Fraktal Spinnen

Vor einigen Jahren, noch bevor der Blog „Back to the Wheel“ wurde, schrieb ich mal einen Beitrag zum Fraktal spinnen. Im Laufe der Zeit fiel er der Speicherplatzentschlackung zum Opfer. Im Frühjahr habe ich mich nochmal, diesmal etwas systematischer, diesem Thema gewidmet. Und so möchte ich heute ein wenig über das fraktale Spinnen berichten, euch von meinem neuen Workshop zu diesem Thema erzählen und einen kleinen Ausblick darauf geben, was fraktal noch so geht…

Die Diskussionen zu diesem Thema beginnen oft mit der Frage „Was ist ein Fraktal?“ oder „… das erscheint mir ziemlich mathematisch…“ Ja, das Fraktal hat etwas mit Mathematik zu tun, aber letzten Endes, beim Spinnen, ist es doch relativ leicht zu verstehen und noch leichter anzuwenden.

Wie ist das nun mit der Mathematik?

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Die Mandelbrotmenge

Das Fraktal ist ein Begriff aus der Mathematik. Er leitet sich vom Lateinischen frangere brechen oder zerbrechen ab und beschreibt heute bestimmte geometrische Muster, die nicht eindeutig einer Dimension zugeordnet werden kann, d.h. dass sie z.B. nicht eindeutig linear, oder eindeutig räumlich sind, sondern etwas dazwischen. Mathematisch gesprochen sind sie nicht ganzzahlig. Das klingt jetzt kompliziert und scheint noch schwerer bildhaft vorstellbar zu sein. Doch ihr kennt vielleicht die Mandelbrotmenge oder das Sierpinski-Dreieick.

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Das Sierpinski-Dreieick

Für uns ist das zunächst einfach nur die Erklärung für den Begriff. Ihr müsst nicht zum Mathecrack werden, um fraktal zu spinnen oder gar die Dimensionen wechseln 😉

Selbstähnlichkeit ist der Schlüssel

Für uns interessant ist ausschließlich eine bestimmte Gruppe der fraktalen Muster: diejenigen mit einer hohen Selbstähnlichkeit. Das bedeutet, dass das Muster aus einem Muster zusammen gesetzt ist, welches eine Kopie seiner selbst ist. Eine sogenannte strikte Selbstähnlichkeit gibt es nur in der Mathematik. Hierbei kann in ein Muster unendlich lange hinein gezoomt werden und es würde stets aus dem gleichen Muster bestehen, egal welche Vergrößerungsstufe erreicht werden würde. Das Sierpinski-Dreieick ist solch ein Beispiel.

Selbstähnliche (nicht strikt selbstähnliche) Muster lassen sich auch in der Natur finden. Der Farn, der Blumenkohl, die Schneeflocke oder unsere Blutgefäße sind nur einige Beispiele. Das Farnblatt besteht aus vielen kleinen Blättchen, die für sich genommen die gleiche Form haben, wie das Farnblatt in seiner Gänze.

Der Farn als Vorlage

Was in der Mathematik die Struktur oder das Muster ist, ist bei uns im Spinnen die Farbe.

1907293_origDas Farnblatt bietet uns eine gute Analogie, für das, was wir nun mit Farben nachstellen wollen. Wir wollen ein Garn spinnen, in dem übertragen gesprochen ein großes Farnblatt und gleichzeitig viele kleine Farnblätter stecken. Dies geht nur mit einem Zwirn aus mindestens 2 Fäden. Der eine Faden enthält den großen Farn und der andere Faden enthält die sich wiederholenden kleinen Farnblätter. Verzwirnt ist der Faden, schachteln sich dann die kleinen Farnblätter in das große Farnblatt.

Wir übertragen also die Idee der Selbstähnlichkeit einfach auf die Farben.

Und nun mit Wolle

Was genau passiert nun? Nehmen wir an, wir spinnen mit einem handgefärbten Kammzug. Die Farbgestaltung, die durch die Färbung im Kammzug steckt, entspricht dem Muster, welches im Fraktal kopiert und skaliert in einander geschachtelt wird.

Der Faden 1 enthält diese Farbgestaltung 1:1. Der Kammzug wird direkt ohne weitere Unterteilung versponnen und die Farben ziehen sich so, wie sie gefärbt wurden in die Länge.

Der Faden 2 enthält das Muster in mehrfacher Wiederholung hintereinander gereiht und damit im kleineren  Maßstab. Durch das Aufteilen eines Kammzugs in mehrere Bänder wird das Muster kopiert und gleichzeitig verkleinert. Die Bänder sind dünner, ergeben also weniger Lauflänge und die Farben ziehen sich in kürzer Abschnitte, wie beim Faden 1. Dafür wiederholt sich das Farbmuster aber so oft, wie Bänder zuvor abgeteilt wurden.

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D.h. die Anzahl der Bänder für Faden 2 bestimmt die Skalierung des Musters, sowie die Anzahl seiner Wiederholungen.

Fraktal3In der Grafik stellt ein Dreieck das Muster bzw. die Farbabfolge des Kammzuges dar. In Faden 1 kommt es nur 1 Mal vor. In Faden 2 mehrmals. Durch das Zwirnen werden die kleinen Muster in das große Muster geschachtelt. Jedes kleines Muster von Faden 2 trifft auf das Muster im Faden 1.

Angenommen das Muster besteht aus Gelb, Blau und Grün und der Faden 2 aus 3 Musterabschnitten, dann trifft Gelb, Blau, Grün im Faden 2 auf Gelb im Faden 1. Dann trifft Gelb, Blau, Grün vom Faden 2 auf Blau im Faden 1 und zu letzt  Gelb, Blau, Grün von Faden 1 auf Grün im Faden 1.

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Das hat zur Folge, dass es in einem fraktalen Garn stets 2-farbige Abschnitte gibt, sowie 1-farbige.

Organisch oder Exakt?

Ich unterscheide nun in meinem Workshop zwischen 2 Arten ein Fraktal zu spinnen: Das organische Fraktal und das exakte Fraktal. Ihr erinnert euch vielleicht an die oben erwähnte Unterscheidung der Mathematik in strikt und nicht stirkt. Das meine ich hier nicht wörtlich, aber es lehnt sich an diese Unterscheidung an.

Handgefärbte Kammzüge bieten einen einfachen Einstieg in die fraktale Farbgestaltung. Dennoch sind die Farben darin nicht grammgenau gleich verteilt. Und auch unser Unterteilen des Kammzuges erfolgt nach Gefühl und nicht grammgenau. Dabei kann es sein, dass die zwei Fäden unterschiedlich lang ausfallen und beim Zwirnen ein Rest auf einer Spule übrig bleibt. So verschieben sich auch die Farbverläufe zu einander. Zudem haben wir eine willkürliche Anzahl von Bändern für Faden 2 unterteilt. Beides führt dazu, dass die Farbabschnitte des Fadens 2 willkürlich auf die Farben des Musters in Faden 1 treffen. Das nenne ich ein intuitives Vorgehen. Und dieses Vorgehen passt einfach gut zu einem handgefärbten Kammzug.

Eine andere Vorgehensweise ist das grammgenaue Abwiegen der Farben. Dazu wird die Anzahl der Teilmengen, die im Faden 2 aneinander gereiht werden, exakt nach der Anzahl der verwendeten Farben gewählt. So werden sich alle Farben im Faden 2 genau einmal mit jeder Farbe im Faden 1 treffen. Auch die beiden Einzelfäden müssen hierbei exakt gleich stark und gleich lang gesponnen werden, damit dieses Vorgehen funktioniert. In der Praxis, wird solch ein Garn wohl eher nicht gesponnen werden, denn die Farbübergänge sind hart und das Vorgehen etwas mühsam, doch es zeigt ein fraktales Garn in seiner Reinform und stellt eine technische Spielerei dar.

