Der Faserkalender – Türchen 6: Australisches Merino

Vom Merino gab es ja schon ein wenig zu lesen. Im Türchen 4 ging es um die Herkunft des Schafes vom spanischen Königshof, davon, dass es sehr viele Merino-Züchtungen gibt und von der Bemessung der Faserfeinheit.

Heute geht es um eine australische Merinofaser. Diese Faser ist naturfarben hellbeige-meliert und hellgrau-meliert. Sie zählt mit 22 mic noch zu den feinen Fasern, während die südamerikanische Merinofaser vom Türchen 4 mt 26 mic zu den mittelfeinen Fasern gehörte. Nur unter den Merino-Wollen zählen sie mit 22 mic zu den mittelfeinen Fasern und mit 26 mic sogar schon zu den groben und wir wissen, wie gut sich diese Fasern noch auf der Haut anfühlen. Es ist kein Gefühl, dass wir intuitiv mit „grob“ in Verbindung bringen würden. Die Australische Faser fühlt sich auf der Haut einfach kuschelig an und ich mag diese Faser sehr gerne, um naturfarbene Rolags und Vliese etwas weicher und farblich lebendiger zu machen, obwohl ich eigentlich keine australische Wolle führe, dies ist meine Ausnahme.

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Ich kann natürlich nicht sagen, welches Merino exakt in diesen Kammzügen steckt. Auch beim Lieferanten bekomme ich kaum ausführlichere Hintergrundinformation. Also nehme ich euch einfach mal zu den verschiedenen australischen Merinos mit, die es sein könnten.

Wie das Merino nach Australien kam

 

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Champion Bock, Sidney 1905

Das Merinoschaf wurde 1788 mit der 1. Flotte von England nach Australien importiert. Die zunächst 70 englischen Schafe reduzierten sich in wenigen Monaten auf nur 28 Schafe und 1 Lamm. Diese Schafe verteilten sich unter Mitglieder der Besatzung und auch Captain John MacAthur, der zum Vater der australischen Merino Industrie wurde, kaufte einige der ersten Importe. Einige Jahre später importierte er Saxons Merinos und baute zusammen mit seiner Frau Elizabeth MacAthur, immer weiter seinen Bestand auf. 1813, im Zuge der Landerschließung durch die Engländer, fand der erste Wollboom statt und der Bedarf an Merinos stieg an. 1823 erhielt  W. Riley (‚Raby‘) in der ersten Schaf Show eine Goldmedaille für dein Import der meisten Saxons. 1830 zählte der australische Schafbestand bereits 2 Millionen Schafe und Australen setzte sich beim Wollabsatz und der Frage der Feinheit gegen Deutschland durch. Deutschland begann ab 1845 den Import von Wolle aus Australien.

Die Geschichte der Australischen Merinos kann gut an einzelnen Schäfern festgemacht werden. Viele züchteten ihre eigenen Merinos mit unterschiedlichen Zielen wie Faserlänge, Körpergröße, Feinheit etc.

John Murray züchtete das South Australien Strong Wool in dem er Camdens mit tasmanischen Böcke kreuzte und erstmals Lincoln-Blut einkreuzte um die Größe der Tiere zu steigern.

Die Peppin-Brüder züchteten mit ihrem Wanganella-Schaf ein breiteres und langfaserigeres Merino durch die Einkreuzung von Rambouillets und Saxons.

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Vermontschafe

Das Vermont-Schaf wurde in den 1880er aus der USA importiert und sollte den Wollertrag erhöhen, doch leider hatte es einen negativen Einfluss auf viele Fine-Wool Herden, denn es erhöhte sich nur der Lanolingehalt im Vlies. Das Wollfett zog aber die Fliegen an, die Wolle zeigte Qualitätseinbußen und die Geburtenrate sank. Das Vermontschaf verbreite sich aber schnell und Schäfer in der USA gründeten 1889 die Rambouillet Association um die Reinheit des Rambouillets zu erhalten.

Anfang des 20. Jh.s wurde die Anzahl der Australischen Schafe von 72 Millionen auf 53 reduziert und die „Vermont Ära“ endete. Die Blutlinie des Wanganella-Schafes und des Murray-Schafes setzte sich durch.(1)

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Fine-Wool Merinos

Einige heutige australische Merinos und ihre Fasern (2):

Booroola Merino – Eine vom Aussterben bedrohte Merinoart. Sie wurde in Australien entwickelt und weißt eine hohe Lämmerzahl bei der Geburt auf. Die Züchtung wurde von Jack and Dick Seears aus Booroola, Cooma begonnen, in dem sie Mutterschafe mit Mehrfachgeburten aus ihrer Herde auswählten. (3) Ein einziges Gen, das Booroola B Gen ist für die Fruchtbarkeit dieser Merinos verantwortlich. Die Booroola Merinos wurden später nach Nord Amerika exportiert, doch ist ihr Gen nur noch in Crossbreeds zu finden.

