Faserkalender – Türchen 24: Steinschafe

Halleluja! Es ist so weit, endlich ist Weihnachten 🙂

Und heute schreibe ich meinen letzten Schafbeitrag für dieses Jahr. Ich hoffe, die Kalender-Reihe hat euch gefallen. Der Schafkosmos hat sich noch lange nicht erschöpft und ich werde im neuen Jahr immer wieder über unsere Wolllieferanten schreiben. Doch dann nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern konzentrierter auf bestimmte Familien.

Zuletzt werde ich nun zu den Steinschafen recherchieren und ich zeige euch hier eine wunderschöne dunkle Steinschafwolle vom Lamm im Vlies. Und das sind die Angaben: 60 % naturfarbene Wolle + 40 % schwarz eingefärbt Wolle, mittelfein mit 27 mic.

Das Steinschaf gehört zu den Bergschafrassen, von denen ich gestern berichtete. Hier viel schon ein paar Mal das Steinschaf, als Züchtungsgrundlage für das weiße Bergschaf, doch ich habe es ein wenige versucht zu umschiffen, denn heute geht es ja um das Steinschaf.

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Heute ist die Schafrasse von Aussterben bedroht und wird nur noch in kleinen Beständen als Hobby oder Nebenerwerb gehalten. Das Schaf ist ideal an die Hochgebirgslage angepasst. Es besitzt sehr harte Klauenum in dem steinigen und steilen Gelände gut voran zu kommen. Es hat einen feingliedrigen Körperbau und seine Wollfarben sind sehr vielfältig. Sein Vlies ist wieder „double-coated“ mit einer feinen Unterwolle und einem aus langen Grannenhaaren bestehenden Deckhaar. (1) 2009 war das Steinschaf die  Gefährdete Nutztierrasse des Jahres. (2)

Ich habe nun eine interessante Seite entdeckt, die sich ausschließlich mit dem Alpinen Steinschaf beschäftigt (3). Und hier wird die Entwicklungsgeschichte des Schafes noch einmal genauer aufgeführt. Zum Teil habe ich gestern schon die Geschichte des Bergschaftes beschrieben, doch ich möchte noch einmal darauf eingehen, denn diese Seite ist einfach detailreicher als meine Quellen von gestern. Zunächst wird die Domestikationsgeschichte des Schafes aufgerollt (4):

10000 v. Chr. Vorderasien erste Nutzbarmachung vom Wildschaf zum Hausschaf Fleischschaf
7000 v. Chr. Europa erste Hausschafe (sh.Produkte/Wolle) erreichen Europa Fleischschaf , Haarschaf
Neolithikum (durch Knochenfunde belegt) klein-und schlankwüchsig
6000 v. Chr. älteste Darstellung eines Wollschafes
(Tonstatuette aus dieser Zeit)
1830 v. Chr. Altbabylon.
Reich
erste Unterscheidung zwischen Woll- und Fleischschaf
bei den Wollschafen sogar zwischen weißer und brauner Farbe
1991-1650 v. Chr. Ägypten wolltragende Schafe
4000 v. Chr. Griechenland
(ausVorderasien)
Einfuhr einer größeren Schafrasse vermutlich Wollschaf
3000 v. Chr. Mitteleuropa
Skandinavien
Verbreitung dieser Schafrasse Wolle
2000 v. Chr. Funde Untersuchungen an Textilfasern Wolle zur dominierende Textilfaser
(2000 v. Chr.) Sudan Diese Wollschafe wurden nach Europa eingeführt und verdrängten wohl
das Haarschaf in Europa (Nachweis durch Hautuntersuchungen an Fundplätzen)
Schaf mit Haar-Mischwolle
Römische Zeit Italien versch. Fellfarben, Kurz- u.Mischwolle, Feinwolle Woll- und Milchnutzung
Germania Mitteleuropa wie in Römischer Zeit
3.-4. Jahrh. n. Chr. Britannien Wollindustrie
Mittelalter Europa Entwicklung der Landrassen
(z.B. Widerristhöhe zwischen Nord-und Ostsee zum Alpenraum 10 cm
Unterschied, d.h. im Alpenraum siedelte man die kleineren Schafe an.)

