Drachenfels handgesponnen – Ein Erfahrungsbericht.

Endlich habe ich mal wieder ein privates Projekt beenden können.

IMG_5915Seit etwa eineinhalb Jahren hänge ich damit an den Nadeln: Das Drachenfelstuch von Melanie Berg. Eigenlich stehe ich gar nicht auf Tücher, sie sind einfach nicht mein Ding. Aber eines wollte ich mal ausprobieren und das Drachenfelsmuster find ich wirklich schön. Gleichzeitig fand ich eine Fasermischung, die auch mal anspinnen wollte und somit war die Gelegenheit da.

Das Garn für das Tuch sollte natürlich handgesponnen sein. Ich fand bei Wollschaf die Mischung Alpaka-Seide 50:50. Das ist wirklich eine fantastische Mischung. Sie gibt es in gleich mehreren Farbtönen und ich entschied mich für schwarz, haselnussbraun und silbergrau. Durch die naturfarbene Seide, die in recht breiten Bändern im Kammzug liegt, wird das Garn natürlich meliert.

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Also ran an die Spulen. Es wird 300g zu je 300m/100g round about benötigt. Ich wollte einen Zwirn verstricken und nicht unbedingt eine Ewigkeit daran spinnen, also entschied ich mich für einen 2-fachen Zwirn, statt für einen 3-fachen, was eigentlich mein Lieblingszwirn ist. Das Tuch wird später kraus rechts gestickt und somit war schon klar, dass genug Tiefe ins Tuch kommt und ein 2-facher Zwirn völlig ausreicht.

14716518_165454813913383_3533526850628222976_n_medium2Alpaka ist eine Faser, die sehr glatt und lang ist. Daher ist Alpakagarn immer ziemlich schwer in Relation zur Lauflänge. Die Fasern liegen einfach recht kompakt beieinander. Sowohl im Kammzug, als auch später im Garn. Die Seide verhält sich ähnlich. Sehr lange Fasern, extrem glatt und daher schwer, gerechnet auf die Länge einer Kammzuges oder Garnes. Klar ist auch, beide Fasern müssen glatt zu einem Kammgarn versponnen werden. Da gibt es keine sinnvolle Alternative. Somit war die Garnplanung schnell beendet und es hieß nun die Zielvorgaben, insbesondere die Lauflänge, zu erreichen.

Die Mischung lässt sich grandios verspinnen. Ich kann nur empfehlen sie einmal gesponnen zu haben. Sie ist rutschig und lang und es sollte immer dabei aufgepasst werden, dass sich hinten in der Faserhand keine Wolke bildet. Mit dem kurzen Auszug nach vorne kann da aber nicht viel schief gehen. Die Mischung braucht auch einen guten Drall, etwas mehr als die üblichen Wollen, sonst wird der Zwirn etwas lose werden. Das war ein Punkt, den ich etwas unterschätzte.

15253202_1225459547537435_680086489110937600_n_medium2Die Feinheit der Melierung kann beim Spinnen gesteuert werden. Wird die Fasermischung einfach so runtergesponnen und das vielleicht besonders fein, so wird es immer wieder reinfarbige Stellen geben. Das Alpaka und die Seide ist nicht sehr stark miteinander vermischt, das könnt ihr oben im Bild mit dem Kammzügen gut sehen. Wer eine Melierung im Garn haben will, die homogen verteilt erscheint, so wie ich es anstrebte, der sollte beim Predraften der Fasern darauf achten, dass im Vorgarn stets beide Fasersorten vorliegen. Das lässt sich ja beeinflussen. Würde man einfach nach dem Zufallsprinzip aus den Kammzug direkt herausspinnen, würden auf jeden Fall viele Fadenabschnitte nur eine Fasersorte beinhalten. Das Zwirnen hat später den Effekt noch ein wenig verstärkt und die Fasern optisch verteilt.

Leider hatte ich es nicht perfekt geschafft, die Ziellauflängen zu erreichen. Beim braunen Garn fehlten mir ca. 20m und beim grauen Garn waren es etwa 30m zu viel. Leider habe ich mir die Daten nicht gespeichert… Aber im großen und Ganzen hat es gepasst.

