Fraktal als Spin-Kit

Irgendwie verfolgt mich die fraktale Farbgestaltung. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich ins fraktale Spinnen verbissen. Nicht so sehr, dass ich ständig diese Art der Farbgestaltung ständig spinnen mag, aber so, dass mich das was dabei passiert, fasziniert.

In diesem Blog findest du bereits einen Beitrag zu diesem Thema, indem ich versuche genau zu erklären, was fraktales Spinnen ist und wie dabei vorgegangen wird. Deshalb möchte ich hier nur kurz darauf eingehen.

Wie auch im vorgegangen Blogbeitrag gezeigt, kann man Fraktale leicht aus handgefärbten Kammzügen spinnen, doch es kann genauso aus Vliesen oder Rolags erfolgen. Diese müssen jedoch dazu passen kardiert werden. Und das hab ich nun mit Rolags für euch ausgetüfftelt.

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_3d09Im Spin-Kit für ein fraktales Garn, habe ich die Farben für die beiden Verläufe exakt eingewogen und so kardiert, dass ihr nur noch der Anleitung, die bei liegt, folgen müsst und das Fraktal spinnt sich von alleine. Diese Spin-Kits kommen bald in den Shop und liegen erst einmal in 100g-Versionen vor. Aber die Anfertigung von 200g oder 300g-Versionen kann jederzeit für angefertigt werden. Schreibt mir einfach, wenn ihr Interesse daran habt und ich stelle euch größere Kits in den Shop ein.

Natürlich habe ich so ein Spin-Kit selbst durch gesponnen und hier möchte ich euch zeigen, wie das aussieht und worauf ihr achten müsst. Mein Spin-Kit war ein Verlauf von Lila zu Grün. Portioniert sind die Fasern in 2 Mengen die exakt abgewogen wurden.

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Fraktale Garngestaltung arbeitet mit 2 Einzelfäden, die jeweils 2 Farbverläufe beinhalten. Der eine Farbverlauf ist ein langer Verlauf von der ersten Farbe zu der letzten Farbe, während der zweite Faden den gleichen Verlauf im Kleinen wiederholt. Diese beiden Verläufe mit einander verzwirnt ergibt ein später in der Fläche das typische fraktale Muster, das vollfarbige Abschnitte und zweifarbige Abschnitte auf eine vorhersagbare Weise rhythmisch wiederholt.

Ich habe das Garn genutzt um ein Demo-Stück für meinen Fraktal-Workshop zu stricken und daran dann die Farbwechsel bzw. den Wechsel der typischen Abschnitte an den Seitenränder mit Fäden markiert.

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Ein typisches Malheur, das auch mir hier passiert ist, geschieht meistens dann, wenn man zu viel Zeit zwischen dem Spinnen zweier Spulen vergehen lässt. Die gesponnen Stärke der ersten Spule steckt nicht mehr automatisch in den Fingern und wenn man nicht bei der zweiten Spule die Fadenstärke mit der ersten Spule abcheckt, sondern einfach frei von der Seele runter spinnt, kann es passieren, dass die Fadenstärke, aber wichtiger, die Lauflängen sich unterscheiden. Bei einem Fraktalgarn spielt das tatsächlich eine Rolle, den die Musterentwicklung im Zwirn verschiebt sich zu einander dann. Der Charakter des Fraktals bleibt dann zwar erhalten, daher ist es nicht so dramatisch, aber für den Zweck einer Demonstration, an der ich den Rhythmus des Musters euch vorstellen möchte, ist es natürlich etwas blöd. Naja, bei mir blieb am Ende exakt ein kleiner Verlauf übrig und daher habe ich das Stück Faden n-ply zu einem vollfarbigen Faden verzwirnt an dem ihr dann den Verlauf an sich sehen könnt.

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_3d0aAlles im Allem ist das Kit für Diejenigen geeignet, die Lust haben mal ein Fraktal zu spinnen, aber sich keinen Kopf darum machen möchten. Und es ist geeignet für Spinner, die gerne 2-fädrige und mehrfarbige Zwirne verarbeiten. Denn hier ist da Fraktalgarn ein schöne Besonderheit.

Also, schaut ab und an in den Shop, wenn euch so ein Kit interessiert, bald ist es online… 🙂

 

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Spinnen mit der Kreuzspindel

Heute möchte ich gerne zeigen, wie ich mit der Kreuzspindel spinne und den Knäuel auf dem Kreuz winde.

Seitdem ich die Matthesspindeln in meinem Shop habe und unter anderem auch die Kreuzspindeln anbiete, bemerke ich, dass die Kreuzis nicht nur bei erfahrenen Handspinnern beliebt sind, sondern auch bei den Anfängern. Und so hatte ich bereits in einer Insta-Story kurz gezeigt, wie ich den Knäuel winde, um einigen Kreuzis-Neulingen eine kleine Starthilfe zu geben. Jetzt möchte ich das ein bisschen ausführlicher machen.

Die Spindeln

 

Hier sind ein paar Kreuzspindelformen, die ich in letzter Zeit in meinem Shop hatte. Ihr seht hier 2 unterschiedliche Armtypen: Die konvexen Armen – in großer und in kleiner Ausführung – und, die geschwungenen Armen – in einfacher Holzgestaltung und in 2-farbiger Holzgestaltung. Auf diesen Unterschied komme ich weiter unten nochmal zu sprechen. Oben links seht ihr, wie das Kreuz grundsätzlich aufgebaut ist. Beide Arme können in einander gesteckt werden, um das Kreuz zu bilden, welches dann auf den Schaft aufgesteckt wird. Je nach dem ob es eine Fußspindel ist, wie die hier gezeigten Spindeln, oder ob es eine Kopfvariante ist, weißt der Schaft eine unterschiedlich positionierte Verdickung auf um das Kreuz zu fixieren. Hier ist die Verdickung am unteren Ende des Schaftes und der Kreuz wird von oben über den Haken aufgesteckt und durch die Verdickung unten gestoppt.

Spinnen mit der Kreuzspindel

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Ich zeige euch meine Variante des Windens, wohl wissentlich, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, den Knäuel aufzubauen und zu wickeln. Im Grunde geht es einfach darum, den Faden auf das Kreuz zu wickeln und gleichzeitig den fast meditativen Aspekt zu genießen, ein schönes Farbmandala zu erzeugen. Einfach weil es schön aussieht und sehr entschleunigend wird. Diese Art zu Spinnen dauert natürlich sehr viel länger, als mit einer normalen Kopf- oder Fußspindel, wo der Faden einfach nur konenförmig auf den Schaft gedreht wird, ohne ihn besonders zu sortieren. Also für Ungeduldige ist diese Handspindel nichts 😉

Anspinnen ohne Leader

Ich zeige euch zunächst, wie ich die ersten Fasern an der Spindel anspinne. Das lässt sich auch auf eine normale Spindel übertragen und hat nichts mit der Kreuzspindel an sich zu tun. Ich persönlich bin eher der faule Typ und verzichte auf einen Leader um neue Fasern an die Spindel zu spinnen. Statt dessen hänge ich die ersten losen Fasern in einer Schlaufe an den Haken und spinne sie zu einem kurzen Faden. Dann drehe ich diesen Ansatz mit den Fingern wieder soweit auf, dass sich eine Schlaufe von der Größe des Schaftdurchmessers bildet. Jetzt kann ich diese Schlaufe auf den Schaft schieben und unten am Wirtel positionieren. Du kannst den Ansatz auch vom Haken nehmen und von UNTEN auf den dicken Teil des Schaftes schieben. Das ist total egal, denn im Grunde wirst du das sehr schnell nicht mehr sehen, wenn du das Winden beginnst. Ich winde den Faden wieder hoch zum Haken und beginne das ganz normale Spinnen. Et voilá: Die Fasern sind angesponnen und der Leader wird eigentlich gar nicht gebraucht.

 

Das Winden

Bei der Kreuzspindel beginne ich – ist eine Armlänge gesponnen – das Winden. Entweder man kann erstmal ein paar Meter spinnen und auf den Schaft winden um einen Vorrat an Faden anzulegen und DANN das Knäuel winden. Oder man windet immer nach einer Armlänge Faden gleich das Knäuel, das ist einfach eine persönliche Vorliebe. Ich winde immer gleich das Knäuel. Und das mache ich so:

1: Der Faden verläuft UNTER 1 Arm,

2: dann weiter ÜBER 2 Arme,

3: dann wieder UNTER 1 Arm, usw.

