Faserkalender – Türchen 2: der nordische Polarfuchs

1024px-sheepsatmyvatnPolarfuchs ist die Bezeichnung für eine weitere nordische Wollsorte und zwar vom Islandschaf. Seine Wurzeln gehen auf die Wikiniger zurück, die im frühen Mittelalter (870 und 930) das Eisland vom Norwegen aus besiedelten. Sie brachten das Schaf mit auf die Insel. Doch wenig später war es verboten weitere Schafe zu importieren. So  entwickelte sich das Schaf ohne weiteren Einfluss von Außen.

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Heute wird das Schaf überwiegend zur Fleischgewinnung gehalten, trotzdem bietet es ein hervorragendes und schönes Vlies. Sein Vlies baut sich aus 2 Schichte auf. Es hat mohairartige und fast seidige Oberwolle, die auch „tog“ genannt wird (im Englischen bedeutet tog auch anziehen) und feine Unterwolle, die „pel“ (im Englischen the) genannt wird. Diese Begriffe werden auch bei anderen Fasertieren, wie Kamelen, genutzt, die 2 Faserqualitäten in einem Vlies liefern. Die Vliese haben unterschiedliche Eigenschaften, je nach dem zu welchem Zeitpunkt, das Schaf geschoren wurde.

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Die hier erhältlichen Kammzüge aus Islandfasern enthalten meist beide Faserqualitäten, also das tog und das thel zusammen. Deshalb wäre es besonders interessant ein rohes Polarfuchsvlies zu ergattern. Dann können beide Faserntypen separat verarbeitet werden und ihre Qualitäten besonders zu Geltung gebracht werden: Die Unterwolle kann kardiert werden und zu seinen sehr weichen Streichgarn verarbeitet werden und die Oberwolle kann gekämmt werden und zu seinen glatten und sehr strapazierfähigen Kammgarn gesponnen werden (1).

Oberwolle: 10-45cm Stapellänge / 27-31 mic

Unterwolle: 5-10cm Stapellänge /19-22mic

Die Locken: Die Locken bestehen zunächst aus beiden Faserqualitäten. Das bedeutet, dass sie meist glatte lange Spitzen haben und voluminöse Schnittenden mit viel feiner Wolle.

Die Polarfuchsfasern sind im Internet als naturgraue oder naturbeige, leicht hell melierte Kammzüge erhältlich. Das Islandschaf liefert aber alle üblichen Naturfarben von Weiß über grau, braun bis hin zu schwarz.

Übrigens: Vor einigen Jahren habe ich mal Spelsaulocken gekauft. Heute weiß ich, dass hier einer Verwandtschaft besteht, denn das Spelsauschaf ist eine norwegische Rasse und ist ebenfalls doublecoated. Bei der Verarbeitung der Locken, hatte ich die Schnittenden aufgedeckt und dabei ging mir sehr viel feine Wolle verloren. Jetzt kann ich sagen, dass es sich um genau solche Unterwolle handelte. Beim Locken spinnen ist sich nicht sonderlich hilfreich, denn sie erschwert das Einspinnen der langen Fasern. Dennoch lohnt es sich, diese Wolle aufzuheben und später zu kardieren.

Mein Tipp: Wenn ihr mal nordische Locken in die Finger bekommt, dann könnt ihr die langen Haare als Locken für Artyarns oder Filzprojekte nutzen. Hierzu könnt ihr die feine Unterwolle heraus kämmen (Flickkarde statt Kämme). Genau so würde man diese zwei Fasersorten ohnehin voneinander trennen. Wenn ihr dabei die Spitzen gut festhaltet, geht der Lockenverbund ich verloren und ihr doppelt Spaß mit den Fasern.

(1) Vgl.: D. Robson, C. Ekarius: The Fleece & Fiber Sourcebook, North Adams 2011, S. 168.

Bildquelle: Wikipedia Commons – Islandschaf

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2 Gedanken zu „Faserkalender – Türchen 2: der nordische Polarfuchs“

  1. Danke für den schönen Faserkalender – bin grad am nachlesen. Wenn dich die Islandwolle näher interessiert schau doch mal auf Karolinas Blog https://islandwollprojekt.wordpress.com dort kann man sowohl Rohwolle kaufen als auch Tips zum trennen von Deckhaar und Unterwolle nachlesen.

    Lg, Michaela

    1. Liebe Michaela, vielen Dank für deine nette Nachricht und den Link. Ich werde ihn bald durchstöbern 🙂 Dank dir und liebe Grüße, Kathrin.

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