Der Vergleich

Schauen wir es uns mal in der Strickprobe an.

Zunächst einmal sieht man im Zwirn keinen Unterschied zu einem normalen, bunten 2-fach-Zwirn. Das Fraktal entfaltet sich erst im Strickstück sichtbar. Im Vergleich zum fraktale Garn wurde noch ein Navajozwirn gesponnen, der einmal das Farbmuster enthält zur Orientierung dienen soll.

Schon beim Vergleich des vollfarbigen Musters ist zu sehen, dass die Farben des handgefärbten Kammzuges nicht klar von einander abgetrennt sind und auch nicht als klare Reinfarben auftauchen. Das führt dazu, dass das Fraktal schon alleine durch die Färbung schwerer zu erkennen ist, als wenn das Garn aus Einzelfarben fraktale gesponnen wurde.

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Das organische Fraktal: Hier wird es, zusätzlich zur Färbung an sich, durch das intuitive Teilen schwierig, die einzelnen Abschnitte von einander zu unter-scheiden. Dies kann natürlich auch gewollt sein, denn die Farbentwicklung wirkt weicher und zufälliger. Einscheidend ist aber, dass sich stets 2-farbige Abschnitte mit vollfarbigen Abschnitten abwechseln.

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Das exakte Fraktal: Die Strickprobe des exakt abge-wogenen Fraktals zeigt hingegen die genau kalkulierte Farbabfolge. Es sind 4 Abschnitte zu erkennen die je eine übergreifende Farbe mitlaufen haben: Orange, gelb, hellgrün & grün. Diese Abfolge ist oben im vollfarbigen Muster nach zu verfolgen. Dies kommt zustande, da wir mit 4 Farben und 4 Teilmengen gearbeitet haben. Auf die gleiche Weise schachteln sich die Farben noch einmal in jeden Abschnitt. So erscheint in jedem Abschnitt auch ein vollfarbiger Bereich.

 

Ein 3-faches Fraktal

Alles was wir mit einem 2-fachen Zwirn gemacht haben, können wir auch mit einem 3-fachen Zwirn machen. Sicherlich ließen sich die Einzelfäden nach diesem Prinzip noch weiter steigern, doch ist es fraglich, ab wann das Fraktal noch sichtbar und strickbar ist. Im Workshop habe ich zu diesem Fraktal, wie auch zu 2-fädrigen Fraktalen eine Art Spinnrezept geschrieben – eine Art systematische Auflistung, für das Abwiegen der Einzelfarben und deren Reihenfolge in jedem Faden.

Fraktale Faservorbereitung

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_2adSoll ein fraktales Garn aus Einzelfarben gesponnen werden, so empfiehlt es sich, die Farben nicht einzeln hinter einander zu verspinnen, sondern die Farben in einander übergehen lassen. So werden die Übergänge harmonischer. Eine Möglichkeit bietet das Kämmen. Besonders einfach lässt es sich fraktale Kammzüge auf einer Hackle Row herstellen, da diese eine breite Zahnreihe hat, auf die Farben nach einander auf gehängt werden können.

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_2b6Auch fraktales Kardieren ist möglich. Natürlich wäre es möglich exakt das gleiche Vorgehen wie oben beim Kämmen beschrieben auch auf das Kardiergerät anzuwenden. D.h. 2 Vliese zu kardieren, in denen die Farben fraktal angeordnet sind. Doch es kann auch anders vorgegangen werden und Vlies mit Rolags kombiniert werden.

Aber es kann auch ganz einfach ein Verlaufsvlies fraktal abgesponnen werden. Das ist ein sehr einfacher und unkomplizierter Weg zum fraktalen Garn. Die Farbabfolge liegt bereits im Vlies vor und nur die Richtung, in der du das Vlies abspinnst, entscheidet über die Lage der Abfolge im Faden. Natürlich wird so ein eher organisches Fraktale entstehen.

Ein neuer Workshop

All diese Vorbereitungsarten werden wir in diesem Workshop zusammen machen. Wir werden ein organisches Fraktal spinnen, ein Exaktes zusammen berechnen und wer mag auch ein 3-faches Fraktal anfertigen.

Wie immer in meinen Kursen werden wir mit kleinen Spinnproben arbeiten und es gibt wieder eine Spinnmappe mit Skript und Spinndokumentation. Der Kurs geht über 2 Tage, also insgesamt 12 Stunden.

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Diesmal geht es in diesem Kurs nicht um Spinntechnik im Sinne neuer Auszüge, Drallmanagement oder Artyarnkonstruktion. Dieser Kurs setzt einfach nur das geübte Spinnen mit dem kurzen Auszug voraus. Dafür geht es mehr um die geplante Farbgestaltung eines Garnes. Ideal ist dieser Kurs für SpinnerInnen, die gerne 2-fache Zwirne oder mehrfarbige Zwirne spinnen oder auf das Kombo-Spinnen stehen, welches ja gerade en vogue ist, denn hier werden verschiedene Kammzüge miteinander kombiniert, was auch fraktal erfolgen könnte!

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig mit dieser Art zu gestalten anfixen und zumindest mal die gängigen Fragen zum Fraktal klären. 🙂

Wer Lust auf einen Kurs hat, der möge sich einfach der Webseite up do date halten. Dort oder auf Ravelry & Facebook gebe ich bald wieder neue Termine bekannt. Oder ihr schreibt mir eine Mail mit einem Wunschzeitraum. Noch können Termine geschoben werden…

Frohes Spinnen!

Eure Kathrin.

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Drachenfels handgesponnen – Ein Erfahrungsbericht.

Endlich habe ich mal wieder ein privates Projekt beenden können.

IMG_5915Seit etwa eineinhalb Jahren hänge ich damit an den Nadeln: Das Drachenfelstuch von Melanie Berg. Eigenlich stehe ich gar nicht auf Tücher, sie sind einfach nicht mein Ding. Aber eines wollte ich mal ausprobieren und das Drachenfelsmuster find ich wirklich schön. Gleichzeitig fand ich eine Fasermischung, die auch mal anspinnen wollte und somit war die Gelegenheit da.

Das Garn für das Tuch sollte natürlich handgesponnen sein. Ich fand bei Wollschaf die Mischung Alpaka-Seide 50:50. Das ist wirklich eine fantastische Mischung. Sie gibt es in gleich mehreren Farbtönen und ich entschied mich für schwarz, haselnussbraun und silbergrau. Durch die naturfarbene Seide, die in recht breiten Bändern im Kammzug liegt, wird das Garn natürlich meliert.

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Also ran an die Spulen. Es wird 300g zu je 300m/100g round about benötigt. Ich wollte einen Zwirn verstricken und nicht unbedingt eine Ewigkeit daran spinnen, also entschied ich mich für einen 2-fachen Zwirn, statt für einen 3-fachen, was eigentlich mein Lieblingszwirn ist. Das Tuch wird später kraus rechts gestickt und somit war schon klar, dass genug Tiefe ins Tuch kommt und ein 2-facher Zwirn völlig ausreicht.

14716518_165454813913383_3533526850628222976_n_medium2Alpaka ist eine Faser, die sehr glatt und lang ist. Daher ist Alpakagarn immer ziemlich schwer in Relation zur Lauflänge. Die Fasern liegen einfach recht kompakt beieinander. Sowohl im Kammzug, als auch später im Garn. Die Seide verhält sich ähnlich. Sehr lange Fasern, extrem glatt und daher schwer, gerechnet auf die Länge einer Kammzuges oder Garnes. Klar ist auch, beide Fasern müssen glatt zu einem Kammgarn versponnen werden. Da gibt es keine sinnvolle Alternative. Somit war die Garnplanung schnell beendet und es hieß nun die Zielvorgaben, insbesondere die Lauflänge, zu erreichen.