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Das Stricken mit dieser Fasermischung ist ebenfalls ein Traum. Das Garn rutscht gerade zu über die Nadeln. Aber bald stellte ich fest, dass dieses Garn nicht optimal zum Muster passt. Es gibt immer wieder ein Reihenkombination, die in das Muster eingeschoben wird, in der eine Farbe mit übergehobenen Maschen kleine Punkte erzeugen soll. Das kommt leider durch die Melierung gar nicht gut zur Geltung. Ich habe 2 mal diese Kombi eingestrickt und es wirkt eher als ein Bruch im Muster, weil die einzelnen Maschen nicht richtig farblich heraus springen können. ( Oben im Bild seht ihr die Reihen im rechten Bereich des Bildes) Bei den anderen Tüchern, die mit einfarbigen Garnen gestrickt wurden kommt dieser hingegen Effekt super raus. Naja, das ist ja kein Beinbruch… ich habe einfach das Muster angepasst und statt dessen die Farben so abgewechselt, wie ich gerade Lust dazu hatte.

Mit der Zeit bemerkte ich aber auch, dass die Garnlängen noch weniger passten, als ich es gehofft hatte. Rechnerisch war die Differenz zur Ziellänge zwar nicht so dramatisch, aber beim Stricken merkte ich, dass mir einiges an Braun fehlt. Und so ließ ich es mit dem Muster gut sein und strickte einfach nur noch frei nach Laune. Außerdem muss ich zugeben, dass ich es gar nicht leiden kann, wenn handgesponnenes Garn übrig bleibt;-) Im Grunde war das Muster, das die Tuchform erzeugt, total einfach und musste nur vom Anfang bis zum Ende durchgezogen werden. Und die Streifen, die wirken, wie ich finde auch, wenn sie sich etwas anders, als in der Vorgabe abwechseln. Und so strickte ich das letzte Drittel einfach so, wie es mit dem Garn gut ausging und – voilà – das Tuch ist endlich fertig.

Die Mischung Alpaka-Seide ist wie erwartet recht schwer. Aber ich mag das sehr gerne. Das Strickstück fällt von ganz alleine, ich muss gar nichts stretchen oder setzten. Ich hab es von den Nadeln genommen und fertig. Auf der Haut fühlt es sich grandios an. Ein richtiger Hautschmeichler und für Jeden geeignet, der findet, das Wolle kratzt. Hier kratzt gar nichts mehr. Es ist weich, seidig, anschmiegsam, sehr wärmend und gleichzeitig etwas kühlend durch die Seide 🙂

Mein Learning: Handgesponnenes Garn hat immer seine eigenen Bedürfnisse, die, meiner Meinung nach, vor dem Muster stehen sollten. Und: 900 lm sind verdammt viel 😉

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SOMMERZEIT im Shop!!!

Zurück aus dem Urlaub mit ner Menge Sonne im Gepäck!

Wer bis jetzt geglaubt hat, dass sich Wolle und Sommersonne sich widersprechen, der sollte jetzt mal einen kleinen Blick ins Shop-Update blicken.

Ein neues Produkt ist eingezogen. Feine reine Maulbeerseidenkammzüge, natürlich handgefärbt. Sie stecken häufig in meinen Vliesen und Rolags und sind perfekt geeignet um sie mit allerlei Fasern auf dem Kardierbrett oder dem Drumcarder zu mischen. Das an ihnen ist, dass sie keinen Uni-Farbton haben, sondern innerhalb der Faser farblich verlaufen. Natürlich können die Seidenkammzüge auch pur versponnen werden oder eingefilzt werden.

Die Sommerlaune in der Werkstatt geht noch weiter und das nächste Shop-Update wird nächste Woche kommen. Dann kommen noch einige handgefärbte BLF-Kammzüge, der letzte Schwung Wensleydale-Locken für dieses Jahr, handgefärbte Seidenkammzüge diesmal nicht als kompaktes Band, sondern als breites Band und zu guter letzt werden Merino-Seiden-Vliese in Sommerfarben kommen.

Seid gespannt, denn es wird das letzte Shop-Update vor dem bevorstehenden Herbst sein.

Liebe Grüße aus der Sommer-Sonnen-Launen-Werkstatt 🙂

Chunky Spinnen mit Seidenhankies

Seidenhankies2Seide spinnen ist nicht Jedermanns Sache. Dabei ist Seide so ein wahnsinnig schönes Material.