 

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_39abDabei sollte der Faden immer gut unter Spannung gehalten werden, klar, sonst kräuselt sich der Faden. Aber auch das Knäuel sollte straff gewickelt werden, sonst wird es viel zu lose und könnte später zu weich und wabbelig werden oder gar auseinander brechen. ABER, das Knäuel darf auch nicht zu fest gewickelt werden, sonst fällt es schwer, es später vom Kreuz zu lösen. Es ist einfach eine Frage von Gefühl. Eine gute Orientierung ist es, wenn sich die Fäden schön neben einander setzten lassen ohne zu verrutschen, ohne in die untere Lage einzuschneiden und ohne den Knäuel zu deformieren.

 

Und so sieht das ganze dann von oben und von unten aus.

 

Jetzt ist die Frage, wie lange setzte ich einen Faden neben den anderen und wann beginne ich eine neue Lage. Wenn die Fäden sich nicht mehr schön neben einander setzten lassen und beginnen übereinander zu rutschen, beginne ich eine neue Lage. Ich wechsele aber auch erst zur neuen Lage, wenn die aktuelle Lage, die darunter liegende Lage vollständig von der aktuellen Lage verdeckt wird. Hier kann man nun überlegen, ob der Rhythmus, mit dem gewickelt wird, umgekehrt werden soll. Also:

1: ÜBER 1 Arme,

2: UNTER 2 Arm,

3: ÜBER 1 Arme, usw.

Damit wird das Muster einfach von untern nach oben vertauscht. Ich mache das inzwischen abwechselnd, denn das formt dem Knäuel symmetrisch, betrachtet man in der horizontalen Ebenen. Also die 1. Lage so herum und die 2. Lage anders herum und die 3. Lage wieder wie die 1. Lage usw.

Wenn das Knäuel anwächst, kann es dann so aussehen – und mit einem Verlaufskammzug finde ich es besonders hübsch. Hier würde ich übrigens noch 3-4 Fäden neben einander setzten und dann die Lage wechseln.

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Das Abziehen des Knäuels

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_39c0Hier habe ich mit einer anderen Spindel gesponnen. Die Kreuzspindel aus dem oberen Beispiel ist eine kleine Spindel, mit konvexen Armen. Diese Spindel hat geschwungene Arme. Ein wunderschönes Model, doch leider habe ich hier ein kleines Problem bekommen: Die Arm, der den inneren Arm aufnimmt ist so geformt, dass er an der Stelle, wo er den inneren Arm aufnimmt, anschwillt. Da ich das Knäuel recht fest winde hatte es dann an der Stelle, wo der Arm wieder abschwillt den Knäuel vom Herausziehen blockiert. Tattaaa, doofe Sache. Ich habe also den Knäuel nicht mehr vom Kreuz bekommen.

Normalerweise läuft das so, und mit den konvexen Kreuzen ist das auch überhaupt kein Problem: Ich ziehe zunächst den Schaft in der Mitte heraus. Dann habe ich das Kreuz mit Knäuel darauf in der Hand. Nun ziehe ich den inneren Arm aus den Kreuz heraus und zuletzt dann den äußeren Arm, sodass ich nur noch das Knäuel in der Hand halte.

 

Nun habe ich die Option mehrere Knäule mit einander zu verzwirnen und dabei kann ich den Faden aus dem Inneren des Knäules ziehen, sodass er nicht weg kullert (abgesehen davon, dass es so tolle Hilfsmittel gibt, wie Garnschalen, Schuhkartons oder DIY-Lazy Kates auch für Knäule). Ich habe aber auch die Option ein 2-ply aus nur einem Knäuel zu Zwirnen. Aber hier ist Vorsicht geboten: Durch das Abwickeln des Fadens von Außen kann sich etwas Drall zusätzlich hinein oder heraus drehen im Vergleich zu dem Fadenende, welches aus dem Inneren gezogen wird. Also einfach schauen, ob es ein Problem produziert oder nicht (bei Lacefeinheiten und der hohen Drallmenge per inch ist das wohl kaum spürbar).

In meinem Problemfall hätte ich das Knäuel wohl einfach etwas lockerere aufwinden sollen. Tja, shit happens… 😉 Aber letztlich lernt man ja einfach nur dazu und das Spinnen mit den Kreuzis macht trotzdem sehr viel Spaß und entschleunigt wunderbar.

Zuletzt eine kleine Bildergalerie zu verschiedenen Schritten des Mandalas:

  1. Hier bin ich kurz vor dem Wechsel von einer Lage zur nächsten Lage.
  2. Hier habe ich die Lagen gewechselt, bin aber beim gleichen Rhythmus (2 oben) geblieben.
  3. Hier das Gleiche, nur etwas weiter vorangeschritten.
  4. Die gleiche Lage von unten fotografiert.
  5. Hier habe ich nun eine weitere Lage aufgewunden, aber mit dem gewechselten Rhythmus (1 oben).

 

 

Wie ihr seht, könnt ihr mit dem Winden gerne etwas Spielen. Wichtig ist, dass das Knäuel einfach nicht rutscht und jeder Faden schön neben dem anderen sitzt, sodass ein schönes Mandala entsteht. Der Rest ist eurer Kreativität überlassen!

So, nun wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Spinnen mit den Kreuzis! ❤

 

Spindelalarm!

Es ist mal wieder soweit: Heute gab es ein Shop-Update mit neuen Matthes-Spindeln.

Dieses Mal sind viele Kreuzspindeln in verschiedenen Größen dabei. Darunter auch eine Multiplex-Spindel 🙂 Dazu ein paar Reifspindeln, von denen ich euch im letzten Matthes-Post ausführlicher berichtet habe und die wieder super schön gelungen sind.

Und es kamen noch ein paar „Genußspindeln“, wie ich sie immer nenne mit. Spindeln, die außerhalb meiner Spindel-Wunschkategorien für den Shop rangieren. Diese habe ich nun zur ultimativen Genuß-Wundertüte für Handspinner geschnürt: die Spindeltüte.

Die Spindeltüte beinhaltet die jeweils angegebene Spindel und wird dann bei Bestellung noch mit einer Edelfasermischung nach Wunsch bestückt. Das Prinzip der Wunschfasern läuft wie bei dem anderen Fasertüten auch: Farbbereich angeben, Mischungsgrad angeben, No-Gos wie Glitzer angeben und dann noch, bei dieser Tüte, entscheiden, ob ihr lieber Rolags oder Vliese haben wollt und fertig. Das landet dann mit in der Spindeltüte. Also eine echte DE LUXE Überraschung! 🙂

Und dann gibt es noch eine Besonderheit von den Matthes: die Spindelanhängerchen von Angela! Ich freu mich total, dass 10 Stück von diesen Schätzen mit in der Lieferung dabei waren. Hier zeige ich euch mal 5.

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Wie immer war es schwer, meinen eigenen Spindelstash beim Shop-Update nicht zu erweitern. Ob es mir gelungen ist oder nicht, tja… das bleibt mein Geheimnis, haha.

Heute möchte ich noch drei kurze Hinweise loswerden.

  1. Ich werde die FB-Seite für den Shop löschen. Die Diskussion um FB ist ein alter Hut, darum geht es nur bedingt. Der Hauptgrund ist einfach die große Zeitfrage. Ich möchte lieber nur noch ein Social Media nutzen, in diesem Fall wird es Instagram bleiben, als mehrere und diese nicht wirklich bespielen zu können. Keep it simple.
  2. In meinem Shop wird es in der nächsten Zeit auch zur Reduktion der Produktarten kommen. Der Grund ist der gleiche, ich renne der Zeit hinterher und die Wartezeiten bis zum Versand werden länger. Und so werde ich in den kommenden Monaten den Shop mehr auf versandfertige Fasermischungen konzentrieren, und auch um für euch die Wartezeiten zu reduzieren. Dennoch bleibt die Option der individualisierten Mischungen in Form der Fasertüten erhalten. Wegfallen werden als erstes die Abo-Angebote. Nach dem Versand der TDF-Kalender wird der Shop wieder mit fertigen Mischungen neu aufgestockt werden.
  3. Es wird 2 Urlaubszeiten im Shop geben: Die ersten 2 Juni-Wochen wird der Shop pausiert sein, da ich mit Workshops unterwegs sein werde. Bis dahin werde ich versuchen, alle vorher eingetroffenen TDF-Bestellungen zu versenden. Leider ließen sich die Workshoptermine nicht anders legen, so dass ich eben kurz vor der Tour de Fleece pausieren muss. Danach wird es noch eine Woche geben, in die Kalender bestellt werden können und danach ist ja schon der Endspurt für den Versand. Und dann wird der Shop während der TDF im Juli und etwas danach in einen langen Sommerurlaub gehen. Eigentlich wird es kein Urlaub, denn es ist die Hauptsanierungsphase bei uns auf dem Hof und die neue Werkstatt soll ja irgendwann noch fertig werden 😉 Aber um ordentlich durch arbeiten zu können und weil ihr meistens auch in dieser Zeit erstmal gut mit Fasern eingedeckt seid, wird der Shop in dieser Zeit im Sommerurlaub sein.

