Faserkalender – Türchen 18: Karakulwolle

Ab heute folgen viele Wollen, dich überwiegend neu für meine Spinnfinger sind. Ich freue mich also, zusammen mit euch, neue Fasern kennenzulernen. Die meisten Wollen werden im Vlies vorliegen und werden wohl eher von Filtern genutzt werden. Dennoch möchte ich testen, wie sie sich verspinnen lassen und ob sie sich für schöne Streichgarne eigenen. Doch diese Versuche werde ich erst im kommenden Jahr schaffen, aber ihr werdet es nicht verpassen 😉

Jetzt möchte ich erstmal zu diesen Faser recherchieren und schauen, was mich da erwartet. Heute ist das Karakul-Schaf an der Reihe. Hier hilft endlich wieder mal mein schlaues Buch, in dem es ein Portrait dieser Rasse anbietet.

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Das Karakul-Schaf

Das Karakul-Schaf ist eine „very, very old“ (1)  Schafrasse aus Zentralasien und ist in den Steppen und Wüstengebieten beheimatet: Das sind Teile Usbekistans, Turkmenistans und Tajikistan, sowie Kyrgyzstan, Kasachstans, Afghanistans und Pakistans. Nochmals wird betont, dass diese Region eine der Wiegen der Domestikation ist und das Karakul zu den ältesten Schafrassen gehört. (2) Wow!

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Das Karakul-Schaf gehört zu den fettschwänzigen Schafen, d.h. diese Rassen haben ein Fettdepot im Steißbereich und im Schwanz. Dieses Energiereserve hilft den Schafen über Dürreperioden, die in den Heimatgebieten vorkommen. Auch bei Schafen aus der Region Persiens und in Afrika weisen dieses Merkmal auf.

Das Amerikanische Karakul wurde 1909 nach Importen des asiatischen Karakuls in Nordamerika entwickelt. Es erfuhr einige Einkreuzungen von Lincoln, American Tunis, Navajo Churros, Cotswold und anderen Rassen. Ab den 70ern entwickelten Spinner durch sogenannte „spinner-flocks„(3) die Rasse weiter, um ein breiteres Farbspektrum zu erhalten. Spinner-flocks sind kleine Schafherden, die von Spinnern gehalten werden um Wolle zu produzieren (Anmerkung: HEY!). Sie wirkten auch dahin gehend ein, dass die Wolle fettärmer wurde und leichter zu spinnen.

Zu dieser Zeit wurde das Spinnhandwerk erst wieder neu entdeckt und belebt und erfuhr zuvor, durch die industrielle Revolution eine Lücke in der Weitergabe der Tradition und des Wissens. So waren viele Kenntnisse noch „verloren“ und mussten erst wieder erarbeitet werden. Das betraf auch das Spinnen von sehr feiner Wolle. Des Weiteren waren die Spinner fasziniert von farbigen Wollen, die zu der Zeit noch recht selten auf dem Markt waren. Shetlandwolle und Islandwolle waren Wollen, die zu dieser Zeit auf dem amerikanischen Markt nicht zur Verfügung standen. Generell waren weiße oder fast weiße Wollen gewünscht, da diese an die Tool Wools abgegeben werden konnten. Die Karakul-Schafe verfügen hingegen über ein dominantes Farbgen. Da die Spinner eine feinere Wollqualität erzielen wollten, kreuzten sie entsprechend ein, doch das dominante Farbgen erhielt die farbigen Schafe. (4)

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Exkurs: Der Wool Pool war eine Kooperative, die Wolle von kleineren Schäfern sammelte (ähnlich unseren Sammelstellen), diese dann nach Qualität sortierte und in Ballen zusammen fasste. Diese Ballen (50-60 Vliese) wurden dann am Ende der Schersaison versteigert. Die Wollen waren überwiegend Wollen von „down breeds„(5), wie Suffolk, Hampshire, Soubhdowns und Shropshires. Down Breeders  konzentrieren sich bei der Zucht auf die Fleischproduktion und auf „club lamps„(6), Lämmer, die für Show und bestimmte Zuchtprogramme geeignet sind. Große Schäfer verkaufen ihre Wolle direkt an die Wollindustrie, die kleineren Schäfer an Wool Pools. (7).

Die Wolle

Karakuls haben ein „double coated“ (8) Vlies, mit feiner und kürzeren Unterwolle und längere und stärkere Oberwolle. Diese Wollen können einfarbig sein oder sie können auch unterschiedliche Farben tragen. Die Farben können dann innerhalb eines Stapels variieren. Ihre Wolle hat einen leichten Glanz aber wenig Elastizität. Sie ist strapazierfähig und lässt sich leicht filzen.

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Fasereigenschaften:

15-30 cm Stapellänge / 29 mic bzw. 25-36 mic (Amerikanisches Karakul) bei der Oberwolle und 20 mic bei Unterwolle, die Feinheiten können stark schwanken / offene Locken mit breiter Basis (Schnittenden) und nur leicht zusammen haftende Faserenden, die Locken lassen sich leicht separieren / große Bandbreite in den Farben von schwarz über braun, Grauschattierungen und manchmal auch Gold- und Rottöne / die Wolle kann einfarbig sein oder innerhalb eines Stapels verschieden schattiert sein.

Exkurs: Es gibt für bestimme Farbtöne sogar eigene, traditionelle Bezeichnungen!

  • Arabi: schwarz, ergraut mit dem Alter der Tiere!
  • Guligas: rosig
  • Kambar: rötlich braun
  • Shirazi: blaugrau, ein Mix aus weiß und schwarz
  • Sur: besonderes braun mit helleren Faserenden

 

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Verwendung: Zunächst sollte die Wolle geflickt oder gekämmt werden um die Unterwolle aus der Oberwolle zu lösen. Die Wolle kann kardiert werden, wenn man sich beim Kardieren langfaseriger Wolle wohl fühlt. Sie ist leicht zu spinnen und kann ein breites Spektrum an Garnen abdecken: Dicke Garne, feine Garne, weiche Garne oder texturierte Garne. Im Mittleren Osten werden die Garne für die Herstellung von Socken verwendet, dennoch ist das Garn oft kratziger als es bei uns bevorzugt wird. Und das Garn eigenet sich gut als Kettgarn beim Weben. (9)

Soviel die Recherche für heute. Ich bin gespannt, wie sich das Vlies für meine Projekte eignet… schade, dass die Tage immer so kurz sind 😉

PS in eigener Sache: Ich danke für die Korrekturhinweise aufmerksamer Leser! Leider passieren mir immer wieder Fehler. Autocorrect ist etwas korrigierfreudig und ich bemerke es beim Korrekturlesen sehr oft nicht mehr, da ich eine kleine Leseschwäche habe und Buchstabendreher gerne überlese. Ich bitte um etwas Nachsicht und danke für alle Hinweisen, bei groben Buchstabensalat;-)

Quelle:

(1) D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 276.

(2) Vgl.: ebd.

(3) Ebd., S. 277.

(4) Vgl.: ebd. S. 277f.

(5) Ebd., S. 68.

(6) Ebd.

(7) Vgl.: S. 68

(8) Ebd., S. 277.

(9) Vgl.: S. 277f.

Bildquellen:

Relief von männlichen Schafen des Karakultyps an der Apadana-Treppe in Persepolis (500 v. Chr.): Wikipedia Commons.

Schafabbildungen: http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=3832&ph=2 am 17.12.2016

Faserabbildung: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 279.

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