Verläufe & Rolags

adventstuten4Heute möchte ich euch mal wieder ins Daily Business in der Werkstatt mit nehmen. Momentan gibt es ja die Adventskalender für Spinner in meinem Shop. Das sind 24 Tütchen mit je einem Rolag. Quasi eine Faser-Wundertüte auf Raten ;-).

Außerdem bietet sich hier eine Besonderheit an: Ein großer Farbverlauf in den Spinnfasern.

Damit meine ich einen Verlauf, der sich über die Gesamtmenge an Fasern erstreckt und sich nicht innerhalb eines einzigen Rolags entfaltet. Das heißt also, die Rollen haben alle eine leicht andere Farbe und in der richtigen Reihenfolge versponnen ergibt sich ein Garn mit einem Verlauf über die gesamte Lauflänge.

Im Moment habe ich reichlich Übung im Kardieren solcher Rolags und so habe ich zwischen durch ein paar Bilder für euch gemacht.

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Zunächst suche ich die gewünschten Farben heraus und suche nach einem harmonischen Verlauf. Dabei versuche ich keine zu heftigen Farbsprünge zu kombinieren. Die Anzahl der Farben hängt vom Endgewicht ab. Je geringer das Gewicht, desto weniger Farben nehme ich natürlich. Aber anders herum, habe  ich bemerkt, dass es bei größeren Mengen leichter ist 1 oder 2 Farben mehr zu nehmen, sonst wird es schwierig die richtigen Mengenverhältnisse pro Brett zu erwischen.

Dann wiege ich die Farben ab, um das Zielgewicht zu erreichen. Dabei werden auch gleich Edelfasern oder andere Zusatzfasern mit eingewogen. Und dann überlege ich mir, wieviele Bretter ich benötige. Meistens rechne ich mit 25g pro Brett und 3 Rollen pro Brett. Bei 100g erhalte ich meistens 12 Rollen.

Beim Adventskalender rechne ich aber anders herum, ich benötige ja fix 24 Rollen. Also stelle ich 4 Rollen pro Brett her und komme auf glatte 6 Bretter. Aber auch halbe Bretter können kardiert werden.

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Jetzt teile ich die Fasern in passende Portionen auf. Eine Portion pro Brett. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Dabei ist zu überlegen, wie die Einzelfarben am geschicktesten in einander zumischen sind und dabei die gewünschte Brett- und Rollenanzahl erreicht wird.

verlauf1Die Farben werden dann von oben nach unten auf dem Brett angeordnet. Nur so bekomme ich einen Vollverlauf in die Rollen, da diese ja von unten nach oben abgezogen werden. Ich lege also die Farbzonen und ihre Mischzonen horizontal an. Meistens landet eine Grundfarbe auf ein Brett und oben, wie unten kommen die jeweiligen Nachbarfarben dazu, so dass die Mischzonen entstehen. Danach kommt das nächste Brett mit wieder drei Zonen, allerdings ändert sich nun ihre Anordnung. die Vollfarbe liegt nicht immer in der Mitte, sie kann auch in der oberen oder unteren Zone liegen.

verlauf2Dadurch, dass ich 4 Rollen Pro Brett abziehe und 3 Farbzonen pro Brett habe, erreiche ich gute Mischungsverhältnisse im Rolag, der eher selten mal wirklich vollfarbig ausfällt.

So arbeite ich mich durch die Faseroptionen und achte darauf, dass ich nie mit den Farben durcheinander kommen. Am Ende habe ich die 24 Rollen im Verlauf und die werden dann in die Kalendertütchen gepackt. Der Kalender ermöglicht es, dass auch der Spinner nicht durcheinander kommt, denn die Tütchen müssen nur Tag für Tag angesponnen werden und die richtige Reihenfolge steckt ja schon in den Tütchen.

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Je nach dem, wie frei ich bei den Farben wählen durfte, wird jedes Tütchen und der Tag auf der Spule eine kleine Überraschung.

 

thumb_dsc_7720_1024Wer ein Garn mit Vollverlauf erhalten möchte, dem empfehle ich das Navajo-Zwirnen. Das ist meine Lieblingszwirnmethode bei traditionellem Garn. Es fällt kein Abfall ab, die Lauflänge der Zwirne müssen nicht passen und es entsteht ein intensiver Farbverlauf in einem besonders schön geformten Garn.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit Rolags mit kleinen, sich wiederholenden Verläufen zu kardieren. Doch dazu schreibe ich euch ein andermal einen Post.

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Jetzt wünsche ich euch erstmal einen schönen Spätherbst und voradventliche Zeit!

 

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SOMMERZEIT im Shop!!!

Zurück aus dem Urlaub mit ner Menge Sonne im Gepäck!