So, viel Orga-Kram im Moment, aber das nächste Mal zeig ich euch meine aktuelle Fermentation am Hof, denn seit die Sonne den Frühling einläutet, habe ich die Rohwolle ausgepackt 😉

Liebe Grüße vom Hof!

Paula M trifft auf Handgesponnenes, Teil 1

1380748563-482Paula M – Ein Stricklabel aus Coburg, das handgestrickte Stirnbänder, Mützen, Stulpen und andere Accessoires herstellt. Susannes Produkte sind seit 2011 über Dawanda zu bekommen und seit Sommer 2017 können endlich einige ihrer Designs auch nach gestrickt werden. Ihr Buch „Stirnbänder stricken“ ist vor einigen Monaten beim Fischer Verlag auf den Markt gekommen und ich möchte es euch nun vorstellen.

Gleich zu Anfang: Ich bin befangen! Wer mich schon eine Weile kennt, weiß, dass Susanne und ich in der gleichen Stadt wohnen und befreundet sind. Klar, stricksüchtig trifft auf spinnsüchtig, 2 Nerds in einer kleinen Stadt, da war unsere Freundschaft vorprogrammiert.

Dennoch schätze ich Susanne nicht nur als Freundin, sondern auch als Kollegin. Sie ist eine Perfektionistin und sie ist besessen von ihrer Arbeit, genau wie ich auch. Und so hatten wir schon stundenlange Gespräche über die beste Wolle, das ideale Maschenbild, den richtigen Drall und Bounce für Mütze xy. Und genau deshalb weiß ich, wie ihre Designs entstehen, warum sie welche Wolle für welches Muster wählt und ich weiß mit wieviel Liebe und Perfektion sie ihre Bestellungen herstellt. Da muss man schon als Freundin mit Antworten leben, wie: „… sorry, ich konnte nicht ans Telefon gehen, weil ich das Stirnband nicht weglegen wollte. Das könnte man im Maschenbild sehen…“ Etwas irre, aber perfekt.

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Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich eines ihrer Buchexemplare bekommen habe und ich begann ihre Stirnbänder zu stricken. Aber mit meinem eigenen Garn. Und davon möchte ich euch berichten: Stricken mit handgesponnenen Garn.

Dieser Blogbeitrag ist nur ein erster Teil meines Berichtes. Dieses kleine Strick-Projekt, das abends hier und da bei mir mitläuft, dauert etwas länger. Ich habe im Moment sehr wenig Freizeit und ich werde sicher noch bis ins Frühjahr daran weiter stricken. Aber ich möchte euch jetzt schon etwas zeigen, denn jetzt ist Winter und jetzt steht Weihnachten vor der Tür.

Ich habe einige Garne bei mir in der Werkstatt liegen gehabt und dazu passende Projekte nach der ungefähr passenden Nadelstärke heraus gesucht.

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Da wäre einmal mein Garn GRETA. Das ist ein Serien-Garn für mein Stirnband GRETA aus meinem Shop. Es ist ein melierter N-Ply aus Merino mit Maulbeerseide als Halbkammgarn gesponnen.

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Dann hätte ich da ein Einzelstück. Ebenfalls wie GRETA ein melierter N-ply aus Merino mit schwarzen Bambus und Ramie gemischt.

 

IMG_6075Und ich hatte noch ein Reststrang eines wundervollen handgesponnen Garnes, das nicht von mir stammt, sondern, welches ich von einer anderen Spinnerin für ein Strickprojekt abgekauft hatte: Ein ebenfalls melierters Garn, 2-ply aus Corriedale und Alpaka in Halbkammgarnqualität.

Für diese 3 Garne habe ich mir diese Muster heraus gesucht:

ELISA – Das Flechtband

Bildschirmfoto 2017-12-04 um 14.50.56Nadelstärke: 7,0mm

Lauflänge: 120m

Maschenprobe: 16 M x 20 R = 10 x 10 cm

Hier passte meine Garnstärke nicht ganz. Die Nadelstärke gefällt mir sehr gut für mein Garn, jedoch entwickelte es sich in der Musterprobe als breiter. Eigentlich wäre das bei dem Stirnband total egal, denn es sieht auch breiter echt super cosy aus. Aber ich hatte nur eine begrenzte Lauflänge. Ich bin das Risiko eingangen und habe dann dann Muster weniger Maschen gestrickt (6 Maschen pro Flechtband). Das Ergebnis finde ich immer noch super schön, aber – Oh nein! – das Garn reichte dann nicht. Deshalb ruht das Band jetzt bis zum nächsten Bier mit Susanne, in der Hoffnung, sie kann mir einen schönen Übergang zaubern.

Fazit: Das Muster an sich ist toll! Wirklich. Es ist total einfach zu stricken und dennoch nicht langweilig. Und der Zopf sieht schön geflochten aus ohne breite Löcher zwischen der Verzopfung zu haben. Mit handgesponnen Garn ist es ebenso unkompliziert (wenn man genug Lauflänge hat, haha). Auch wenn das Garn etwas dicker ist oder man die Nadelstärke nach oben anpassen muss, ist das alles klein Problem. Ich würde die Nadelstärke aber nicht nach unten verändern, denn dann verliert der Zopf seine optimale Breite und sein schönes Volumen, es sei denn ihr fügt wieder Maschen pro Zopf dazu. Hier solltet ihr stets in 2er Schritten pro Zopf erhöhen, sonst funktioniert das Muster nicht!

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SVEJA wurde zu GRETA

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Ich wollte zunächst das Sitrnband Sveja stricken, aber bei der Maschenprobe merkte ich dass das Garn zu dick für die Nadelstärke ist und da ich das Muster nicht anpassen wollte (es ist ein wenig aufweniger) entschied ich mich für das Muster GRETA. Aber genau so läuft es eben mit handgesponnen Garn, es hat meistens genug Eigenwillen, dass nicht nur das Strickmuster den Ton angeben kann.

Nadelstärke: 5,5mm

Lauflänge: 105m

Mascheprobe: 13 M x 19 R = 10 X 10cm

Während den Stricken bemerkte ich, dass mein Garn etwas zu dünn für das Muster ist. Aber dieses Muster ist so einfach, dass es kein Problem ist: Ich habe einfach eine Rippe hinzu gefügt. Bei der einmaligen Verzopfung in der Mitte habe ich dann einfach 3 statt 2 Rippen verzopft.

Fazit: Perfektes Muster für Einsteiger. Es ist richtig einfach zu stricken. Es lässt sich auf für handgesponnenes Garn simpel anpassen. Eine größere Nadelstärke ist überhaupt kein Problem und die kleiner Nadelstärke ist mit meiner Anpassung auch total einfach, sofern euch die zusätzliche Rippe gefällt.

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Stirnband Mila

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Dieses Stirnband ist auch wieder so einfach, dass jeder Einsteiger es lernen kann. Man strickt bis zum Ende einfach nur das Perlmuster und der Kniff am Ende ist der Knoten, der beide Enden zusammen bringt.

Nadelstärke: 5,0 mm

Lauflänge: 225m

Maschenprobe: 17 M x 27 R = 10 x 10cm

Bildschirmfoto 2017-12-04 um 15.11.30Ich habe das Muster zunächst genaus so gestrickt, wie von Susanne angegeben. Es war die gleiche Nadelstärke, wie zuvor mein Strickprojekt, für das ich diese Wolle gekauft hatte und dort wie hier habe ich 2-fädrig gestrickt. Das Stirnband ist dadurch einen kleinen Tick breiter geworden, wie die von Susanne angegeben Maße des fertigen Stirnbandes. Ich empfinde es nicht als Problem, denn ich persönlich mag breite Stirnbänder, wo der Dutt oben rausschaut und der restliche Kopf schön warm gehalten werden kann sehr gerne. Das Stirnband ist bei Susanne als Geburtstagsgeschenk gelandet und sie hat es zusammen mit ihren Milas fotografiert. Der Größenunterschied ist kaum zu sehen.