Die Geschichte des Steinschafes beginnt dann mit dem Zackelschaf von gestern. Hier wird das Zackelschaf „Zaupelschaf“ (5) genannt. Es ist der Begriff, der für das früher in den Alpen am meisten genutzten Schaf. „Anhand der Zuchtgeschichte können das ausgestorbene Zaupelschaf und die noch lebenden Rassen: Skudde, Heidschnucke, Zackelschaf, Walliser Schwarznasenschaf, Gotlandschaf, Shetlandschaf und das Soay-Schaf auf bereits im Mittelalter gehaltene Landrassen zurückgeführt werden. Im Jahre 1536 wurde das Zaupelschaf von Herzog Ulrich von Würtemberg unter Strafe verboten, da die Mischwolle mehr und mehr abgelehnt wurde. Nur noch kleine Restbestände hielten sich in Bayern.“ (6)

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Es wird nun weiter berichtet, dass ab der 2. Hälfte des 19. Jh.s begonnen wurde, die Bergamaskerschafe aus Norditalien einzukreuzen und im Kärtner Raum auch in geringen Maße das Paduaner Schaf. Es entwickelten sich dadurch in den verschiedenen Alpenräumen unterschiedliche Eigenschaften der Tiere. Ab 1900 unterteilte man an Hand dieser Eigenschaften die Schafe und benannte sie dann Steinschafe, Bergamaskerschafe und Krainer Schafe. Die verbleibenden Schafe, deren Einkreuzungen nicht genau zugeordnet werden konnten, wurden Zackelschafe genannt. (7) Hier sind wir also an dem Punkt, wo ich gestern mit meinem Bericht startete.

Heute sprechen wir von einer Gruppe von Steinschafen, welche aus folgenden Rassen besteht:

  • Alpinies Steinschaf
  • Krainer Steinschaf
  • Tiroler Steinschaf
  • Montafoner Steinschaf

Auf der Seite der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht findet ihr informative Profile zu allen heimisch relevanten Schafen, so auch zu den Steinschafen:

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Alpines Steinschaf: „(…) Es ist ein feingliedriges, kleines bis mittelgroßes Schaf, mit breitem und tiefem Körper. Das Kopfprofil ist gerade und das Nasenbein leicht gebogen, die Ohren stehen leicht hängend ab. Die Böcke tragen häufig einfach gebogene oder schneckenartige Hörner, bei Mutterschafen sind gelegentlich Knaupen oder einfach gebogene Hörner anzutreffen. Der lange bewollte Schwanz reicht bis zum Sprunggelenk, das Ende ist häufig geknickt. Das Gesichtsfeld, der Bauch und die Füße sind in der Regel unbewollt. Das Vlies ist mischwollig und es kommen alle Wollfarben und Farbzeichnungen vor, vor allem auch graue Wollen.(…)“ (8)

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Krainer Steinschaf: „(…) Es ist ein feingliedriges, kleines bis mittelgroßes Schaf. Das Kopfprofil ist gerade und das Nasenbein leicht gebogen, die Ohren stehen waagrecht ab. Die Böcke und Mutterschafe sind überwiegend hornlos. Der lange bewollte Schwanz reicht bis zum Sprunggelenk. Das Gesichtsfeld, der Bauch und die Füße sind in der Regel unbewollt. Das Vlies ist mischwollig und es kommen überwiegend die Wollfarben schwarz und weiß sowie verschiedene Farbzeichnungen vor. Vor allem die Köpfe sind bunt gezeichnet.(…)“(9)

