Faserkalender – Türchen 17: Die Mongolei und ihre Fasern

Die Mongolei liegt zwischen Russland und China in Asien, ist 4 mal so groß wie Deutschland und ist mit 3 Mio Einwohner der am dünnsten besiedelte Staat. Die klimatischen Bedingungen lassen kaum Ackerbau zu und das Lang blickt auf eine lange nomadische Kultur zurück, in der Viehhaltung im Zentrum standen.

5 Nutztierarten dominieren die Viehhaltung und entstammen dem Nomadentum: Das Schaf liefern Wolle, Milch und Fleisch, die Zeige liefert Fell und Milch, das Yak liefert Milch, Leder und Fleisch, das Pferd liefert Milch und ist Transportmittel und das Kamel ebenso. (1) In Sachen Wolle sind also das Schaf, das Yak und die Ziege unsere Kandidaten.

thumb_imgp3502_1024Bei unserer Wolle konnte ich wieder keine genauen Informationen recherchieren. Daher vermute ich, dass es entweder wieder eine Merinowolle oder eine Mischwolle unbekannter Schafe ist. In ihren Gefühl ist sie mit all den bereits vorbestellen naturfarbenen Wollen vereinbar. Ich schätze sie aus 26 mic Feinheit und mit unregelmäßigen Krimp. Eine Mischung aus nicht ganz glatter und nicht ganz krauser Faser. Diesmal liegt sie im Vlies vor und damit entfallen ohnehin die glatten Fasermischungen. Nur die Farbe, das denke, fast schwarze braun, ist besonders und spannend. Daher werde ich sie, wie die anderen Wollen als „Mischwollen“ in Naturvliese verwenden. Auch wenn, das nun nicht so euphorisch klingt, freue ich mich auf diese Faser, denn sie erweitert mein Farbspektrum, der ungefärbten Wolle und ihr werde sie auf jeden Fall in einer geplanten Serie Art-Yarns für das nächste Jahr wieder finden:-).

Heute möchte ich über die Kaschmirziege und das Yak berichten.

Die Mongolei gehört zu den wichtigsten Erzeuger der Kaschmirwolle. Die Wolle stammt vom den Kaschmirziegen, die zu den Wollziegen gehören. In den Erzeugergebieten hat die Verarbeitung der Wolle eine über 1000-jährige Tradition. Diese Ziegen leben, wie die Yaks, in einer Höhe von knapp 400m über dem Meeresspiegel und mit einer geringeren Sauerstoffsättigung in der Luft, auf dem Dach der Welt und liefern die feinste Qualität Kaschmir! Es gibt verschiedene Linien der Ziegen, die einen unterschiedlichen Ertrag an Wolle liefern. Daneben gibt es auch in Neuseeland, Australien und Iran Kaschmirziegen. In Nordamerika werden Pygmy-Ziegen gehalten, die Kaschmirfasern liefern. Es liegt also beim Begriff Kaschmir auch eine Unterscheidung zwischen der Ziegenrasse und einem bestimmten Wollstandard vor!

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Die Zuchtziele der Ziegen liegen heute natürlich auf der Feinheit der Wolle und der klaren Unterscheidung zwischen Ober- und Unterwolle. Die Feinheit ist eines der Merkmale, die Kaschmir auch bei der Labelung zu Kaschmir macht. Diese Merkmale wurde durch 3 Organisationen im U.S. WOLL PRODUCTS LABELING ACT 1939 festgelegt: der INTERNATIONAL WOOL TEXTILE ORGANIZATION (IWTO), die CASHMERE AND CAMEL HAIR MANUFACTURERS und der UNITED STATES GOVERNMENT: Die Fasern müssen von der Ziege stammen, die Fasern müssen eine Feinheit von 19 mic oder weniger aufweisen und dürfen nicht mehr als 3% Wolle beinhalten mit mehr als 30mic Feinheit, sprich der Anteil der Grannenhaare. Und der dritte Punkt ist, dass diese Zusammensetzung um nicht mehr als 24% schwanken darf. Aber die Feinheitsanforderungen können auch nicht schärfer sein. Das Schottische Kaschmir soll eine Feinheit von 16/16,5mic haben. In der Textilindustrie wird Kaschmir mit einer Feinheit von 14-16 mic für Strickwaren verwenden und  Feinheiten von 17 – 19mic für Webtextilien. In diese Strickwaren-Kategorie fällt auch das mongolische und chinesische Kaschmir, während das indische, aakistanische und afghanische Kaschmir in die Webkategorie fällt.