Ich habe Mila dann nochmal für ein Teenager-Mädel gestrickt. Hier habe ich 4 Maschen weniger aufgenommen und das Band etwas kürzer gestrickt und das hat auch wunderbar geklappt.

Fazit: Das Stirnband ist ein Allrounder. Es kann mit fast jeder Wolle gestrickt werden, denn Ab- und Zunahmen sind total leicht umzusetzen. Nur beim Knoten muss man dann eben mal die Maschen zählen und neu aufteilen, aber das sollte jeder hinbekommen.

Dann hatte ich noch etwas von dem letzten Garn übrig und ich habe es wieder doppelfädrig zu einem anderen Stirnband verstrickt.

OLA – Doppellagig und super warm

Nadelstärke: 5,0mm

Lauflänge: 180m

Maschenprobe: 18 M x 24 R = 10 x10 cm

Dieses Stirnband ist einer meiner Lieblinge, denn es ist sehr schlicht. Ich mag besonders den Umschlag im Band, denn es macht eine schöne Gesichtsrahmung, wenn man es trägt. Aber, es ist etwas langweilig zu stricken. Das ist immer der Haken bei schlichten Designs. Das Stirnband wird in der Runde glatt rechts gestrickt. Ich habe diesmal nichts für mein Garn justiert. Aber ich bin mir sicher, dass es absolut kein Problem wäre, sowohl die Maschenanzahl, also auch die Nadelstärke zu verändern. Das Coole an diesem Stirnband ist: Es liegt doppelagig am Kopf und ist sehr warm. Hier pfeift kein Wind durch die Maschen!

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_94d Kopie

So, das waren meine Stirnbänder bis jetzt. Ich sagte ja, dass ein 2. Teil folgen wird. Hier plane ich dieses Stirnband.

Kaisa – Perfekt für ein Verlaufgarn

Bildschirmfoto 2017-12-04 um 15.27.52Hierfür habe ich ein Garn, welches ich aus einen handgefärbten Kammzug gespindelt hatte und n-ply verzwirnte. Wie immer, war die Lauflänge zu kurz und deshalb habe ich einen anderen Kammzug gefunden, der farblich passt, aber noch verspindelt werden muss. Auch dieser wird navajo verzwirnt werden, denn ich möchte einen vollfarbigen Farbverlauf haben, von dem meiner Meinung nach das Muster lebt.

 

 

Lotta – die Mütze

Bildschirmfoto 2017-12-04 um 15.32.02Und zu guter letzt habe ich hier noch ein anderes hangesponnenes Garn aus einem handgefärbten Kammzug mit Nylon. Aus diesem Garn wird LOTTA gestrickt werden, eine Mütze, die zwar nicht in Susannes Stirnband-Buch zu finden ist – es ist ja auch eine Mütze 😉 – aber ihr könnt die Anleitung in ihrem Shop als PDF-Anleitung kaufen. Besonders schön ist, dass es dazu auch die passenden Handstulpen gibt. 🙂

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Die Fakten

„Stirnbänder Stricken“ von Susanne Müller ist in jedem Buchhandel erhältlich oder auch über ihren Dawanda-Shop.

Susannes Strickstücke sind über ihren Dawanda-Shop erhältlich. Dort gibt es auch PDF-Anleitungen von Produkten, die nicht im Buch enthalten sind.

Susanne hat außerdem einen Insta-Account, der echt pure Inspiration ist und wo ihr auch Kontakt zu ihr aufnehmen könnt.

Und wer nun noch ein schnelles Weihnachtsgeschenk braucht, dem kann ich dieses Buch wärmstens ans Herzen legen. Entweder zum Verschenken oder auch um kleine Geschenke zu stricken, die wirklich in 1-2 Stunden am Abend umzusetzen sind.

Ich wünsche euch eine wundervolle Vorweihnachtszeit. Da ich mich wahrscheinlich in diesem Jahr nicht mehr melden werde, wünsche ich euch auch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr, wo ich mich dann aus der neuen Location der Werkstatt wieder melden werde.

Alles Liebe!

 

 

Fraktal Spinnen

Vor einigen Jahren, noch bevor der Blog „Back to the Wheel“ wurde, schrieb ich mal einen Beitrag zum Fraktal spinnen. Im Laufe der Zeit fiel er der Speicherplatzentschlackung zum Opfer. Im Frühjahr habe ich mich nochmal, diesmal etwas systematischer, diesem Thema gewidmet. Und so möchte ich heute ein wenig über das fraktale Spinnen berichten, euch von meinem neuen Workshop zu diesem Thema erzählen und einen kleinen Ausblick darauf geben, was fraktal noch so geht…

Die Diskussionen zu diesem Thema beginnen oft mit der Frage „Was ist ein Fraktal?“ oder „… das erscheint mir ziemlich mathematisch…“ Ja, das Fraktal hat etwas mit Mathematik zu tun, aber letzten Endes, beim Spinnen, ist es doch relativ leicht zu verstehen und noch leichter anzuwenden.

Wie ist das nun mit der Mathematik?

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Die Mandelbrotmenge

Das Fraktal ist ein Begriff aus der Mathematik. Er leitet sich vom Lateinischen frangere brechen oder zerbrechen ab und beschreibt heute bestimmte geometrische Muster, die nicht eindeutig einer Dimension zugeordnet werden kann, d.h. dass sie z.B. nicht eindeutig linear, oder eindeutig räumlich sind, sondern etwas dazwischen. Mathematisch gesprochen sind sie nicht ganzzahlig. Das klingt jetzt kompliziert und scheint noch schwerer bildhaft vorstellbar zu sein. Doch ihr kennt vielleicht die Mandelbrotmenge oder das Sierpinski-Dreieick.

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Das Sierpinski-Dreieick

Für uns ist das zunächst einfach nur die Erklärung für den Begriff. Ihr müsst nicht zum Mathecrack werden, um fraktal zu spinnen oder gar die Dimensionen wechseln 😉

Selbstähnlichkeit ist der Schlüssel

Für uns interessant ist ausschließlich eine bestimmte Gruppe der fraktalen Muster: diejenigen mit einer hohen Selbstähnlichkeit. Das bedeutet, dass das Muster aus einem Muster zusammen gesetzt ist, welches eine Kopie seiner selbst ist. Eine sogenannte strikte Selbstähnlichkeit gibt es nur in der Mathematik. Hierbei kann in ein Muster unendlich lange hinein gezoomt werden und es würde stets aus dem gleichen Muster bestehen, egal welche Vergrößerungsstufe erreicht werden würde. Das Sierpinski-Dreieick ist solch ein Beispiel.

Selbstähnliche (nicht strikt selbstähnliche) Muster lassen sich auch in der Natur finden. Der Farn, der Blumenkohl, die Schneeflocke oder unsere Blutgefäße sind nur einige Beispiele. Das Farnblatt besteht aus vielen kleinen Blättchen, die für sich genommen die gleiche Form haben, wie das Farnblatt in seiner Gänze.

Der Farn als Vorlage

Was in der Mathematik die Struktur oder das Muster ist, ist bei uns im Spinnen die Farbe.

1907293_origDas Farnblatt bietet uns eine gute Analogie, für das, was wir nun mit Farben nachstellen wollen. Wir wollen ein Garn spinnen, in dem übertragen gesprochen ein großes Farnblatt und gleichzeitig viele kleine Farnblätter stecken. Dies geht nur mit einem Zwirn aus mindestens 2 Fäden. Der eine Faden enthält den großen Farn und der andere Faden enthält die sich wiederholenden kleinen Farnblätter. Verzwirnt ist der Faden, schachteln sich dann die kleinen Farnblätter in das große Farnblatt.

Wir übertragen also die Idee der Selbstähnlichkeit einfach auf die Farben.

Und nun mit Wolle

Was genau passiert nun? Nehmen wir an, wir spinnen mit einem handgefärbten Kammzug. Die Farbgestaltung, die durch die Färbung im Kammzug steckt, entspricht dem Muster, welches im Fraktal kopiert und skaliert in einander geschachtelt wird.

Der Faden 1 enthält diese Farbgestaltung 1:1. Der Kammzug wird direkt ohne weitere Unterteilung versponnen und die Farben ziehen sich so, wie sie gefärbt wurden in die Länge.