Die Mischung lässt sich grandios verspinnen. Ich kann nur empfehlen sie einmal gesponnen zu haben. Sie ist rutschig und lang und es sollte immer dabei aufgepasst werden, dass sich hinten in der Faserhand keine Wolke bildet. Mit dem kurzen Auszug nach vorne kann da aber nicht viel schief gehen. Die Mischung braucht auch einen guten Drall, etwas mehr als die üblichen Wollen, sonst wird der Zwirn etwas lose werden. Das war ein Punkt, den ich etwas unterschätzte.

15253202_1225459547537435_680086489110937600_n_medium2Die Feinheit der Melierung kann beim Spinnen gesteuert werden. Wird die Fasermischung einfach so runtergesponnen und das vielleicht besonders fein, so wird es immer wieder reinfarbige Stellen geben. Das Alpaka und die Seide ist nicht sehr stark miteinander vermischt, das könnt ihr oben im Bild mit dem Kammzügen gut sehen. Wer eine Melierung im Garn haben will, die homogen verteilt erscheint, so wie ich es anstrebte, der sollte beim Predraften der Fasern darauf achten, dass im Vorgarn stets beide Fasersorten vorliegen. Das lässt sich ja beeinflussen. Würde man einfach nach dem Zufallsprinzip aus den Kammzug direkt herausspinnen, würden auf jeden Fall viele Fadenabschnitte nur eine Fasersorte beinhalten. Das Zwirnen hat später den Effekt noch ein wenig verstärkt und die Fasern optisch verteilt.

Leider hatte ich es nicht perfekt geschafft, die Ziellauflängen zu erreichen. Beim braunen Garn fehlten mir ca. 20m und beim grauen Garn waren es etwa 30m zu viel. Leider habe ich mir die Daten nicht gespeichert… Aber im großen und Ganzen hat es gepasst.

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Das Stricken mit dieser Fasermischung ist ebenfalls ein Traum. Das Garn rutscht gerade zu über die Nadeln. Aber bald stellte ich fest, dass dieses Garn nicht optimal zum Muster passt. Es gibt immer wieder ein Reihenkombination, die in das Muster eingeschoben wird, in der eine Farbe mit übergehobenen Maschen kleine Punkte erzeugen soll. Das kommt leider durch die Melierung gar nicht gut zur Geltung. Ich habe 2 mal diese Kombi eingestrickt und es wirkt eher als ein Bruch im Muster, weil die einzelnen Maschen nicht richtig farblich heraus springen können. ( Oben im Bild seht ihr die Reihen im rechten Bereich des Bildes) Bei den anderen Tüchern, die mit einfarbigen Garnen gestrickt wurden kommt dieser hingegen Effekt super raus. Naja, das ist ja kein Beinbruch… ich habe einfach das Muster angepasst und statt dessen die Farben so abgewechselt, wie ich gerade Lust dazu hatte.

Mit der Zeit bemerkte ich aber auch, dass die Garnlängen noch weniger passten, als ich es gehofft hatte. Rechnerisch war die Differenz zur Ziellänge zwar nicht so dramatisch, aber beim Stricken merkte ich, dass mir einiges an Braun fehlt. Und so ließ ich es mit dem Muster gut sein und strickte einfach nur noch frei nach Laune. Außerdem muss ich zugeben, dass ich es gar nicht leiden kann, wenn handgesponnenes Garn übrig bleibt;-) Im Grunde war das Muster, das die Tuchform erzeugt, total einfach und musste nur vom Anfang bis zum Ende durchgezogen werden. Und die Streifen, die wirken, wie ich finde auch, wenn sie sich etwas anders, als in der Vorgabe abwechseln. Und so strickte ich das letzte Drittel einfach so, wie es mit dem Garn gut ausging und – voilà – das Tuch ist endlich fertig.

Die Mischung Alpaka-Seide ist wie erwartet recht schwer. Aber ich mag das sehr gerne. Das Strickstück fällt von ganz alleine, ich muss gar nichts stretchen oder setzten. Ich hab es von den Nadeln genommen und fertig. Auf der Haut fühlt es sich grandios an. Ein richtiger Hautschmeichler und für Jeden geeignet, der findet, das Wolle kratzt. Hier kratzt gar nichts mehr. Es ist weich, seidig, anschmiegsam, sehr wärmend und gleichzeitig etwas kühlend durch die Seide 🙂

Mein Learning: Handgesponnenes Garn hat immer seine eigenen Bedürfnisse, die, meiner Meinung nach, vor dem Muster stehen sollten. Und: 900 lm sind verdammt viel 😉

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Anmeldezeitraum für die Juli-Kurse

Hallo ihr lieben Spinner!

Die Handspinnerei meldet sich aus dem Urlaub zurück 😉

Und gleich kommt eine Kurznachricht für euch, die ins Artyarn-Spinnen einsteigen wollen:

Ich möchte euch an meine beiden Juli-Workshops in der Werkstatt erinnern. Wer Lust hat daran teilzunehmen, der möge sich bitte bei mir per Mail bis zum 17.7. anmelden. Ihr könnt für alle meine Workshops noch ein ausführliches Konzept anfordern, falls ihr euch noch nicht sicher sein solltet.

Es folgen im August und im September noch weitere Workshops. Mehr dazu findet ihr auf der Workshop-Seite hier im Blog.

Ich freu mich auf euch, hier in der Coburger Werkstatt!

Mail: backtothewheel(at)iCloud.com

 

Neue Workshops zum Artyarn spinnen…

spinntüten WorkshopHeute darf ich euch 3 neue Workshops in der Coburger Werkstatt für Handspinnerei ankündigen. Alle Workshops drehen sich um den Einstieg in die Artyarn-Spinnerei. Wenn euch ein Kurs interessiert, dann könnt ihr per Mail ein Konzept anfordern, darin findet ihr dann ausführliche Kapitelbeschreibung und die Workshopstruktur. So könnt ihr euch ein genaues Bild machen, ob der Kurs euren Interessen entspricht.

Zu jedem Kurs biete ich ein ALL-IN-Faserpaket an. Dort findet ihr alle Fasern, Beilaufgarne, Kerne und ADD-Ons in passender Menge auf die einzelnen Kapitel optimiert.

Neue Termine:

Tages-Workshop: LOWTWIST & CHUNKY SPINNEN, 23. 07. 2016, Samstag 10-16 Uhr.

Tages-Workshop: LOCKENGARN SPINNEN, 24.07. 2016, Sonntag 10-16 Uhr ODER 20. 08. 2016, Samstag 10-16 Uhr.

2-Tages-Workshop: CORESPINNING, 18. 09. 2016 + 19. 09. 2016, Samstag + Sonntag, 10-16 Uhr.

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LOWTWIST & CHUNKY SPINNEN – Der Einstieg ins Artyarn Spinnen

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Tages-Workshop, 23. 07. 2016, Samstag 10-16 Uhr

Inhalt: 6 Kapitel,

Es werden kleine Garnproben zu den Kapitel angefertigt und eine Spinnmappe angelegt. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Themenkarte, sodass das Nacharbeiten Zuhause kein Problem mehr ist. Ein Workshop-Konzept kann per Mail zu gesendet werden.

Kosten: 65€ + Faserpaket

Material: 15€ (170g Fasern, Zwirn- & Kerngarne)

Verpflegung vor Ort: Kaffee, Hörnchen, Getränke und Snacks

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LOCKENGARN SPINNEN – Viele Methoden Edle Lockengarne herzustellen

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Tages-Workshop,24.07. 2016, Sonntag 10-16 Uhr ODER 20. 08. 2016, Samstag 10-16 Uhr.

 

Inhalt: 6 Kapitel

Es werden kleine Garnproben zu den Kapitel angefertigt und eine Spinnmappe angelegt. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Themenkarte, sodass das Nacharbeiten Zuhause kein Problem mehr ist. Ein Workshop-Konzept kann per Mail zu gesendet werden.

