Faserkalender – Türchen 21: Landschafe

Auf ein Neues: eine unbekannte Wolle – „Landschafwolle“ – und eine neue Recherche.

Was sind eigentlich Landschafe?

Hier sind wir wieder bei der Schafrasseneinteilung. Es kann nach Wolltyp unterschieden werden, das haben wir bereits in einem früheren Post getan. Man kann die Rassen aber auch nach ihren Verwendungszweck unterscheiden:

  • Wollschafe
  • Landschafe
  • Merinoschafe
  • Fleischschafe

Die Landschafe lassen sich folgendermaßen einteilen(1):

  • Mischwollige deutsche Land- und Heideschafe: Heidschnucke, Bentheimer Landschaf, Rauwolliges Pommersches Landschaf
  • Schlichtwollige deutsche Landschafe: Bergschaf, Rhönschaf, Ostfriesisches Milchschaf, Schwarzwaldschaf
  • Schlichtwollige Landschafe im übrigen Europa
  • Steppenschafe (mischwollige): Fettschwanzschaf, Fettsteißschaf

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Die Mischwolligen Landschafe

Über das Friesische Milchschaf habe ich gestern berichtet. Heute möchte ich etwas über das Bentheimer Landschaf, das Pommersche Landschaf und die Heidschnucke schreiben.

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Das Bentheimer Landschaf ist erstmals 1864 nachgewiesen und ist in der Region um Bentheim beheimatet. In der ehemaligen Grafschaft wurde das deutsche Heideschaf mit holländischen Heideschafe gekreuzt. Das gleiche geschah auch in Holland und dort entstand eine Schwesterrasse, das Schoonebeker Schaf. Heute ist das Bentheimer Schaf vom Aussterben bedroht. 2005 wurde es zum Haustier des Jahres ernannt und 2011 waren knapp 2500 Tiere in Deutschland gelistet. Als Nutzrasse wird das Bentheimer Schaf zur Landschaftspflege und in Sand- und Moorheiden eingesetzt. Im Tierpark Nordhorn und im Wildpark Schwarze Berge wird das Bentheimer Landschaf als bedrohte regionale Haustierrasse erhalten und gezüchtet. (2)

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Das Rauwollige Pommersche Landschaf ist eine andere Hausschafrasse. (3)

Die Tiere haben eine schwarze Haut und liefern eine Mischwolle die fast schwarz (blau) bis grau ist. Sie kann versponnen werden und eignet sich für strapazierfähige Garne für Outerwear.

Ich habe eine Seite gefunden, die historische Zuchtziele dokumentiert. Ich habe euch hier die Ziele bezüglich der Wolle heraus geschrieben(4):

Gaede, 1926: „(…) Die Länge der Wolle ist bedeutend. Spricht man von einer Länge der Wolle, so ist Voraussetzung, das ihr Wachstum 1 Jahr gedauert hat und dass beim Messen die Kräuselungsbögen gerade gestreckt sind, ohne dass eine Dehnung des Haares stattgefunden hat. Die grauwolligen Landschafe haben häufig eine Wollänge von 28-36 cm. Infolgedessen teilt sich auch die Wolle auf dem Rücken und fällt seitwärts ab. Diese Art der Wollagerung auf dem Körper ist von großer Bedeutung, da die Tiere dadurch in der Lage sind, selbst bei nassem Wetter auf der Weide zu bleiben, ohne dass die Gefahr besteht, dass das Wasser bis auf die Haut eindringen und so leicht eine Erkältung herbeiführen könnte. Das Wasser bleibt nur auf dem Vlies und tropft hier ab. Die Eigenschaft, Strähnchen und Stapel zu bilden, besitzen die Wollhaare der grauwolligen Landschafe nicht, allerdings mit der Einschränkung, dass diejenigen Schafe, deren Wolle noch nicht zu lang ist, eine gewisse Stapelbildung zeigen, deren Form offen und spießig ist. Jedoch mit Zunahme des Wachstums der Wollhaare verliert sich diese Eigenschaft mehr und mehr. Die Haare liegen dann neben- und aufeinander und geben dadurch dem Körper eine schützende Decke.(…)“

Arcularius (1939): “ (…) Feinheit C-D-E. Lange Mischwolle. Ausgeglichenheit wird angestrebt. Spinnfähigkeit für Hausfleiß muß erhalten bleiben.(..)“

Hering (1941): „(…) Die Wollfeinheit von D-E wird aufrecht erhalten, wie die Länge und die hellgraue, graublaue und grauschwarze Naturfarbe, weil diese Wolle im Haushalt zur Werkkleidung verarbeitet wird und von keiner anderen ersetzt werden kann. (…)“

1955: „(…) Landschaf mit rauer Wolle bei guter Fruchtbarkeit und bester Kondition mit befriedigender Fleisch- und Wolleistung zu züchten. Dabei sollte die Wolle bei graublauer bis blaugrauer Farbe mit stahlblauem Glanz eine C- bis CD-Feinheit aufweisen (30-34 µ). (…)“

