Das Hollefest – ein Rückblick

Zwei Wochen sind wir schon im neuen Jahr und ich habe das Gefühl dass alles Neue, von dem ich dachte, es wird sich im Laufe des Jahres langsam einfinden, bereits in den ersten 2 Wochen mit lautem Klopfen an der Türe bemerkbar macht. Meine Hoffnung schwindet, dass es ein ruhiges Jahr werden könnte. Doch wie soll es auch anders sein, wenn da immer heißt: Im jeden Ende liegt bereits ein neuer Anfang. Ich hatte mich wohl einfach in der Annahme, der Jahreswechsel sei der finale Paukenschlag nach einem intensiven und arbeitsreichen Jahr, geiirt. Denn es scheint auch gleich der Auftakt in ein weiteres intensives Jahr zu werden. Und ich hatte zu Silvester auch darum gebeten, dass meine Projekte weiter gedeihen mögen. Man achte auf seine Wünsche…;-)

Doch ich möchte euch anstatt von den Projekten von Silvester berichten. Wie ich es ja schon beworben hatte, fand am Jahreswechsel das Holle-Fest statt und ich hatte das Vergnügen dort als Spinnerin teilnehmen zu dürfen. Üblicherweise findet es 1 x pro Jahr, meist um den 6.1. – der Tag der Holle – statt. Doch dieses Mal fielen die Wochentage und die Wochenenden so, dass es zufällig Silvester wurde.

Das Tagungsthema war das „Blaue Ländle – Vom Spinnen und Weben“. Wer die Mythologie um die Holle kennt, weiß, dass sie sehr viel reichhaltiger und vielschichtiger ist, als uns das Grimm´sche Märchen von der kissenschüttelnden Frau im Himmel erzählt. Die Holle hat viele Aspekte, viele Gesichter und viele Lebensbereiche, in denen sie einwirkt. Das Spinnen und Weben ist ein Themenbereich in der Holle-Mythologie und um diesen drehte sich unser Treffen.

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Das Spinnen und Weben ist ein Thema der Fäden. Diese Fäden können jene sein, die wir mit der Spindel aus Wolle und Flachs fertigen und dann in Textil weiter verarbeiten. Sie können aber auch symbolische Fäden sein. Der Lebensfaden, den die Nornen entstehen, verknüpfen und vergehen lassen und der dann der Goldmarie im Märchen von Frau Holle riss und ihr den Weg in das Hollereich zeigte.

Wir alle kamen in der eisigen Kälte des beginnenden Abends im Feriendorf von Hübingen an. Schon auf dem Weg begleitete uns die Holle, denn die ganze Landschaft war völlig in Eis & Frost gehüllt. Das erste Weben begann bereits nach der Ankunft. Sieglinde Müssig-Jarnicki begleitete uns mit Gesang und Gitarre auf den spiralförmigen Wegen von Volkstänzen, bei denen sich die Tanzenden an den Händen haltend umeinander winden und sich zu verknoten drohten und jedes Gesicht an dem des anderen vorbei zog.

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Vera Zingsem leitete unser Eröffnungsritual in Sinne der Nordamerikanischen Tradition und bließ den Rauch der Pfeife in unsere Runde und lud die Götter und die Holle zu uns ein. Danach deckten wir den Tisch für die Holle mit allerei natürlichen Leckereien, die in großer Fülle von allen mitgebracht wurden. Das Depatcho ist wie die Pfeife eine indianische Tradition, wo Mutter Erde ihrer Gaben gedankt wird und ihr ein Mahl zurückgeben wird. Wie ein Mandala wurden ihre Speisen trappiert. Ein Kreis aus Flachs bildete den Rahmen und das Zentrum bildet eine Muschel. Diese Muschel bleibt mit Glück am Ende in der Glut übrig und kann im nächsten Jahr wieder verwendet werden.

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Unter dem klaren und brillanten Sternenhimmel an diesem Abend wurde ein Feuer einzündet und ihre Speisen dem Feuer übergeben. Schmatzend verbreiteten sich die Gerüche von Nüssen, Schokolade und dem ein oder anderen Zimtstern in unseren Nasen. Der Holle scheint es geschmeckt zu haben und der himmlische Spinnrocken (der Gürtel des Orion) leuchtete direkt über uns. Die Muschel lag wie in Altar im Feuer auf dem zwei Walnüsse glühten. Sie blieb uns tatsächlich erhalten und war durch das Feuer wunderschön gezeichnet.