Seide pur zu spinnen führt meist zu deinem feinen bis sehr feinen Garn, welches für hauchdünne Lacestrickereien genutzt werden könnte. Klar, Seide ist teuer, ultra glatt, hat endlos Fasern und läßt sich unsagbar dünn ausspinnen. Da liegt es doch nahe solch ein Garn zu spinnen. Seidenspinnerei ist zudem fast ein eigenes Spinngenre, da die Technik geübt werden muss. Seide hat eben ganz eigenen Fasereigenschaften.

Als Ausgangsform kann für die Seidenspinnerei Seidenkammzüge, Seidenbänder oder Seidenhankies genutzt werden. Um diese Seidenhankies soll es sich heute drehen. Doch wer mich kennt, würde sich wundern, wenn ich nun mit Lacespinnerei beginnen würde 😉

Goldfrucht3Ich finde die Seidenhankies grandios, denn sie lassen sich so vielfältig färben, ja fast bemalen. Deshalb wollte ich es ausprobieren, diese Hankies für ein Artyarn zu nutzen.

Die Hankies haben einen praktischen Vorteil. Es sind in quadratische Form in die Fläche gezogene Seidencocoons. Daher liegen die hauchdünnen Fäden nicht, wie bei Kammzügen oder Bändern, parallel ausgerichtet, sondern spinnennetzartig verwoben. Das ist praktisch, denn zieht man sie weiter aus, bleibt der Zusammenhalt der Verwebung noch bestehen und das möchte ich nutzen.

Ziel ist es ein „Cocoon“-Überzug über ein Chuncky-Garn zu ziehen.

Und so bin ich Schritt für Schritt vorgegangen:

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Schritt 1: Das Vlies wurde wie immer in Bänder unterteilt und gepredraft.

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Schritt 2: Das Vliese wurde dick aber gleichmäßig versponnen. Dabei springen die Leinenfasern immer wieder mal chaotisch aus der Fadenoberfläche. Danach habe ich den Faden navajo-gezwirnt. Und jetzt wird es interessant, denn die Verwirrung habe ich nur unterdreht angelegt und nicht bis zum Ende verdreht und fertig gestellt. Das fertig gezwirnte Garn ist also noch nicht fertig, sondern total unterdreht und muss noch nachgedrallt werden. Und ist wichtig. Je weniger Drall in Zwirn steckt, desto besser!

Schritt 3: Ich bereite meine Hankies vor. Dazu löse ich erstmal die einzelnen Lagen von einander und gehe dann mit meinen Fingern in die Mitte einer Lage, mache ein Loche hinein und ziehe sie zu einem Kreis auf. Dann streche ist den Seidenkreis in die Länge und reiße ihn irgendwann auf und habe ein Seidenvorgarn. Übrigens liegen in so einem Hankiestapel immer 5-6 Stück übereinander!

Schritt 4: Jetzt geht es ans Wrappen. Ich dralle dabei den Zwirn nach und hafte das Seidenvorgarn an und ziehe es während den Überspinnen weiter ganz dünn aus und überlagere diese Seidenfasern dann über den Zwirn. Manchmal wechsele ich vom Überlagern zum Einzwirnen. Dazu fasse ich das Vorgarn zusammen (nehme die Fläche weg) und lege es zwischen die Zwirnfäden des n-ply Garnes als 4. Strang hinein. Dann wechsle ich wieder zum flächigen überlagern zurück. Einfach nach Lust und Laune.

Dabei ist sehr darauf zu achten, dass man das Garn nicht überdrallt. Also sehr behutsam treten, die langsamste Übersetzung wählen und flott arbeiten.

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Und das ist das Garn: 18m bei ca. 70g und etwa 2 wpi. Der Seidenmantel ist hauch dünn, hier auf den Bilder schwer zu sehen. Er verändert die Farbe darunter, da ja ein Farbschimmer darüber liegt. Das Garn wird natürlich auch sehr seidig beim Anfassen und fühlt sich sicher auf verstrickt toll an (das kann natürlich auch in einer normalen Nadelstärke gesponnen werden ;-).

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Diesmal landete es auf einen mäßig hübschen Lampenschirm, den ich zuvor abgezogen habe. Das Garn habe ich einfach je zweimal um einen der beiden Ringe gewickelt und dann zum anderen Ring geführt, wieder zweimal gewickelt usw. Als das ganze Garn auf den Ringen war und diese wieder an Ort uns Stelle hängten, habe ich die Lage der Fäden noch durch Einweben eines Seidenfadens direkt an den Ringen fixiert.