Wer bis jetzt geglaubt hat, dass sich Wolle und Sommersonne sich widersprechen, der sollte jetzt mal einen kleinen Blick ins Shop-Update blicken.

Ein neues Produkt ist eingezogen. Feine reine Maulbeerseidenkammzüge, natürlich handgefärbt. Sie stecken häufig in meinen Vliesen und Rolags und sind perfekt geeignet um sie mit allerlei Fasern auf dem Kardierbrett oder dem Drumcarder zu mischen. Das an ihnen ist, dass sie keinen Uni-Farbton haben, sondern innerhalb der Faser farblich verlaufen. Natürlich können die Seidenkammzüge auch pur versponnen werden oder eingefilzt werden.

Die Sommerlaune in der Werkstatt geht noch weiter und das nächste Shop-Update wird nächste Woche kommen. Dann kommen noch einige handgefärbte BLF-Kammzüge, der letzte Schwung Wensleydale-Locken für dieses Jahr, handgefärbte Seidenkammzüge diesmal nicht als kompaktes Band, sondern als breites Band und zu guter letzt werden Merino-Seiden-Vliese in Sommerfarben kommen.

Seid gespannt, denn es wird das letzte Shop-Update vor dem bevorstehenden Herbst sein.

Liebe Grüße aus der Sommer-Sonnen-Launen-Werkstatt 🙂

Demeter in Handrollen

Dieses Mal möchte ich euch in meinen Shopbetrieb mitnehmen, denn ich bekam eine ganz besondere Bestellung. Eine Wunschmischung aus Demeterfasern zum Verspinnen mit dem langen Auszug.

Wer ist Demeter?

IMG_3781Die Demeterfasern sind nach Demeterstandtard Bio-zertifizierte Fasern von fränkischen Milchschafen, die in meiner Umgebung leben. Ich bin begeistert von diesen Fasern, denn zum einen werden sie nur innerhalb einem SOS-Dorf-Verbund von Demeter-Biohöfen verarbeitet und nicht nach extern verschickt. Genau genommen leben die Schafe nur auf einem Hof in diesem Verbund und ein Schwesternhof hat eine angeschlossene Kardiererei, so dass die Fasern nur von dem einen Hof zum anderen Hof geschickt werden, dort gewaschen und kardiert und wieder zurück geschickt werden. Und das in einer kleinen Menge von wenigen Kilo im Jahr. Es ist so nach nachhaltig wie es nur geht.

Übrigens: Demeter-Biostandart liegen weit über den EU-Biorichtlinien. Sie übertreffen also die gesetzlichen Vorgaben und „arbeiten biologisch-dynamisch, d. h. sie arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis“ (Vgl. http://www.demeter.de am 8.5.2016). Demeterhöfe produzieren innerhalb des Demeterverbundes und bilden somit einen geschlossenen Kreislauf, der z.B. auch die Futtermittel für die Tiere einschließen.

Mehr zu den Demeter-Richtlinien findet ihr hier.

Der andere Punkt, der mich so an diesen Fasern begeistert ist, dass ich die Tiere direkt nach der Schur gesehen habe. Da ich selbst schon Schafe geschoren habe und bei einem Lehrgang gesehen habe, wie viele der Scherer die Tiere nach dem Scheren hinterlassen. Ich war von dieser Schur unheimlich positiv überrascht. Die Tiere hatten keine Verletzungen an der Haut. Beim schnellen oder beim unerfahrenen Scheren, passiert es gerne, dass die Haut der Tiere angeschnitten wird, eine Hautfalte rutscht einfach an die Messer der Schermaschine. Das ist auch mir passiert. Dem Schaf tut das nicht sehr weh, aber es zuckt schon. Ich nehme an, es ist damit vergleichbar, wenn wir uns mit dem Küchenmesser in den Finger schneiden. Passiert das, sollten die Wunden nach dem Scheren desinfiziert und ggf. klammert werden. In der Praxis hatte ich das leider nicht so gewissenhaft erlebt. Umso mehr freute es mich, dass diese Schafe keine Schnitte aufwiesen. Zudem wurden bei diesen Tieren etwa 1-2mm Wolle auf der Haut übrig gelassen, was ich ebenfalls sehr befürworte. Das Schaf hat noch etwas Schutz und man schneidet beim Scheren nicht direkt auf der Haut. Übrigens hatte ich genau das gleiche Bild auch auf einen ganz anderen Demeter-Biohof mit Schafen gesehen. Das war für mich ein tolles Beispiel für schonendes Scheren!