Der Faden 2 enthält das Muster in mehrfacher Wiederholung hintereinander gereiht und damit im kleineren  Maßstab. Durch das Aufteilen eines Kammzugs in mehrere Bänder wird das Muster kopiert und gleichzeitig verkleinert. Die Bänder sind dünner, ergeben also weniger Lauflänge und die Farben ziehen sich in kürzer Abschnitte, wie beim Faden 1. Dafür wiederholt sich das Farbmuster aber so oft, wie Bänder zuvor abgeteilt wurden.

Fraktal1

 

D.h. die Anzahl der Bänder für Faden 2 bestimmt die Skalierung des Musters, sowie die Anzahl seiner Wiederholungen.

Fraktal3In der Grafik stellt ein Dreieck das Muster bzw. die Farbabfolge des Kammzuges dar. In Faden 1 kommt es nur 1 Mal vor. In Faden 2 mehrmals. Durch das Zwirnen werden die kleinen Muster in das große Muster geschachtelt. Jedes kleines Muster von Faden 2 trifft auf das Muster im Faden 1.

Angenommen das Muster besteht aus Gelb, Blau und Grün und der Faden 2 aus 3 Musterabschnitten, dann trifft Gelb, Blau, Grün im Faden 2 auf Gelb im Faden 1. Dann trifft Gelb, Blau, Grün vom Faden 2 auf Blau im Faden 1 und zu letzt  Gelb, Blau, Grün von Faden 1 auf Grün im Faden 1.

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Das hat zur Folge, dass es in einem fraktalen Garn stets 2-farbige Abschnitte gibt, sowie 1-farbige.

Organisch oder Exakt?

Ich unterscheide nun in meinem Workshop zwischen 2 Arten ein Fraktal zu spinnen: Das organische Fraktal und das exakte Fraktal. Ihr erinnert euch vielleicht an die oben erwähnte Unterscheidung der Mathematik in strikt und nicht stirkt. Das meine ich hier nicht wörtlich, aber es lehnt sich an diese Unterscheidung an.

Handgefärbte Kammzüge bieten einen einfachen Einstieg in die fraktale Farbgestaltung. Dennoch sind die Farben darin nicht grammgenau gleich verteilt. Und auch unser Unterteilen des Kammzuges erfolgt nach Gefühl und nicht grammgenau. Dabei kann es sein, dass die zwei Fäden unterschiedlich lang ausfallen und beim Zwirnen ein Rest auf einer Spule übrig bleibt. So verschieben sich auch die Farbverläufe zu einander. Zudem haben wir eine willkürliche Anzahl von Bändern für Faden 2 unterteilt. Beides führt dazu, dass die Farbabschnitte des Fadens 2 willkürlich auf die Farben des Musters in Faden 1 treffen. Das nenne ich ein intuitives Vorgehen. Und dieses Vorgehen passt einfach gut zu einem handgefärbten Kammzug.

Eine andere Vorgehensweise ist das grammgenaue Abwiegen der Farben. Dazu wird die Anzahl der Teilmengen, die im Faden 2 aneinander gereiht werden, exakt nach der Anzahl der verwendeten Farben gewählt. So werden sich alle Farben im Faden 2 genau einmal mit jeder Farbe im Faden 1 treffen. Auch die beiden Einzelfäden müssen hierbei exakt gleich stark und gleich lang gesponnen werden, damit dieses Vorgehen funktioniert. In der Praxis, wird solch ein Garn wohl eher nicht gesponnen werden, denn die Farbübergänge sind hart und das Vorgehen etwas mühsam, doch es zeigt ein fraktales Garn in seiner Reinform und stellt eine technische Spielerei dar.

Der Vergleich

Schauen wir es uns mal in der Strickprobe an.

Zunächst einmal sieht man im Zwirn keinen Unterschied zu einem normalen, bunten 2-fach-Zwirn. Das Fraktal entfaltet sich erst im Strickstück sichtbar. Im Vergleich zum fraktale Garn wurde noch ein Navajozwirn gesponnen, der einmal das Farbmuster enthält zur Orientierung dienen soll.

Schon beim Vergleich des vollfarbigen Musters ist zu sehen, dass die Farben des handgefärbten Kammzuges nicht klar von einander abgetrennt sind und auch nicht als klare Reinfarben auftauchen. Das führt dazu, dass das Fraktal schon alleine durch die Färbung schwerer zu erkennen ist, als wenn das Garn aus Einzelfarben fraktale gesponnen wurde.

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Das organische Fraktal: Hier wird es, zusätzlich zur Färbung an sich, durch das intuitive Teilen schwierig, die einzelnen Abschnitte von einander zu unter-scheiden. Dies kann natürlich auch gewollt sein, denn die Farbentwicklung wirkt weicher und zufälliger. Einscheidend ist aber, dass sich stets 2-farbige Abschnitte mit vollfarbigen Abschnitten abwechseln.

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Das exakte Fraktal: Die Strickprobe des exakt abge-wogenen Fraktals zeigt hingegen die genau kalkulierte Farbabfolge. Es sind 4 Abschnitte zu erkennen die je eine übergreifende Farbe mitlaufen haben: Orange, gelb, hellgrün & grün. Diese Abfolge ist oben im vollfarbigen Muster nach zu verfolgen. Dies kommt zustande, da wir mit 4 Farben und 4 Teilmengen gearbeitet haben. Auf die gleiche Weise schachteln sich die Farben noch einmal in jeden Abschnitt. So erscheint in jedem Abschnitt auch ein vollfarbiger Bereich.

 

Ein 3-faches Fraktal

Alles was wir mit einem 2-fachen Zwirn gemacht haben, können wir auch mit einem 3-fachen Zwirn machen. Sicherlich ließen sich die Einzelfäden nach diesem Prinzip noch weiter steigern, doch ist es fraglich, ab wann das Fraktal noch sichtbar und strickbar ist. Im Workshop habe ich zu diesem Fraktal, wie auch zu 2-fädrigen Fraktalen eine Art Spinnrezept geschrieben – eine Art systematische Auflistung, für das Abwiegen der Einzelfarben und deren Reihenfolge in jedem Faden.

Fraktale Faservorbereitung

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_2adSoll ein fraktales Garn aus Einzelfarben gesponnen werden, so empfiehlt es sich, die Farben nicht einzeln hinter einander zu verspinnen, sondern die Farben in einander übergehen lassen. So werden die Übergänge harmonischer. Eine Möglichkeit bietet das Kämmen. Besonders einfach lässt es sich fraktale Kammzüge auf einer Hackle Row herstellen, da diese eine breite Zahnreihe hat, auf die Farben nach einander auf gehängt werden können.

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_2b6Auch fraktales Kardieren ist möglich. Natürlich wäre es möglich exakt das gleiche Vorgehen wie oben beim Kämmen beschrieben auch auf das Kardiergerät anzuwenden. D.h. 2 Vliese zu kardieren, in denen die Farben fraktal angeordnet sind. Doch es kann auch anders vorgegangen werden und Vlies mit Rolags kombiniert werden.

Aber es kann auch ganz einfach ein Verlaufsvlies fraktal abgesponnen werden. Das ist ein sehr einfacher und unkomplizierter Weg zum fraktalen Garn. Die Farbabfolge liegt bereits im Vlies vor und nur die Richtung, in der du das Vlies abspinnst, entscheidet über die Lage der Abfolge im Faden. Natürlich wird so ein eher organisches Fraktale entstehen.

Ein neuer Workshop

All diese Vorbereitungsarten werden wir in diesem Workshop zusammen machen. Wir werden ein organisches Fraktal spinnen, ein Exaktes zusammen berechnen und wer mag auch ein 3-faches Fraktal anfertigen.

Wie immer in meinen Kursen werden wir mit kleinen Spinnproben arbeiten und es gibt wieder eine Spinnmappe mit Skript und Spinndokumentation. Der Kurs geht über 2 Tage, also insgesamt 12 Stunden.

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Diesmal geht es in diesem Kurs nicht um Spinntechnik im Sinne neuer Auszüge, Drallmanagement oder Artyarnkonstruktion. Dieser Kurs setzt einfach nur das geübte Spinnen mit dem kurzen Auszug voraus. Dafür geht es mehr um die geplante Farbgestaltung eines Garnes. Ideal ist dieser Kurs für SpinnerInnen, die gerne 2-fache Zwirne oder mehrfarbige Zwirne spinnen oder auf das Kombo-Spinnen stehen, welches ja gerade en vogue ist, denn hier werden verschiedene Kammzüge miteinander kombiniert, was auch fraktal erfolgen könnte!

