Das perfekte Vlies… ist das die Lösung?

Vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie mein Schlaufenproblem entsteht und es zu lösen ist.

kardieren5Das hier sind die ominösen Schlaufen:

Sie hatten sich immer wieder mal in meine Vliese eingeschlichen und dann gab es wieder Vliese, die frei davon waren. Warum? Diese Frage trieb mich wirklich um. Ich möchte diese Schlaufen nicht im Vlies haben, denn sie können, bei einigen Spinntechniken wie corespinning stören. Soll eine super glatte Oberfläche bei Kerngarnen entstehen, können diese Schlaufen oben aufsitzen und eben diese Oberfläche stören. Auch bei feinen einfädrigen Garnen stehen sie im Weg. Und überhaupt möchte ich, wenn ich ein Vlies kaufe, alle Fasern fein in Reih und Glied sitzen haben. Sicherlich lassen sich diese Schlaufen durch predraften wieder auseinander ziehen, aber ich möchte eben auch manchmal nicht predraften, denn das beeinflusst die Farbentwicklung im Garn.

Also, wie kann ich kardieren, dass die Vliese schön wohlgeordnet werden, wie ich sie haben möchte?

kardieren17Nach vielen Stunden kardieren kam ich zu diesen Punkten:

1. Die richtige Position der Packer-brush einstellen.

2. Die Fasern hauchdünn über den Einzug einfüttern.

3. Keine dicken Stellen beim Painten auf die große Walze kardieren.

4. Die Vliese nicht zu dick werden lassen, sondern lieber mehrere dünnere Vliese kardieren.

5. Superfeine Fasern im Sandwich einfüttern oder Painten.

6. Vorsicht bei der Karde.

7. Fasern vorlockern hilft.

Jetzt kommen viele Bilder, wie ich mein Vlies nicht haben möchte… 😉

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Die Bürste soll die Fasern an die große Walze anlegen, damit das Fassungsvolumen erhöht wird. Sie sitzt direkt über der Zone, wo die eingefütterten Fasern entweder auf der kleinen oder der großen Walze landen und sich im letzten Fall gerade erst an die Walze angelegt haben. kardieren 16Haben sich die Spitzen noch nicht ganz angelegt kann es passieren, dass die Bürste diese Enden beim Drehen wieder nach hinten klappt und voilá, da sind die ersten Schlaufen. Ich hatte manchmal die Bürste so eingestellt, dass sie viel zu tief in den Nadeln saß. So wurden schnell auch diese Faserenden zurück geklappt, die eigentlich ganz gut auf der Walze zu liegen kamen. kardieren3Deshalb achte ich nun darauf, dass die Bürste die Nadeln nur berührt und noch genügend Platz bleibt, dass die Fasern gemütlich beim Drehen unter ihr durch wandern kann. Oder ich lasse die Bürste einfach weg. Ich habe bemerkt, dass ich sie gar nicht so dringend benötige. Sollte das Vlies zu sehr Volumen einnehmen, greife ich zur Karde vom Blending Board und lege die Fasern sanft an.

Auf dem ersten Bild sitzt die Bürste erst zu tief in den Nadeln. Auf dem zweiten Bild, sitzt sie nur AN den Nadeln und im dritten Bild, ließ ich sie einfach weg.

kardierenDas bekannte Credo: Lege die Fasern so dünn vor den Einzug auf, dass du noch die Zeitung darunter lesen könntest, hat wirklich seine Berechtigung. Füttere ich zu viele Fasern auf einmal ein, landet das Zuviel wieder auf der kleinen Walze. Die Fasern werden also zwischen beide Walzen geteilt und dabei können ebenfalls die Fasernenden jener Fasern, die auf der großen Walze landen abgehoben werden und zurückgeklappt werden. Oder sie können von der Bürste zurück gebürstet werden. Es sind die unentschlossene Fasern, die dann die Schlaufen bilden. Ich lasse mir also nun sehr viel Zeit und kardiere hauchdünne Fasern ein.

kardieren12Die Fasern können auch direkt auf die Walze gesetzt werden. Dabei sollten keine dicken „Würste“ aufkardiert werden. Diese wandern dann durch die Zone zwischen beiden Walzen und an den dicken Stellen wird von der kleinen Walze wieder das Zuviel abgelöst und wir erhalten unentschlossenen Faserenden. Außerdem achte ich darauf, dass beim Painten, die aller ersten Faserenden gut zwischen den Nadeln anliegen.

kardieren9Das ganze Vlies wächst mit der Zeit und die Nadellängen geben das Fassungsvolumen vor. Wird der freie Nadelbereich immer kleiner, können auch hier, die Faserenden eher hervorstehen und in der Engstelle der Walzen oder von der Bürste in die falsche Richtung angelegt werden. Also schöpfe ich das maximale Fassungsvolumen jetzt nicht mehr aus, sondern kardiere lieber zwei Vliese.

