Herbst-Update #2 und das Herbst-Special

Heute sind sie alle fertig geworden – die Herbst-Specials.

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Das ist das FASER-PÄCKCHEN für SpinnerInnen, die sich ihre Vliese oder Rolags selbst gestalten möchten und sich gleichzeitig über eine Überraschung freuen möchten.

Die WUNDER-PÄCKCHEN funktionieren ähnlich wie die FASER-TÜTEN. Ihr habt die Wahl zwischen 5 Farbthemen:

-> INDIAN SUMMER: warm & vielfarbig, wie ein Herbstlaubwald.
-> AUTUMN SKY: kühl & intensiv, wie Septemberdrachen im strahlenden Herbsthimmel.
-> GLACIAL SPELL: hell & frostig, wie der Winterfrost und Weihnachtsschnee.
-> POLAR LIGHTS: dunkel & leuchtend, wie die Polarlichter im Nordhimmel.
-> EVERGREENS: warm & grün, wie ein dichter Nadelwald.

Diese Farbthemen grenzen die Farben im Päckchen ein, aber dennoch werden die einzelnen Päckchen immer neu gepackt und die Farben sind nie die gleichen.

Die Päckchen enthalten:

  • 200g Merinofasern: 10 Farben zu je 20g
  • 25g Mixfasern, die variieren können. Das können handgefärbte Tussahseide, Maulbeerseide, Nylon, Bambus, Banane, Angelina, Rosenfasern uva. sein.

Natürlich könnt ihr, wie bei den FASERTÜTEN auch, bestimmte Fasern oder Farben ausschließen. Doch das grundlegende Farbthema ist durch die Wahl den Päckchen schon vorbestimmt. Ein wenig Überraschung soll ja bleiben.

Die Fasern eigenen sich für Vliese und Rolags und ergeben kardiert ein Kamm- oder Halbkammgarn. Sie können auch auf einem Hacklerow oder Kämmen zu Kammzügen gemischt werden.

Und das sind die ersten Mischungen:

 

Eigentlich wollte ich euch heute noch die Kammzug-Sets zeigen, doch leider hängen die frisch gefärbten Kammzüge noch zur Trocknung in der Werkstatt. Tja, im Herbst geht das Wolle Färben einfach nicht mehr so schnell. Dann kommen die Herbstkammzüge eben in den nächsten Post 🙂

Bis dahin wünsch ich euch frohes Spinnen und liebe Grüße aus der Werkstatt!

Das perfekte Vlies… ist das die Lösung?

Vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie mein Schlaufenproblem entsteht und es zu lösen ist.

kardieren5Das hier sind die ominösen Schlaufen:

Sie hatten sich immer wieder mal in meine Vliese eingeschlichen und dann gab es wieder Vliese, die frei davon waren. Warum? Diese Frage trieb mich wirklich um. Ich möchte diese Schlaufen nicht im Vlies haben, denn sie können, bei einigen Spinntechniken wie corespinning stören. Soll eine super glatte Oberfläche bei Kerngarnen entstehen, können diese Schlaufen oben aufsitzen und eben diese Oberfläche stören. Auch bei feinen einfädrigen Garnen stehen sie im Weg. Und überhaupt möchte ich, wenn ich ein Vlies kaufe, alle Fasern fein in Reih und Glied sitzen haben. Sicherlich lassen sich diese Schlaufen durch predraften wieder auseinander ziehen, aber ich möchte eben auch manchmal nicht predraften, denn das beeinflusst die Farbentwicklung im Garn.