Ich hoffe ich habe euch etwas Lust auf Seide gemacht und konnte zeigen, dass man Seide nicht immer dünn auspinnen muss 🙂 Viel Spaß!

Locken ohne Ende…

Gerade eben war ich etwas auf Facebook in der Spinngruppe stöbern und bin über handgefärbte Locken gestoßen, die mit der Frage gepostet wurden, wie man die denn verspinnen kann, dass die Löckchen dabei schön zu sehen sind.

Ich dachte ich antworte mal schnell darauf und dann erinnerte ich mich an ein Garn, dass ich vor Jahren mal machte… also flott ins Fotoarchiv und Bild rausgezogen. Dabei bemerkte ich, dass ich immer wieder Lockengarne fotografiert hatte, die ich schon völlig vergessen hatte, also schob ich immer noch ein Bild in den Antwort-Thread bis ich bemerkte, dass es ganz schon viele werden…Ähm, sorry an dieser Stelle…

Also schreibe ich jetzt mal flott einen Post und suche mal alle meine Lockengarne raus und zeige euch die unterschiedlichen Methoden, die ich ausprobiert hatte…

Meine Fazit vorweg:

IMG_0933Die Locken sollten vor dem Spinnen sorgfältig vorbereitet werden. Wie immer ist Faservorbereitung die halbe Miete. Die häufigste Vorbereitung bei mir ist das Trennen der Locken aus dem Verbund zu Einzelnen. Das macht man am besten indem man die Locken von den Spitzen nach oben zu den Schnittenden auseinander zieht / abzieht. Anders herum Ziehen zerstört die Lockenform!

Danach öffne ich die Schnittenden mit der Flickkarde vollkommen auf, dass die Fasern super fuffly liegen und alle kürzeren Haare raus gekämmt sein. Denn die geben nur eine Verdickung beim Einspinnen.

In meine Shop biete ich meine handgefärbten  Locken nur so fertig vorbereitet an, das sieht dann so aus:

 

IMG_0934Bei einige Methoden, kann man Locken auch direkt aus dem Vlies oder aus der Flocke spinnen. Darunter fallen Methode 1, 2, und 7 (Magic Thumb). In gewässerweise auch Methode 8, denn beim Kardieren, werden die Locken auch geöffnet. Dennoch würde ich sie in letzten Fall vorher Picken, sonst ist es kein Vergnügen für das Kardiergerät und die Langlebigkeit seines Belages.

Methode 1: Corespinning ohne „Fertigcore“.

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Mit „Fertigcore“ meine ich das Umspinnen eines fertigen Garnes, dass als stabiler Kern fungiert. Das ist der normale Weg des Corespinnings und auch ziemlich praktisch, wenn man ein reißfestes Garn haben will. In diesen Fall aber, soll das Lockengarn als Single verbleiben. Also strebe ich einen Single mit möglichst wenig Drall an, sodass er nicht überdrallt ist und nicht überbadet werden muss. Ich löse das immer mit den „coreless“ Corespinning, wobei ich während dem Spinnen der Locken noch weitere Fasern (meist günstigere Naturfarbene Fasern um nicht die Edelfasern zu verschwenden) mitlaufen lasse und daraus den Core spinne. Ich spinne also 2 Dinge auf einmal: den Core mit „günstigen“, am besten krauseren Fasern (da haften die anderen Fasern darauf besser) und dann spinne ich die Oberfläche mit den Locken oben auf. Bei den Locken zupfe ich die Schnittenden zuvor mit der Flickkarde auf, die Lockenenden bleiben aber intakt. Die Locken werden dann mit den geflufften Schnittenden voran an den Core gehaftet und nach einander auf den Core gesponnen. Das der Core gleichzeitig gesponnen wird hat einen Vorteil: er ist dünner als das komplette Garn und verträgt dadurch mehr Drall als das dickere Komplettgarn auf die gleiche Strecke (Drall sammelt sich ja immer an der dünnsten Stelle). So verhindere ich das Überdrallen. Außerdem bieten die ausgesponnene Faserlage noch Widerstand gegen den Core-Drall und wirken ein wenig drallneutralisierend?