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig mit dieser Art zu gestalten anfixen und zumindest mal die gängigen Fragen zum Fraktal klären. 🙂

Wer Lust auf einen Kurs hat, der möge sich einfach der Webseite up do date halten. Dort oder auf Ravelry & Facebook gebe ich bald wieder neue Termine bekannt. Oder ihr schreibt mir eine Mail mit einem Wunschzeitraum. Noch können Termine geschoben werden…

Frohes Spinnen!

Eure Kathrin.

Drachenfels handgesponnen – Ein Erfahrungsbericht.

Endlich habe ich mal wieder ein privates Projekt beenden können.

IMG_5915Seit etwa eineinhalb Jahren hänge ich damit an den Nadeln: Das Drachenfelstuch von Melanie Berg. Eigenlich stehe ich gar nicht auf Tücher, sie sind einfach nicht mein Ding. Aber eines wollte ich mal ausprobieren und das Drachenfelsmuster find ich wirklich schön. Gleichzeitig fand ich eine Fasermischung, die auch mal anspinnen wollte und somit war die Gelegenheit da.

Das Garn für das Tuch sollte natürlich handgesponnen sein. Ich fand bei Wollschaf die Mischung Alpaka-Seide 50:50. Das ist wirklich eine fantastische Mischung. Sie gibt es in gleich mehreren Farbtönen und ich entschied mich für schwarz, haselnussbraun und silbergrau. Durch die naturfarbene Seide, die in recht breiten Bändern im Kammzug liegt, wird das Garn natürlich meliert.

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Also ran an die Spulen. Es wird 300g zu je 300m/100g round about benötigt. Ich wollte einen Zwirn verstricken und nicht unbedingt eine Ewigkeit daran spinnen, also entschied ich mich für einen 2-fachen Zwirn, statt für einen 3-fachen, was eigentlich mein Lieblingszwirn ist. Das Tuch wird später kraus rechts gestickt und somit war schon klar, dass genug Tiefe ins Tuch kommt und ein 2-facher Zwirn völlig ausreicht.

14716518_165454813913383_3533526850628222976_n_medium2Alpaka ist eine Faser, die sehr glatt und lang ist. Daher ist Alpakagarn immer ziemlich schwer in Relation zur Lauflänge. Die Fasern liegen einfach recht kompakt beieinander. Sowohl im Kammzug, als auch später im Garn. Die Seide verhält sich ähnlich. Sehr lange Fasern, extrem glatt und daher schwer, gerechnet auf die Länge einer Kammzuges oder Garnes. Klar ist auch, beide Fasern müssen glatt zu einem Kammgarn versponnen werden. Da gibt es keine sinnvolle Alternative. Somit war die Garnplanung schnell beendet und es hieß nun die Zielvorgaben, insbesondere die Lauflänge, zu erreichen.

Die Mischung lässt sich grandios verspinnen. Ich kann nur empfehlen sie einmal gesponnen zu haben. Sie ist rutschig und lang und es sollte immer dabei aufgepasst werden, dass sich hinten in der Faserhand keine Wolke bildet. Mit dem kurzen Auszug nach vorne kann da aber nicht viel schief gehen. Die Mischung braucht auch einen guten Drall, etwas mehr als die üblichen Wollen, sonst wird der Zwirn etwas lose werden. Das war ein Punkt, den ich etwas unterschätzte.

15253202_1225459547537435_680086489110937600_n_medium2Die Feinheit der Melierung kann beim Spinnen gesteuert werden. Wird die Fasermischung einfach so runtergesponnen und das vielleicht besonders fein, so wird es immer wieder reinfarbige Stellen geben. Das Alpaka und die Seide ist nicht sehr stark miteinander vermischt, das könnt ihr oben im Bild mit dem Kammzügen gut sehen. Wer eine Melierung im Garn haben will, die homogen verteilt erscheint, so wie ich es anstrebte, der sollte beim Predraften der Fasern darauf achten, dass im Vorgarn stets beide Fasersorten vorliegen. Das lässt sich ja beeinflussen. Würde man einfach nach dem Zufallsprinzip aus den Kammzug direkt herausspinnen, würden auf jeden Fall viele Fadenabschnitte nur eine Fasersorte beinhalten. Das Zwirnen hat später den Effekt noch ein wenig verstärkt und die Fasern optisch verteilt.

Leider hatte ich es nicht perfekt geschafft, die Ziellauflängen zu erreichen. Beim braunen Garn fehlten mir ca. 20m und beim grauen Garn waren es etwa 30m zu viel. Leider habe ich mir die Daten nicht gespeichert… Aber im großen und Ganzen hat es gepasst.

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Das Stricken mit dieser Fasermischung ist ebenfalls ein Traum. Das Garn rutscht gerade zu über die Nadeln. Aber bald stellte ich fest, dass dieses Garn nicht optimal zum Muster passt. Es gibt immer wieder ein Reihenkombination, die in das Muster eingeschoben wird, in der eine Farbe mit übergehobenen Maschen kleine Punkte erzeugen soll. Das kommt leider durch die Melierung gar nicht gut zur Geltung. Ich habe 2 mal diese Kombi eingestrickt und es wirkt eher als ein Bruch im Muster, weil die einzelnen Maschen nicht richtig farblich heraus springen können. ( Oben im Bild seht ihr die Reihen im rechten Bereich des Bildes) Bei den anderen Tüchern, die mit einfarbigen Garnen gestrickt wurden kommt dieser hingegen Effekt super raus. Naja, das ist ja kein Beinbruch… ich habe einfach das Muster angepasst und statt dessen die Farben so abgewechselt, wie ich gerade Lust dazu hatte.

Mit der Zeit bemerkte ich aber auch, dass die Garnlängen noch weniger passten, als ich es gehofft hatte. Rechnerisch war die Differenz zur Ziellänge zwar nicht so dramatisch, aber beim Stricken merkte ich, dass mir einiges an Braun fehlt. Und so ließ ich es mit dem Muster gut sein und strickte einfach nur noch frei nach Laune. Außerdem muss ich zugeben, dass ich es gar nicht leiden kann, wenn handgesponnenes Garn übrig bleibt;-) Im Grunde war das Muster, das die Tuchform erzeugt, total einfach und musste nur vom Anfang bis zum Ende durchgezogen werden. Und die Streifen, die wirken, wie ich finde auch, wenn sie sich etwas anders, als in der Vorgabe abwechseln. Und so strickte ich das letzte Drittel einfach so, wie es mit dem Garn gut ausging und – voilà – das Tuch ist endlich fertig.

Die Mischung Alpaka-Seide ist wie erwartet recht schwer. Aber ich mag das sehr gerne. Das Strickstück fällt von ganz alleine, ich muss gar nichts stretchen oder setzten. Ich hab es von den Nadeln genommen und fertig. Auf der Haut fühlt es sich grandios an. Ein richtiger Hautschmeichler und für Jeden geeignet, der findet, das Wolle kratzt. Hier kratzt gar nichts mehr. Es ist weich, seidig, anschmiegsam, sehr wärmend und gleichzeitig etwas kühlend durch die Seide 🙂

Mein Learning: Handgesponnenes Garn hat immer seine eigenen Bedürfnisse, die, meiner Meinung nach, vor dem Muster stehen sollten. Und: 900 lm sind verdammt viel 😉

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Anmeldezeitraum für die Juli-Kurse

Hallo ihr lieben Spinner!

Die Handspinnerei meldet sich aus dem Urlaub zurück 😉

Und gleich kommt eine Kurznachricht für euch, die ins Artyarn-Spinnen einsteigen wollen:

Ich möchte euch an meine beiden Juli-Workshops in der Werkstatt erinnern. Wer Lust hat daran teilzunehmen, der möge sich bitte bei mir per Mail bis zum 17.7. anmelden. Ihr könnt für alle meine Workshops noch ein ausführliches Konzept anfordern, falls ihr euch noch nicht sicher sein solltet.

Es folgen im August und im September noch weitere Workshops. Mehr dazu findet ihr auf der Workshop-Seite hier im Blog.

Ich freu mich auf euch, hier in der Coburger Werkstatt!

Mail: backtothewheel(at)iCloud.com

 

Neue Workshops zum Artyarn spinnen…

spinntüten WorkshopHeute darf ich euch 3 neue Workshops in der Coburger Werkstatt für Handspinnerei ankündigen. Alle Workshops drehen sich um den Einstieg in die Artyarn-Spinnerei. Wenn euch ein Kurs interessiert, dann könnt ihr per Mail ein Konzept anfordern, darin findet ihr dann ausführliche Kapitelbeschreibung und die Workshopstruktur. So könnt ihr euch ein genaues Bild machen, ob der Kurs euren Interessen entspricht.