Auf dem Bild rechts sind die Schlaufen zu sehen, die sich gerne an der Nadelunterbrechung bilden. Das passiert besonders gerne, wenn das Vlies schon recht dick geworden ist. Das sind einfach die Faserenden, die durch die Lücke nicht erfasst werden und dann an der nächsten Engstelle zurück geklappt werden.

kardieren11Superfeine oder glatte Fasern tuen sich manchmal schwer mit dem Anlegen. Ihre Enden bilden besonders gerne Schlaufen. So wie auf dem Bild links, möchte ich sie ungern im Vlies liegen haben. Deshalb lege ich sie nun wie bei einem Sandwich zwischen weniger fliegende Fasern und lasse sich gebändigt einziehen. Oder ich lege das Sandwich direkt auf die große Walze auf und painte sie ins Vlies (rechts).

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Ein weiterer Stolperstein war  die Karde vom Blendig board, die ich zum Anlegen benutze. Ich setzte sie nun nicht mehr einfach an die Walze an, sondern achte darauf, dass ich nicht VOR hervorstehene Fasern ansetzte sondern diese sanft mit der gewünschte Ausrichtung andrücke und das kann auch mal bedeuten, dass ich das Drehen unterbreche und erst die vorderen Enden in Position bringen, bevor ich weiterkurbele.

kardieren13Die Fasern, die auf der kleinen Walze zurückbleiben, ziehe ich mit dem Picker wieder ab und füttere sie auch dünn wieder ein.

Ach, was ich auch noch mache, ist, dass ich nun die Fasern aus Kammzügen (wenn es denn Kammzüge sind, die ich vermische)  in Stapel vorlockere.

kardieren21Seit dem, dauert das Kardieren doppelt so lange…Aber, die Vliese sind frei von Schlaufen, Verdickungen und kleinen Knötchen. Auf der Walze liegen die Fasern sauber neben einander (Bild unten links), was man besonders an der Rille sehen kann. Auch die Rückseite vom Vlies ist sauber (unten rechts), wo sich vorher gerne die Schlaufen beim Abziehen gezeigt haben.

kardien 20Foto 4Puh, das war eine schwere Geburt, mit dem Kardieren, aber ich bin jetzt eindeutig zufriedener mit den fertigen Vliesen. Und die Vorarbeit beim Spinnen hat sich auch reduziert und der Auszug funktioniert wieder reibungslos. 🙂

Deb Menz: Color in Spinning

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass ich in den letzten Tagen gelesen habe:

518N50B1SZL._SL500_AA300_Color in Spinning von Deb Menz

In diesem Buch wird geht es ausschließlich um den Einsatz der Farbe in Garnen. Deb Menz beginnt dabei bei der Farbtheorie. Im ersten Moment habe ich einen ermüdenden Theorieteil über etwas erwartet, was eigentlich offensichtlich ist und sich dem Gefühl von alleine erschließt… dachte ich. Aber nein. 0068.deb.jpg-550x0Natürlich ging es um die üblichen Punkte: Das Farbrad, Primärfarben, Gegensätze, wie Komplementärfarben oder Farbwärme, Sättigung, Farbwert usw. Jeder, der mal Spaß im Kunstunterricht hatte, kennt das. Aber sie fasst diese so detailliert und strukturiert zusammen, dass es gewinnbringend ist, sich das alles noch mal in aller Ruhe zu vergegenwärtigen. Besonders interessant für das Spinnen ist auch der optische Effekt, dass das Gehirn Farbpunkte ab eine bestimmten Entfernung wieder mischt. Klar, aber wichtig, für das Endergebnis Strickstück, denn schon das Mischen von Fasern entscheidet über die optische Nah- und Fernwirkung. Foto 3-5Im Prinzip sind das alles die alten Punkte, die es zu bedenken gibt, doch Den Menz schafft mit ihrer analytischen und strukturierten Arbeitsweise alles ziemlich gut zu objektivieren. Perfekt zur Erinnerung oder einfach zum Nachvollziehen, möchte man sich selbst die ganzen Test und Experimente bis man zu diesen wirklich sehr nützlichen Erfahrungen kommt, ersparen. Besonders deutlich wird es beim Färben von einfarbigen Vliesen. Sie behandelt das Immersionsfärben von Protein- und Zellulosefasern und gibt detaillierte Mischrezepte für zwei Farbserien an, aber auch allgemeine Anleitungen für das Färben, die auf alle Farbserien anzuwenden sind.

Foto 2-9Vom einfarbigen Färben kommt sie zum Mischen von Farben. Multicolored Yarns ist das zentralste Thema und sie behandelt alle angrenzenden Techniken: Mischen mit dem Drumcarder, mischen mit unterschiedlichen Kämmen, Mischen von Farben beim Färben von Kammzügen und das Mischen durch das Zwirnen und letztlich dem Stricken oder Weben. Dazu gibt es immer ausführliche Anleitung für dein Einsatz der Geräte, die somit nicht auf das Thema Farbe beschränkt sind.