Methode 2: Corespinning mit Spiralply

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Ein vielleicht einfacherer Weg ist das normale Corespinning mit einem dünnen reißfesten Fertiggarn als Core (z.B.: ein Baumwollhäkelgarn für Gardinen). Die Locken werden ebenfalls zuvor einzeln mit der Flickkarde an den Schnittenden geöffnet und dann an den Kern angehaftet und aufgesponnten.

Wichtig ist hierbei der Faserwinkel von fast 90°!

Der Single wird überdrallt werden, aber das macht nichts. Der Drall wird im nächsten Schritt mit dem Zwirnen wieder heraus geholt. Ich zwirne dabei gerne mit einem sehr dünnen Nähgarn, Seidengarn oder Glitzergarn. Das nimmt kaum Einfluss auf die Locken und bleibt dezent im Hintergrund der Garnoberfläche. Spiralply funktioniert indem man die zu verzwirnenden Fäden mit einem Tick unterschiedlicher Fadenspannung hält und den Winkel zueinander leicht variiert: das Nähgarn hat etwas mehr Spannung und der Lockenfaden in einem etwas größeren Winkel als sonst abgewendet. So wird der Lockensingle zu einer schönen Spirale.

 
Durch das Zwirnen gehen die Locken wieder schön auf und bekommen Weichheit und Volumen. Damit hier der Core nicht hervor blitzt wurde zuvor beim corespinnen der Winkel von fast 90° beibehalten, ansonsten befinden sich zu wenig Locken pro Fadenabschnitt an Ort und Stelle und können nach den Auffluffen im Zwirnprozess den Core nicht vollständig bedecken.

bildschirmfoto-2016-11-11-um-14-03-34Weitere Möglichkeiten: Du hast noch super viele andere Gestaltungsmöglichkeiten. Du kannst Perlen auf den Zwirnsfaden fädeln, du kannst während dem Corespinning Cocoons oder anderen Effekte aufspinnen – das geht übrigens auch während dem Zwirnschritt – oder du kannst Beilaufgarne in beiden Schritten mitlaufen lassen. (Dieses Garn ist übrigens aus der Flocke von Heidschnuckenlocken gesponnen.)

Methode 3: Eine Locke nach der anderen.

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Du kannst auch einen Singlefaden spinnen, indem du eine Locke nach der andern hintereinander reihst und verdrehst. Öffne wieder die Schnittenden aller Locken mit der Flickkarde und dann spinnst du die Locken aneinander indem du die Locken Spitzen nach oben (also zum Einzugsloch hin) hälst. Du setzt eine Locke nach der andern an und überlabbst aber die Lockenspitzen so dass ein Teil frei stehen bleibt. Die aufgeflufften Enden verdrehen sich gut und ergeben ein festes Garn.

 

Besonders Locken mit mehr Lanolin eigenen sich gut. Das Lanolin kannst du nach dem Spinnen beim Baden heraus waschen. Der Single muss noch verzwirnt werden, dazu verwende ich gerne wieder die spiralply-Methode.

Kleine Alternative: Bei kurzen Locken kannst du zusätzliche Fasern ohne Locken der gleichen Farbe hinzunehmen um die Fadenbasis zu spinnen in die die Locken, wie oben beschrieben, eingesetzt werden.

Methode 4: Tailspinning.

Orangevio10Das Tailspinning ist für besonders lange und / oder glatte Locken sehr gut geeignet. Hier werden die geöffneten Lockenenden nacheinander gereiht versponnen. Das kann man mit Methode 3 aber auch mit Methode 1 machen. Nur das Verzwirnen sollte man sich schenken, denn die langen Locken verheddern sich gerne im Einzugsloch/Öse oder in den Haken / Öse des Flügels. Einmal reicht da wirklich… Bei diesem Garn habe ich noch mal eine andere Technik-Kombi verwendet:

 

Methode 5: Simple Coreless mit einzelnen Tails

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Ich habe ein normales coreless Coreyarn wie in Methode 1 gesponnen – ohne Locken. Ganz normal, mit Merinokammzug in ausgewählten Farben, die zu den Lockenverläufen passen. Dann habe ich während dessen in regelmäßigen Abständen die langen Locken eingesponnen und mit dem Fasern für die Garnoberfläche zusätzlich fixiert/geankert. So sitzen die Locken bombenfest im Garn, denn Wensleydale ist glatt und rutscht gerne.

