Faserkalender Türchen 13 – Die Deutschen…

Das ist wieder eine naturbraune Wolle aus der bekannten Mischmasch-Packung. Diesmal bin ich mir sicher, dass es sich um die deutsche Wolle im Program des Händlers handelt. Wieder ein naturbraune Wolle und ich tippe mal ganz heiß auf Merino.

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Die Wolle fühlt sich sehr ähnlich wie die bereits behandelten Wollen an. Die Naturfarbenen Wollen, zumindest hier aus dem europäischen Raum, haben alle ein vergleichbares Gefühl: Mic um 26, mittlerer Stapel, einen mäßigen, unregelmäßigen Krimp und ein subjektives Gefühl von leichter „Picksigkeit“. Alle Fasern sind nicht ganz einfach zu Verarbeiten, denn sie können kratzig werden, wenn sie zu glatt versponnen werden. Aber diese Fasern sind toll im Gemisch, besonders, wenn es kardiert wurde.

Deutsche Wolle:

Es gibt natürlich, wie in den anderen Ländern, einige in Deutschland gehaltene Schafrasse, die auch Wolle beinten. Wikipedia ist wieder hilfreich und bietet eine Liste aller in Deutschland gehaltener Schafrassen (1):

  • Merino-Rassen
    • Merinofleischschaf
    • Merinolandschaf
    • Merinolangwollschaf
  • Fleischschafe
    • Berrichon du Cher
    • Blauköpfiges Fleischschaf
    • Charollaisschaf
    • Hampshire-Schaf
    • Ile de France-Schaf
    • Leineschaf (neue Zuchtrichtung)
    • Leineschaf (alte Zuchtrichtung)
    • Schwarzköpfiges Fleischschaf
    • Suffolk-Schaf
    • Texelschaf
    • Weißköpfiges Fleischschaf
    • Zwartbles
  • Milchschafe
    • Ostfriesisches Milchschaf
    • Walachenschaf
  • Landschafe
    • Bentheimer Landschaf
    • Charmoise Hill
    • Coburger Fuchsschaf
    • Gotlandschaf
    • Guteschaf
    • Graue Gehörnte Heidschnucke
    • Jakobschaf
    • Kerry-Hill
    • Ouessantschaf
    • Rauwolliges Pommersches Landschaf
    • Rhönschaf
    • Romanow-Schaf
    • Scottish Blackface
    • Shropshire-Schaf
    • Skudde
    • Soay-Schaf
    • Waldschaf
    • Weiße Gehörnte Heidschnucke
    • Weiße Hornlose Heidschnucke = Moorschnucke
    • Zackelschaf
    • Zaupelschaf = Cikta-Schaf
  • Bergschafe
    • Alpines Steinschaf
    • Braunes Bergschaf
    • Brillenschaf
    • Krainer Steinschaf
    • Schwarzbraunes Bergschaf = Juraschaf oder Elbschaf
    • Tiroler Steinschaf
    • Walliser Schwarznasenschaf
    • Weißes Bergschaf (Bayerisches Bergschaf)
  • Haarschafe
    • Dorper
    • Kamerunschaf
    • Nolana-Fleischschafe
    • Nolana-Landschafe
    • Wiltshire Horn

 

Doch auch wenn ich stark vermute, dass es Merinofasern sind möchte ich zwei andere in Deutschland gehaltene Schafrassen zeigen: Texel und Zartbles. Beide Schafe werden als Fleischschafe geführt, aber ihre Wollen werden einige Spinner kennen.

 

Texel:

Die Fleischschafe möchte ich eigentlich überspringen, aber das Texelschaf picke ist trotzdem heraus, denn von denen hatte ich die letzten 2 Jahre mehrere Rohvlies von Bekannten in der Werkstatt liegen und ich war sehr positiv überrascht.

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Die Schafrasse stammt von der niederländischen Nordseeinsel Texel und ist in den Niederlanden das meist gehaltene Schaf. Es soll durch Seefahrer importiert worden Sein und könnte von der Ostküste Afrikas stammen. Ab den 19. Hh. wurden verschiedene englische Schafrassen eingekreuzt. Dazu gehörten Lincoln, Leicester und Wensleydaleschaf. Diese englischen Longwool-Rassen haben natürlich einen Einfluss auf das Vlies der Texels, obwohl die Hauptaugenmerk bei diese Maßnahme auf den Fleischertrag gerichtet war, denn auch die englischen Longwools waren nicht nur als Wollschafe gehalten wurden und auf einen guten Fleischertrag gezüchtet. Alle drei Rassen hängen eng mit Robert Bakewell zusammen, über den ich bereist gebloggt hatte. Des Weiteren wurde eine Fleischrasse Beltex in das Exel eingezüchtet. (2)

Foto-3„Das Wollaufkommen ist ca. 4 bis 5 kg bei einer Schur im Jahr. Gewollte und unbewollte Körperteile dieser Rasse sind weiß, dagegen ist die Nase schwarz.“ (3) Ihre leicht cremeweiße Wolle ist von eher kürzeren Stapellänge (ca. 8cm) und von einem feinen Krimp, der aber nicht ganz so regelmäßig und elastisch ist, wie eine Merinomischung, die ich gleichzeitig als Rohwolle bekommen hatte. In meinen Fall war die Wolle kaum verschmutzt, ließ sich toll waschen und hervorragen Kardieren. Das nächst Jahr werde ich damit den Versuch starten Fellwolle zu spinnen.