Die Fasermischung herstellen

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Diese Fasern habe ich in der Werkstatt mit Säurefarben einfarbig eingefärbt. Diese sollen nun farblich gemischt werden. Das Ziel ist eine feine Melierung, die einen Mischton ergibt, der aber immer noch etwas farbliches Leben hat, wenn die Mischung dann versponnen wird. Und so ging es:

  1. Demeter2Die Farben habe ich nach Augenmaß einzeln in 8 Portionen aufgeteilt. Es sollen 400g am Ende werden, die können nicht in einem Schwung gemischt werden 😉 Es wandern also 50 g auf den Drumkarder, der damit maximal ausgelastet wird.
  2. Ich schichte alle Fasern einer Portion genau übereinander. So stelle ich sicher, dass die Farben gleichmäßig im Vlies verteilt sind.
  3. Demeter3Ich erhalte so 8x50g Vliese mit dem gleichen Farbverhältnis. Die Vliese sehen vielleicht anders aus, das kommt aber nur daher, dass ich die Farben in unterschiedlicher Reihenfolge gelagert habe. Für das Ergebnis in den Rollen ist es unerheblich.
  4. Ich unterteile nun die Vliese wieder in kleine Portionen, etwa 12 in diesem Fall. Das sind die Portionen die dann auf die Handkarden kommen. Ich unterteile die Vliese zunächst in Bändern und teile diese dann wieder in Stücke. So bleibt das Farbsandwich und damit die Farbmischung vom Vlies in den Stücken erhalten.

  5. Nun wandert ein Stück nach dem anderen auf die Handkarde und das kann dauern. Das Kardieren mit dem Handkarden dient in diesem Fall nicht dem Aufbereiten der Fasern aus der Flocke zu spinnbaren Handrollen. Wäre dem so, sollten weniger Fasern auf einmal kardiert werden. Da diese Fasern schon vorbereitet wären geht es nur um die Mischung der Farben. Die Farben sollen fein meliert sein. Das könnte man sicher auch mit dem Drumkarder machen, doch es sind Handrollen gewünscht.
  6.  Nun ziehe ich die Fasern von solch einem Vliesstück auf die Handkarde ab, so findet die erste Vermischung der Farben statt.
  7. Nun kardiere ich die Fasern  etwa 2 mal von einer Karde auf die andere. Öfters mache ich es nicht, denn dann wäre die Mischung so fein gemischt, dass die Einzelfalben nicht mehr zu sehen wären. Das soll auch nicht geschehen.

    Ich kardiere alles von der ersten beladenen Karde (Bild 1) auf die zweite Karde (Bild 2), dann übertrage ich die restlichen Faser auf die zweite Karde (Bild 3) und wechsele die Karden in der Hand. Ich kardiere das zweite Mal die Fasern auf die leere Karde (Bild 4) und übertrage wieder die restlichen Fasern auf die zweite Karde und diese klemme ich dann zwischen die Beine um die Handrollen zu drehen. (Bild 5).

  8. Fertig vermischt nehme ich mir nun  die Rundstäbe vom Kardiertbrett zur Hilfe. Handrollen kann man eigentlich ausschließlich mit den Händen rollen, ich mag die Stäbe einfach nur und ich tue mir damit leicht. Aber: ich rolle keine Rolags. Ich ziehe die Fasern also nicht so fest auf die Stäbe, die bei Rolags. Ich nutze die Stäbe einfach nur für die runde Form der Rollen. Ich habe so gut wie keinen Zug beim Rollen auf den Fasern. Ich klemme nur die Faserspitzen ein, hebe die Mischung von der Karde und rolle sie mit der Hand um die Stäbe herum.

  9. Demeter14So erhalte ich ganz lockere und gar nicht kompakte (wie bei dem Rolags) Rollen. Rolags mit glatten Fasern sind zwar auch nicht fest, aber die Fasern liegen viel dichter aneinander, so dass diese schmalen, langen und glatten Röllchen entstehen. Das sollte man, meiner Meinung mit krausen Fasern nicht machen. Die Fasern würden sich auf Grund ihrer Krausheit mit einander verhakten, so dass der Auszug aus Rolags ziemlich ungemütlich würde. Die glatten Fasern hingegen rutschen viel leichter aus dem Rolags, sodass es kein Problem darstellt. Also: die krausen Fasern einfach mit viel Gefühl und wenig Zug um die Stäbe legen und sanft anhaften lassen. So lassen sie sich einfach und fluffig wieder aus den Handrollen ziehen.

Et voilà

Viele Stunden später: Das ist der Berg von mehr als 400g Handrollen.

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IMG_3779Inzwischen sind diese schon bei ihrer neuen Spinnerin angekommen und werden fleißig versponnen. Ein paar Rollen sind bei mir übrig geblieben, da ich immer ein Tick mehr verarbeite – Safty first – und so habe ich auch eine Rolle versponnen und zu einem Stickmuster verstrickt (die Farben sind in echt grüner). Sie liesen sich super einfach ausziehen und sind gut für den langen Auszug geeignet.