Zu jedem Kurs biete ich ein ALL-IN-Faserpaket an. Dort findet ihr alle Fasern, Beilaufgarne, Kerne und ADD-Ons in passender Menge auf die einzelnen Kapitel optimiert.

Neue Termine:

Tages-Workshop: LOWTWIST & CHUNKY SPINNEN, 23. 07. 2016, Samstag 10-16 Uhr.

Tages-Workshop: LOCKENGARN SPINNEN, 24.07. 2016, Sonntag 10-16 Uhr ODER 20. 08. 2016, Samstag 10-16 Uhr.

2-Tages-Workshop: CORESPINNING, 18. 09. 2016 + 19. 09. 2016, Samstag + Sonntag, 10-16 Uhr.

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LOWTWIST & CHUNKY SPINNEN – Der Einstieg ins Artyarn Spinnen

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Tages-Workshop, 23. 07. 2016, Samstag 10-16 Uhr

Inhalt: 6 Kapitel,

Es werden kleine Garnproben zu den Kapitel angefertigt und eine Spinnmappe angelegt. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Themenkarte, sodass das Nacharbeiten Zuhause kein Problem mehr ist. Ein Workshop-Konzept kann per Mail zu gesendet werden.

Kosten: 65€ + Faserpaket

Material: 15€ (170g Fasern, Zwirn- & Kerngarne)

Verpflegung vor Ort: Kaffee, Hörnchen, Getränke und Snacks

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LOCKENGARN SPINNEN – Viele Methoden Edle Lockengarne herzustellen

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Tages-Workshop,24.07. 2016, Sonntag 10-16 Uhr ODER 20. 08. 2016, Samstag 10-16 Uhr.

 

Inhalt: 6 Kapitel

Es werden kleine Garnproben zu den Kapitel angefertigt und eine Spinnmappe angelegt. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Themenkarte, sodass das Nacharbeiten Zuhause kein Problem mehr ist. Ein Workshop-Konzept kann per Mail zu gesendet werden.

Kosten: 65€ + Faserpaket

Material: 25€ (150g Locken, Kerne, Add-Ons, Basefasern)

Verpflegung vor Ort: Kaffee, Hörnchen, Getränke und Snacks

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CORESPINNING – Der zweite Einstieg ins Artyarn-Spinnen

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2-Tages-Workshop. 18. 09. 2016 + 19. 09. 2016, Samstag + Sonntag, 10-16 Uhr.

Inhalt: 12 Kapitel

Es werden kleine Garnproben zu den Kapitel angefertigt und eine Spinnmappe angelegt. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Themenkarte, sodass das Nacharbeiten Zuhause kein Problem mehr ist. Ein Workshop-Konzept kann per Mail zu gesendet werden.

Kosten: 120€ + Faserpaket

Material: 25€ (300g Fasern, Kerne, Beilauf- &Zwirngarne, Add-Ons, )

Verpflegung vor Ort: Kaffee, Hörnchen, Getränke und Snacks

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Anmeldung: Bitte per E-Mail oder Facebook-Nachricht.

backtothewheel(at)icloud.com oder FB: Back to the Wheel

Ich freu mich auf euch!!!

Chunky Spinnen mit Seidenhankies

Seidenhankies2Seide spinnen ist nicht Jedermanns Sache. Dabei ist Seide so ein wahnsinnig schönes Material.

Seide pur zu spinnen führt meist zu deinem feinen bis sehr feinen Garn, welches für hauchdünne Lacestrickereien genutzt werden könnte. Klar, Seide ist teuer, ultra glatt, hat endlos Fasern und läßt sich unsagbar dünn ausspinnen. Da liegt es doch nahe solch ein Garn zu spinnen. Seidenspinnerei ist zudem fast ein eigenes Spinngenre, da die Technik geübt werden muss. Seide hat eben ganz eigenen Fasereigenschaften.

Als Ausgangsform kann für die Seidenspinnerei Seidenkammzüge, Seidenbänder oder Seidenhankies genutzt werden. Um diese Seidenhankies soll es sich heute drehen. Doch wer mich kennt, würde sich wundern, wenn ich nun mit Lacespinnerei beginnen würde 😉

Goldfrucht3Ich finde die Seidenhankies grandios, denn sie lassen sich so vielfältig färben, ja fast bemalen. Deshalb wollte ich es ausprobieren, diese Hankies für ein Artyarn zu nutzen.

Die Hankies haben einen praktischen Vorteil. Es sind in quadratische Form in die Fläche gezogene Seidencocoons. Daher liegen die hauchdünnen Fäden nicht, wie bei Kammzügen oder Bändern, parallel ausgerichtet, sondern spinnennetzartig verwoben. Das ist praktisch, denn zieht man sie weiter aus, bleibt der Zusammenhalt der Verwebung noch bestehen und das möchte ich nutzen.

Ziel ist es ein „Cocoon“-Überzug über ein Chuncky-Garn zu ziehen.

Und so bin ich Schritt für Schritt vorgegangen:

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Schritt 1: Das Vlies wurde wie immer in Bänder unterteilt und gepredraft.

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Schritt 2: Das Vliese wurde dick aber gleichmäßig versponnen. Dabei springen die Leinenfasern immer wieder mal chaotisch aus der Fadenoberfläche. Danach habe ich den Faden navajo-gezwirnt. Und jetzt wird es interessant, denn die Verwirrung habe ich nur unterdreht angelegt und nicht bis zum Ende verdreht und fertig gestellt. Das fertig gezwirnte Garn ist also noch nicht fertig, sondern total unterdreht und muss noch nachgedrallt werden. Und ist wichtig. Je weniger Drall in Zwirn steckt, desto besser!

Schritt 3: Ich bereite meine Hankies vor. Dazu löse ich erstmal die einzelnen Lagen von einander und gehe dann mit meinen Fingern in die Mitte einer Lage, mache ein Loche hinein und ziehe sie zu einem Kreis auf. Dann streche ist den Seidenkreis in die Länge und reiße ihn irgendwann auf und habe ein Seidenvorgarn. Übrigens liegen in so einem Hankiestapel immer 5-6 Stück übereinander!

Schritt 4: Jetzt geht es ans Wrappen. Ich dralle dabei den Zwirn nach und hafte das Seidenvorgarn an und ziehe es während den Überspinnen weiter ganz dünn aus und überlagere diese Seidenfasern dann über den Zwirn. Manchmal wechsele ich vom Überlagern zum Einzwirnen. Dazu fasse ich das Vorgarn zusammen (nehme die Fläche weg) und lege es zwischen die Zwirnfäden des n-ply Garnes als 4. Strang hinein. Dann wechsle ich wieder zum flächigen überlagern zurück. Einfach nach Lust und Laune.

Dabei ist sehr darauf zu achten, dass man das Garn nicht überdrallt. Also sehr behutsam treten, die langsamste Übersetzung wählen und flott arbeiten.

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Und das ist das Garn: 18m bei ca. 70g und etwa 2 wpi. Der Seidenmantel ist hauch dünn, hier auf den Bilder schwer zu sehen. Er verändert die Farbe darunter, da ja ein Farbschimmer darüber liegt. Das Garn wird natürlich auch sehr seidig beim Anfassen und fühlt sich sicher auf verstrickt toll an (das kann natürlich auch in einer normalen Nadelstärke gesponnen werden ;-).

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Diesmal landete es auf einen mäßig hübschen Lampenschirm, den ich zuvor abgezogen habe. Das Garn habe ich einfach je zweimal um einen der beiden Ringe gewickelt und dann zum anderen Ring geführt, wieder zweimal gewickelt usw. Als das ganze Garn auf den Ringen war und diese wieder an Ort uns Stelle hängten, habe ich die Lage der Fäden noch durch Einweben eines Seidenfadens direkt an den Ringen fixiert.

Ich hoffe ich habe euch etwas Lust auf Seide gemacht und konnte zeigen, dass man Seide nicht immer dünn auspinnen muss 🙂 Viel Spaß!

Artyarn spinnen – Alles was geht…

IMG_3752Der Fasertauschkreis im Mai hat mir ein besonders schönes Päckchen beschert. Meine liebe Versenderin wusste um meine Liebe zum Artyarn spinnen und schnürte mir eine kleine Herausforderung. Danke liebe Silagloria!