Also, wie kann ich kardieren, dass die Vliese schön wohlgeordnet werden, wie ich sie haben möchte?

kardieren17Nach vielen Stunden kardieren kam ich zu diesen Punkten:

1. Die richtige Position der Packer-brush einstellen.

2. Die Fasern hauchdünn über den Einzug einfüttern.

3. Keine dicken Stellen beim Painten auf die große Walze kardieren.

4. Die Vliese nicht zu dick werden lassen, sondern lieber mehrere dünnere Vliese kardieren.

5. Superfeine Fasern im Sandwich einfüttern oder Painten.

6. Vorsicht bei der Karde.

7. Fasern vorlockern hilft.

Jetzt kommen viele Bilder, wie ich mein Vlies nicht haben möchte… 😉

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Die Bürste soll die Fasern an die große Walze anlegen, damit das Fassungsvolumen erhöht wird. Sie sitzt direkt über der Zone, wo die eingefütterten Fasern entweder auf der kleinen oder der großen Walze landen und sich im letzten Fall gerade erst an die Walze angelegt haben. kardieren 16Haben sich die Spitzen noch nicht ganz angelegt kann es passieren, dass die Bürste diese Enden beim Drehen wieder nach hinten klappt und voilá, da sind die ersten Schlaufen. Ich hatte manchmal die Bürste so eingestellt, dass sie viel zu tief in den Nadeln saß. So wurden schnell auch diese Faserenden zurück geklappt, die eigentlich ganz gut auf der Walze zu liegen kamen. kardieren3Deshalb achte ich nun darauf, dass die Bürste die Nadeln nur berührt und noch genügend Platz bleibt, dass die Fasern gemütlich beim Drehen unter ihr durch wandern kann. Oder ich lasse die Bürste einfach weg. Ich habe bemerkt, dass ich sie gar nicht so dringend benötige. Sollte das Vlies zu sehr Volumen einnehmen, greife ich zur Karde vom Blending Board und lege die Fasern sanft an.

Auf dem ersten Bild sitzt die Bürste erst zu tief in den Nadeln. Auf dem zweiten Bild, sitzt sie nur AN den Nadeln und im dritten Bild, ließ ich sie einfach weg.

kardierenDas bekannte Credo: Lege die Fasern so dünn vor den Einzug auf, dass du noch die Zeitung darunter lesen könntest, hat wirklich seine Berechtigung. Füttere ich zu viele Fasern auf einmal ein, landet das Zuviel wieder auf der kleinen Walze. Die Fasern werden also zwischen beide Walzen geteilt und dabei können ebenfalls die Fasernenden jener Fasern, die auf der großen Walze landen abgehoben werden und zurückgeklappt werden. Oder sie können von der Bürste zurück gebürstet werden. Es sind die unentschlossene Fasern, die dann die Schlaufen bilden. Ich lasse mir also nun sehr viel Zeit und kardiere hauchdünne Fasern ein.

kardieren12Die Fasern können auch direkt auf die Walze gesetzt werden. Dabei sollten keine dicken „Würste“ aufkardiert werden. Diese wandern dann durch die Zone zwischen beiden Walzen und an den dicken Stellen wird von der kleinen Walze wieder das Zuviel abgelöst und wir erhalten unentschlossenen Faserenden. Außerdem achte ich darauf, dass beim Painten, die aller ersten Faserenden gut zwischen den Nadeln anliegen.

kardieren9Das ganze Vlies wächst mit der Zeit und die Nadellängen geben das Fassungsvolumen vor. Wird der freie Nadelbereich immer kleiner, können auch hier, die Faserenden eher hervorstehen und in der Engstelle der Walzen oder von der Bürste in die falsche Richtung angelegt werden. Also schöpfe ich das maximale Fassungsvolumen jetzt nicht mehr aus, sondern kardiere lieber zwei Vliese.

Auf dem Bild rechts sind die Schlaufen zu sehen, die sich gerne an der Nadelunterbrechung bilden. Das passiert besonders gerne, wenn das Vlies schon recht dick geworden ist. Das sind einfach die Faserenden, die durch die Lücke nicht erfasst werden und dann an der nächsten Engstelle zurück geklappt werden.

kardieren11Superfeine oder glatte Fasern tuen sich manchmal schwer mit dem Anlegen. Ihre Enden bilden besonders gerne Schlaufen. So wie auf dem Bild links, möchte ich sie ungern im Vlies liegen haben. Deshalb lege ich sie nun wie bei einem Sandwich zwischen weniger fliegende Fasern und lasse sich gebändigt einziehen. Oder ich lege das Sandwich direkt auf die große Walze auf und painte sie ins Vlies (rechts).