Ich bin gespannt, was die Spinnerin daraus zaubert. Zu gerne würde ich Mäuschen bei meinen lieben Spinnkunden sein. 🙂

Ich wünsche dir viel Vergnügen, liebe Ulrike! Vielleicht findest du ja meinen Blog und siehst, welchen Weg deine Fasern ab dem Schaf in der Werkstatt gingen. 🙂

Das perfekte Vlies… ist das die Lösung?

Vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie mein Schlaufenproblem entsteht und es zu lösen ist.

kardieren5Das hier sind die ominösen Schlaufen:

Sie hatten sich immer wieder mal in meine Vliese eingeschlichen und dann gab es wieder Vliese, die frei davon waren. Warum? Diese Frage trieb mich wirklich um. Ich möchte diese Schlaufen nicht im Vlies haben, denn sie können, bei einigen Spinntechniken wie corespinning stören. Soll eine super glatte Oberfläche bei Kerngarnen entstehen, können diese Schlaufen oben aufsitzen und eben diese Oberfläche stören. Auch bei feinen einfädrigen Garnen stehen sie im Weg. Und überhaupt möchte ich, wenn ich ein Vlies kaufe, alle Fasern fein in Reih und Glied sitzen haben. Sicherlich lassen sich diese Schlaufen durch predraften wieder auseinander ziehen, aber ich möchte eben auch manchmal nicht predraften, denn das beeinflusst die Farbentwicklung im Garn.

Also, wie kann ich kardieren, dass die Vliese schön wohlgeordnet werden, wie ich sie haben möchte?

kardieren17Nach vielen Stunden kardieren kam ich zu diesen Punkten:

1. Die richtige Position der Packer-brush einstellen.

2. Die Fasern hauchdünn über den Einzug einfüttern.

3. Keine dicken Stellen beim Painten auf die große Walze kardieren.

4. Die Vliese nicht zu dick werden lassen, sondern lieber mehrere dünnere Vliese kardieren.

5. Superfeine Fasern im Sandwich einfüttern oder Painten.

6. Vorsicht bei der Karde.

7. Fasern vorlockern hilft.

Jetzt kommen viele Bilder, wie ich mein Vlies nicht haben möchte… 😉

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Die Bürste soll die Fasern an die große Walze anlegen, damit das Fassungsvolumen erhöht wird. Sie sitzt direkt über der Zone, wo die eingefütterten Fasern entweder auf der kleinen oder der großen Walze landen und sich im letzten Fall gerade erst an die Walze angelegt haben. kardieren 16Haben sich die Spitzen noch nicht ganz angelegt kann es passieren, dass die Bürste diese Enden beim Drehen wieder nach hinten klappt und voilá, da sind die ersten Schlaufen. Ich hatte manchmal die Bürste so eingestellt, dass sie viel zu tief in den Nadeln saß. So wurden schnell auch diese Faserenden zurück geklappt, die eigentlich ganz gut auf der Walze zu liegen kamen. kardieren3Deshalb achte ich nun darauf, dass die Bürste die Nadeln nur berührt und noch genügend Platz bleibt, dass die Fasern gemütlich beim Drehen unter ihr durch wandern kann. Oder ich lasse die Bürste einfach weg. Ich habe bemerkt, dass ich sie gar nicht so dringend benötige. Sollte das Vlies zu sehr Volumen einnehmen, greife ich zur Karde vom Blending Board und lege die Fasern sanft an.

Auf dem ersten Bild sitzt die Bürste erst zu tief in den Nadeln. Auf dem zweiten Bild, sitzt sie nur AN den Nadeln und im dritten Bild, ließ ich sie einfach weg.

kardierenDas bekannte Credo: Lege die Fasern so dünn vor den Einzug auf, dass du noch die Zeitung darunter lesen könntest, hat wirklich seine Berechtigung. Füttere ich zu viele Fasern auf einmal ein, landet das Zuviel wieder auf der kleinen Walze. Die Fasern werden also zwischen beide Walzen geteilt und dabei können ebenfalls die Fasernenden jener Fasern, die auf der großen Walze landen abgehoben werden und zurückgeklappt werden. Oder sie können von der Bürste zurück gebürstet werden. Es sind die unentschlossene Fasern, die dann die Schlaufen bilden. Ich lasse mir also nun sehr viel Zeit und kardiere hauchdünne Fasern ein.

