Faserkalender – Türchen 19: Russische Wolle

Diese Wolle kommt aus Russland: Eine wunderschön kamelfarbene Wolle im Vlies kardiert. Wie bei der gestrigen Wolle, stammt sie aus der Serie Fasern, die ich probeweise im Vlies bestellt habe. Ihre Feinheit wird mit 34 mic angegeben.

Da es wie immer schwer ist, mehr über diese Faser zu erfahren möchte ich heute schauen, welches Schaf aus Russland vorgestellt werden kann.

Das Romanov-Schaf

Zur Namenherkunft habe ich zwei Thesen gelesen: Eine Benennung nach der Stadt Romanovka und eine Benennung nach dem Adelsgeschlecht der Romanows.(1)

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Die Stadt Romanovka liegt nordöstlich von Moskau und wird heute Jaroslawl genannt. Das Klima ist hart und weist sehr große Temperaturunterschiede zwischen Winter und Sommer auf. Die gefühlte Temperatur im Winter kann bis zu -30° C erreichen und die Sommer sind heiß. (2)

Die Schafe werden den Kurzschwanzschafen zugeordnet, wie viele andere nordeuropäische Schafe auch. Bereits berichtet habe ich von dem Gotlandschaf und dem Spelsauschaf. Auch das Shetlandschaf und das Islandschaf, welche ich im letzten Beitrag erwähnte, gehören zu den Kurzschwanzschafe.

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Typisch für die Romanovs ist die hohe Lämmerzahl pro Geburt. Der Durchschnitt liegt bei 3-4 Lämmer, doch auch bis zu 9 Lämmer sind möglich. Ein Romanov-Schaf kann zu dem zwei Mal pro Jahr lammen und die Geburten sollen, trotz der Mehrlinge, leicht verlaufen. (3)

Die Schafe wurde für die Fellproduktion gezüchtet. Ihre Felle waren ein guter Kälteschutz in den kalten Wintermonaten. Erstaunlich finde ich den Hinweis, dass die Felle der Romanov-Schafe nach dem Gerben um einiges leichter sein sollten, als jene von anderen Schafrassen. So wurden natürlich auch die Bekleidung am Körper leichter. (4)

Die Wolle:

Ihre Lämmer werden schwarz geboren. Die Wolle wird später blaugrau, also eine Mischung aus schwarzer Unterwolle und weißer Oberwolle, die im Vlies einen Mischton, blau, erzeugen. Doch auch weiße Schafe sind möglich. Ihr Kopf ist schwarz mit einer weißen Blesse.

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Sie haben also wieder eine „double-coated“ Vlies. Doch ihre Unterwolle ist mit 16-22 mic sehr weich. Ungewöhnlich ist jedoch, dass beide Wollen eine fast gleiche Faserlänge aufweisen. Meist ist sind die Fasern der Oberwolle wesentlich länger als die der Unterwolle. Dies trifft hier nicht zu. (5)

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Fasereigenschaften: 10-13cm Stapellänge / Oberwolle 40-150- mic, Unterwolle 16-22 mic

Verwendung: Die Faservorbereitung dürfte schwierig werden, denn es müssen Ober- und Unterwolle getrennt werden, doch die ähnlichen Faserlängen erschweren dies. Auch das Färben dürfte auf Grund der natürlichen Farben nicht ganz einfach werden und auch für das Spinnen wird wohl etwas Improvisation nötig sein. (6) Ich werde es bald merken 😉

Traditionell wurde diese Wolle nicht versponnen und zu Textilien verarbeitet. Stattdessen nutzte man die ganzen Häute mit dem Fell. Es wurden Mäntel hergestellt oder auch Filzprodukte, wie Stiefelteile oder Handschuhe. (7)

Ich persönlich werde den Versuch wagen, die Vlies möglichst locker, flockig zu einem Supercoil-Artyarn zu verspinnen, dass ich dann in Webstücken oder Wandbehängen austesten möchte.

Quellen:

(1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Romanow-Schaf am 18.12.2016.

(2) Vgl.: ebd.

(3) Vgl.: http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=5647 am 18.12.2016

(4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Romanow-Schaf am 18.12.2016.

(5) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S. 183.

(6) Vgl.: ebd.

(7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Romanow-Schaf am 18.12.2016.

Bildquelle:

Schaf: http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=5647 am 18.12.2016

Landschaft um Jaruslawl: Wikipedia Commons am 18.12.2016

 

 

 

 

 

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