode 3 aber auch mit Methode 1 machen. Nur das Verzwirnen sollte man sich schenken, denn die langen Locken verheddern sich gerne im Einzugsloch/Öse oder in den Haken / Öse des Flügels. Einmal reicht da wirklich… Bei diesem Garn habe ich noch mal eine andere Technik-Kombi verwendet:

 

Methode 5: Simple Coreless mit einzelnen Tails

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Ich habe ein normales coreless Coreyarn wie in Methode 1 gesponnen – ohne Locken. Ganz normal, mit Merinokammzug in ausgewählten Farben, die zu den Lockenverläufen passen. Dann habe ich während dessen in regelmäßigen Abständen die langen Locken eingesponnen und mit dem Fasern für die Garnoberfläche zusätzlich fixiert/geankert. So sitzen die Locken bombenfest im Garn, denn Wensleydale ist glatt und rutscht gerne.

Für Kontrollfreaks: Der Grund, warum ich das machte war, dass ich meiner Kundin ein stressfreies Stricken ermöglichen wollte. Locken können in den Stricknadeln verheddern, Aufribbeln wird eine Nervenfrage und das Maschenbild wird heterogen. Das ist was für Strick-Freestyler. Als habe ich ein ganz glattes Kerngarn gesponnen, das all den Stress nicht mitbringt: es ist stabil, rutsch beim Aufribbeln gut auf und bietet ein gleichmäßiges und definiertes Maschenbild. Die Lockenteils habe ich in einem Abstand eingesponnen, dass sie ungefähr bei jeder 3. -4. Masche aufsitzen. Das ist ja zu kalkulieren. Die Garnstärke führt zur Nadelstärke und die zur Garnstrecke, die eine Masche in etwa benötigt um sich zu bilden. So tauchen die Locken in regelmäßigen Abständen auf und die Lockenoberfläche im fertigen Strickbild ist gleichmäßig.

Achtung: Wer beim Spinnen in Maschen kalkuliert, sollte wissen ob das Garn zum Stricken oder Häkeln verwendet wird. 1. dementsprechend sollte die Spinnrichtung angepasst werden, spinnt man Singlegarne!!! 2. Häkelmaschen nötigen mehr Lauflänge/Masche als Strickmaschen. Die Lockenabstände sollten bei Häkelgarnen also größer sein. Außerdem sollten die Locken nicht bei jeder Masche auftauchen, da sie sonst eine zu dicke Oberfläche bilden und die Lauflänge des Garnen stark reduzieren. Ein Strickstück hat ja viele Reihen übereinander, die genug Locken überlagern werden, dass es eine tierisch schöne Oberfläche ergibt.

Methode 6: Supercoils mit Locken.

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Du kannst auch Superdröhnung an Locken produzieren. Du spinnst nach Methode 2 einen Lockensingle mit Kern, der stark überdrallt ist. Dann nimmst du diesen Single und spinnst ihn erneut auf einen Kern und bildest Supercoils dabei. Diesmal sollte der Kern aber in Gegenrichtung stark vorgeprallt sein. Du hältst beim Supercool-Zwirnen beide Fäden in einen ca. 100-120° Winkel auseinander: 90°Winkel für den Lockensingle und 10-20° für den Kern. so fixieren sich die Supercoils nochmal etwas an Ort und Stelle. Beim Spinnen des Lockensingles kannst alle möglichen Autowrapfäden mitlaufen lassen und viel Bewegung zusätzlich in das Garn bringen.

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Methode 7: Laura Spinners Magic Thumb.

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Eine weitere Methode möchte ich als 7 und nicht die meinige vorstellen: Magic Thumb von Laura Spinner. Für diejenigen Bologneser unter euch, die den Thread in Facebook nicht verfolgt haben, möchte ich diese Methode der Vollständigkeit wegen noch verlinken. Ich finde sie ziemlich cool, denn es ist dem coreless Corespinning, wie es viele machen (ohne extra Fasern für den sich bildenden Kern, so wie ich es mache) sehr ähnlich. Ich habe nur die Frage, wie Laura Spinner die überrollten Singles nach dem Spinnen wieder balanciert, denn die fertigen Garne von ihr sehen schon balanciert aus. Hat sie sie beim Baden mit Gewichten behängt? Ich werde die Methode als ausprobieren und mal sehen, wie ich das Problem lösen könnte… hm.

Vielleicht wisst ihr mehr, dann schreibt doch dazu!

Methode 8: Einkardieren 😉

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Diese Methode ist die einfachste: Die Locken in das Vlies mit einarbeiten und dann kannst du frei zwischen vielen Spinntechniken wählen: Singlegarn spinnen und die Locken einfach heraus springen lassen, Zwirngarn auf die gleiche Weise Spinnen, Kerngarn mit zusätzlichen Tails, Corespun, Spiralply, Mehrfachzwirn aus Corespun usw…

 

Hier noch mal einige Garne im Überblick…

Zuletzt möchte ich euch einige verstrickte Lockengarne und einige andere Lockengarne zeigen.

 

Wenn ihr noch andere Methoden verwenden, dann schreibt und zeigt doch mal her 🙂

Ich hoffe ich konnte etwas bei der Frage „was kann ich mich Locken machen“ weiter helfen. Frohes Spinnen!

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