kardieren12Die Fasern können auch direkt auf die Walze gesetzt werden. Dabei sollten keine dicken „Würste“ aufkardiert werden. Diese wandern dann durch die Zone zwischen beiden Walzen und an den dicken Stellen wird von der kleinen Walze wieder das Zuviel abgelöst und wir erhalten unentschlossenen Faserenden. Außerdem achte ich darauf, dass beim Painten, die aller ersten Faserenden gut zwischen den Nadeln anliegen.

kardieren9Das ganze Vlies wächst mit der Zeit und die Nadellängen geben das Fassungsvolumen vor. Wird der freie Nadelbereich immer kleiner, können auch hier, die Faserenden eher hervorstehen und in der Engstelle der Walzen oder von der Bürste in die falsche Richtung angelegt werden. Also schöpfe ich das maximale Fassungsvolumen jetzt nicht mehr aus, sondern kardiere lieber zwei Vliese.

Auf dem Bild rechts sind die Schlaufen zu sehen, die sich gerne an der Nadelunterbrechung bilden. Das passiert besonders gerne, wenn das Vlies schon recht dick geworden ist. Das sind einfach die Faserenden, die durch die Lücke nicht erfasst werden und dann an der nächsten Engstelle zurück geklappt werden.

kardieren11Superfeine oder glatte Fasern tuen sich manchmal schwer mit dem Anlegen. Ihre Enden bilden besonders gerne Schlaufen. So wie auf dem Bild links, möchte ich sie ungern im Vlies liegen haben. Deshalb lege ich sie nun wie bei einem Sandwich zwischen weniger fliegende Fasern und lasse sich gebändigt einziehen. Oder ich lege das Sandwich direkt auf die große Walze auf und painte sie ins Vlies (rechts).

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Ein weiterer Stolperstein war  die Karde vom Blendig board, die ich zum Anlegen benutze. Ich setzte sie nun nicht mehr einfach an die Walze an, sondern achte darauf, dass ich nicht VOR hervorstehene Fasern ansetzte sondern diese sanft mit der gewünschte Ausrichtung andrücke und das kann auch mal bedeuten, dass ich das Drehen unterbreche und erst die vorderen Enden in Position bringen, bevor ich weiterkurbele.

kardieren13Die Fasern, die auf der kleinen Walze zurückbleiben, ziehe ich mit dem Picker wieder ab und füttere sie auch dünn wieder ein.

Ach, was ich auch noch mache, ist, dass ich nun die Fasern aus Kammzügen (wenn es denn Kammzüge sind, die ich vermische)  in Stapel vorlockere.

kardieren21Seit dem, dauert das Kardieren doppelt so lange…Aber, die Vliese sind frei von Schlaufen, Verdickungen und kleinen Knötchen. Auf der Walze liegen die Fasern sauber neben einander (Bild unten links), was man besonders an der Rille sehen kann. Auch die Rückseite vom Vlies ist sauber (unten rechts), wo sich vorher gerne die Schlaufen beim Abziehen gezeigt haben.

kardien 20Foto 4Puh, das war eine schwere Geburt, mit dem Kardieren, aber ich bin jetzt eindeutig zufriedener mit den fertigen Vliesen. Und die Vorarbeit beim Spinnen hat sich auch reduziert und der Auszug funktioniert wieder reibungslos. 🙂

Kammzug versus Vlies

Vor einigen Tagen habe ich meine Ladehemmung überwunden und meine Kämme ausprobiert.

Als erstes Herantasten habe ich nur Kammzüge mit bereits gekämmten Fasern gezogen. Ich war überrascht, dass es nach den ersten paar Kämmen schon ganz gut klappte.

Foto 4-1 Hier habe ich den Kamm mit Fasern schichtweise beladen. Hauptsächlich habe ich naturgraues BLF verwendet. Dazwischen habe ich Merino in Rosatönen, weises Ramie und linkes Angelina geschichtet.

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Hier war ich mit dem Beladen fertig und es sind die drei Schichten zu sehen.

Foto 5-3 Hier ziehe ich den ersten Kammzug ab. Ich versuche mich dabei von der eine Seite zur anderen Seite zu arbeiten und von unten nach oben. Durch die nur drei Schichten verändert sich das Verhältnis zwischen BLF und bunten Fasern in den unterschiedlichen Abschnitten des Kammzuges. Und eine weitere Rolle spielen natürlich die Faserlängen. Das Ramie hat sehr lange Fasern, länger als BLF und Merino. Deshalb ziehen sich die Ramiefasern schneller aus, als der anderen Fasern. Das sollte bedacht werden, wird eine gleichmäßige Verteilung angestrebt. In den ersten Zügen war es mir noch nicht wichtig. Außerdem ergibt sich wieder ein Rhythmus, wenn mehre Kammzüge, die so erstellt wurden, hintereinander versponnen werden.