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Ein weiterer Stolperstein war  die Karde vom Blendig board, die ich zum Anlegen benutze. Ich setzte sie nun nicht mehr einfach an die Walze an, sondern achte darauf, dass ich nicht VOR hervorstehene Fasern ansetzte sondern diese sanft mit der gewünschte Ausrichtung andrücke und das kann auch mal bedeuten, dass ich das Drehen unterbreche und erst die vorderen Enden in Position bringen, bevor ich weiterkurbele.

kardieren13Die Fasern, die auf der kleinen Walze zurückbleiben, ziehe ich mit dem Picker wieder ab und füttere sie auch dünn wieder ein.

Ach, was ich auch noch mache, ist, dass ich nun die Fasern aus Kammzügen (wenn es denn Kammzüge sind, die ich vermische)  in Stapel vorlockere.

kardieren21Seit dem, dauert das Kardieren doppelt so lange…Aber, die Vliese sind frei von Schlaufen, Verdickungen und kleinen Knötchen. Auf der Walze liegen die Fasern sauber neben einander (Bild unten links), was man besonders an der Rille sehen kann. Auch die Rückseite vom Vlies ist sauber (unten rechts), wo sich vorher gerne die Schlaufen beim Abziehen gezeigt haben.

kardien 20Foto 4Puh, das war eine schwere Geburt, mit dem Kardieren, aber ich bin jetzt eindeutig zufriedener mit den fertigen Vliesen. Und die Vorarbeit beim Spinnen hat sich auch reduziert und der Auszug funktioniert wieder reibungslos. 🙂

Gedankensalat und einige FAQs

Seit ich das Spinnen begann, habe ich schon viele Fragen und Gedanken gehört, wie: „Warum machst du das? Du kannst doch Wolle kaufen“ oder „Spinnen ist doch antiquiert“. Es kamen aber auch viele interessierte Fragen darüber, wie das Spinnen funktioniert oder was für Geräte sind, die bei mir herum stehen.

Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Leute, die mir begegnet sind, wenig über die Unterschiede von Garn wissen. Sogar viele strickende Freunde haben sich bis dahin weniger Gedanken über die Zusammensetzung oder Aufbau der Garne gemacht und nur nach Optik und Weichheit gekauft. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, denn es muss nicht jeder so einen Spleen haben wie ich 😉 Trotzdem war es dann immer interessant, wenn wir ins  Gespräch kamen und uns über diese Fragen unterhielten. Vor allem haben die meisten plötzlich die Leidenschaft für Fasern verstanden und wurden oft auch von den vielen bunten, unterschiedlichen und andersartigen Garnen infiziert. Einige von ihnen ordern inzwischen bewusst ein handgesponnenes Garn, dass nach ihren Vorstellungen gesponnen wurde.

Im Moment gibt es ja einen richtigen Strickhype und oft sehe ich dann die Boshi-Mützen in der Fußgängerzone. Einerseits finde ich es toll, dass viele plötzlich Spaß an Stickzeug haben. Aber andererseits finde ich es schade, dass meist reine Synthetikgarne für einen Apfel und ein Ei dafür verwendet werden.

Deshalb habe ich mal die häufigsten Fragen, die ich persönlich in meinen Gesprächen gehört hatte, auf einer Seite „FAQs“ gepackt. Natürlich kann ich sie unmöglich vollständig beantworten, weil meistens total viele Faktoren eine Rolle spielen oder ich einfach was vergesse oder gar nicht weiß. Es ist nur ein Anfang. Aber vielleicht bringt es etwas Aufklärung in den ganzen Garnsalat. Und ich freue mich, wenn ihr Kommentare, Vermessungen oder Kritik habt. Mich interessiert auch eure Meinung und was euch schon so alles zu Ohren gekommen ist!

Also zögert nicht:-)