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Tiroler Steinschaf: „(…) Es ist ein mittelgroßes bis großes Schaf mit einem stark geramsten Kopf und starkem, nicht zu eng anliegendem, gleichmäßig geschwungenem Horn. Die Ohren sind spitz bis mittelbreit und nicht hängend. Das mischwollige, lang abgewachsene Vlies ist grau oder weiß.(…)“

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Montafoner Steinschaf: „(…) Das relativ kleine Schaf steht auf dünnen Beinen und besitzt einen schmalen Kopf mit geradem Profil, beide Geschlechter sind hornlos oder gehörnt, wobei dann die Böcke Schnecken und die Auen sichelförmige Hörner tragen. Vlies besteht aus grober Mischwolle in allen Farben.(…)“ (11)

thumb_imgp3502_1024Nun frage ich mich natürlich wieder, wenn wir Wolle von Steinschaf kaufen, welches Steinschaf ist es dann, oder ist es Wollgemisch? In diesem Fall ist es Lammwolle, aber ich habe keine Ahnung, von welchen Lamm. Macht es einen Unterschied, welches Steinschaf es ist? Ich vermute auf jeden Fall. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Erfahrung mit dem Steinschaf? Ich habe gehört, dass Filzer gerne Bergschafvliese filzen. Als Spinner habe ich weder Bergschaf noch Steinschaf bisher genutzt, denn die Wolle ist eher gröber. Das werde ich in der Zukunft nachholen. Nachdem ich für meinen Shop viel mit Flauschefasern arbeite, ich privat aber langsam mehr den robusteren Fasern annähere, werde ich dies auf meine private Projektliste setzten. Ich freue mich dann euch, mehr aus der Perspektive des Spinners, über die Verarbeitung diese Wollen berichten zu können.

namida

 

Mein Fazit zum Kalender

Als ich den Kalender startete und alle meine naturfarbenen Wollen aus der Werkstatt kramte, dachte ich, dass da ja ultra viele unterschiedliche Wollen liegen und ich mir die Hände rieb um mich auf eine aufschlussreiche Recherche gefasst machte. Zum Teil war es auch so. Der Kalender gab mir die Gelegenheit, mich mal diszipliniert täglich hin zu setzten und mich mit meinen eigenen Wollen zu beschäftigen. Und ich bemerkte, wie wenig ich eigentlich über ihre Herkunft weiß. Ich konnte einiges Neues lernen und viele Schafe, die von Namen her kannte, haben ein Gesicht und eine Geschichte bekommen. Doch gleichzeitig gab es Tage, an denen ich ziemlich frustriert war, denn ich kam in der Recherche nicht weiter. Ich lernte, dass es genauso viel Wollen gab, die für die Spinnerei interessant sind, die auch sicher wertvoll sind, denn es sind eben nicht die Wollen, die in großen Mengen produziert werden, über die aber fast nichts, mit überschaubaren Rechercheaufwand in Erfahrung zu bringen ist. Es vor allem die „Länderwollen“, die für ich eine Blackbox blieben. Hier würde ich mir mehr Transparenz wünschen. Ich vermute, dass die Händler innerhalb ihrer Handelskette, die Informationen irgendwo verfügbar hätten, bloß dass ab einem Punkt in der Kette es nicht wichtig erscheint und nicht weitergegeben wird. Ich kann hier nur für mich sprechen: Für mich als Spinner ist es definitiv relevant! Ich möchte wissen welches Schaf ich verspinne, welcher Herkunft die Wolle ist und ich möchte mir so meinen Erfahrungsschatz, der sich in meine Fingern bildet so mit Fakten und Eckdaten in Bezug setzten lässt. Erkenntnisse wie: „Diese Wolle spinnt sich toll“ bringt mir nichts, wenn ich weiß, warum es so ist! Und das warum möchte ich durch die Herkunft, die Rasse oder Rassen bei Mischwollen, ihre Verarbeitung/Behandlung und ihre Transportweg ergründen. Ich möchte feststellen können, wenn sich Fasereigenschaften von Jahr zu Jahr schwanken. Und ich möchte auch entscheiden können, ob ich diese Wolle aus ethischen Gründen kaufen oder vielleicht nicht kaufen möchte. Das geht nur mit Transparenz! Was ist mein Wunsch für die Zukunft in Sachen Wollmarkt.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein paar ruhige, besinnliche und entspannte Tage zwischen den Jahren. Habt ein wundervolles Weihnachtsfest und einen fröhlichen Jahreswechsel!!!