Foto 1-9Besonders schön finde ich die äußerst reichliche Farbbebilderung. Es ist wunderbar möglich, das Vorher-Nachher mit zu erleben. Was passiert wenn ich diese oder jene Farbe auf die eine oder andere Weise miteinander Mische und dann ein Garn daraus
produziere. Für mich persönlich ist das die beste Art zu lernen: Das Vorher und Nachher neben einander zu sehen.

Foto 5-5Am Ende sind einige ihrer Arbeiten zu sehen, die alle von ihrem ganz persönlichen Charme leben. Deb Menz Garne haben alle einen bestimmten Umgang mit Farben, der sich auch durch das ganze Buch durchzieht. Sicherlich ist es nicht Sinn der Sache, ihre Garne zu reproduzieren und zu einem vergleichbaren Stil zu kommen, dennoch sind ihre Garne eine große Inspiration und es ist schön zu sehen, wie es auch in der Spinnerei möglich ist, eine Wiedererkennungswert in seine Garne zu spinnen, die dann einen ganz individuellen Ausdruck in sich tragen.

Das Buch ist definitiv eines der besten, inhaltsreichen und fundiertesten Spinnbücher auf dem Markt. Es nicht zu übersehen, wie viele Jahre der Arbeit und der Erfahrung in diesen gut 200 Seiten stecken.

Hier noch einige weitere Seiten des Buches:

Detailliert beschreibt sie die Harmonie mehrere Farben miteinander, das Abmischen in Vliesen zu gewünschten Sättigungen sowie die Wirkung und Beeinflussung von Hell-Dunkel-Kontrasten nebeneinander.

Foto 1-5 Foto 2-8 Foto 4-3



Quelle: Foto Deb Menz: http://www.spinningdaily.com/resized-image.ashx/__size/550×0/__key/CommunityServer.Blogs.Components.WeblogFiles/linda/0068.deb.jpg

Polwarth corespun

Foto 1-7Gestern ist wieder ein corespun Garn fertig geworden. Ich spinne diese Garne einfach sehr gerne. Diesmal wurde es aus einem handkardierten Vlies  gesponnen, welches aus naturweißen Polwarth und Merino in unterschiedlichen Rottönen (50:50) bestand und mit etwas weißem Ramie veredelt wurde.

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Polwarth ist einfach die Wucht! Ich persönlich finde Polwarth angenehmer als Merinofasern. Es ist etwas weicher als Merino und lässt sich supersoft ausziehen. Es fühlt sich wie Wölckchen an ;-).  Auch das corespun Garn ist weicher als die Merino corespun Garne. Und hier sind ein paar Bilder …

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Spinnfutter

 

5 neue Riesenvliese liegen zum Spinnen bereit. Es wurden wieder solche, die aus 2 Schichten aufgebaut sind. Eine Schicht für den Farbverlauf und eine Schicht für dessen Auflockerung mit Farbakzenten. Fast überall sind noch reichlich Angelinafasern oder Sariseide enthalten. Schade, dass es auf den Fotos nicht richtig zu sehen ist.

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Foto 2 Kopie

Foto 1

 

 

Foto-16 Kopie 2

batts, batts, batts…

Vor einigen Wochen war es endlich so weit und ich bekam meinen eignen drumcarder:

Ein Ashford 2-speed carder

Bild

Und seitdem wird kardiert. Mein Wollvorrat schwindet und ich stelle fest, dass es gar nicht so einfach ist, wie es in den Videos immer aussieht. Die Fasern wollen nicht immer so, wie ich. Aus irgendeinem Grund bilden sich gerne mal Knötchen bei krausen Fasern bzw. Schlaufen, bei sehr feinen Fasern. Es scheint so, als würden die Faserenden, die als erstes eingezogen werden, beim Anlegen durch die montierte Bürste nach hinten gelegt werden, sodass sich eine Schlaufe bildet. Also beide Enden legen sich nach hinten. Man kann es bei dem oberen, mittleren Foto auf der Montage (s.u.) im orangenen Abschnitt gut erkennen. Das ist beim Spinnen dann verhängnisvoll, denn es kann kein sauberes Garn, statt dessen entstehen kleine Noppen. Bei worsted yarn ist das der worst case. Eine Lösung habe ich noch nicht. Ich lege die Fasern sehr dünn und dosiert ein und kardiere langsam und baue Schichten auf. Diese Haurucknummer mit dem „Sandwich“ bei dem ALLE Fasern gleichzeitig eingelegt werden und der carder zieht das Maximum ein, das geht und erbricht sich dabei fast, lehne ich ab. Ich strebe ein wirklich sauber kardiertes batt an, bei dem die Fasern gut gelegt sind. Auch wenn ich dann artyarns machen möchte, profitiere ich von einem kontrollierten Auszug und einem gleichmäßigen Gleiten der Fasern.

Trotz der Anfangshürden macht es dennoch irre Spaß und die ersten Ergebnisse lassen sich sehen. Wer aber eine Idee hat, wo mein Problem liegt, dann schreibt mir!!! Ich freue mich über Unterstützung!!!

Übrigens gibt es nun eine FB-Seite!!! DOWNTOWNspinning mit vielen Links und allen neu entstandenen Garnen!

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