Faserkalender – Türchen 14: Die Brasilianer

naturfasern-kopieWieder aus der Mischmasch-Packung ist dieses mal ein kamelfärbender Kammzug an der Reihe. Die Händler-Info lautet: Wolle aus Brasilien. Wie immer nicht viel 😉

Bei meiner Recherche habe ich einiges sehr spannendes in Erfahrung gebracht, aber nichts, was mir beider Frage nach dem Schaf hinter der brasilianischen Wolle. Naja, nur eine Möglichkeit, doch dazu später.

Worauf ich aber gestoßen bin, sind die Haarschafe, denn dieser Schaftyp ist in Brasilen verbreitet. Zunächst noch mal zu den Schafarten. Man kann sie nach ihren Wolltyp unterscheiden, das sieht dann so aus:

  • Merinoschafe
  • Langwollschafe
  • Kurzwollschale
  • Grobwollschale
  • Haarschafe

Was ist eigentlich ein Haarschaf?

Kurz gesagt: Wollschafe liefern uns heute Wolle, die wir scheren müssen und die Haarschafe verlieren sie im Rahmen eines Fellwechsel und verfügen über ein Winterfell und ein kurzes Sommerfell. Erinnert mich etwas an die Skandinavier…?!

Gut, das war nun sehr kurz gefasst. Ein toller Artikel von Dr. Rolf Minhorst geht ausführlich auf diese Unterscheidung ein. Einen Link dazu finden Ihr in den Quellen. Besonders spannen fand ich als Spinner hier die Ausführung über die Haartypen.

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„Haarschafe tragen eine Kurzhaardecke, bestehend aus zwei Haartypen: Grannenhaare (Deckhaare) mit einer Schicht feiner Wollhaare/Unterwolle darunter. Im Sommer ist diese Kurzhaardecke glatt und im Spätherbst wird ein Winterfell von 4-5 cm Dicke geschoben, welches im Frühjahr ab März auf natürliche Weise wieder abge- stoßen wird. Schert man das Winterfell der Haarschafe ab, so zerfällt das geschore- ne Haar in Einzelhaare und lockere Tuffs.

Wollschafe tragen ein sehr dichtes, langes Vlies aus fein gekräuselten Wollhaaren. Ein Wollvlies enthält kaum Grannenhaare. Deckhaare wachsen bei Wollschafen nur im Gesicht und auf den unteren Beinen. Schert man ein Wollschaf im Frühsommer, so bleibt das abgeschorene Vlies aufgrund der feinen Kräuselung der Wollhaare nach der Schur in der Regel zusammenhängend bestehen und kann für Transport und Vermarktung praktisch zusammen gerollt werden.“ (1)

Weiterhin wird erklärt, wie sich diese Haartypen von einander unterscheiden. Sie wachsen aus unterschiedlichen Haarfolikeltypen. Die Kemp- und Grannenhaare wachsen aus sogenannten Primärfollikel und die Wollhaare aus Sekundärfollikel. Des Weiteren bestehen Kemphaare aus einen Markkanal im Inneren. Bei Grannenhaaren ist dieser Markkanal unterbrochen und Wollhaare haben gar keinen Markkanal und sind stattdessen fein gekräuselt. Dieser Markkanal, auch Medula genannt, verhinderte früher das Färben der Wolle, sodass diese Art Haare unerwünscht waren und deren Aufkommen durch Züchtung minimiert wurde. Übrigens können die Tiere ihre Grannen und Kemphaare aufrichten. Die Primärfollikel sind mit einer Schweißdrüse und mit einem kleinen Muskel verbunden, der die Haare aufrichtet. So waren die Tiere besser isoliert und gegen Kälte geschützt. (2) Erinnern wir und bei dieser Gelegenheit noch mal an den Polarfuchs und die verschiedenen Wollqualitäten. Auch die Grannenhaarlocken der Skandinavier, Wie Spelsau und dergleichen im Post über das Gotlandschaf erinnert mich nun an das nordische Klima und das zottelige, langhaarige Vlies…

Bei der Unterscheidung zwischen Woll- und Haarschaf spielt nun das Verhältnis beider Follikeltypen eine Rolle. Wie sieht das Verhältnis zwischen Wollhaare zu Grannen- und Kemphaare aus?

Bei Haarschafen liegt ein Verhältnis von 2-4 Unterhaar (Wollhaar)  zu 1 Oberhaar (Grannen-/Kemphaar) vor. Die Grannenhaare haben einen Faserdurchmesser von 60-160 mic, die Wollhaare eine Feinheit von 15 mic. Im Vergleich dazu das Verhältnis bei einem Merino: 24 (-40) : 1 und Feinheiten von 18-25 mic. (3)

Dann ist da noch der Fellwechsel. Hier spielt der Haarzyklus, also die Lebensdauer eines Haares eine Rolle. Bei Haarschafen, wie auch bei Kurzwollschalen, ist dieser Lebenszyklus nur bis einige Monate lang. Danach fällt das Haar aus und ein neues wächst nach. So kann es zu einen Winterfell und einem Sommerfell kommen. Die Haare der Wollschafe haben eine längere Lebensdauer von bis zu 8 Jahre und so kommt es zu keinem Fellwechsel im Winter. (4)