Kosten: 65€ + Faserpaket

Material: 25€ (150g Locken, Kerne, Add-Ons, Basefasern)

Verpflegung vor Ort: Kaffee, Hörnchen, Getränke und Snacks

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CORESPINNING – Der zweite Einstieg ins Artyarn-Spinnen

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2-Tages-Workshop. 18. 09. 2016 + 19. 09. 2016, Samstag + Sonntag, 10-16 Uhr.

Inhalt: 12 Kapitel

Es werden kleine Garnproben zu den Kapitel angefertigt und eine Spinnmappe angelegt. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Themenkarte, sodass das Nacharbeiten Zuhause kein Problem mehr ist. Ein Workshop-Konzept kann per Mail zu gesendet werden.

Kosten: 120€ + Faserpaket

Material: 25€ (300g Fasern, Kerne, Beilauf- &Zwirngarne, Add-Ons, )

Verpflegung vor Ort: Kaffee, Hörnchen, Getränke und Snacks

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Anmeldung: Bitte per E-Mail oder Facebook-Nachricht.

backtothewheel(at)icloud.com oder FB: Back to the Wheel

Ich freu mich auf euch!!!

Chunky Spinnen mit Seidenhankies

Seidenhankies2Seide spinnen ist nicht Jedermanns Sache. Dabei ist Seide so ein wahnsinnig schönes Material.

Seide pur zu spinnen führt meist zu deinem feinen bis sehr feinen Garn, welches für hauchdünne Lacestrickereien genutzt werden könnte. Klar, Seide ist teuer, ultra glatt, hat endlos Fasern und läßt sich unsagbar dünn ausspinnen. Da liegt es doch nahe solch ein Garn zu spinnen. Seidenspinnerei ist zudem fast ein eigenes Spinngenre, da die Technik geübt werden muss. Seide hat eben ganz eigenen Fasereigenschaften.

Als Ausgangsform kann für die Seidenspinnerei Seidenkammzüge, Seidenbänder oder Seidenhankies genutzt werden. Um diese Seidenhankies soll es sich heute drehen. Doch wer mich kennt, würde sich wundern, wenn ich nun mit Lacespinnerei beginnen würde 😉

Goldfrucht3Ich finde die Seidenhankies grandios, denn sie lassen sich so vielfältig färben, ja fast bemalen. Deshalb wollte ich es ausprobieren, diese Hankies für ein Artyarn zu nutzen.

Die Hankies haben einen praktischen Vorteil. Es sind in quadratische Form in die Fläche gezogene Seidencocoons. Daher liegen die hauchdünnen Fäden nicht, wie bei Kammzügen oder Bändern, parallel ausgerichtet, sondern spinnennetzartig verwoben. Das ist praktisch, denn zieht man sie weiter aus, bleibt der Zusammenhalt der Verwebung noch bestehen und das möchte ich nutzen.

Ziel ist es ein „Cocoon“-Überzug über ein Chuncky-Garn zu ziehen.

Und so bin ich Schritt für Schritt vorgegangen:

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Schritt 1: Das Vlies wurde wie immer in Bänder unterteilt und gepredraft.

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Schritt 2: Das Vliese wurde dick aber gleichmäßig versponnen. Dabei springen die Leinenfasern immer wieder mal chaotisch aus der Fadenoberfläche. Danach habe ich den Faden navajo-gezwirnt. Und jetzt wird es interessant, denn die Verwirrung habe ich nur unterdreht angelegt und nicht bis zum Ende verdreht und fertig gestellt. Das fertig gezwirnte Garn ist also noch nicht fertig, sondern total unterdreht und muss noch nachgedrallt werden. Und ist wichtig. Je weniger Drall in Zwirn steckt, desto besser!

Schritt 3: Ich bereite meine Hankies vor. Dazu löse ich erstmal die einzelnen Lagen von einander und gehe dann mit meinen Fingern in die Mitte einer Lage, mache ein Loche hinein und ziehe sie zu einem Kreis auf. Dann streche ist den Seidenkreis in die Länge und reiße ihn irgendwann auf und habe ein Seidenvorgarn. Übrigens liegen in so einem Hankiestapel immer 5-6 Stück übereinander!

Schritt 4: Jetzt geht es ans Wrappen. Ich dralle dabei den Zwirn nach und hafte das Seidenvorgarn an und ziehe es während den Überspinnen weiter ganz dünn aus und überlagere diese Seidenfasern dann über den Zwirn. Manchmal wechsele ich vom Überlagern zum Einzwirnen. Dazu fasse ich das Vorgarn zusammen (nehme die Fläche weg) und lege es zwischen die Zwirnfäden des n-ply Garnes als 4. Strang hinein. Dann wechsle ich wieder zum flächigen überlagern zurück. Einfach nach Lust und Laune.

Dabei ist sehr darauf zu achten, dass man das Garn nicht überdrallt. Also sehr behutsam treten, die langsamste Übersetzung wählen und flott arbeiten.

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Und das ist das Garn: 18m bei ca. 70g und etwa 2 wpi. Der Seidenmantel ist hauch dünn, hier auf den Bilder schwer zu sehen. Er verändert die Farbe darunter, da ja ein Farbschimmer darüber liegt. Das Garn wird natürlich auch sehr seidig beim Anfassen und fühlt sich sicher auf verstrickt toll an (das kann natürlich auch in einer normalen Nadelstärke gesponnen werden ;-).

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Diesmal landete es auf einen mäßig hübschen Lampenschirm, den ich zuvor abgezogen habe. Das Garn habe ich einfach je zweimal um einen der beiden Ringe gewickelt und dann zum anderen Ring geführt, wieder zweimal gewickelt usw. Als das ganze Garn auf den Ringen war und diese wieder an Ort uns Stelle hängten, habe ich die Lage der Fäden noch durch Einweben eines Seidenfadens direkt an den Ringen fixiert.

Ich hoffe ich habe euch etwas Lust auf Seide gemacht und konnte zeigen, dass man Seide nicht immer dünn auspinnen muss 🙂 Viel Spaß!

Artyarn spinnen – Alles was geht…

IMG_3752Der Fasertauschkreis im Mai hat mir ein besonders schönes Päckchen beschert. Meine liebe Versenderin wusste um meine Liebe zum Artyarn spinnen und schnürte mir eine kleine Herausforderung. Danke liebe Silagloria!

Zunächst einmal war das Batt ein Genuss für die Nase, denn es wurden Lavendelblüten einkardiert, was nicht zu überriechen war. Dann hat sie das Batt mit Spitzenstreifen verschnürt, die sollte natürlich mit eingesponnen werden. Und die Fasermischung war neben vielen guten Wünschen, die auch mit drinsteckten ein flauschiger Traum in Lavendel: Polwarth, Merino, Polwarth mit Seacell, Leinen, Spitze und Lavendelblüten.

Das es ein Artyarn wird, war sofort klar. Aber welches? Ich wollte einmal die Gelegenheit nutzen und ein Garn machen, das wirklich nicht zum Stricken geeignet ist und bei dem man sich Austoben kann. Ich wollte etwas ausprobieren, was ich sonst nie mache, eben wegen der Unstrickbarkeit: Supercoils navajozwirnen….

IMG_3767Und so kramte ich alles aus meinem Stash, was farblich gut passen könnte. Und das sind die Zutaten:

  • mehrere Konengarne, eines davon als Bouclé
  • Silberfaden
  • Perlen
  • Seidenzwirn
  • Fellgarn

Und jetzt möchte ich euch auf dem Artharn-Trip mitnehmen:

IMG_3763Schritt 1: Das Vliese habe ich zerlegt. In Längsstreifen zerteilt, gepredraftet und nach Farbverlauf geordnet. Der sollte genauso wieder im Garn stecken. Also alles schön zurecht gelegt. Dazu kamen die Konengarnen und der Silberfaden. Die sollten als Kern für ein Kerngarn herhalten.