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Zartbles:

zwartbles_sheep_at_home_farm_broadwell_-_geograph-org-uk_-_1307105Die Zartbels sind ebenfalls Fleischschafe, doch ihre Wolle findet sich unter den Spinnfasern. Sie stammen wie die Texels aus den Niederlanden und  ist eine „Kreuzung von Schoonebeeker Heideschafen mit Texel- und Milchschafen gezüchtet und als verbesserter Schoonebeeker bezeichnet wurde.“ (4) Sie werden als Weideschafe gehalten und haben einen guten Fleisch- und Milchertrag. Sie schenken uns eine schwarzbraune Wolle, die frisch geschoren tiefschwarz ist. Ihre Spitzen bleichen an der Sonne aus werden mittelbraun. Typisch sind ihre weise Blesse und weiße Abzeichen an mindestens ihren Hinterläufen.

Sehr traurig finde ich den Umstand, dass die braune Wolle kaum etwas auf dem Wollmarkt einbringt und meistens entsorgt wird, anstatt genutzt. Ein Zeitungsartikel berichtet von einem Schäfer Evers, der auch Zartbels hält und ihre Wolle für einen Bruchteil des Wertes weißer Wolle verkaufen muss.

„Bekommt Evers für weiße Wolle von seinem holländischen Abnehmer 1,20 Euro pro Kilogramm, zahlt die Firma für die gleiche Menge dunkler Wolle nur 20 Cent.“(5) Der Artikel schreibt weiter über den Grund: “ Die Käufer wissen nicht, welche Qualität sie bekommen – Dreck, Kot oder Steine lassen sich in dunkler Wolle nur schwer erkennen. Zudem ist es deutlich aufwendiger, schwarze Wolle zu färben. Dunkle Wolle wird daher meist nur als Dämmmaterial und Düngemittel verwendet.“ (6)

Immer wieder wird von einem internationalen Woll-Boom berichtet, so auch in diesem Artikel, der dann aber weiter auf der Problem eingeht, dass dieser Nachfrage an Wolle und damit Steigerung des Marktpreises nicht bei unseren regionalen Märkten ankommt. während Australischen Wolle mit einem Kilopreis von bis zu 20€ gehandelt werden kann, sind es bei uns bis zu 2€. Der Grund liegt auch hier bei der Feinheit. Die Australier und Neuseeländer sind in der Feinheit der Wolle nicht zu toppen. Das hat zur Folge, dass eine Schafhaltung, die sich auf Wolle konzentriert wirtschaftlich für den Schäfer nicht umsetzbar ist. Der Preis für die Wolle deckt mit Glück die Kosten für die Schur. Die Wolle wird zum Abfallprodukt, statt dessen werden Schafe überwiegend zur Milch- und Fleischproduktion, sowie der Landschaftspflege gehalten.

Der Schäfer aus dem Artikel versucht das Problem anzugehen: „Er hat sich mit anderen Schäfern aus dem Kreis Kleve zusammengeschlossen. Sie geben ihre Wolle an einer zentralen Sammelstelle ab und lassen sie dort von einem holländischen Großabnehmer abholen, der das Material dann weiter nach China verkauft, wo Teppiche daraus gemacht werden.“ (7)

Ich als Spinner frage mich da, ob das nicht alles etwas schräg ist: Deutsche Wolle wird für ein Minimalpreis nach China exportiert und für Teppiche eingesetzt, das klassische Einsatzgebiet für die gröbsten Wollen. Und dann wird quer über unseren Globus feinste Wolle mit allen dazugehörigen Tierschutz-Problemen für den 10-Fachen Preis wieder importiert. Unsere regionalen Schäfer können von der Schafhaltung kaum leben, geben auf oder brauchen Nebenerwerbe, unsere Wolle wird im schlimmsten Fall verbrannt und von die Gesamtökobilanz dieser globalen Ex- und Importe macht die Sache noch absurder. Der Grund liegt zum großen Teil bei der Feinheit! Diese Erfahrung habe auch ich schon im Kleinen in meinem Shop machen müssen. Wenn es um Wolle für den Endkunden, also den Stricker oder Mützenträger geht, dann ist kuschelfeine Wolle gewünscht. Zum Beispiel meine Demeter-zertifizierte, höchst ethische und regionale Wolle hat da keine Chance, weil sie nicht direkt auf der Haut getragen werden kann bzw. die meisten es vom Hautgefühl nicht mehr gewohnt sind.

Vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken, wenn wir wieder die HM-Mütze (die meistens eh nicht aus Wolle besteht) einkaufen oder feine Merino-Wolle verstricken wollen, ob wir doch nicht etwas damit zu tun haben und ob wir uns nicht für eine Alternative entscheiden können. Doch genug von der Ethik für heute, schaut mal in den Artikel, ich habe ihn finden Quellen verlinkt! 🙂

Über die Bergschafe und die Landschafe werde ich in anderen Posts des Faserkalenders berichten – ich habe etwas in mein Notizbuch gespickt und habe noch ein paar tolle ganz andere Wollen im Vlies kardiert für euch, wo es noch um unsere alten deutschen Schafrassen gehen wird.

Dies war jetzt fast das letzte Merino in der Reihe, ich glaube noch 2 werden kommen. Aber ich das schon mal sagt und dann entpuppen sich mehr Fasern als Merino… Erstaunlich, wie viel Merino in den Wollen steckt, das hätte ich nicht gedacht!

Quellen:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Schafrassen#Deutschland am 13.12.2016.

(2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Texelschaf am 13.12.2016.

(3) Ebd. 

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Zwartbles am. 13.12.2016.

(5) http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/schwarze-schafe-wolle-ohne-wert-aid-1.1818580 am 13.12.2016.

(6) Ebd.

(7) Ebd.

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