Foto 2 Das ist der Rest, der auf den Kämmen zwischen den Zinken hängen bleibt. Dafür gibt es sicher einen Begriff. Kennt ihr den? Wie nennt man diese Rest aus kurzen Fasern, der auf den Kämmen übrig bleibt? Ich habe ihn mir aufgehoben, um in später in ein Vlies einzukardieren.

Foto 1 Das hier sind die ersten Kammzüge, die entstanden sind. Mir gefällt diese Faseraufbereitung sehr gut. Die Fasern sind alle glatt parallelisiert, vor ausgezogen und gelockert. Perfekt um versponnen zu werden. Alles was ich bisher zum Kämmen und Kammzügen gehört habe hat sich voll bestätigt.

Foto 1 Kopie 2 Hier habe ich einen Kamm wie oben bestückt einmal abgekämmt. Ich wollte wissen, wie sich die Fasern dabei vermischen. Und hier ist zu sehen, dass sie sich ziemlich schnell (hier nach einmal) recht homogen vermischen. Würde ich diese Mischung verspinnen, würde das Garn farblich recht gleichmäßig werden. Ich persönlich finde, dass, möchte man eine gleichmäßige Fasermischung, das Mischen von Fasern so schneller geht, als beim Kardieren.

Foto 3 Die gleiche Fasermischung habe ich zusammen mit dem Rest von Kämmen (der wirklich sehr gering ist) zu einem Vlies kardiert. Das Mischverhältnis ist genau das gleiche wie beim Kämmen. Und auch der Grad der Vermischung ist ähnlich.

Ziel war es, die Garne, beider Vorbereitungsarten zu vergleichen. Ich habe aus beiden Fasern, den Kammzügen und dem Vlies, ein unverzwirntes unterdrehtes Garn gesponnen.

Foto 3 Kopie 2Das ist das Kammgarn: es hat eine gleichmäßige glatte Oberfläche. Die farbigen Fasern setzten sich noch gut von den grauen Fasern ab. Sie sind einerseits eingemischt, aber andererseits ist die Mischung nicht homogen und es gibt immer wieder Stellen, an denen die farbigen Fasern überwiegen.Foto 1-1

Foto 1 KopieHier kommt nun das Garn aus dem Vlies. Der Unterschied ist gering, aber spürbar (weniger hier auf den Bildern sichtbar). Ich weiß nicht wie, so ein Garn eingeordnet werden würde. Mit den englischen Kategorien würde ich semi-worsted sagen.

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Nach Anne Field unterscheiden sich die Kategorien so:

  • worsted: Fasern werden parallel ausgerichtet (gekämmt oder mit der Fickkarde) + kurzer Auszug
  • semi-worsted: Fasern werden nicht parallel ausgerichtet (kardiert) + kurzer Auszug
  • woolen: Fasern werden nicht parallel ausgerichtet  + langer oder mittlerer Auszug
  • semi-woolen: Fasern werden parallel ausgerichtet + langer oder mittlerer Auszug

In diesem Fall trifft semi-worsted zu: kardiert aber mit dem kurzen Auszug versponnen.

Die Unterschiede waren besonders beim Spinnen spürbar. Das Vorgarn war wesentlich instabiler. Dadurch das die Fasern nicht in voller Länge parallel lagen, musste ich die drafting zone wesentlich kürzer halten, sonst wäre der Strang gebrochen. Es war auch deutlich sichtbar, das die Fasern nicht parallel lagen und dadurch fühlten sie sich flauschiger an. Und auch das Garn wurde weniger „hart“/glatt, sondern weicher, mit etwas weniger Fasermasse auf die Länge und auch ein Tick weniger stabil. Klar, die Fasern liegen einfach nicht glatt neben einander. Im fertigen Garn sieht man diesen Unterschied an der Oberfläche, es stehen mehr Faserenden heraus (im großen Bild zu sehen, denke ich). Es wirkt ein wenig, wie wenn man es gebürstet hätte. Ein anderer Unterschied ist die Farbverteilung. Es ist kaum sichtbar, aber dennoch vorhanden, die farbigen Fasern setzten sich nicht ganz so direkt ab, sondern sind häufiger stärker in die grauen Fasern eingemischt. Das liegt an dem nicht parallelisierten „Flaum“ des BLF und war während dem Spinnen gut zu beobachten. Trotzdem gibt es noch genauso Abschnitte, in denen die farbigen Fasern überwiegen.

Trotz der Unterschiede, die wirklich minimal sind und in erster Linie spürbar und weniger sichtbar sind, sind es fast identische Garne, die gut zusammen passen. Mich würde es interessieren, ob diese Unterschiede sichtbar werden, wenn man sie verstrickt. Die farblichen Abweichungen sind ja oft erst im Strickstück, also im Überblick der ganzen Lauflänge zu sehen. Ich denke die unterschiedliche Oberfläche wird auch verstricht etwas spürbar sein

Zum Abschluss noch ein Bild mit beiden Garnen nebeneinander. Links liegt das glatter Garn (es hat etwas mehr Lauflänge) und rechts liegt das Garn aus dem Vlies.

