Faserkalender – Türchen 9: Biobiobio

oko-entrollt-englischer-gartenDie regelmäßigen Blogleser unter euch werden Teile dieses Beitrags schon kennen. Da mir aber unsere regionale Wolle, genau wie Demeter-Bio sehr am Herzen liegen, möchte ich euch diese Wolle noch einmal vorstellen: fränkisches Milchschaft mit Demeter-Zertifizierung. Schafe, die ich, wie die Coburger Füchse, selbst gestreichelt und nach der Schur gesehen habe.

Die Demeterfasern sind nach Demeterstandard biozertifizierte Fasern von fränkischen Milchschafen, die in meiner Umgebung leben. Ich bin begeistert von diesen Fasern, denn zum einen werden sie nur innerhalb einem SOS-Dorf-Verbund von Demeter-Biohöfen verarbeitet und nicht nach extern verschickt. Genau genommen leben die Schafe nur auf einem Hof in diesem Verbund und ein Schwesternhof hat eine angeschlossene Kardiererei, so dass die Fasern nur von dem einen Hof zum anderen Hof geschickt werden, dort gewaschen und kardiert und wieder zurück geschickt werden. Und das in einer kleinen Menge von wenigen Kilo im Jahr. Es ist so nach nachhaltig wie es nur geht.

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Übrigens: Demeter-Biostandart liegen weit über den EU-Biorichtlinien. Sie übertreffen also die gesetzlichen Vorgaben und „arbeiten biologisch-dynamisch, d. h. sie arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis“ (1). Demeterhöfe produzieren innerhalb des Demeterverbundes und bilden somit einen geschlossenen Kreislauf, der z.B. auch die Futtermittel für die Tiere einschließen.

Mehr zu den Demeter-Richtlinien findet ihr hier.

 

Der andere Punkt, der mich so an diesen Fasern begeistert ist, dass ich die Tiere direkt nach der Schur gesehen habe. Da ich selbst schon Schafe geschoren habe und bei einem Lehrgang gesehen habe, wie viele der Scherer die Tiere nach dem Scheren hinterlassen, war ich von dieser Schur unheimlich positiv überrascht. Die Tiere hatten keine Verletzungen an der Haut. Beim schnellen oder beim unerfahrenen Scheren, passiert es gerne, dass die Haut der Tiere angeschnitten wird, eine Hautfalte rutscht einfach an die Messer der Schermaschine. Das ist auch mir passiert. Dem Schaf tut das nicht sehr weh, aber es zuckt schon. Ich nehme an, es ist damit vergleichbar, wenn wir uns mit dem Küchenmesser in den Finger schneiden. Passiert das, sollten die Wunden nach dem Scheren desinfiziert und ggf. klammert werden. In der Praxis hatte ich das leider nicht so gewissenhaft erlebt. Umso mehr freute es mich, dass diese Schafe keine Schnitte aufwiesen. Zudem wurden bei diesen Tieren etwa 1-2mm Welle auf der Haut übrig gelassen, was ich ebenfalls sehr befürworte. Das Schaf hat noch etwas Schutz und man schneidet beim Scheren nicht direkt auf der Haut. Übrigens hatte ich genau das gleiche Bild auch auf einen ganz anderen Demeter-Biohof mit Schafen gesehen. Das war für mich ein tolles Beispiel für schonendes Scheren!

 

IMG_3781Die Wolle ist in ihrer Handhabung nicht einfach. Zunächst bekomme ich sie zu einem Kordelband kardiert. Auch wer sie roh bekommt sollte sie fein kardieren. Sie sollte nicht mit dem kurzen Auszug versponnen werden, denn dann kratzt sie. Diese Wolle muss mit dem langen Auszug zu einem luftigen Streichgarn verarbeitet werden. Dann ist sie eine warme und einigermaßen weiche Wolle, wenn auch nichts für eine merinoverwöhnte Haut ;-). Wie das aussehen kann hatte ich ausführlich ein einem anderen Beitrag gezeigt. Doch hier noch einmal ein paar kurze Einblicke.

 

Demeter14Ich bekommen die Wolle in weiß und naturbraun. Die weiße Wolle lässt sich hervorragend färben. Danach werden diese Fasern kardiert. Entweder zu Vliesen oder zu Handrollen. Ich hatte sie ganz zu Anfang auch mit dem Kardierbrett zu Rolags gedreht. Das mache ich heute nicht mehr. Die Rolags enthalten weniger Luft und Fluff, als die Handrollen, die ich mit Handkarden kardieren kann. Dadurch sind dir Rolags komprimierter als die Handrollen. Sicherlich können die auch zu Streichgarn versponnen werden, ich persönlich ziehe aber für den langen Auszug die Handrollen vor. Hier rutschen die Faser gleichmäßig aus der Rolle und das Streichgarn wird wesentlich gleichmäßiger und spinnt sich auch schneller.


In diesen speziellen Fall machte ich sogar beides: erst Vliese und dann Handrollen aus den Vliesen. Der Grund war jedoch einfach nur um eine gleichmäßige Tweedmischung für mehrere 100g zu erzielen.

Ich mag diese Faser sehr gerne, da die Wollen wunderbar in unsere Wetterzone passen. Zu Mützen, Handschuhe oder Pullis verarbeitet können diese Sachen wirklich belastet werden ohne, dass sie sehr pillen, sie schützen gegen Regen ohne dass sie schnell feucht werden und sie sind leicht. Das Tragegefühl ist einfach anders als bei dem glatten Wollen. Aber man muss sich erst etwas an sie gewöhnen, sollen sie direkt auf der Haut getragen werden, wie eine Mütze.

 

Quellen:

(1)  http://www.demeter.de am 8.5.2016

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