Faserkalender – Türchen 15: Ein letztes Mal Merino

Dies ist nun der letzte Merino- Kammzug, den ich in der Werkstat habe. Er stammt aus der Mischmasch-Tüte und ratet mal: die Angabe war süddeutsche Merinowolle, 26 mic. Wahnsinn, ein Hauch von Info 😉

thumb_imgp3473_1024Diese Wolle mag ist sehr gerne. Sie ist freilich nicht so fein, wie Merino sein kann. Mit 26mic gehört sie zu den grobem Merino-Wollen. Wir erinnern uns an die Feinheitstabellen aus dem ersten Merino-Beitrag des Faserkalenders. Betrachtet man nur die Merinowolle, verschieben sich ja die Reinheitskategorien nach unten und ab 24mic handelt es sich schon um „grobe“ Wolle.

Ich habe diese Wolle auch in meinem Shop-Angebot als handgefärbte Kammzüge, denn sie ist zum Einen aus Deutschland und ich möchte deutsche Wolle und Schäfer unterstützen und zum Anderen eignet sie sich gut für Einsteiger, sowie robustere Wollen. grob heißt ja nicht weniger edel, sondern einfach nur für andere Zwecke geeignet. Außerdem hab sie einen guten Krimp, der ein schönes Volumen in das Garn zaubert und sehr gut für Halbkammgarn geeignet ist.

Zum Abschluss der der vielen Merino-Beiträge möchte ich noch einmal alle Wollen nebeneinander zeigen.

Zunächst hatte ich einige weiße Merinos

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Zu sehen ist von links oben nach rechts unten:

  • Südamerikanisches Merino 22 mic
  • Deutsches Merino 26 mic
  • Bio-Merino 18 mic
  • Südamerikanisches Merino 26 mic, schneeweiß gebleicht

Und unten ist noch mal südamerikanisches Merino, genauer Chubut-Merino, in 3 Feinheiten, zu sehen: 16,5 – 19,5 – 21,5 mic.

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Und dann waren doch erstaunlich viele naturfarbene Merinos am Start. Ich sagte ja in einem Beitrag, dass Merinos, auch durch die Zuchtziele, überwiegend weiße Wollen produzieren und dass farbige Wollen eher selten sind. Gemessen am weltweiten Merino-Bestand ist das auch sicherlich so. Doch meine Recherchen für diesen Faserkalender zeigten mir, dass uns als Spinner doch sehr viele Farbnuancen bei der Merinowolle zur Verfügung stehen.

Dann hatte ich erstaunlich viele naturfarbige Merinos im Stashthumb_imgp3961_1024

Zu sehen ist von links oben nach rechts unten:

  • Spanische Wolle dunkelbraun
  • Deutsche Wolle mittelbraun
  • Spanische Wolle mittelbraun
  • Südamerikanische Wolle mittelbraun
  • Spanische Wolle dunkelbraun (satter und ohne helle Jahre)
  • Australische Wolle beige meliert
  • Australische Wolle grau meliert
  • Polarfuchs (da mit mir ein Nicht-Merino ins Bild gerutscht)

Diese Erkenntnis ist gepaart mit einer zweiten Erkenntnis, die mir auch erst jetzt, durch den Kalender wirklich bewusst wurde: Es gibt wahnsinnig viel Merino! Viele Wollen, die nicht als Merino bezeichnet sind, sondern einfach als „Wolle aus Land xy“ enthält überwiegend Merinowolle.Vielleicht ist es ein Mischmasch aus verschiedenen Merinowollen, mit Anteilen von anderen Schafen, die eine Merino-Einkreuzung haben, aber dennoch die Merino-Anteile im Vlies. Und vielleicht sind es auch die weniger beliebten, also auf dem Wollmarkt preislich schlechter absetzbare Merinowolle, eben weil sie nicht weiß sind, aber dennoch steckt viel mehr Merino drin, als ich es je dachte. DAs ist wirklich mein Aha-Erlebnis, bis jetzt.

Abschließend möchte ich euch noch ein Buch vorstellen. Ich habe es zufällig – ein Glücksfall – erst von wenigen Tagen ergattert. Ich habe es also noch nicht vollständig gelesen, aber ich habe es gesichtet und bin bereits jetzt Feuer und Flamme. Diese Buch wird mein stilles Projekt im Hintergrund für das nächste Jahr werden und ich werde danach ausführlich über dessen Inhalt berichten.

MERINO von Margaret Stove

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„Handspinning, Dyeing & Working with Merino & superfine Wools“ ist ein Buch, dass ich ausschließlich mit Merinowolle befasst. Es führt in unterschiedliche Wollen ein, zeigt Ihren Umgang und legt einen Schwerpunkt auf das Spinnen von superfeinen Fasern. Und das ist genau der Punkt, der mich anfeixt. Ich spinne ja täglich und hantiere Vollzeit mit Fasern, doch da ich aus der Artyarnecke komme und mich erst mit der Zeit ins traditionelle Genre vorgearbeitet habe, lies ich bisher die superfeinen Wollen meistens aus dem Vor, denn ich merkte, dass ich für dieses spezielle Genre – Wolle unter 18mic – ein eigenes Fasergefühl in den Fingern erlernen muss und auch andere Auszugsformen anwenden sollte, um meine gewünschte Garnqualität zu erzielen. Also ist es für ein Projekt, dem ich mich extra und ausführlich widme und nicht en passant mitnehme. Und genau hierbei empfinde ich dieses Buch als sehr aufschlussreich.

Das Inhaltsverzeichnis frei übersetzt (ohne Anhänge):

  • Historische Einführung in die Merinowolle
  • Faservorbereitung
  • Technik um Singles zu spinnen
  • Spinnradeinstellungen und das Spinnen von orientierten Faserstapeln
  • Wieviel Drall?
  • Färben und Mischen von Merino mit anderen Fasern

Margaret Stove zeigt ihren Auszugstyp, den sie sich speziell für diese Wollen angeeignet hat: ein kurzer Auszug mit Support! Quasi eine Handhaltung aus dem horizontalen supported Auszug, den ich vom Gibson und den Highwhorls kenne, nur auf das Spinnrad und den kurzen Auszug übertragen. Cool! Des Weiteren geht sie auf das exakte Zwirnen von feinsten Zwirnen ein und sie zeigt, das Mischen von Merino mit anderen Feinwollen an den englischen Kämmen. Ich freu mich so auf dieses Buch!

Es ist englischsprachig, 108 Seiten stark und erschien 1991 in London.

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