Der Faserkalender: Türchen 3 – das englische Masham-Schaf

Das Masham – Schaf ist ein sogenannte Crossbreed-Schaf, also eine Schafrasse, die aus der Kreuzung verschiedener Schafrassen in Nordengland entstanden ist.

 

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Es wurde von einen Schäfer bewusst gezüchtet. Mischlinge haben einen Vorteil, sie sind oft widerstandsfähiger und gesünder als reinrassige Schafe. Im englischen wird der Ausdruck hybrid vigor (1) benutzt, was soviel bedeutet wie Mischlingsenergie und drückt genau dieses Phänomen aus. Auch die Faserqualität kann von solchen Kreuzungen profitieren. Das Fleece kann glänzender werden, die Faser kann schneller wachsen und es gibt einige tolle Fasern, die aus Kreuzungen entstanden sind, wie sie in der englischen Longwoolfamilie zu finden sind oder aber Merino-Abkömmlinge.

Oft kann gar nicht genau gesagt werden, wie eine Kreuzung entstanden ist und welche Rassen darin enthalten sind. Bei einigen aber schon. Bei den Masham-Schafen sieht der Stammbaum so aus:

Teesweater Bock (oder manchmal aus Wenseldale, also ein englischer Longwool-Bock) trifft auf ein Dalesbred- oder ein Swaledale-Mutterschaf. (2)

Über die englischen Longwools, habe ich schon mal im Zusammenhang mit einem anderen Crossbreed gebloggt: „Brooklyn Tweed und das Targhee-Columbia-Schaf“ Hier könnt einiges über diese englische Schaffamilie nachlesen.

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Die Dalesbred- und die Swaledale -Schafe stammen ebenfalls aus Nordengland. Diese Region hat ein ungemütliches Klima mit viel kaltem Regen. Das hat natürlich einen Einfluss auf die Wolle. Die Fasern sind von starker, grober (über 30 mic) Teppichqualität und für Outdoorbekleidung geeignete Garne, unter deren Textilien eine Lage T-Shirt getragen werden sollte.

Dalesbred: 36-40 mic / 12 – 20cm langer Stapel / lockige Kräuselung / „drahtiger“ als Swaledale

Swaledale: 36-40 mic/ 10 – 20cm langer Stapel / lange Grannenhaare mit kurzer Unterwolle / „störrischer“ als Dalesbres / Bei der Faservorbereitung können die Grannenhaare von der Unterwolle durch das Kämmen getrennt werden und beide Fasern können für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. (3)

Fazit: Die Strapazierfähigkeit und das leicht „störrische“in den Fingern kommt von den Mutterschafrassen. Übrigens kommt auch der schwarze Kopf der Mashams von der mütterlichen Seite. Beide, Dalesbreds und Swaledales gehören zu den Blackfaced Mountain Breeds

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In den Masham-Fasern sind auch die typischen Longwool-Eigenschaften sichtbar: lange Fasern, viel Glanz und wenig Kräuselung (oder schöne Windungen). Der Glanz ist nicht ganz so ausgeprägt wie bei einem reinrassigen Longwool. Auch hier findet sich die Strapazierfähigkeit und der gröbere Faserdurchmesser. Aber ich ich würde es bei den Longwool eher weniger als „drahtig“ bezeichnen. Die Mashamfaser erinnert mich auch an die Gotlandfaser, nur sind sie nicht ganz glatt und seidig. Auch in der Locke findet sich eindeutig die Teesweater-Herkunft, sie ist lang (15 – 18 cm) und ähnlich gewunden.

thumb_imgp3611_1024Ich habe diese Faser im Kammzug als Probe geschenkt bekommen und finde sie interessant. Ich würde sie jedoch nur gemischt verwenden. Als zweite Faser würde ich eine glatte, nicht zu kurze, leicht elastische (also mit etwas Kräuselung), aber auch nicht zu feine Faser wählen, z.B. BLF. Ich würde von der Strapazierfähigkeit, dem Glanz und den langen Fasern profitieren wollen, aber dazu hätte gerne mehr Feinheit, Volumen und Elastizität im Garn. Die glatte Struktur bietet eine ähnliche Ausgangslage, wie eine gekämmte Gotlandfaser: wenig Elastizität und wenig Lufteinschluss. Das würde ich durch das Mischen etwas ausbalancieren. Interessant wäre es noch eine Masham-Vlies als Vergleich in den Händen zu halten…

thumb_imgp3370_1024Pur versponnen eignet sich diese Faser für Outdoor-Bekleideung, Pullis, Socken, und alles was nicht direkt auf der Haut und außen getragen wird. Außerdem ließe dich die Faser sicher toll färben 🙂

(1) D. Robson, C. Ekarius: The Fleece & Fiber Sourcebook, North Adams 2011, S. 328.

(2) Vgl. D. Robson, C. Ekarius: The Fleece & Fiber Sourcebook, North Adams 2011, S.328.

(3) Vgl. D. Robson, C. Ekarius: The Fleece & Fiber Sourcebook, North Adams 2011, S. 38 und 49.

Bildquelle 1. Bild: http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=4327

Bildquelle 2. Bild: D. Robson, C. Ekarius: The Fleece & Fiber Sourcebook, North Adams 2011, S. 328.

 

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