Für Kontrollfreaks: Der Grund, warum ich das machte war, dass ich meiner Kundin ein stressfreies Stricken ermöglichen wollte. Locken können in den Stricknadeln verheddern, Aufribbeln wird eine Nervenfrage und das Maschenbild wird heterogen. Das ist was für Strick-Freestyler. Als habe ich ein ganz glattes Kerngarn gesponnen, das all den Stress nicht mitbringt: es ist stabil, rutsch beim Aufribbeln gut auf und bietet ein gleichmäßiges und definiertes Maschenbild. Die Lockenteils habe ich in einem Abstand eingesponnen, dass sie ungefähr bei jeder 3. -4. Masche aufsitzen. Das ist ja zu kalkulieren. Die Garnstärke führt zur Nadelstärke und die zur Garnstrecke, die eine Masche in etwa benötigt um sich zu bilden. So tauchen die Locken in regelmäßigen Abständen auf und die Lockenoberfläche im fertigen Strickbild ist gleichmäßig.

Achtung: Wer beim Spinnen in Maschen kalkuliert, sollte wissen ob das Garn zum Stricken oder Häkeln verwendet wird. 1. dementsprechend sollte die Spinnrichtung angepasst werden, spinnt man Singlegarne!!! 2. Häkelmaschen nötigen mehr Lauflänge/Masche als Strickmaschen. Die Lockenabstände sollten bei Häkelgarnen also größer sein. Außerdem sollten die Locken nicht bei jeder Masche auftauchen, da sie sonst eine zu dicke Oberfläche bilden und die Lauflänge des Garnen stark reduzieren. Ein Strickstück hat ja viele Reihen übereinander, die genug Locken überlagern werden, dass es eine tierisch schöne Oberfläche ergibt.

Methode 6: Supercoils mit Locken.

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Du kannst auch Superdröhnung an Locken produzieren. Du spinnst nach Methode 2 einen Lockensingle mit Kern, der stark überdrallt ist. Dann nimmst du diesen Single und spinnst ihn erneut auf einen Kern und bildest Supercoils dabei. Diesmal sollte der Kern aber in Gegenrichtung stark vorgeprallt sein. Du hältst beim Supercool-Zwirnen beide Fäden in einen ca. 100-120° Winkel auseinander: 90°Winkel für den Lockensingle und 10-20° für den Kern. so fixieren sich die Supercoils nochmal etwas an Ort und Stelle. Beim Spinnen des Lockensingles kannst alle möglichen Autowrapfäden mitlaufen lassen und viel Bewegung zusätzlich in das Garn bringen.

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Methode 7: Laura Spinners Magic Thumb.

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Eine weitere Methode möchte ich als 7 und nicht die meinige vorstellen: Magic Thumb von Laura Spinner. Für diejenigen Bologneser unter euch, die den Thread in Facebook nicht verfolgt haben, möchte ich diese Methode der Vollständigkeit wegen noch verlinken. Ich finde sie ziemlich cool, denn es ist dem coreless Corespinning, wie es viele machen (ohne extra Fasern für den sich bildenden Kern, so wie ich es mache) sehr ähnlich. Ich habe nur die Frage, wie Laura Spinner die überrollten Singles nach dem Spinnen wieder balanciert, denn die fertigen Garne von ihr sehen schon balanciert aus. Hat sie sie beim Baden mit Gewichten behängt? Ich werde die Methode als ausprobieren und mal sehen, wie ich das Problem lösen könnte… hm.

Vielleicht wisst ihr mehr, dann schreibt doch dazu!

Methode 8: Einkardieren 😉

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Diese Methode ist die einfachste: Die Locken in das Vlies mit einarbeiten und dann kannst du frei zwischen vielen Spinntechniken wählen: Singlegarn spinnen und die Locken einfach heraus springen lassen, Zwirngarn auf die gleiche Weise Spinnen, Kerngarn mit zusätzlichen Tails, Corespun, Spiralply, Mehrfachzwirn aus Corespun usw…

 

Hier noch mal einige Garne im Überblick…

Zuletzt möchte ich euch einige verstrickte Lockengarne und einige andere Lockengarne zeigen.

 

Wenn ihr noch andere Methoden verwenden, dann schreibt und zeigt doch mal her 🙂

Ich hoffe ich konnte etwas bei der Frage „was kann ich mich Locken machen“ weiter helfen. Frohes Spinnen!