thumb_imgp3995_1024Auch das Kaschmirvlies besteht aus Ober- und Unterwolle. Die Grannenhaare sind glatt und „stichelnd“ und müssen entfernt werden, möchte man die feine Kaschmirqualität, also die Unterwolle haben. Je drastischer der Unterschied beider Haartypen in einem Vlies, desto einfacher ist es diese zu separieren. Die kann geschehen, in dem die Wolle im Frühjahr durch Kämmen gewonnen wird. Dabei lässt sich die Unterwolle leichter heraus sortieren. Doch der Standart ist das Scheren geworden und so wird die Gewinnung aufwendiger.

 

Die Kaschmirwolle:

Fasereigenschaften: 4-6,5 cm Stapellänge / Mongolisches Kaschmir ist besonders lang / 14-19 mic Unterwolle (gröbere 19-22 mic) / Pashmina kann feiner sein / Cashgora ist gröber und ein Mis aus Angora- und Kaschmirziegen / Grannenhaar kann 50 – 100 mic stark sein / Natürliche Farben können von weiß, creme bis sanfte Braun- und Grautöne variieren.

Verwendung: Kaschmir kann gut gefärbt werden. Es sollte von Grannenhaare befreit werden und kann von der Flocke, kardiert und gekämmt versponnen werden. Auf Grund seiner Feinheit kann das Garn oder das fertige Textil pillen und sollte sehr achtsam behandelt werden. Das Garn sollte mit ausreichend Drall versponnen werden, denn die feinen Fasern gleiten selbst im Faden gerne wieder auseinander. Singles und dicke Garn entfallen, stattdessen sollte sehr fein gesponnen werden und ggf. durch Zwirnen ein stärkeres Garn aufgebaut werden. Textile aus Kaschmir kann sehr warm werden, deshalb reicht schon eine dünnes und leichtes Textil aus.(3)

Übrigens ist die Angoraziege zwar auch eine Wollziege, aber nicht die gleiche Ziege, wie die Kaschmirziege. Ihr Ursprung ist unbekannt. „Mit dem Einwandern von Nomaden aus Turkestan im 13. Jahrhundert oder durch Handel sei diese Rasse nach Anatolien gelangt und sei namensgebend im Raum Ankara, dem damaligen Angora, kultiviert worden. Nach einem kurzen Exportverbot des türkischen Sultans und dem Aufheben desselben im Jahre 1838, hätten die Erzeuger zur schnellen Nachfragebefriedigung lokale kurdische Ziegen eingekreuzt, was sich desaströs auf die Wollquälität ausgewirkt haben soll.“(4) Doch um die Angoraziege und weitere Wollziegen soll es ein anderes Mal gehen.

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Das Yak:

220px-yak_yamaDas Yak ist eine Rinderart, die in der Himalaya-Region gehalten wird, in der Mongolei, Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Nepal, Pakistan und Tibet. Eine Region, die mit knapp 4ooom über dem Meeresspiegel so hoch liegt, dass die Sauerstoffsättigung bereits abnimmt. Sein Name stammt aus der tibetischen Sprache und bedeutet Grunzochse. Im Gegensatz zum Hausyak ist der Wildyak von Aussterben bedroht. „Wegen seiner Anpassung an die extremen klimatischen Bedingungen seines Lebensraumes stellt der Yak im zentralasiatischen Hochland und den angrenzenden Ländern nach wie vor die Lebensgrundlage eines großen Teils der dort lebenden Menschen dar. Er liefert Milch, Fleisch, Leder, Haar und Wolle. Sein Kot dient als Brennmaterial.“ (5) Ihre Milch wird zu Sauermilch und eine Art Likör vergoren. Ihr Fleisch wird verzehrt und ähnelt unserem Rind und die Tiere werden zum Transport genutzt. Wie bei den Indianern in den USA: Alles vom Tier wird genutzt.