Das Spinnrad sollte Artyarn tauglich sein, dh. eine langsame Übersetzung sollte möglich sein, große Spulen und ein großes Einzugsloch vorhanden sein. Ich spinne das immer auf meinem Kromsky Sonata mit dem Jumbo-Aufsatz. Das Einzugsloch ist 1 cm im Durchmesser – das Minimum. Ebenso die Jumbospulen, auf denen locker 100g Platz finden, sind ein Muss. Denn das Gewicht, dass darauf passt ist nicht der Punkt. Das Volumen ist entscheidend. 100g können super volumensparend als dünner Garn auf der Spule Platz finden. Aber ein Mega-Bulky-Garn braucht sehr viel Platz! Ein Astford-Country-Spinner wäre eine interessante Überlegung, für Spinner, die überwiegend solche Garne spinnen möchten. Dann kann dieses Spinnrad, als 2.-Rad, sich wirklich lohnen.

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Schritt 2:  Alle 4 Fäden werden an den Leader geknotet, die langsamste Übersetzung eingestellt und dann geht es mit dem Corespinning los. Achtung: der Faserwinkel von mind. 60° oder mehr ist hier entscheidend, denn das Kerngarn wird wieder verzwirnt und so lugt später kein Kernfaden heraus. Auch ist das vordrallen der Kernfäden hier nicht notwendig. Im Gegenteil: wir benötigen ein hightwist-Single zum Supercoilen.

IMG_3774Während dem Spinnen lege ich immer wieder 1, 2 oder alle 4 Fäden aus dem Fadenzentrum heraus. Lege ich nicht alle 4 Fäden heraus, belasse ich die restlichen Fäden als Kern und spinne via corespinning ganz normal weiter. Die außenliegenden Fäden führe ich dann im kleinen Finger meiner Faserhand mit und lasse sie außen auf den Faden aufwickeln. Sie können auch ungeführt, als Autowraps, mitlaufen.

Lege ich alle 4 Fäden nach außen, wechsele ich in der Spinntechnik zum Singlespinnen. Die Fäden laufen wie oben beschrieben außen mit. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Single-Abschnitt genauso viel Drall – also hightwist – mit bekommt. Singles lassen sich flotter spinnen und neigen dazu weniger Drall zu benötigen, wie auch anzusammeln. Normalerweise ist das kein Thema, aber hier schon, denn der Drall im Faden soll homogen sein.

Eine andere Möglichkeit ist noch das Chaoswrappen: ich ziehe den Silberfaden eine beliebige Schlaufenlänge heraus und spinne wieder normal weiter. So ist die Schlaufe durch des Fadeninneren weiterhin fixiert. Durch die Drehung des Fadens wickelt sich die Schlaufe chaosartig und wirrer als bei Autowraps, um den Faden. Die Schlaufenendung fange ich aber wieder ein und fixiere sie mit dem Corespinning. So hängt nichts frei herum.

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Schritt 3: Nun geht es ans Zwirnen: Supercoils. Dazu wird wieder in Kerngarn gebraucht. Ich wähle diesmal das Fellgarn. Zum einen finde ich es spannend, wenn später Fellhaare zwischen den Supercoils heraus schauen, zum anderen bietet es viel Haftung, damit die Supercoil später nicht auf dem Kern rutschen. Zusätzlich wähle ich noch den Seidenzwirn, auf den ich die Perlen auffädele. Der ist superglatt und gut für Add-Ons, denn sie rutschen problemlos während dem Spinnen nach unten und können bei Bedarf nach oben in den Zwirn geholt werden. Ich habe also wieder 2 Fäden als Kern. Jetzt wird gezwirnt. Dabei spielt der Drall auch wieder eine kleine Rolle. Ich muss den Kern nicht vordrallen, denn der Zwirn wird ja wieder verzwirnt. Anders wäre es, wenn das Garn als Supercoils verbleiben sollte.

Jetzt kommt mit der Faserwinkel vom Corespinning zu Gute. Das Kerngarn flufft durch das Zwirnen wieder auf, aber der Kernfaden bleibt versteckt. Auch die Autowraps gehen auf und bilden nun kleine Loops.

IMG_3794-1Ab und an hole ich deine Perle hoch und binde sie zwischen den Supercoils ein. Hier ist keine besondere Fixierung nötig. Das passiert automatisch, da sich beide Kernfäden miteinander verdrehen und die Perle zwischen den Supercoils festsitzt.

Auch das Fellgarn lässt sich entweder plattdrückend oder eben aufbauschen. Je nach den schaut das Fell zwischen den Supercoils heraus oder nicht.

Schritt 4: Jetzt wird es auf der Spule schon mächtig eng. Ich bin mit dem Spulenvolumen eigentlich schon über der Grenze. Aber das Garn unterteilen kommt nicht in Frage. So muss jetzt beim Navajozwirnen ziemlich nachhelfen. Die Haken am Flügel machen mich zusätzlich das Aufwickeln schwer. Wer auf solche Garne steht, der sollte echt über einen Ashford Countryspinner nachdenken, da besteht das Volumenproblem nicht.

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Das Navajozwirnen ist mit Supercoils überhaupt kein Problem. Es braucht sehr wenig Drall, das Garn wird sehr dick und ein paar mal Treten reicht aus um das Garn zu zwirnen und balancieren. Und Ja: die Supercoils können perfekt balanciert sein. Die Wendepunkte beim Navajozwirnen nutze ich um die Spitzenstreifen einzuhängen und gedoppelt als 4 Faden einzuzwirnen. Auch das ist keine große Schwierigkeit. Die größte Herausforderung besteht jetzt nur darin, das fette Garn auf die Spule zu bekommen. Da muss ich eben per Hand durchziehen und die Spule drehen. Was soll´s, die Lauflänge ist nicht so lang, als dass es wirklich nervt.

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Et voilà: Das fertige Garn in der Stärke eines Seils von knapp  2 WPI, haha! Die Lauflänge war ca. 15 m.

Tja und jetzt? Stricken geht zwar theoretisch, aber was wäre da sinnvoll? Ich weiß ja nicht… Aber ich habe schon lange eine alte Türrahmenleiste von der Werkstattrenovierung herumstehen. Aus der baue ich jetzt einen Rahmen, verschraube ihn hinten mit Winkel und fertig. Da spanne ich das Garn nun ein und befestige es mit Reißzwecken. Ich hatte mehrere Möglichkeiten ausgetestet und mit Reißzwecken geht es am einfachsten und unkompliziertesten, besonders dann, wenn man eine Zwecke wieder etwas versetzen will.

Und das ist das Ergebnis: Artyarn im Rahmen 😉

Ich hoffe, der Spinnbericht hat euch gut mitgenommen und ihr könnt das ein oder andere selbst ausprobieren. Und ich bin gespannt, was euch als Verwendung solcher Garne noch einfällt. Ich werde mich sicherlich weiterhin diesen Spinnereien widmen, denn es mach einfach ultra viel Spaß!!!!

 

 

Locken ohne Ende…

Gerade eben war ich etwas auf Facebook in der Spinngruppe stöbern und bin über handgefärbte Locken gestoßen, die mit der Frage gepostet wurden, wie man die denn verspinnen kann, dass die Löckchen dabei schön zu sehen sind.

