Chunky Spinnen mit Seidenhankies

Seidenhankies2Seide spinnen ist nicht Jedermanns Sache. Dabei ist Seide so ein wahnsinnig schönes Material.

Seide pur zu spinnen führt meist zu deinem feinen bis sehr feinen Garn, welches für hauchdünne Lacestrickereien genutzt werden könnte. Klar, Seide ist teuer, ultra glatt, hat endlos Fasern und läßt sich unsagbar dünn ausspinnen. Da liegt es doch nahe solch ein Garn zu spinnen. Seidenspinnerei ist zudem fast ein eigenes Spinngenre, da die Technik geübt werden muss. Seide hat eben ganz eigenen Fasereigenschaften.

Als Ausgangsform kann für die Seidenspinnerei Seidenkammzüge, Seidenbänder oder Seidenhankies genutzt werden. Um diese Seidenhankies soll es sich heute drehen. Doch wer mich kennt, würde sich wundern, wenn ich nun mit Lacespinnerei beginnen würde 😉

Goldfrucht3Ich finde die Seidenhankies grandios, denn sie lassen sich so vielfältig färben, ja fast bemalen. Deshalb wollte ich es ausprobieren, diese Hankies für ein Artyarn zu nutzen.

Die Hankies haben einen praktischen Vorteil. Es sind in quadratische Form in die Fläche gezogene Seidencocoons. Daher liegen die hauchdünnen Fäden nicht, wie bei Kammzügen oder Bändern, parallel ausgerichtet, sondern spinnennetzartig verwoben. Das ist praktisch, denn zieht man sie weiter aus, bleibt der Zusammenhalt der Verwebung noch bestehen und das möchte ich nutzen.

Ziel ist es ein „Cocoon“-Überzug über ein Chuncky-Garn zu ziehen.

Und so bin ich Schritt für Schritt vorgegangen:

Seidenchunky1

Schritt 1: Das Vlies wurde wie immer in Bänder unterteilt und gepredraft.

Chunkyseide11

Schritt 2: Das Vliese wurde dick aber gleichmäßig versponnen. Dabei springen die Leinenfasern immer wieder mal chaotisch aus der Fadenoberfläche. Danach habe ich den Faden navajo-gezwirnt. Und jetzt wird es interessant, denn die Verwirrung habe ich nur unterdreht angelegt und nicht bis zum Ende verdreht und fertig gestellt. Das fertig gezwirnte Garn ist also noch nicht fertig, sondern total unterdreht und muss noch nachgedrallt werden. Und ist wichtig. Je weniger Drall in Zwirn steckt, desto besser!

Schritt 3: Ich bereite meine Hankies vor. Dazu löse ich erstmal die einzelnen Lagen von einander und gehe dann mit meinen Fingern in die Mitte einer Lage, mache ein Loche hinein und ziehe sie zu einem Kreis auf. Dann streche ist den Seidenkreis in die Länge und reiße ihn irgendwann auf und habe ein Seidenvorgarn. Übrigens liegen in so einem Hankiestapel immer 5-6 Stück übereinander!

Schritt 4: Jetzt geht es ans Wrappen. Ich dralle dabei den Zwirn nach und hafte das Seidenvorgarn an und ziehe es während den Überspinnen weiter ganz dünn aus und überlagere diese Seidenfasern dann über den Zwirn. Manchmal wechsele ich vom Überlagern zum Einzwirnen. Dazu fasse ich das Vorgarn zusammen (nehme die Fläche weg) und lege es zwischen die Zwirnfäden des n-ply Garnes als 4. Strang hinein. Dann wechsle ich wieder zum flächigen überlagern zurück. Einfach nach Lust und Laune.

Dabei ist sehr darauf zu achten, dass man das Garn nicht überdrallt. Also sehr behutsam treten, die langsamste Übersetzung wählen und flott arbeiten.

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Und das ist das Garn: 18m bei ca. 70g und etwa 2 wpi. Der Seidenmantel ist hauch dünn, hier auf den Bilder schwer zu sehen. Er verändert die Farbe darunter, da ja ein Farbschimmer darüber liegt. Das Garn wird natürlich auch sehr seidig beim Anfassen und fühlt sich sicher auf verstrickt toll an (das kann natürlich auch in einer normalen Nadelstärke gesponnen werden ;-).

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Diesmal landete es auf einen mäßig hübschen Lampenschirm, den ich zuvor abgezogen habe. Das Garn habe ich einfach je zweimal um einen der beiden Ringe gewickelt und dann zum anderen Ring geführt, wieder zweimal gewickelt usw. Als das ganze Garn auf den Ringen war und diese wieder an Ort uns Stelle hängten, habe ich die Lage der Fäden noch durch Einweben eines Seidenfadens direkt an den Ringen fixiert.

Ich hoffe ich habe euch etwas Lust auf Seide gemacht und konnte zeigen, dass man Seide nicht immer dünn auspinnen muss 🙂 Viel Spaß!

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2 Gedanken zu „Chunky Spinnen mit Seidenhankies“

  1. Das Garn und die Lampe sehen toll aus! Ich bin (noch) nicht so ein Seidenfreund und tue mich da etwas schwer…. au einem Batt hab ich mal die ganze Seide raussortiert, weil ich sie nicht versponnen/ausgezogen gekriegt hab… aber Dein quasi core spinning mit den Seidenhankies klingt super spannend!

    1. Danke schön. Ja, genau das ist so ein Problem. Seide auszuspinnen ist ein eigenes Thema. Wäre doch schade um das tolle Material, wenn es nur daran hängt…:-)

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