Faserkalender – Türchen 10: Argentinien & Falklandinseln

Ich habe mich geirrt: Ich habe noch eine Merino-Faser. Mein argentinisches Merino der feineren Sorte mit 21 mic.

Diese Faser ist meine Standardfaser für gefärbte Kammzüge. Sie ist natürlicherweise reinweiß (nicht schneeweiß gebleicht) und nicht gebrochen weiß, sie ist nicht zu fein und nicht zu grob und sie wird fluffig durch das Färben.

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imgp1609Vielleicht habt ihr da auch schon gemerkt. Wenn weiße Fasern gefärbt werden, verändern sich ihre Fasereigenschaften. Und das auch, wenn sehr schonend gefärbt wird. Klar, wird zu heiß gefärbt, so erleiden die Fasern durch die Hitze Schaden. Dies kann Rauheit sein, es kann aber auch ein Gefühl der Seifigkeit und die Neigung zu schnellen Reißen sein. Aber das meine ich gar nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch bei schonenden Färben sich der Crimp in den Fasern verstärkt. Der Kammzug flufft auf und das Garn bekommt mehr Volumen und Elastizität. In einem der letzten Beiträge schrieb ich über das OPTIM MAX-Verfahren, eine chemische Behandlung der Wollfasern. Möglicherweise, aber das ist nun reine Spekulation, haben auch viele andere weiße Kammzüge eine chemische Behandlung während ihrer Verarbeitung erfahren. Dies könnte zu einer Veränderung der Faserstruktur bei erneuter Erhitzung führen… Doch was auch immer der Grund ist, ich rechne mit dieser Veränderung und habe gute Erfahrungen mit den argentinischen Fasern gemacht.

Diese Fasern gibt es aktuell in mehreren Feinheiten: 21 mic, 18mic, 16mic.

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Diese Fasern stammen aus Chubut. Das ist eine von 5 Provinzen in Patagonien, Argentinien. Das dortige Klima ist gemäßigt: Die Sommer sind mit 17 bis 22 °C in den Niederungen warm, während die Winter mit 2 bis 7 °C mäßig kalt sind. Die Niederschlagsmenge sind gering und damit ist diese Region ideal für feine Merino- und Corriedale-Wolle.

1024px-mustering_sheep_in_patagoniaDie Schafhaltung war ab Ende des 19.Jh.s ein grundlegender landwirtschaftlicher Erwerb in Patagonien. Sie reichte während dem 1. Weltkrieg ihren Höhepunkt und die argentinische Schafhaltung beeinflusste sogar den Welt-Woll-Preis. Heute werden die Hälfte des argentinischen Schafbestandes in Patagonien gehalten. Die Provinz Chubut, wo überwiegend Merinos gehalten werden, ist, neben Santa Cruz, wie überwiegend Corriedales gehalten werden, der Hauptwollproduzent.

Eine andere Faser, die auch eine wunderbare Spinnfaser abgibt ist die Falklandwolle. Diese Wolle ist nach den Falklandinseln benannt, die vor der argentinischen Küste im Atlantik. Wenn von Falklandwolle die Rede ist, so ist es keine Wolle vom Falklandschaf, sondern eine Mischwolle. Auf den Falklandinseln werden unterschiedliche Schafrassen gehalten: Polwarte (australische Rasse aus Merino + Lincoln), einige Merinos, Corriedales und einige Romneys. Die Züchtungen haben meist eine feine Wollqualität und eine geringe Vliesverschmutzung durch Pflanzenresten zum Ziel. Doch die Schafe werden, trotz ihrer besonders guten Wollqualität, nicht unter einem Rassenamen zusammen gefasst. Sehr bemerkenswert finde ich auch den Umstand, dass ihre Wollen mit Bio-Wollen verglichen werden können. Die Schäfer auf der Insel lehnen auf Grund der Einfuhr und Kosten die Verwendung von Pestiziden und Herbiziden ab. Desweiteren weisen die Schafe eine robuste Gesundheit auf und das Inselklima reduziert Bakterien. Ihre Wollen sind von Natur aus sehr weiß, weich, voluminös und schwanken von 18 – 33mic, sowie einer Stapellänge von 7,5 – 10cm. (2)

Quellen:

(1) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Patagonia am 9.12.2016.

(2) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S.16.

Bildquellen: Wikipedia Commons

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