Faserkatalog

Foto 1-3Dieses Wochenende habe ich mir Zeit genommen, all meine Fasern zu archivieren. Ziel war es meiner Vergesslichkeit entgegen zu wirken. Ich teste gerne Fasern, die ich noch nie versponnen habe. Vor allem um zu Lernen, welche Fasern mit welcher Technik am besten im Garn genutzt und getragen werden können. Aber auch um ganz grundsätzlich zu Lernen, welche Schafe welche Fasereigenschaften liefern. Natürlich sind die Fasern dann weg und ich vergesse irgendwann, wie die eine oder andere Faser nun wirklich ist 😉

Foto 2-3Dieser Faserkatalog hilft mir, mich daran zu erinnern, was ich schon versponnen habe, wie sich diese Fasern anfühlen, welche Eigenschaften sie haben und auch, wo ich sie, für wieviel gekauft habe. Eine weitere praktische Sache ist noch, dass ich Freunden, die Garne haben wollen, die Fasen zeigen kann und sie sich ihre Faser aussuchen können, noch bevor ich sie bestelle.

Foto 3-3Hier also mein erster Schwung Faserkarten. Ich habe darauf Fasersorte, Farbe (natur, gemischt oder gefärbt), Faserlänge, Verarbeitung als Kardenband, Kammzug, Rohwolle etc. und dann natürlich noch Shop/Hof und Preis notiert.

Ich hoffe, dass sich in Zukunft, solche Fragen wie: “ ich hatte doch mal BLF in naturgrau gesponnen, wie weich war die Faser noch mal?, War nicht Polworth weicher und besser für nen Schal geeignet…?“ erledigt haben.

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Leinen: spinnbare Pflanzenfaser

Neben der ganzen Spinnerei, recherchiere ich momentan viel zur Geschichte des Spinnens und dem Fasereinsatz.

Heute möchte ich meine Recherche zur Leinen zusammenfassen. Wenn ihr etwas hinzufügen oder berichtigen möchtet, dann fühlt euch frei beim Kommentieren :-).

Leinen:

Flachs_BB_02_KFlachs oder Leinen ist eine seit Jahrhunderten für die Textilherstellung genutzte Pflanzenfaser. Sie bietet neben Rohmaterial für die Garn und Tuchherstellung auch die Fasern für die Seilerei sowie die Samen als Nahrungsmittel und für die Ölherstellung.

Flachs_002Für die Spinnerei wird der Flachs aus der Bastfaser in den Pflanzenstängeln gewonnen. Der Prozess ist langwierig und kann nur einmal im Jahr erfolgen. Die Ernte erfolgt bei der Gelbreife. Dazu wird die Pflanze aus dem Boden gerissen (gerauft) und auf dem Boden ausgelegt und getrocknet. Dabei reißt die Epidermis und Mikroorganismen dringen in die Stängel ein. Diese sind für die Röste verantwortlich, welche die Faserbündel vom umgebenden Gewebe löst. Neben einer chemischen Röste gibt es zwei Arten der biologischen Röste, die Feldröste und die Wasserröste. Beide müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt abgebrochen werden, um die Faserbündel nicht zu zersetzten. Nach erneutem Trockenen werden die Stängel geriffelt (Samenkapseln entfernen), gebrochen (hier entstehen die Schäben, kleine Holzstückchen) und geschwengelt (Entfernen der Schäben, unten rechts). Die Flachsfasern oder Langfasern sind nun vom Holz (Schäben) und kurzen Fasern (Schwungwerg oder Kurzfasern) getrennt. Jetzt folgt das Hecheln (Parallelisieren der Fasern) und die Fasern werden spinnbereit.Flachsstaengel

Der Spinnprozess gestaltet sich anders als der von anderen Fasern. Flachs wird mit Wasser oder Spucke verdreht um die einzelnen Faser zu bändigen und in die gewünschte Lage im Faden zu bringen, das Nassspinnen. Hier möchte ich auf die spinnenden Märchenfiguren hinweisen, die fast immer Flachs und nicht Wolle verspinnen.

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Bei den drei Spinnerinnen gibt es eine die das Rad tritt und einen großen Fuss hat. Eine andere hat einen großen Daumen, sie verdreht den Faden. Und es gibt eine dritte mit einer großen Lippe. Sie ist diejenige, die den Faden befeuchtet. Die Spinnerinnen verspinnen also Leinen. Auch die Spinnerin bei Rumpelstilzchen verspinnt Leinen. Denn das entstehende Gold ist nicht nur eine Metapher, sondern zeigt auch, dass es sich um Flachs handelt.

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Ist der Flachs von guter Qualität (gute klimatische Bedingungen und gute Röste), so wird der Flachs am Ende von hellblonder und glänzender Farbe sein, die im Licht wie Gold wirken kann.

Manchmal wird die Spinnfaser auch auf 70° erhitzt, das löst die Pektine der Fasern und sie lassen sich besser verziehen. Nach dem Spinnen wird der Faden auf der Spule auf 80° erhitzt und getrocknet. Ein Flachsgarn ist durch seine langen Fasern sehr glatt und reißfest.  Es schließt wenig Luft ein und ist bakteriozid, antistatisch und schmutzabweisend. Die geringe Elastizität mach den Stoff knitteranfällig. Leinen tauscht schnell Feuchtigkeit aus und daher wirkt feucht kühlend und warm wärmend. Es wurde für die Herstellung von Sommerkleidung eingesetzt. Flachs wurde in der Geschichte zu einem sehr feinen Garn versponnen, das danach für die Tuchweberei eingesetzt wurde. Das Garn für die Weberei musste von hoher Qualität sein, da sonst Unregelmäßigkeiten für eine schnellere Abnutzung durch Reibung sorgen. Seit dem 19. Jh. wurde der Flachs durch die Baumwolle vom Textilmarkt verdrängt. Heute ist er, wie der Hanf, eher ein Nischenprodukt für Allergiker und Ökoliebhaber.

Ein Diagramm (bitte Anklicken) der Hanfverabeitung, die der Leinenverarbeitung sehr ähnlich ist, zeigt den Ablauf der Arbeitsschritte.800px-09-12-14_Hanfverarbeitung_Hecheln

Gerauftes Leinen und Röste:flachs_gerauft_01

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Das Brechen: image_thumb.12018

 

Das Hecheln:DSC08420_(320_x_240)hist_Hechel_Buch_gr

Bildquellen:

Blühender Leinen

Verarbeitungsstufen

Flachszöpfe

Schäben

Die 3 Spinnerinnen

Arbeitsschritte

Geraufter Leinen und Röste

Riffeln

Brechen

Hecheln und Grafik