Teeswaterlocken

Aus meiner Lockenkiste habe ich heute noch einen Schwung handgefärbter Teeswarterlocken gezogen.

Foto 3-7Diese Locken waren neu für mich. Sie sind handgefärbt und haben wunderbar intensive Farben, die auch innerhalb einer Locke wechseln. Das gefällt mir besonders gut. Es war zu sehen, dass diese Locken in der Gruppe gefärbt wurden und jede Farbe dort landete wo wie eben landete. Mir gefällt diese Variante von gefärbten Locken sehr gut.

Ein kleines Problem war auch hier, dass sich durch das Färben (so nehme ich an) die Fasern recht stark verhakt haben. Die Locken waren immer noch glatt und geschmeidig, aber sie mussten von einander gelöst werden und mit der Flickkarde gelockert werden. Dadurch wurden die Locken sehr fluffig, aber auch die Lockenform verliert ihre Definition. Es war nicht ganz einfach, die richtige  Balance zu finden. Das Ausziehen war nicht möglich.

Foto 2-10So ergab es sich, dass es nicht möglich war ein einfaches unterdrehtes einfädriges Garn herzustellen, denn die Locken waren so geschmeidig, dass sie auseinander flutschten, wenn ich versuchte sie aneinander zu spinnen. Da das Ausziehen entfiel, war es nicht möglich diese einzelnen Locken mit einander zu verspinnen in dem ich die einzelnen Fasern zu einander verschiebe.

Foto 1-13Deshalb versuchte ich es mit Corespinning. Auch hier war es schwierig. Die glatten Fasern haften schwerer am Kern. Das führt schnell zu mehr Drall als dass ein Singlegarn bestehen bleiben kann. So kam es dann zum Verzwirnen mit einem dünnen Faden. Die Fasern öffnen sich dabei auf eine sehr schöne Art und die Lockenform tritt wieder stärker hervor. Wenn man geschickt zwirnt erwischt man den Abstand der sich durch die natürlichen Wellen ergibt und die Wellen treten besonders schön hervor. Allerdings muss vorher gut auf einen großen Faserwinkel beim Kernspinnen geachtet werden, denn der Kernfaden liegt nach den Zwirnen hier bei diesen Locken besonders schnell frei. Das ist mir bei diesem ersten Lockengarn auch passiert, trotzdem gefällt mir dieses Garn mit seiner Textur ziemlich gut, zumal der Kern farblich nicht besonders auffällt.

Das fertige Garn fühlt sich sehr seidig und weich an. Ich muss mich wieder sehr zurück halten noch ein Strickprojekt anzufangen:-)

Wildes Tier

Foto-6Ein Griff in Lockenkiste und es kamen Locken heraus, die ich vor einiger Zeit von Gabi auf DaWanda erstanden habe: Wildes Tier. Keine Ahnung, welches Tier es nun wirklich ist. Die Locken sind sehr lang, ungelockt und haben eher dickere Haare. Schön finde ich, dass die Spitzen eine andere Farbe haben als die Schnittenden. Insgesamt sind die Locken sehr fettig, sodass das Garn sicherlich gewaschen werden sollte oder man wäscht die Locken schon vor dem Spinnen. Foto 4-5Vor dem Spinnen müssen auch die Schnittenden mit der Flickkarde geöffnet werden. Dabei kommt einiges an Fasern noch mit heraus, die nicht bis zu den Spitzen reichten. Diese Fasern habe ich zur Seite gelegt, um sie wieder mit den Handkarden zu mischen und eine Spinngrundlage für das Garn zu haben. Dazu kamen diesmal naturbraunes BLF zum Einsatz, gemischt mit weißem Bambus und ein paar bunten Merinofasern.

Foto 2-7Diese Rolags von den Karden wurden kerngesponnen und ab und zu wurden die Locken an den Schnittenden an den Kern gesponnen. Das ist der Moment in dem ich mir einen Countryspinner wünschte. Erstens um das ganze fette Garn auf die Spule zu bekommen und zweitens um die Locken durch das Einzugsloch zu bekommen. Mein Kromsky hat ja schon mit der Artyarn-Spule eine der größten Einzugsöffnungen, abgesehen vom Countryspinner eben, aber hier ist einfach die Grenze des Möglichen erreicht. Noch deutlicher wird es beim Zwirnen, denn dabei wird das Volumen noch größer und es passt noch weniger auf die Spule.