Faser: 18-23 mic / 7,5 – 10 cm Stapellänge

Fonthill Merino – Ein Crossbreed, welche aus einem amerikanischen Rambouillet Bock zusammen mit Saxon Merino-Mutterschafen entstanden ist. Das Züchtungsziel war es hier die Wollproduktion zu erhalten und dabei die Fleischproduktion zu erhöhen.

Faser: 20 – 22 mic

 

Poll – Merino – Die hornlosen Merinos sind eigentlich Merinos, wo ein rezessive Gen zur Hornlossigkeit führt. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte des 20. Jh.s wurden diese Merinos selektiert und auf das Fehlen der Hörner gezüchtet, daher sind die Faserqualitäten der Poll Merinos auch sehr unterschiedlich und können entweder fein oder auch kraus sein.

1825 war Alexander Riley der erste australische Schäfer, der einen Poll Merino-Bestant aufbaute. Dazu importierte er einen Bock auf Deutschland, zusammen mit Saxon-Mutterschafen. Während dem 1880er fand durch Munro auf Webollabolla, New South Wales der erste Versuch statt gezielt einen Merino-Bestand the Hörner aufzubauen. Das wurde der erste Poll Merino Bestand in Australien. Heute sind die Merinos ohne Hörner auf Grund ihrer einfacheren Haltung beliebt.(4)

South Australian Merino – Das SA -Merino ist die Züchtung von Murray (s.o.) und werden heute im trockenen Teil Australiens gehalten und liefern krausere Wolle.

Faser: ab 23 mic

Tasmanische Merino – Das  ertragreiche Insel-Merino liefert feine und sehr weiße Wolle. Es gibt Garn aus reinem Tansanischen Merino.

Faser: 18 – 21 mic

Saxon Merino – Das Saxon kann eine sehr breite Faservariabilität liefern: Extrem feine Fasern von weniger als 14 (!) mic bis hin zu 24 mic. Meistens liegt ihr Spektrum zwischen 15 und 19 mic. Auch seine Wollen sind überwiegend weiß mit feiner Kräuselung und hoher Filzgefahr. Wer solch ein Vlies roh bekommen kann, sollte mit sehr viel Sorgfalt und heißem Wasser waschen, wird aber mit feinen Fasern belohnt, die feinstes Lacegarn ermöglichen.

Faser: 14-24 mic

Peppin Merino – Der wohl wahrscheinlichste Kandidat für unsere australische Wolle deckt 70 % der australischen Wollproduktion ab.

Faser: 20 – 13 mic

Die Peppin – Brüder George und Frederick stammen aus England und sind Mitte de 19.Jh.s nach Australien ausgewandert. Sie kauften die Wanganella Station nahe der gleichnamigen Stadt und starteten dort ihre Schafzucht. Sie suchten sich dafür 200 lokale Mutterschafe aus und importieren 100 Rambouillet-Böcke aus New South Wales. Für Ihre Zucht verwendeten sie überwiegend 4 Saxon und Rambouillet-Böcke. Da war z.B. Emperor mit einem Vliesgewicht von über 5 Kilo und zwei Söhne von Old Grimes, einen berühmten Vermont-Bock. Ab den 1870er betrieben sie ihre Zucht höchst methodisch mit 2 getrennten Ställen und dokumentieren sie. Sie entwickelten das Wanganella Schaf. 1878 gewannen sie den Society’s, Goldsbrough’s and the president’s prizes for sheep. Ein Jahr später gewann ihre Züchtung den 1. Preis der Sydney International Exhibition. 1878 verkaufte der noch lebende Pippin die Farm. Es kam zu einer Aufteilung der Farm in Wanganella und Boonoke. Auf Boonoke wurde mit dem Original-Schafbestand weiter gezüchtet. Auch auf Wanganella wurde die Schafzug weiter betrieben. 1958 wurde beide Teile wieder zusammen geführt und seit 1934 wurde dort das Bonooke Poll Merino gezüchtet. (5)

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Peppin Merino Memorial, Wangenalla

 

Quellen:

(1) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Merino#Australian_Merinos am 5.12.2016.

(2) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S.136-139.

(3) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Booroola_Merino am 5. 12. 2016.

(4) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Poll_Merino am 5.12.2016.

(5) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Peppin_Merino#/media/File:WanganellaPeppinMonument.JPG am 5.12.2016.

 

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