Ich dachte ich antworte mal schnell darauf und dann erinnerte ich mich an ein Garn, dass ich vor Jahren mal machte… also flott ins Fotoarchiv und Bild rausgezogen. Dabei bemerkte ich, dass ich immer wieder Lockengarne fotografiert hatte, die ich schon völlig vergessen hatte, also schob ich immer noch ein Bild in den Antwort-Thread bis ich bemerkte, dass es ganz schon viele werden…Ähm, sorry an dieser Stelle…

Also schreibe ich jetzt mal flott einen Post und suche mal alle meine Lockengarne raus und zeige euch die unterschiedlichen Methoden, die ich ausprobiert hatte…

Meine Fazit vorweg:

IMG_0933Die Locken sollten vor dem Spinnen sorgfältig vorbereitet werden. Wie immer ist Faservorbereitung die halbe Miete. Die häufigste Vorbereitung bei mir ist das Trennen der Locken aus dem Verbund zu Einzelnen. Das macht man am besten indem man die Locken von den Spitzen nach oben zu den Schnittenden auseinander zieht / abzieht. Anders herum Ziehen zerstört die Lockenform!

Danach öffne ich die Schnittenden mit der Flickkarde vollkommen auf, dass die Fasern super fuffly liegen und alle kürzeren Haare raus gekämmt sein. Denn die geben nur eine Verdickung beim Einspinnen.

In meine Shop biete ich meine handgefärbten  Locken nur so fertig vorbereitet an, das sieht dann so aus:

 

IMG_0934Bei einige Methoden, kann man Locken auch direkt aus dem Vlies oder aus der Flocke spinnen. Darunter fallen Methode 1, 2, und 7 (Magic Thumb). In gewässerweise auch Methode 8, denn beim Kardieren, werden die Locken auch geöffnet. Dennoch würde ich sie in letzten Fall vorher Picken, sonst ist es kein Vergnügen für das Kardiergerät und die Langlebigkeit seines Belages.

Methode 1: Corespinning ohne „Fertigcore“.

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Mit „Fertigcore“ meine ich das Umspinnen eines fertigen Garnes, dass als stabiler Kern fungiert. Das ist der normale Weg des Corespinnings und auch ziemlich praktisch, wenn man ein reißfestes Garn haben will. In diesen Fall aber, soll das Lockengarn als Single verbleiben. Also strebe ich einen Single mit möglichst wenig Drall an, sodass er nicht überdrallt ist und nicht überbadet werden muss. Ich löse das immer mit den „coreless“ Corespinning, wobei ich während dem Spinnen der Locken noch weitere Fasern (meist günstigere Naturfarbene Fasern um nicht die Edelfasern zu verschwenden) mitlaufen lasse und daraus den Core spinne. Ich spinne also 2 Dinge auf einmal: den Core mit „günstigen“, am besten krauseren Fasern (da haften die anderen Fasern darauf besser) und dann spinne ich die Oberfläche mit den Locken oben auf. Bei den Locken zupfe ich die Schnittenden zuvor mit der Flickkarde auf, die Lockenenden bleiben aber intakt. Die Locken werden dann mit den geflufften Schnittenden voran an den Core gehaftet und nach einander auf den Core gesponnen. Das der Core gleichzeitig gesponnen wird hat einen Vorteil: er ist dünner als das komplette Garn und verträgt dadurch mehr Drall als das dickere Komplettgarn auf die gleiche Strecke (Drall sammelt sich ja immer an der dünnsten Stelle). So verhindere ich das Überdrallen. Außerdem bieten die ausgesponnene Faserlage noch Widerstand gegen den Core-Drall und wirken ein wenig drallneutralisierend?

Methode 2: Corespinning mit Spiralply

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Ein vielleicht einfacherer Weg ist das normale Corespinning mit einem dünnen reißfesten Fertiggarn als Core (z.B.: ein Baumwollhäkelgarn für Gardinen). Die Locken werden ebenfalls zuvor einzeln mit der Flickkarde an den Schnittenden geöffnet und dann an den Kern angehaftet und aufgesponnten.

Wichtig ist hierbei der Faserwinkel von fast 90°!

Der Single wird überdrallt werden, aber das macht nichts. Der Drall wird im nächsten Schritt mit dem Zwirnen wieder heraus geholt. Ich zwirne dabei gerne mit einem sehr dünnen Nähgarn, Seidengarn oder Glitzergarn. Das nimmt kaum Einfluss auf die Locken und bleibt dezent im Hintergrund der Garnoberfläche. Spiralply funktioniert indem man die zu verzwirnenden Fäden mit einem Tick unterschiedlicher Fadenspannung hält und den Winkel zueinander leicht variiert: das Nähgarn hat etwas mehr Spannung und der Lockenfaden in einem etwas größeren Winkel als sonst abgewendet. So wird der Lockensingle zu einer schönen Spirale.

 
Durch das Zwirnen gehen die Locken wieder schön auf und bekommen Weichheit und Volumen. Damit hier der Core nicht hervor blitzt wurde zuvor beim corespinnen der Winkel von fast 90° beibehalten, ansonsten befinden sich zu wenig Locken pro Fadenabschnitt an Ort und Stelle und können nach den Auffluffen im Zwirnprozess den Core nicht vollständig bedecken.

bildschirmfoto-2016-11-11-um-14-03-34Weitere Möglichkeiten: Du hast noch super viele andere Gestaltungsmöglichkeiten. Du kannst Perlen auf den Zwirnsfaden fädeln, du kannst während dem Corespinning Cocoons oder anderen Effekte aufspinnen – das geht übrigens auch während dem Zwirnschritt – oder du kannst Beilaufgarne in beiden Schritten mitlaufen lassen. (Dieses Garn ist übrigens aus der Flocke von Heidschnuckenlocken gesponnen.)

Methode 3: Eine Locke nach der anderen.

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Du kannst auch einen Singlefaden spinnen, indem du eine Locke nach der andern hintereinander reihst und verdrehst. Öffne wieder die Schnittenden aller Locken mit der Flickkarde und dann spinnst du die Locken aneinander indem du die Locken Spitzen nach oben (also zum Einzugsloch hin) hälst. Du setzt eine Locke nach der andern an und überlabbst aber die Lockenspitzen so dass ein Teil frei stehen bleibt. Die aufgeflufften Enden verdrehen sich gut und ergeben ein festes Garn.

 

Besonders Locken mit mehr Lanolin eigenen sich gut. Das Lanolin kannst du nach dem Spinnen beim Baden heraus waschen. Der Single muss noch verzwirnt werden, dazu verwende ich gerne wieder die spiralply-Methode.

Kleine Alternative: Bei kurzen Locken kannst du zusätzliche Fasern ohne Locken der gleichen Farbe hinzunehmen um die Fadenbasis zu spinnen in die die Locken, wie oben beschrieben, eingesetzt werden.

Methode 4: Tailspinning.

Orangevio10Das Tailspinning ist für besonders lange und / oder glatte Locken sehr gut geeignet. Hier werden die geöffneten Lockenenden nacheinander gereiht versponnen. Das kann man mit Methode 3 aber auch mit Methode 1 machen. Nur das Verzwirnen sollte man sich schenken, denn die langen Locken verheddern sich gerne im Einzugsloch/Öse oder in den Haken / Öse des Flügels. Einmal reicht da wirklich… Bei diesem Garn habe ich noch mal eine andere Technik-Kombi verwendet:

 

Methode 5: Simple Coreless mit einzelnen Tails

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Ich habe ein normales coreless Coreyarn wie in Methode 1 gesponnen – ohne Locken. Ganz normal, mit Merinokammzug in ausgewählten Farben, die zu den Lockenverläufen passen. Dann habe ich während dessen in regelmäßigen Abständen die langen Locken eingesponnen und mit dem Fasern für die Garnoberfläche zusätzlich fixiert/geankert. So sitzen die Locken bombenfest im Garn, denn Wensleydale ist glatt und rutscht gerne.

