Faserkalender – Türchen 12: Rot wie die Moore & Nichtwissen als Erkenntnis

Dieses Türchen des Faserkalender war einigermaßen frustrierend. Jeden morgen setzte ich mich hin und schaue in meine Liste, die ich für diesen Kalender in mein Notizbuch gemacht habe. Dort habe ich alle naturfarbenen Wolle, die ich aktuell im Stash habe und bereits für euch fotografiert aufgelistet. Ich lasse mich, wie ihr, jeden Morgen überraschen, welche Wolle dran ist und dann beginne ich meine Recherche. Heute morgen endete sie schnell und der Blogpost erscheint später am Tag als eingeplant.

naturfasern-kopieDies ist wieder ein naturbrauner Kammzug aus der Mischmasch-Packung, die ich im letzten Post gezeigt hatte. Wieder habe ich das bereits beschriebene Problem, dass ich nicht sagen kann welche Wolle es ist. Ausgehend von den Wollen im Angebot des Schurwollversands kommen 2 Kammzüge in Frage: der dunkelbraune Spanische oder der dunkelbraune aus Montevideo. Der Händler konnte es mir auf Nachfrage auch nicht sagen, denn er wusste nicht, welche Kammzüge er mir eingepackt hat. Tja.

Da ich bereits viel über Spanien geschrieben habe, entschied ich mich also heute morgen über Montevideo zu schreiben. Montevideo ist die Hauptstadt von Uruguay und Lieferant von sehr guter Merino-Wolle. Doch die Recherche brachte kaum etwas zu Tage. Ich habe keine spannende Information gefunden, über die Schafhaltung in Uruguay. Einzig über die zwei recht bekannten Garnhersteller Manos des Uruguay und Malabrigo bin ich ständig gestolpert. Also schon wieder ein Tja

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thumb_imgp3467_1024Ich habe hier die Faser noch mal vergleichen: Einmal mit Spanischer Wolle im Kammzug eines anderen Anbieters und einmal mit der hellbraunen spanischen Wolle von gestern. (Im Bild links liegen beide unbekannte Wollen der Mischmasch-Packung neben einander.) Diese Vergleiche bringen recht wenig. Die spanische Wolle von dem anderen Anbieter unterscheidet sich in der Feinheit (24 mic) und auch in der Stapellänge. Es wird wahrscheinlich ein naturbraunes Merinos sein, aber es gleicht sich ja nicht eine Faser mit anderen, auch wenn es das gleiche Schaf aus dem gleichen Land ist… Das einzige, was ich sehen kann, ist dass sich der Krimp deutlich unterscheidet und mich mehr an Merino erinnern, als der Krimp der heutige Faser. Der Vergleich mit der gestrigen Wolle zeigt, eine  stärkere Ähnlichkeit. Die Stapellänge und die Feinheit scheint was identisch zu sein (ich schätze 26 mic auf 8-10cm) und auch der Krimp ist vergleichbar, aber ein wenig stärker ausgeprägt als gestern. Und die feine Melierung durch wenige helle Haare ist ähnlich. Daher wage ich die Vermutung, dass es sich möglicherweise um den spanischen Kammzug in dunkelbraun und nicht den aus Montevideo handelt. Aber das ist eine Spekulation. Schade!

Doch damit ich euch nicht mit einer so mageren Erkenntnis stehen lasse, möchte ich noch etwas über Sir Robert William Buchanan Jardine berichten. Das ist in schottischer Adeliger, der ende des 19. Jh.s (1866-1927) lebte und eng mit der Wollfarbe braun verbunden ist. Er erreichte seinen Wohlstand durch Handel, unter anderem mit China. Sein Familienanwesen war Castlemilk in Schottland, wo eine lange Tradition in der Züchtung von Haustieren, wie Hunde, Schafe, Pferde, Rinder gepflegt wurde. Jardine war dabei von der Fellfarbe Braun fasziniert und so züchtete er seine Schafe überwiegend in allen möglichen Brauntönen und benannte seine Farbzüchtung „Moorit„. Moorit bezeichnet ein rot-braun und kommt vom shetländischen Ausdruck der „so rot wie die Moore“ bedeutet.

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Für seine Züchtung führte er mit Shetland-Schafe, Manx Loaghtans und einem Mufflon Bock durch und erzielte so einen pflegeleichtes braunes Schaf mit kurzer, dichten Wolle, die für die Handspinnerei geeignet war und von der Familie genutzt wurde. Die braunen Schafzüchtungen wurden auf der Castlemilk Farm bis in die 1970er weiter geführt. Ab den 1960 wurde im Cotswold Farm Park ein Schutzbestand aufgebaut, der auch Tiere aus dem Castlemilkbestand beinhaltete, die dann zum Ausgangspunkt für die heutige Castlemilk Moorit Züchtung wurde. Ihre Wollen sind heute zwar rar, aber dennoch zu bekommen. Die Wollen sind gut für die Handspinnerei geeignet und haben eine Durchschnittsfeinheit von 26,5 mic bis 35 mic. (1)

Quelle:

(1) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011 S. 157.

Bildquelle: Castlemilk: Ebd.

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