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Demeter-Rolags zu verkaufen!

Für alle Spinner unter euch: ich habe meinen Ökofaservorrat geplündert und Rolags daraus kardiert. 

Es gibt deshalb im Moment 3 Packen Rolags aus naturbrauner Demeterwolle von Schafen, die auf einem Demeterhof in meiner Region gehalten werden. Diese und andere Fasern gibt es ab jetzt auch im Shop.

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Für diejenigen, die das Demtersiegel nicht kennen, eine ganz knappe Erklärung: Demeter ist eine internationale Bio-Marke und die älteste ökologische Landwirtschaftsmethode, die auf Rudolph Steiner und seine Anthroposophie zurück geht und seit den 1920er praktiziert wird. Ihre Richtlinien sind schärfer als die gesetzlichen EU-Richtlinien für den normalen biologischen Anbau und Tierhaltung. Einige Besonderheiten sind z.B. dass ein Demeterhof als ein Organismus betrachtet wird und einen geschlossenen Kreislauf bilden soll. Es wird im Rhythmus der Jahreszeiten und auch im Mondzyklus gewirtschaftet. Die Fruchtbarkeit der Böden wird durch Mineralien und Kräuterpräparaten und Kuhdung erhalten. Tiere werden besonders artgerecht gehalten,Kühe etwa werden nicht enthornt und es ist nur selbsterzeugtes oder von anderen Demeterhöfen erzeugtes Futter zugelassen. Zusätze wie Tiermehl, Hormone oder Antibiotika sind nicht zulässig.

Hier ein paar Links, einen zur Geschichte von Demeter , einen zur den Richtlinien und eine Kurzfassung.

Von solch einem Hof, auf dem ich die Tiere auch besichtigen kann, beziehe ich direkt diese Fasern in Naturfarben. Sie sind leicht kraus und haben verschiedene Längen. Sie liegen also nicht als Kammzug vor, sondern kardiert. Sie ergeben ein weiches Spinnergebnis, wenn sie auch dementsprechend versponnen werden. Das heißt mit dem langen oder mittleren Auszug. Verspinnt man sie wie glatte Fasern aus einem Kammzug mit dem kurzen Auszug, so kommt ein Garn heraus, das nicht glücklich machen wird, sondern unangenehm kratzt. Die Faservorbereitung zu Rolags eignet sich perfekt für den Auszug von wollenen Garn und kann direkt versponnen werden.

Ein Sorte Rolags ist gemischt mit Merinofasern in rot, rosa und pink (100 g).

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Die zweite Sorte ist gemischt mit Merinofasern in unterschiedlichen Blautönen (91 g).

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Und die dritte Sorte beinhaltet bunte Fasern aus recycelter indischer Sariseide (98 g).

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Ich verkaufe sie für 7,50 € / 50 g.

Die Rolags sind nicht alle gleich schwer, sondern variieren ein wenig. Wenn ihr also die Rolags unterteilen wollt, um für das Zwirnen später ungefähr gleich lange Fäden zu haben, dann achtet darauf, dass ein oder zwei Rolags ein wenig schwerer sind. Die anderen sind ein etwa ähnlich. Wer es ganz genau haben will, sollte alle Rolags einfach in der Mitte unterteilen, dann hat er exakt die Hälfte. Für das Spinnen macht es absolut keinen Unterschied, denn die Rolags sind ohnehin recht lang und es kann als angenehmer für das Spinnen empfunden werden, wenn sie kürzer sind.

Die letzte Sorte Rolags, die mit der Sariseide vermischt sind, habe ich vor einiger Zeit selbst versponnen und zu einer Mütze gestrickt. Und so sieht das Ergebnis aus:

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Das erste Garn aus Rolags…

Foto-26 KopieFoto-22 KopieAus den ersten rolags (unten links) wurde ein sehr dünner und ergiebiger 2-fach-Zwirn namens „Alligator“. Ich bin erstaunt WIE ergiebig sie sind: 230 m Lauflänge auf  ca. 60 g. Das sind knapp 400 m auf 100 g. Das ist die „Lace-Schwelle“, oder? Obwohl ich die rolags als recht fest gewickelt empfand, ließen sie sich ziemlich gut ausziehen und verspinnen. Die Mischung aus Merinofasern und krauser deutscher Schurwolle machte ein sehr leichtes und luftiges dünnes Garn. Dennoch musste ich mit dem short-forward-draw spinnen um den Faden gleichmäßig werden zu lassen. Für einen long-draw sollten die rolags doch weicher gewickelt werden. Die challenge für das nächste Mal 😉Rolags