Für Kontrollfreaks: Der Grund, warum ich das machte war, dass ich meiner Kundin ein stressfreies Stricken ermöglichen wollte. Locken können in den Stricknadeln verheddern, Aufribbeln wird eine Nervenfrage und das Maschenbild wird heterogen. Das ist was für Strick-Freestyler. Als habe ich ein ganz glattes Kerngarn gesponnen, das all den Stress nicht mitbringt: es ist stabil, rutsch beim Aufribbeln gut auf und bietet ein gleichmäßiges und definiertes Maschenbild. Die Lockenteils habe ich in einem Abstand eingesponnen, dass sie ungefähr bei jeder 3. -4. Masche aufsitzen. Das ist ja zu kalkulieren. Die Garnstärke führt zur Nadelstärke und die zur Garnstrecke, die eine Masche in etwa benötigt um sich zu bilden. So tauchen die Locken in regelmäßigen Abständen auf und die Lockenoberfläche im fertigen Strickbild ist gleichmäßig.

Achtung: Wer beim Spinnen in Maschen kalkuliert, sollte wissen ob das Garn zum Stricken oder Häkeln verwendet wird. 1. dementsprechend sollte die Spinnrichtung angepasst werden, spinnt man Singlegarne!!! 2. Häkelmaschen nötigen mehr Lauflänge/Masche als Strickmaschen. Die Lockenabstände sollten bei Häkelgarnen also größer sein. Außerdem sollten die Locken nicht bei jeder Masche auftauchen, da sie sonst eine zu dicke Oberfläche bilden und die Lauflänge des Garnen stark reduzieren. Ein Strickstück hat ja viele Reihen übereinander, die genug Locken überlagern werden, dass es eine tierisch schöne Oberfläche ergibt.

Methode 6: Supercoils mit Locken.

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Du kannst auch Superdröhnung an Locken produzieren. Du spinnst nach Methode 2 einen Lockensingle mit Kern, der stark überdrallt ist. Dann nimmst du diesen Single und spinnst ihn erneut auf einen Kern und bildest Supercoils dabei. Diesmal sollte der Kern aber in Gegenrichtung stark vorgeprallt sein. Du hältst beim Supercool-Zwirnen beide Fäden in einen ca. 100-120° Winkel auseinander: 90°Winkel für den Lockensingle und 10-20° für den Kern. so fixieren sich die Supercoils nochmal etwas an Ort und Stelle. Beim Spinnen des Lockensingles kannst alle möglichen Autowrapfäden mitlaufen lassen und viel Bewegung zusätzlich in das Garn bringen.

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Methode 7: Laura Spinners Magic Thumb.

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Eine weitere Methode möchte ich als 7 und nicht die meinige vorstellen: Magic Thumb von Laura Spinner. Für diejenigen Bologneser unter euch, die den Thread in Facebook nicht verfolgt haben, möchte ich diese Methode der Vollständigkeit wegen noch verlinken. Ich finde sie ziemlich cool, denn es ist dem coreless Corespinning, wie es viele machen (ohne extra Fasern für den sich bildenden Kern, so wie ich es mache) sehr ähnlich. Ich habe nur die Frage, wie Laura Spinner die überrollten Singles nach dem Spinnen wieder balanciert, denn die fertigen Garne von ihr sehen schon balanciert aus. Hat sie sie beim Baden mit Gewichten behängt? Ich werde die Methode als ausprobieren und mal sehen, wie ich das Problem lösen könnte… hm.

Vielleicht wisst ihr mehr, dann schreibt doch dazu!

Methode 8: Einkardieren 😉

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Diese Methode ist die einfachste: Die Locken in das Vlies mit einarbeiten und dann kannst du frei zwischen vielen Spinntechniken wählen: Singlegarn spinnen und die Locken einfach heraus springen lassen, Zwirngarn auf die gleiche Weise Spinnen, Kerngarn mit zusätzlichen Tails, Corespun, Spiralply, Mehrfachzwirn aus Corespun usw…

 

Hier noch mal einige Garne im Überblick…

Zuletzt möchte ich euch einige verstrickte Lockengarne und einige andere Lockengarne zeigen.

 

Wenn ihr noch andere Methoden verwenden, dann schreibt und zeigt doch mal her 🙂

Ich hoffe ich konnte etwas bei der Frage „was kann ich mich Locken machen“ weiter helfen. Frohes Spinnen!

Mehr Garn und Fasern…

Funkstille im Blog bedeutet meistens eine arbeitsreiche Zeit. Der Weihnachtsverkauf ist vorbei und das nächste Weihnachten steht vor der Türe. Doch davor kommt das Sommerloch. Dieses Jahr zeichnen sich neben ein paar Workshops auch die ersten ein zwei Märkte ab und dazu braucht es Garn – jede Menge Garn. Und natürlich Fasern.

mistydawadaDeshalb stehen im Moment die Einzelstücke im Fokus. Einerseits eine super kreative Spinnerei, ganz anders als die Knit Kits, die ja immer genauso reproduziert werden müssen. Aber es zieht sich auf. Jedes Garn ist anders, keine Routine, kein Zeitmanagement… Und dann und wann geht auch mal was in die Hose.

rosered2Am liebsten mag ich die coreless corespun Garne. Sie sind schön zu spinnen, wenn auch echt zeitaufwendig. Die Farben gleiten durch die Finger und liegen immer schön an der Oberfläche. Aber vor allem machen sie dem Stricker das Leben leicht. Sie sind strapazierfähig, können auch super weich sein und haben eine gleichmäßige Oberfläche. Easy peasy zu stricken und immer passiert was in den Farben.

Ein etwas älteres Garn juckte mir so in den Fingern, dass ich zu einem Stirnband verstrickte. LEXI wird es in Zukunft öfters geben, aber immer aus einem anderen Corespun Garn mit ähnlicher Farbmischung. Es wird also immer ein Einzelstück sein.Stirnbandlexi2

Dann sind noch ein paar Effektgarne entstanden.

apricot4Apricot ist ein corespun Garn mit Sojafasern und Angelina. Diese verzwirnten Corespuns mag ich auch sehr gerne. Sie sind so traumhaft weich und fluffig.

nightfall7Seidig ist die Variante ohne Kern geworden, Nightfall. Eigentlich war es fast die gleiche Fasermischung. Seide statt Sojafasern, doch die Haptik ist recht ähnlich. Doch ohne den Kern entsteht beim Zwirnen kein Volumen. Der glatt gesponnene Single bleibt auch im Zwirn glatt. Wie ein kleiner Kernfaden doch einen Unterschied machen kann…

MeloneMelone ist ein D&D-Garn mit Autowrap. Lowtwist gesponnen wobei ein Metallikfaden mit lief. Diese Garne mag ich am liebsten im großen Lochmuster. Mal schließt sich das Maschenbild an den dicken Stellen und mal ist es wie ein Netz an den dünnen Stellen.

Dann entstehen gerade wieder ein paar Fasermischungen für den Shop:

Vor kurzem war wieder die recycelte Sariseide aus Indien am Start.

Da haben wir einmal Hongkong Nights in schwarz mit viel Neon…

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… und Urban Grey, graues Merino mit pink und blau…

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und dann gibts noch Sundown Peach, eine Merinomischung mit Verlauf.sundownpeach6sundownpeach3

Und zu guter letzt gibts noch zwei Vliese.

Einmal ein ganz klassisches nur aus Merino, aber mit einem großen Verlauf in den gleichen Farben wie die Rolags.

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Und dann noch das Vlies Misty, ein Schurwollmix mit Merino, Angelina und viel handgefärbter Seide. Aus dem gleiche Vlies entstand auch das corespun Garn oben.

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Und der nächste Blogpost geht ums Artbatt kardieren, in dem ich teste, was passiert, wenn ich meine eigenen Tipps für das perfekte, schlaufenfreie Vlies ignoriere…

Ein Schwung neuer Garne

Langsam wird die Zeit mit diesen vielen kleinen Projekten in meiner Handspinnerei knapp.