Ihre Tradition ist sehr alt. Die Domestizierung des Yaks in Tibet liegt genauso lange zurück, wie die des Schafes im Euphratgebiet. Heute gibt es verschiedene Yaklinien des domestizierten Yaks. Es gibt auch einen Nordamerikatyp, ausgehen von einem Fanatischen Import 1909, und zählt um die 2000 Tiere.(6)

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Die Yak-Wolle:

Das Yakvlies wiegt um die 25kg. Weiße Yaks erzeugen mehr Wolle als dunkle Yaks und die Wollen können sehr unterschiedlich beschaffen sein, so dass es schwer ist, eine gemeinsame Beschreibung zu finden.
Ihre Wolle besteht wieder aus Grannenhaare und Unterwolle. Die Grannenhaare werden in der heimischen Region der Tiere für Teppiche und Seile verwendet. Generell sind sie zu kratzig für Bekleidung. Die Unterwolle ist feiner und hat eine unregelmäßige Kräuselung und ist elastisch. Alle Fasern sind sehr reißfest, auch wenn sich die Unterwolle weich anfühlt und sie filzen nicht gut. Des Weiteren gibt es noch eine mittelfeine Wolle, die traditionell aussortiert wurde und für die Herstellung von Textilien genutzt wird, die später fast wasserfest und warm sind.

thumb_imgp3983_1024Yakwolle ist auf unseren Markt nicht so weit verbreitet, denn das Aussortieren der Grannenhaare ist schwierig. teilweise können die Grannenhaare fein sein und schwer aus den späteren Kammzug heraus zuhalten. Gelingt es, sind unheimlich weiche und warme Garne möglich. Die natürlichen Farben können vielfältig sein von weiß, beige und zimt über diverse Braun- / Rotbrauntöne, Grautöne bis zu schwarz.

Fasereigenschaften: 

Unterwolle: 3-6cm Stapellänge / weniger als 25 mic / unregelmäßiger Krimp // Chinesisches Yak: 13-22 mic // Nord Amerikanisches Yak: 14-16 mic

Mittlere Wolle: 6-12cm Stapellänge / 25-52 mic / leicht welliger Krimp / glänzend // Chinesisches Yak: 30-52 mic

Grannenhaar: 11-21cm Stapellänge / bis zu 140mic / Kräuselungsarm / lang / stark und kratzig / glänzend // Chinesisches Yak: 30-52 mic

Verwendung:

Yakhaar kann gefärbt werden und durch die natürliche Farben können interessante Herbstfarben erzielt werden. Die Unterwolle muss viel Drall verspinnen werden, sonst gleiten die feinen Fasern auseinander, somit entfallen Garne wie Singles oder Streichgarne. Die Unterwolle kann direkt aus der Flocke gesponnen werden oder fein kardiert und gekämmt. Gemischt mit anderen Fasern ist auch das Filzen wieder kein Problem. Die Garne können verwebt und verstrickt werden und können sogar wasserabweisende Eigenschaften entwickeln.  (7)

Quellen:

(1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolei#Landwirtschaft am 14.12.2016

(3) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 50.

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Angoraziege am 14.12.2016

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Yak am 14.12.2016

(6)  Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 414f.

(7)  Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 419.

Bildquellen:

Angoraziegen, Yak, Kaschmirziege: Wikipedia Commons

Kaschmirfasern: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 351.

Yak unten und Fasern: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 416f.

 

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