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Am nächsten Tag haben wir uns mit beiden Seiten des Spinnens, der irdischen Seite des Handwerks und der jenseitigen Seite des Netzes aus Lebensfäden, dass uns alle verbindet, beschäftigt. Stets schnurrte das Spinnrad von Gaby Fischer, neben dem der Rocken mit selbst verarbeiteten Flachs stand. Sie erzählte uns in spinnender Weise von der Flachsverarbeitung, vom Anbau der Leinpflanze, ihrer Verarbeitung und von den Mühen, die ein fertiges Leinen fordert. Der Flachs, der in der Blüte so Blau wir der Himmel ist und für wenige Tage Holles Blaues Ländle zeigt. Aber sie erzählte uns auch einige ihrer Geschichten, die sie von den Alten ihrer Region mündlich gesammelt hat und die noch voleinn den Spinnstuben und dem allerlei seltsamen, was in den dunklen Nächten geschehen konnte, aus eigenem Erleben berichten konnten. Da ging es um die Orakeltraditionen der Rauhnächte und um den Schabernack der Jungen Leute, den sie im Schutze der Dunkelheit trieben und von den Gaben des wilden Heeres, das durch die Dörfer fegte. Alles an der Grenze zwischen der Wirklichkeit und dem Reich der Holle.

Danach durften alle ihr Glück versuchen und wir erprobten uns mit Handspindeln und den ersten Fasern. Ganz anders als in den üblichen Einsteigerkursen, die sich nur auf das Handwerk und das technische Prinzip des Spinnen und der Wollverarbeitung widmen, fanden diese Versuche in einem anderen Geist statt. Das Spinnen war mehr, denn es war der Nachmittag vor Silvester und der Abend des Orakelns und der Gedanken an das Neue stand und bevor. So bekam ein Satz, mit dem die Holle oft umschrieben wird eine ganz reale Bedeutung: „… und sie spinnt die Wirklichkeit aus den Wünschen und Hoffnungen der Menschen…“ Und genau das taten wir. In einer Spinnmeditation erfuhren wir das Spinnen des Fadens als eine symbolische Handlung für das Schöpfen von Wirklichkeit. Wir taten das, was die Holle tut, wenn sie die Wirklichkeit spinnt. Und jeder konnte in seine Schöpfung die Wünsche und Hoffnungen für das neue Jahr legen. Diese wunderbare Erfahrung begleitete Lydia Burghart auf ihrer Harfe, die uns mit ihren Klängen ein wenige jenseits der Wirklichkeit führen konnte. Momente der Stille, der Achtsamkeit und der Verbundenheit untereinander, die ich so noch nie bei einem Einsteiger-Workshop mit 25 Menschen erlebte. Ein Geschenk, das wahrlich von der Holle kam!

bildschirmfoto-2017-01-17-um-15-10-57Alle hatten ein erstes eigenes Garn und konnten daraus einen Talisman binden. Für mich ist ein handgesponnenes Garn etwas stark mit Energie Aufgelandenes. Jeder noch so kleine Zentimeter wandert durch unsere Finger. Jede einzelne Fasern wird in ihre Lage gebracht und jede Einzelne Farbe nehmen wir war. Wir treten mir unseren Füßen oder kreiseln die Spindel mit unseren Fingern und erzeugen Energie, die in den Faden wandert und die losen Fasern zu etwas Konkreten und Belastbaren machen. Für mich ist diese Arbeit magisch. Denn wir Schöpfen etwas aus einem Dunst von Fasern, die alles Möglich werden können. Aber wir gestalten und erschaffen etwas. Und ähnlich wie beim Backen und Kochen, denke ich, dass es eine Rolle spielt, mit welchen Gedanken und in welchem Geist wir das tun.

ak_10067505_gr_1Ein Garn zu spinnen, in dem all die guten Gedanken des Herzens stecken, hat für mich eine Kraft. Und kann ich auch all meine Wünsche dort hinein konzentrieren und sie in die Wirklichkeit holen. Das ist für mich der Talisman. Seine roten Perlen erinnern mich an die Ebereschenbeeren, die gerne für Schutzamulette genutzt wurden. Sie erinnern mich aber auch an die Blutstropfen, die die Goldmarie und Dornröschen verloren, als sie sich stachen und die wir Frauen zu jedem Mond opfern, wenn wir ein Stück unserer Lebensenergie der Erde zurückgeben. Die Holle ist auch eine Frauengöttin, die in 3-facher Gestalt zu finden ist. Im Grimm´schen Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot finden wir sie in ihren drei Farben Weiß, Rot und Schwarz als das Schneeweißchen, das etwas ruhiger und sanfter beschrieben wird, als Rosenrot, die als lebhabft und keck beschrieben wird und als die Mutter, die weise den rechten Rat hat. Und da haben wir noch den Bären, der seinen Winter bei den Dreien verbringt, der sonst seinen Winterschlaf in der Höhle oder einem Erdloch unter der Schneedecke verbringt. So finden wir auch hier wieder die Erdmutter, die tief unter der Erde lebt, wo der Weg zu ihr über Höhlen, Brunnen und tiefe Seen führt. Hier verbringt der Bär seine Zeit und amüsiert sich mir den beiden Mädchen. Doch als er sie im Frühjahr verlässt, reißt er sich sein Fell auf und der Glanz der Sonne in Form von purem Gold schaut unter seinem Fell hervor. Nicht nur der Bär zieht sich in seine Höhle zurück, sondern auch die Sonne verbringt ihren Winter bei der Holle.