Dennoch hat es wieder geklappt, ein paar Garne zuspinnen, die zu keinem KnitKit oder zum Workshop gehörten. Ab und zu Abschalten, spinnen und die Farben genießen, die über die Finger gleiten…
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Das erste Garn ist mein neuestes Lieblingsgarn. Ein coreless Corespun aus einer super weichen, garantiert schlaufenfreien Fasermischung. Ein hellgraues Garn mit Neonspots… Mir juckt es in den Fingern, es an zu stricken, aber es wandert wohl in den Shop. Denn ich ersticke in Prototypen und Knitwear…;-)

peach rolagsDas andere Garn war ein reines Genussspinngarn. Aus Rolags entstand ein 3-faches Streichgarn mit etwas Angelina. Ich spinn, wenn ich für mich spinne, im Moment am liebsten aus Rolags. Die Fasern rutschen so leicht in die Länge und der lange Auszug wird immer mehr zum Genuss.apricot5

 

 

 

vanilla Vanilla Rabbit ist ein Garn, das ich schon vor wenigen Wochen gesponnen habe. Es ist auch wieder ein coreless Corespun, von dem ich denke, dass es wohl unterschätzt wird. Die graue Maus, die verstrickt zum Schwan werden wird. Es ist sehr zart und dezent meliert in grau, weiß, rosé mit etwas braunen Spots. Darunter mischt sich flausche-weiches naturgraues Angora und goldenes Angelina. Verstrickt wird es super weich und kuschel-flauschig sein. Es wird ein ruhiges und zart meliertes Strickbild geben, perfekt für eine elegante Mütze. Auch bei diesem Garn juckt es mir schon wieder in den Fingern. Leider steht mir mit meinen rotbraunen Haaren absolut kein Rosé. Sehr schade…vanilla3

 

IMG_0449-1rolags3Dafür kann ich aber Lila-Blau tragen. Und so wurde aus einem weiteren 3-fachen Streichgarnaus Rolags eine paar Handschuhe, diesmal für mich selbst. Das Garn ist mit Ramie und cremefarbenen Sojafasern gemischt. Kurz vor dem Ende ging mir dann das Garn aus, aber was solls, ich bin ja Spinner und kann sofort für Nachschub sorgen. Diesmal war es mal die Handspindel…

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Neue Spindeln und ein altes Buch

Foto 5-8Die Spindelsammlung wächst und wächst.

Ich habe schon ein paar mal von der Drechselwerkstatt der Familie Matthes geschrieben. Sie machen wirklich wunderschöne Handspindeln aus Edelhölzern in reiner Handarbeit. In den letzten Jahren ist ihr Sortiment um einiges größer geworden, so waren diesmal in meiner Bestellung eine russische Orenburgspindel und supported Schälchen. Es ist wirklich eine große Freude, so einerseits unterschiedliche Spindeltypen zu testen und zu sammeln und gleichzeitig wunderschöne Einzelstücke zu erhalten, die in reiner Handarbeit entstanden. Letzteres ist mir inzwischen zu einem echten Anliegen geworden und ich ziehe sie jeder industriell gefertigten Arbeit vor.

Meine diesjährigen Wunschspindeln sind Tiefwirtelspindeln gewesen. Ich kann mich nach wie vor nicht entscheiden, welcher  Spindeltyp mir der liebste ist. Ich stelle fest, dass ich den Spindeltyp immer mehr nach der Faser aussuche. Die Faser bestimmt die Technik und diese bestimmt den Typ, das Gewicht und den Wirteldurchmesser. Also ist es gut, von jeder Sorte die wichtigsten Gewichte daheim zu haben, oder? Ich denke das ist wohl eher ein Alibi für meinen Sammeltrieb in Sachen Spindeln. 😉 (Rosenholz und Osage Orange, 28g, 29 cm; Thula Maser und Bubinga Pummele, 27g, 29 cm; Myrte Maser Schälchen)

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Für meine leichten Tiefwirtelspindeln habe ich mir noch ein Schälchen bestellt, um mir keine Sorgen über das Gewicht machen zu müssen. Es gibt zwar superleichte Lacespindeln mit nur 10g, aber ich ziehe es vor, etwas mehr in der Hand zu haben, so 25-30 g finde ich angenehm. Das hält aber – wenn schon etwas Lauflänge aufgewickelt ist – ein dünner unterdrehter Faden irgendwann nicht mehr aus. Dafür gibt es nun das Schälchen.

Dazu gab es eine Kreuzspindel aus wunderschön gemaserten Holz. Bei dieser Spindel ist die Handarbeit besonders schön gelungen. Die einzelnen Kreuzarme passen perfekt ineinander und sind glatt und rundgeschliffen. (Brown Mallee und Makasser Ebenholz, 24g, 18 cm)

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Zuletzt wünschte ich mir schon länger eine echte russische Spindel. Die Orenburg sieht nicht nur schön aus, sie ist auch wahnsinnig schnell und läuft wie eine 1. Wer schnell ausziehen kann (langer Auszug) und dünne lange Lauflängen spinnen möchte, der ist hier wohl richtig. Ich beherrsche diese Technik noch nicht. Noch:-) Jetzt kann und werde ich Üben! (Makassar Ebenholz und Padouk im Schälchen, 52g, 29cm lang)

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91DJib1zvQL._SL1500_Es gibt noch einige andere Techniken, die ich gerne auf der Handspindeln beherrschen möchte. Dazu habe ich dieses etwas ältere Buch ausfindig gemacht und bestellt: High Whorling von Priscilla A. Gibson-Roberts. Es gibt eine neuere Version von diesem Buch: Spinnig in the old Way. Es ist im Prinzip eine Neuauflage, denn inhaltlich unterscheidet sich das neue Buch kaum, so schildern es Reviews auf Foren und in Online-Shops. Ich fand eben das etwas ältere recht günstig und ich bevorzuge Hardcover, das waren die einzigen Gründe warum ich dieses und nicht das andere kaufte. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Die Autorin interessiert sich sehr für die Techniken von normadisch (denn diese nutzten bis heute die Handspindel) lebender Völker der ganzen Erde und erforscht sie anhand von Bilddokumenten und durch Ausprobieren. Vieles in dem Buch beschreibt die Grundlagen, aber sie unterscheidet sehr analytisch zwischen den unterschiedlichen Auszügen und ihr Ergebnis. So beschreibt sie z.B. auch welche Auswirkung es hat eine glattes Garn von einem „fold“ zu spinnen, anstatt die Fasern einfach vom Band abzuziehen.51CjhR3pD2L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX278_SY278_PIkin4,BottomRight,1,22_AA300_SH20_OU03_ Die Folge ist, dass ALLE Faserenden in einer Richtung liegen und nicht das eine Ende in die eine Richtung und das andere Ende in die andere Richtung. Bei Fasern wie Angora, wo gerne die Enden frei werden ist das sicherlich eine tolle Sache und ermöglicht einen noch perfekteren Eindruck von Garn. Auch kurzfaserige Materialien lassen sich so hervorragend glatt verspinnen.  Sie unterscheidet auch zwischen „draw“ und „draft“. Somit werden die Handgriffe und die Armbewegung von einander getrennt betrachtet, was das Spektrum der Technik erweitert. Zuletzt hatte ich noch einen Aha-Effekt. Da ich ja keine echte Strickerin bin, hatte ich mich zwar gewundert, aber nicht weiter darüber nachgedacht: Die Zwirnrichtung im Garn ist wichtig für das Stricken und unterschiedet sich von der in Garnen, die verhäkelt werden soll. Der S-Drall öffnet sich nicht während dem Stricken durch die Nadelbewegung und der Z-Drall nicht beim Häkeln. Sehr cool, dass ich das Problem endlich gecheckt habe 🙂

Ach ja, das Buch ist auf englisch, und nicht ganz so leicht geschrieben. Aber dafür gibt es ja Wörterbücher;-)