Die ersten Rolags

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Meine Bestellung ans Universum wurde erhört 😉

Ein Ashford Blendung Board.(Bildquelle: http://www.ashford.co.nz/newsite/carders/230/carding/blending-board/moredetail.html)

Und so entstanden die ersten Rolags. Sie fühlen sich noch etwas hart an, ich denke muss sie lockerer auf die Stäbe wickeln. Sie bestehen überwiegend aus krauser Wolle und sollen mit den long draw versponnen werden. Ich hoffe das wird funktionieren, wenn sie sich so hart anfühlen. Ich habe mal unterschiedlich dicke rolags abgezogen. Ein Mal vier pro Brett (links) und dann 2 pro Brett (rechts). Keine Ahnung was das für eine Auswirkung auf das Spinnen haben wird. Mal sehen, Übung macht ja bekanntlich den Meister…

Trotzdem, das Kardierbrett ist toll. Es hat eine engere Benadelung als mein drum carder und es passen, soweit ich es jetzt mal ausgereizt hatte bis zu 25 g auf das Brett. Eine schöne Methode Fasern zu mischen. Sehr direkt und ziemlich flott.

Rolags2Rolags

Spinnfutter

 

5 neue Riesenvliese liegen zum Spinnen bereit. Es wurden wieder solche, die aus 2 Schichten aufgebaut sind. Eine Schicht für den Farbverlauf und eine Schicht für dessen Auflockerung mit Farbakzenten. Fast überall sind noch reichlich Angelinafasern oder Sariseide enthalten. Schade, dass es auf den Fotos nicht richtig zu sehen ist.

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Farbflash

Und wieder surrte das Spinnrad gemütlich vor sich hin und fraß dabei ein rießges Vlies.

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Manchmal wundert es mich schon, dass so eine Menge an Fasern auf den drumcarder passen. Das ist ein doppellagiges Merinovlies. Die untere Lage ist als Farbverlauf von dunkelblau nach hellgrün auf gebaut und die obere Lage wird durch Farben gebildet die später den Grundverlauf bunt vermischen sollen. Ich hab sie extra nicht fein verteilt. Ich mache das oft, dass ich die Farben am Stück lasse, denn es ergibt sich dann ein grober Farbmix beim Spinnen, den ich total gerne habe. Es wäre auch eine super feine Verteilung als Gegenpol möglich. Dabei würden sich die Farben so vermischen, dass es beim Spinnen fast eine einheitliche Mischfarbe ergeben würde, die durch die einzelnen Farben etwas „flimmert“. Naja, und dazwischen ist alles möglich.

Ich hab das ganze mit Corespinning verarbeitet. Das ist mir bei solch bunten Vliese das Liebste, denn es geht keine Faser in der Mitte verloren und man kann den Kern schon fast dekorieren. Das Garn hat im Ganzen betrachtet einen regelmäßigen Farbverlauf von dunkelblau nach hellgrün, der sich immer wiederholt. Dabei mischen sich durch den Vliesaufbau die Farbakzente ziemlich prägnant dazwischen. Es ist immer wieder spannend zu beobachten wie die Vorbereitung der Fasern, das Garn am Ende beeinflusst. Dabei stehen dann Fragen im Vordergrund wie: Wie baue ich mein batt auf? Gestalte ich es in Schichten, die über einander liegen, oder in Abschnitte die neben einander liegen? Haben diese Lagen Farbverläufe? Oder mische ich ganz zufällig ohne Muster? Und wie fein VERmische ich sie?

Danach stellt sich die Frage, wie ich das Vlies vor dem Spinnen teile. Nehme ich Streifen längs oder quer ab? Oder reiße ich Stücke ab und verspinne sie dann in einer bestimmten Abfolge. Predrafte ich vorher oder während dem eigentlichen Spinnen?

Alles hat Einfluss… Ein Meer an Möglichkeiten.

Und hier ist meine Wahl und seine Konsequenzen 🙂 :

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Ein batt in zwei Lagen aufgebaut mit einem Farbverlauf in der untersten Lage (-> Farbverlauf möglich) und groben Farbakzente in der oberen Lage (-> geringe Akzentvermischung, harte Farbkontraste möglich). Aufgeteilt in sehr breiten Querstreifen (-> langer Farbverlauf durch die Breite der Streifen mit Wiederholung durch die Streifen selbst), die ohne predrafting direkt verspinnen wurden (-> geringe nachträgliche Faservermischung durch das predrafting und dadurch die sehr prägnante Farbabgrenzung des Kardierens erhalten).