Foto 5-4Zum Zwirnen habe ich einige Merinofarben mit den Handkarden mit Verlauf kardiert und zu einem dünnen Einzelfaden gesponnen, in dem die Farben recht regelmäßig wechseln. Foto 1-8Die Locken machen das Zwirnen durch ihr Eigengewicht etwas schwierig, denn der Einzelfaden dreht nur mit ordentlich Drall so, dass er sich zwirnen lässt. Das führt aber zu einem überdrehten Zwirn, sodass der Drall immer wieder nach Stellen mit Locken in die Länge weiter geleitet werden muss. Alles in allem ein recht langwieriges und nervenzehrendes Garn. Aber die Textur mit den sehr langen Locken ist extrem.

Angoragarn

Und wieder ist ein Vlies von Seidenhase versponnen:-)Foto 1-3

Das hier hat sich eine liebe Freundin ausgesucht und zum Spinnen gleich bei mir gelassen.
Foto 3-1Eine Mischung aus Seidenhasen-Angora mit diversen Wollemischungen.

Daraus wurden erstmal Kardenbänder, die ich dann – diesmal mal wieder mit der Handspindel – zu einem unterdrehten einfädrigen Streichgarn versponnen habe. Und das hier wird sich bald auf die Reise machen:-)

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Angora-Cowl

Foto 3Und damit es trotzdem noch was wolliges heute gibt: der Angora-Cowl ist fertig geworden.

Das 50g-Garn ist ein einfaches kerngesponnenes Singlegarn, welches aus dem wunderbaren flauschig-seidigen Seidenhasen-Vlies entstanden ist, das ich verpennt habe zu fotografieren… Es enthielt grünes Angora, verschiedene gefärbte Fasern, die z.T. Verläufe (ich glaube Bio-Merino) enthielten und dann farbige Seide.

Foto 5Ich kann nicht beschreiben WIE flauschig es ist. Einfach ohne Worte. Wenn ihr Angora in die Finger bekommt, dann spinnt was das Zeug hält. Es ist gigantisch! Dazu gab es heute mal eine Faserblume, deren Enden zusammen filzt wurden. Der Cowl ist so simpel wie möglich gehalten: einfach ein Schlauch in Patent mit einem dehnbaren norwegischen Anschlag.

PS: Dies ist der 100. Beitrag geworden… 🙂

 

 

Vom Kammzug zum Pulswärmer

Die zweiten Kammzügen die mit meinen neuen Kämmen entstanden sind diese hier: verschiedene Merinofasern zusammen mit Sariseide.

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Daraus wurde ein einfacher glatter 2-rädriger Zwirn. Die Sariseide krisselt sich wie immer an den Stellen, wo sie gehäufter versponnen wurde. An andere Stellen, wo sie stärker mit der Wolle vermischt ist, stehen ihre Enden heraus.

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Und aus diesem Garn wurden Pulswärmer. Ich konnte es nicht erwarten, zu sehen, was passiert, wenn ich diese Sariseide im Garn verstricke.

Foto 4-1 Foto 5-1Die Sariseide wirkt interessant. Einerseits erzeugt sie stellenweise einen schönen Glanz, andererseits erzeugt sie einen leichten „Flaum“, indem ihre Enden hervor stehen. Leider ist das auf den Bilder nicht so recht zu sehen.

Ich habe bei den Pulswärmer einen neuen Anschlag gelernt: den italienischen Anschlag. Und dazu den passenden Abschluss: Tunnelstricken und mit 1/1-Rippenbündchen abgenäht. Nennt man das so? Für mich ist das immer noch ein kleines Mysterium mit den Anschlägen und Abschlüssen. Naja, auf jeden Fall bin ich total begeistert von diesen Varianten, denn die Enden der Pulswärmer sind soo weich und elastisch. Einfach gigantisch. Ich denke ich werde so schnell nicht mehr normal anschlagen :-))).

 

 

Doku über Alpakas in Peru

Ich möchte hier auf eine ZDF-Doku über Alpakas, ihre Haltung und Fasern, in Peru aufmerksam machen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2068174/Wilde-Herden—Bei-Hirten-in-Peru

Viel Spaß beim Schauen 🙂