Die Herkunft der Haarschafe

Unsere Schafe lassen sich auf 3 Urformen zurückführen: Muflon, Urial und Argali. Dr. Minhorst schreibt dazu: „Es gilt heute als gesichert, dass die kurzschwänzigen Hausschafrassen vom Muflon abstammen. Zu dieser Rassegruppe gehören z. B. alle Schnucken, die Gotlandschafe, aber auch die westafrikanischen Zwergschafe. Die langschwänzigen Hausschafrassen hingegen stammen von Urial und Argali ab. Hierzu gehören sehr viele Haarschafrassen und alle Schafrassen, die feine Wolle produzieren.“ (5)

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Es wird in der Forschung auch davon ausgegangen, dass man beide Schaftypen, also die Wollschafe und die Haarschafe, bewusst zur Züchtung eingesetzt hat. Je nach Zuchtziel, sei es Wolle oder sei es die Fleischproduktion, wurde der eine oder der andere Typ favorisiert. „Haarschafe dürften der Produktion von Fleisch und Häuten gedient haben, die Wollschafe lieferten Wolle für Bekleidung und dichte Vliese mit feiner Kräuselung, um damit das Gold aus den Gebirgsbächen zu filtern. Gemolken wurden wahrscheinlich alle Schaftypen und Schläge, soweit sie genügend Milch gaben.“(6)

Nicht nur die Erzeugnisse, sondern auch die Hausschafe wurden exportiert und verteilten sich entlang der Handelsrouten auf dem Globus. Doch damit stießen Rassen, die einem warme Klima entstammen auch in kalte Klimazonen vor und mussten sich dort anpassen bzw. sie wurden durch die Zucht neu angepasst, z.B. um den Wollertrag oder die Widerstandskraft des Tieres zu höhen. Dabei wurden Haarschafrassen in den kalten Region verdrängt und in den tropischen und subtropischen Regionen erhalten. Der verminderte Handelsaustausch des europäischen Kontinents im frühen Mittelalter verstärkte diese Spezialisierung auf Wollschafe.

Mit der Wiederentdeckung Amerikas brachten die Kolonisten Wollschafe nach Südamerika. Doch das warme Klima hatte zur Folge, dass sich diese Schafe anpassen mussten und ihr dichtes Wollvlies verkümmerte. Gleichzeitig wurden Haarschafrassen mit dem Sklavenschiffen eingefahren, die wesentlich besser mit dem südamerikanischen Klima zurecht kamen. Darauf hin wurden verstärkt tropische Nutznassen importiert, die auf dieses Klima bereits angepasst waren und neue Haarschafzüchtungen entstanden und heute auf dem Amerikanischen Kontinent neuer Beliebtheit erfuhren. Auch in Europa und in Deutschland wird die Züchtung und Haltung von Haarschafen vorangetrieben, unter anderem auch mit Blick auf den stetig fallenden Wollpreis für europäische Wollen. (7)

 

 

California Red?

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Für unsere Wolle kommen diese Schafe jedoch nicht in Frage, denn sie sind ja keine Wollschafe. Ich habe selten ein Vlies in dieser Färbung gesehen. Die mir bekannten Füchse haben keinen Kamelton und das Karakulschaf stammt aus den osteuropäischen Raum. Aber es gibt eine amerikanische Rasse, die eine vergleichbare Farbe hat.

4491Die California Red wurde 1970 entwickelt und entstanden durch die Kreuzung zwischen Barbados und Tunis Schafe. Die Lämmer kommen mit einer rost- oder zimtroten Farbe zur Welt, die zwar heller wird, sich aber einem kamelbraun bis Beige annähert. Die Wolle ist seidig in der Textur, hat eine Feinheit von etwa 30 mic und ist eine Spezialität Markt der Spinner und Weber. (8)

Tja, könnte es sich um dieses Schaf handeln? Ich würde es wahnsinnig gerne wissen, denn wenn ja, habe ich einen neuen Liebling. Die Wolle fühlt sich einen Tick weicher als 30 mic an, könnte aber hinkommen, ihre Stapellänge ist optimal und ihr Krimp ist mäßig. Damit würde ich sie in die bereits oft beschriebene Verwendungskategorie, der semiwoolen Garne einsortieren. Noch hatte ich nicht die Gelegenheit sie anzuspinnen, doch, sobald es geklappt hat, werdet ihr es erfahren 🙂

Quellen:

 

(1) Dr. Rolf Minhorst: Was genau ist ein Haarschaf? o.O. April 2008. Als PDF:

http://www.nolana-schafe.de/de-pages/wp-content/uploads/02_was-ist-ein-haarschaf.pdf am 14.12.2016.

(2) Vgl.: ebd.

(3) Vgl.: ebd.

(4) Vgl.: ebd.

(5) Ebd.

(6) Vgl.: ebd.

(7) Vgl.: ebd.

(8) Vgl.: http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=1786 und http://www.caredsheep.com am 14.12.2016

Bildquellen:

Haarschaf-Graphik: http://www.nolana-schafe.de/de-pages/wp-content/uploads/02_was-ist-ein-haarschaf.pdf am 14.12.2016.

Urschafe: Ebd.

California Red: http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=1786  am 14.12.2016

 

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