Danke an euch fürs Lesen und ich freue mich euch im nächsten Jahr wieder zu sehen!

Eure Kathrin 🙂

PS.: Die Weihnachtsverlosung für die Adventskalender-Spinner auf Ravelry und auf Instagram wird um ein paar Tage verschoben. So habt ihr noch etwas Zeit für das Zwirnen, könnt noch ein paar Bilder zeigen und habt einfach mehr Ruhe. Die Verlosung findet aber auf jeden Fall zwischen den Jahren statt und der Versand der Gewinne soll am 30.12.16 erfolgen und ihr werdet sie dann als Start ins neue Jahr erhalten.

 

Quellen:

(1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alpines_Steinschaf am 24.12.16.

(2) Ebd.

(3) http://www.alpines-steinschaf.net/abstammung1.php am 24.12.16.

(4) Ebd.

(5) Ebd.

(6) Ebd.

(7) Vgl.: ebd.

(8) http://www.bhg-schafzucht.de/index.php/schafrassen/bergschafe/alpines-steinschaf am 24.12.16.

(9) http://www.bhg-schafzucht.de/index.php/schafrassen/bergschafe/krainer-steinschaf am 24.12.16.

(10) http://www.bhg-schafzucht.de/index.php/schafrassen/bergschafe/tiroler-steinschaf am 24.12.16.

(11) http://www.bhg-schafzucht.de/index.php/schafrassen/bergschafe/montafoner-steinschaf am 24.12.16.

Bildquellen: 

Alpine Steinschafe: http://www.g-e-h.de/geh/jupgrade/images/stories/geh-raku/schafe/AlpineStein_Aschauer_kl..jpg am 24.12.16. & http://bib.ge/sheep/sheep_breeds_open.php?id=6571&ph=3 am 24.12.16.

Steinschafbock: https://www.dbu.de/media/wdu/181109012119so34.jpg am 24.12.16.

Krainer Steinschafe: http://www.suedsteiermarkwissen.com/wp-content/uploads/2014/07/DSC00444.jpg am 24.12.16.

Tiroler Steinschaf:  https://media.manufactum.de/is/image/Manufactum/1000w_shop/Tiroler-Steinschaf-01-41446.jpg am 24.12.16.

Montafoner Steinschaf: http://www.montafonlive.at/userfiles/bergbauernleben/schaf_gross.jpg am 24.12.16.

Alpinies Steinschaf-Lamm: http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.lebenswelt-mont.ch%2Fcms%2Fwp-content%2Fuploads%2F2013%2F09%2FNena-und-Junge.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.lebenswelt-mont.ch%2Falpine-steinschafe%2F&h=600&w=900&tbnid=neCagRPmG9oOXM%3A&vet=1&docid=CeBAFnoDEJ8iaM&ei=VXxeWPDMLZPjwALQiaaABw&tbm=isch&client=opera&iact=rc&uact=3&dur=2864&page=6&start=105&ndsp=23&ved=0ahUKEwiwy83l-4zRAhWTMVAKHdCECXA4ZBAzCBIoEDAQ&bih=644&biw=1232 am 24.12.16.

 

 

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2 Gedanken zu „Faserkalender – Türchen 24: Steinschafe“

    1. Liebe Claudia,
      vielen Dank, das freut mich total. Es ist sicher nicht vollständig, aber ein spontanes Recherchieren über meine Werkstatt-Fasern hier:-)
      Liebe Grüße, Kathrin.

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