freyr_by_johannes_gehrtsUm die Sonne drehte sich auch unserer Jul-Eber-Ritual. Der Eber ist wie der Bär ein Symbol für die Sonne. Das goldene Glücksschwein, das wir alle von den Neujahrs Traditionen kennen hat hier seinen Ursprung. Der Eber Gullinborsti, dessen goldenen Borsten die Strahlen der Sonne repräsentiert, gehört zu den Heiligen Tieren des Frey, der Gott, der am engsten mit der Fruchtbarkeit der Natur assoziert wird. Das Neujahrsschwein nahm unsere Wünsche und Vorsätze für das neue Jahr entgegen, die dann der Erde und dem Reich der Holle übergeben wurden. Danach wurde orakelt, die Runen und die Karten befragt, gesungen und getanzt und der ein oder andere Wein vergossen.

dsc05329Der nächste Morgen war so unerbittlich, wie die Holle nun mal sein konnte. Sie erinnert einen stets an die Konsequenzen, die man zu tragen hat auch wenn man das ein oder andere Gläschen in ihrem Namen gehoben hat. Doch die Geschichten, von Holle, Wodan, den Nornen und dem Weltenbaum fielen wie ein Balsam auf den noch nicht ganz im nächsten Morgen angekommenen Geist. Auch an diesem Tag war die Landschaft wir in ein Kristallkleid gehüllt und erinnert an die Geschichten, die man sich in den Alpen über die Eiskönigin mit den Schloß aus Kristall erzählte und eine andere Facette der Holle spiegelt, die als Eisrießin an ihre Ursprünge aus Eiszeit der Menschenheitsgeschichte erinnert.

Den Abschluss unserer 3 Tage leitete Vera wieder in nordamerikanischer Tradition mit dem Rauch der Pfeife ein, mit dem symbolisch die Götter in Dank verabschiedet werden. Wir alle freuten uns erneut über die geteilten Momente, über die neuen Knoten, die wir in das Netz knüpften und über alles, was jeder Einzelne in die Runde brachte. Es waren 3 Tage voller Energie und Inspiration und es war ein wahrlich magischer Übergang in das neue Jahr.

Ich möchte gerne allen die dort den Mut hatten, die Spindel in die Hand zu nehmen danken. Zu sehen, wie ihr auf solch eine besondere Art in die Welt von uns Spinnern eintaucht, war eine sehr berührende Erfahrung an die ich stets mit Freude zurück denken werde. Ich hoffe sehr, die ein oder andere wieder zu treffen. Und ich danke Vera für die Einladung zu so einem bereichernden Erlebnis mit euch allen!

Als letzter Nachhall habe ich hier noch ein kleines poetisches Rätsel. Ich denke, dass alle, die sich an die Spinnmeditation erinnern, schnelle alle Zeilen gelöst haben werden. Und selbst verständlich ist das Rätsel auch für alle anderen Spinnerinnen etwas, die sich auf eine etwas andere Weise dem Spinnen nähern mögen. Viel Glück 🙂

spinnratsel

Und zu guter Letzt möchte ich gerne allen vom Hollefest die Spinnmeditation als PDF anbieten. Schreibt mir eine Mail an backtothewheel(at)icloud.com und ich sende es euch zu. Genauso, wie das Spinnskript, wenn einer von euch die Spinnerei vertiefen möchte!

Aller liebste Grüße an alle, schön euch getroffen zu haben!

Bildquellen:

  • Nornen: Wiki Commons
  • Bilder von Hollefest: Vera Zingsem
  • Flachs: http://www.alice-wonderland.de/wp-content/uploads/lein.jpg
  • Schneeweißchen: http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.ansichtskarten-center.de%2Fwebshop%2Fshop%2FProdukteBilder%2F10139%2FAK_10067505_gr_1.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.ansichtskarten-center.de%2Fmaerchen-nr-2-schneeweisschen-und-rosenrot-baer&h=640&w=447&tbnid=GgiWS5NOO04lQM%3A&vet=1&docid=hu9VLwYJn_1LNM&ei=0yZ-WJjCEqyBgAbDn4HAAg&tbm=isch&client=opera&iact=rc&uact=3&dur=273&page=0&start=0&ndsp=21&ved=0ahUKEwjY97bfrsnRAhWsAMAKHcNPACgQMwgiKAgwCA&bih=668&biw=1280
  • Frey: Wiki Commons
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