Zunächst einmal war das Batt ein Genuss für die Nase, denn es wurden Lavendelblüten einkardiert, was nicht zu überriechen war. Dann hat sie das Batt mit Spitzenstreifen verschnürt, die sollte natürlich mit eingesponnen werden. Und die Fasermischung war neben vielen guten Wünschen, die auch mit drinsteckten ein flauschiger Traum in Lavendel: Polwarth, Merino, Polwarth mit Seacell, Leinen, Spitze und Lavendelblüten.

Das es ein Artyarn wird, war sofort klar. Aber welches? Ich wollte einmal die Gelegenheit nutzen und ein Garn machen, das wirklich nicht zum Stricken geeignet ist und bei dem man sich Austoben kann. Ich wollte etwas ausprobieren, was ich sonst nie mache, eben wegen der Unstrickbarkeit: Supercoils navajozwirnen….

IMG_3767Und so kramte ich alles aus meinem Stash, was farblich gut passen könnte. Und das sind die Zutaten:

  • mehrere Konengarne, eines davon als Bouclé
  • Silberfaden
  • Perlen
  • Seidenzwirn
  • Fellgarn

Und jetzt möchte ich euch auf dem Artharn-Trip mitnehmen:

IMG_3763Schritt 1: Das Vliese habe ich zerlegt. In Längsstreifen zerteilt, gepredraftet und nach Farbverlauf geordnet. Der sollte genauso wieder im Garn stecken. Also alles schön zurecht gelegt. Dazu kamen die Konengarnen und der Silberfaden. Die sollten als Kern für ein Kerngarn herhalten.

Das Spinnrad sollte Artyarn tauglich sein, dh. eine langsame Übersetzung sollte möglich sein, große Spulen und ein großes Einzugsloch vorhanden sein. Ich spinne das immer auf meinem Kromsky Sonata mit dem Jumbo-Aufsatz. Das Einzugsloch ist 1 cm im Durchmesser – das Minimum. Ebenso die Jumbospulen, auf denen locker 100g Platz finden, sind ein Muss. Denn das Gewicht, dass darauf passt ist nicht der Punkt. Das Volumen ist entscheidend. 100g können super volumensparend als dünner Garn auf der Spule Platz finden. Aber ein Mega-Bulky-Garn braucht sehr viel Platz! Ein Astford-Country-Spinner wäre eine interessante Überlegung, für Spinner, die überwiegend solche Garne spinnen möchten. Dann kann dieses Spinnrad, als 2.-Rad, sich wirklich lohnen.

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Schritt 2:  Alle 4 Fäden werden an den Leader geknotet, die langsamste Übersetzung eingestellt und dann geht es mit dem Corespinning los. Achtung: der Faserwinkel von mind. 60° oder mehr ist hier entscheidend, denn das Kerngarn wird wieder verzwirnt und so lugt später kein Kernfaden heraus. Auch ist das vordrallen der Kernfäden hier nicht notwendig. Im Gegenteil: wir benötigen ein hightwist-Single zum Supercoilen.

IMG_3774Während dem Spinnen lege ich immer wieder 1, 2 oder alle 4 Fäden aus dem Fadenzentrum heraus. Lege ich nicht alle 4 Fäden heraus, belasse ich die restlichen Fäden als Kern und spinne via corespinning ganz normal weiter. Die außenliegenden Fäden führe ich dann im kleinen Finger meiner Faserhand mit und lasse sie außen auf den Faden aufwickeln. Sie können auch ungeführt, als Autowraps, mitlaufen.

Lege ich alle 4 Fäden nach außen, wechsele ich in der Spinntechnik zum Singlespinnen. Die Fäden laufen wie oben beschrieben außen mit. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Single-Abschnitt genauso viel Drall – also hightwist – mit bekommt. Singles lassen sich flotter spinnen und neigen dazu weniger Drall zu benötigen, wie auch anzusammeln. Normalerweise ist das kein Thema, aber hier schon, denn der Drall im Faden soll homogen sein.

Eine andere Möglichkeit ist noch das Chaoswrappen: ich ziehe den Silberfaden eine beliebige Schlaufenlänge heraus und spinne wieder normal weiter. So ist die Schlaufe durch des Fadeninneren weiterhin fixiert. Durch die Drehung des Fadens wickelt sich die Schlaufe chaosartig und wirrer als bei Autowraps, um den Faden. Die Schlaufenendung fange ich aber wieder ein und fixiere sie mit dem Corespinning. So hängt nichts frei herum.

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Schritt 3: Nun geht es ans Zwirnen: Supercoils. Dazu wird wieder in Kerngarn gebraucht. Ich wähle diesmal das Fellgarn. Zum einen finde ich es spannend, wenn später Fellhaare zwischen den Supercoils heraus schauen, zum anderen bietet es viel Haftung, damit die Supercoil später nicht auf dem Kern rutschen. Zusätzlich wähle ich noch den Seidenzwirn, auf den ich die Perlen auffädele. Der ist superglatt und gut für Add-Ons, denn sie rutschen problemlos während dem Spinnen nach unten und können bei Bedarf nach oben in den Zwirn geholt werden. Ich habe also wieder 2 Fäden als Kern. Jetzt wird gezwirnt. Dabei spielt der Drall auch wieder eine kleine Rolle. Ich muss den Kern nicht vordrallen, denn der Zwirn wird ja wieder verzwirnt. Anders wäre es, wenn das Garn als Supercoils verbleiben sollte.

Jetzt kommt mit der Faserwinkel vom Corespinning zu Gute. Das Kerngarn flufft durch das Zwirnen wieder auf, aber der Kernfaden bleibt versteckt. Auch die Autowraps gehen auf und bilden nun kleine Loops.

IMG_3794-1Ab und an hole ich deine Perle hoch und binde sie zwischen den Supercoils ein. Hier ist keine besondere Fixierung nötig. Das passiert automatisch, da sich beide Kernfäden miteinander verdrehen und die Perle zwischen den Supercoils festsitzt.

Auch das Fellgarn lässt sich entweder plattdrückend oder eben aufbauschen. Je nach den schaut das Fell zwischen den Supercoils heraus oder nicht.

Schritt 4: Jetzt wird es auf der Spule schon mächtig eng. Ich bin mit dem Spulenvolumen eigentlich schon über der Grenze. Aber das Garn unterteilen kommt nicht in Frage. So muss jetzt beim Navajozwirnen ziemlich nachhelfen. Die Haken am Flügel machen mich zusätzlich das Aufwickeln schwer. Wer auf solche Garne steht, der sollte echt über einen Ashford Countryspinner nachdenken, da besteht das Volumenproblem nicht.

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Das Navajozwirnen ist mit Supercoils überhaupt kein Problem. Es braucht sehr wenig Drall, das Garn wird sehr dick und ein paar mal Treten reicht aus um das Garn zu zwirnen und balancieren. Und Ja: die Supercoils können perfekt balanciert sein. Die Wendepunkte beim Navajozwirnen nutze ich um die Spitzenstreifen einzuhängen und gedoppelt als 4 Faden einzuzwirnen. Auch das ist keine große Schwierigkeit. Die größte Herausforderung besteht jetzt nur darin, das fette Garn auf die Spule zu bekommen. Da muss ich eben per Hand durchziehen und die Spule drehen. Was soll´s, die Lauflänge ist nicht so lang, als dass es wirklich nervt.

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Et voilà: Das fertige Garn in der Stärke eines Seils von knapp  2 WPI, haha! Die Lauflänge war ca. 15 m.

Tja und jetzt? Stricken geht zwar theoretisch, aber was wäre da sinnvoll? Ich weiß ja nicht… Aber ich habe schon lange eine alte Türrahmenleiste von der Werkstattrenovierung herumstehen. Aus der baue ich jetzt einen Rahmen, verschraube ihn hinten mit Winkel und fertig. Da spanne ich das Garn nun ein und befestige es mit Reißzwecken. Ich hatte mehrere Möglichkeiten ausgetestet und mit Reißzwecken geht es am einfachsten und unkompliziertesten, besonders dann, wenn man eine Zwecke wieder etwas versetzen will.

Und das ist das Ergebnis: Artyarn im Rahmen 😉

Ich hoffe, der Spinnbericht hat euch gut mitgenommen und ihr könnt das ein oder andere selbst ausprobieren. Und ich bin gespannt, was euch als Verwendung solcher Garne noch einfällt. Ich werde mich sicherlich weiterhin diesen Spinnereien widmen, denn es mach einfach ultra viel Spaß!!!!