1956 ( Tierzuchtinspektion Schwerin): „(…) Wolle: mischwollig, C-CD Sortiment, guter Flankenbesatz, Mindestlänge 12 cm, Farbe graublau bis blaugrau. Wolleistung: Böcke 5 kg, Muttern 3,5 kg, Rendement mindestens 55 %. (…)“

Heute: „(…) Kräftige, sehr lange Mischwolle in den Feinheiten C-D mit feiner, dichter Unterwolle. Wollfarben grau bis blau, im Vlies ausgeglichen. (..)“

Exkurs: Wollklassifizierung

Ich hatte ja bereits über Wollfeinheiten gesprochen, allerdings bezogen auf Merinowolle und dabei ließ ich unsere deutschen Wollklassen außer Acht, welche mit Großbuchstaben von A-E eingeteilt werden. Deshalb möchte ich eine Tabelle nachtragen welche, diese Feinheiten mit den mic in Bezug setzt (5):

Länge in cm Mikron µ England USA Deutschland
5 – 8 16 – 18 80’s Very fine XXX (80’s) AAA
3 – 5 19 – 20 70/80’s Fine XX (70’s) AA
2 – 3 21 – 22 64’s Fine medium X (64’s) A
6 – 8 23 – 24 60/64’s High Half Blood (60’s) A/AB
8 – 10 25 – 26 60’s Half Blood (60’s) AB/B
10 – 12 27 – 28 58’s 5/8 Blood (56’s) B
10 – 12 29 – 30 56’s High 1/4 Blood (50’s) C1
12 – 15 31 – 33 48/50’s 1/4 Blood (48’s) C2/D
15 – 18 34 – 36 44/46’s Low 1/4 D1
16 – 18 37 – 39 44’s Common (44’s) D2
18 – 20 40 – 41 40’s Braid (40’s) E
20 – 22 42 – 44 36’s EE

 

Die Heidschnucke gehört zu den Nordischen Kurzschwanzschafen. Hierzu zählen weitere Schafe, von denen wir schon ein paar kennen gelernt haben:

  • Graue Gehörnte Heidschnucke
  • Weiße Hornlose Heidschnucke (Moorschnucke)
  • Weiße Gehörnte Heidschnucke
  • Skudden
  • Ouessantschaf aus Frankreich
  • Gotlandschaf
  • Guteschaf
  • Ålandschaf

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Die Heidschnucke stammt wohl vom Mufflon in Sardinien und Korsika ab. Ursprünglich wurde sie als Heideschafe in weiten Regionen wie der Bretagne, Schottland, Norddeutschland, Skandinavien und Sibirien eingesetzt. In Deutschland und in der Lüneburger Heide hat sich die graugehörnte Heidschnucke durchgesetzt. Ihre Wolle wurde auf Heidehöfen traditionell für Teppiche und Outerwear genutzt, ihr Fleisch diente der Ernährung der Familie und das Tier wurde in der Landschaftspflege eingesetzt.(6) Die Wolle der grauen Heidschnucke ist grau und ihre Haut ist schwarz. Die Lämmer werden mit schwarzer Wolle geboren, die sich später aufhellt. Es gibt auch einige weiße Tiere der grauen Heidschnucke. Heute wird die Wolle auf Grund ihrer Grobheit kaum noch genutzt, statt dessen werden die Schafe überwiegend zur Fleischgewinnung gehalten.

Übrigens: Jedes Jahr, immer am zweiten Donnerstag im Juli, findet in Müden der Heidschnuckentag statt. (7)

Fazit: 

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Das Bentheimer Landschaft hat eine weiße, recht grobe und langfaserige Wolle. Das Pommersche Wollschaf soll eine Wollfeinheit von 30-34 mic aufweisen und im blauen Farbbereich liegen.Und die Heidschnucke hat ebenfalls eine blaue/graue Wolle, die sehr grob ist. Das Friesische Milchschaf kann weiß bis schwarzbraun sein und soll eine Feinheit von 32-38 mic aufweisen.

Unsere Wolle hier ist mittel-braun meliert und hat eine Feinheit von 25 mic, somit entfallen alle Kandidaten für unsere Wolle und die Frage, welches Landschaf es sein könnte, muss zunächst offen bleiben.

In den letzten Türchen kommen noch ein paar weitere Schafe, darunter auch die Bergschafe, und vielleicht hilft diese Recherche noch etwas weiter.

Quellen:

(1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hausschaf am 21.12.16.

(2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bentheimer_Landschaf am 21.12.16.

(3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rauwolliges_Pommersches_Landschaf am 21.12.16.

(4) http://www.pommernschafe.de/histoziel.html am 21.12.16.

(5) http://www.handspinnen.de/klass/index.html am 21.12.16.

(6) Vgl.: http://www.schafzucht-niedersachsen.de/Schafzucht-Verbaende-Niedersachsen/index.php?option=com_content&view=article&id=22&Itemid=664&lang=de am 21.12.16.

(7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heidschnucke am 21.12.16.

Bildquellen:

Heidschnuckenherde: Wikipedia Commons am 21.12.16

Bentheimer Landschaf: ebd.

Pommersche Landschaf nach der Schur: ebd.

Heidschnucken: ebd.

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