Faserkalender – Türchen 9: Biobiobio

oko-entrollt-englischer-gartenDie regelmäßigen Blogleser unter euch werden Teile dieses Beitrags schon kennen. Da mir aber unsere regionale Wolle, genau wie Demeter-Bio sehr am Herzen liegen, möchte ich euch diese Wolle noch einmal vorstellen: fränkisches Milchschaft mit Demeter-Zertifizierung. Schafe, die ich, wie die Coburger Füchse, selbst gestreichelt und nach der Schur gesehen habe.

Die Demeterfasern sind nach Demeterstandard biozertifizierte Fasern von fränkischen Milchschafen, die in meiner Umgebung leben. Ich bin begeistert von diesen Fasern, denn zum einen werden sie nur innerhalb einem SOS-Dorf-Verbund von Demeter-Biohöfen verarbeitet und nicht nach extern verschickt. Genau genommen leben die Schafe nur auf einem Hof in diesem Verbund und ein Schwesternhof hat eine angeschlossene Kardiererei, so dass die Fasern nur von dem einen Hof zum anderen Hof geschickt werden, dort gewaschen und kardiert und wieder zurück geschickt werden. Und das in einer kleinen Menge von wenigen Kilo im Jahr. Es ist so nach nachhaltig wie es nur geht.

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Übrigens: Demeter-Biostandart liegen weit über den EU-Biorichtlinien. Sie übertreffen also die gesetzlichen Vorgaben und „arbeiten biologisch-dynamisch, d. h. sie arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis“ (1). Demeterhöfe produzieren innerhalb des Demeterverbundes und bilden somit einen geschlossenen Kreislauf, der z.B. auch die Futtermittel für die Tiere einschließen.

Mehr zu den Demeter-Richtlinien findet ihr hier.

 

Der andere Punkt, der mich so an diesen Fasern begeistert ist, dass ich die Tiere direkt nach der Schur gesehen habe. Da ich selbst schon Schafe geschoren habe und bei einem Lehrgang gesehen habe, wie viele der Scherer die Tiere nach dem Scheren hinterlassen, war ich von dieser Schur unheimlich positiv überrascht. Die Tiere hatten keine Verletzungen an der Haut. Beim schnellen oder beim unerfahrenen Scheren, passiert es gerne, dass die Haut der Tiere angeschnitten wird, eine Hautfalte rutscht einfach an die Messer der Schermaschine. Das ist auch mir passiert. Dem Schaf tut das nicht sehr weh, aber es zuckt schon. Ich nehme an, es ist damit vergleichbar, wenn wir uns mit dem Küchenmesser in den Finger schneiden. Passiert das, sollten die Wunden nach dem Scheren desinfiziert und ggf. klammert werden. In der Praxis hatte ich das leider nicht so gewissenhaft erlebt. Umso mehr freute es mich, dass diese Schafe keine Schnitte aufwiesen. Zudem wurden bei diesen Tieren etwa 1-2mm Welle auf der Haut übrig gelassen, was ich ebenfalls sehr befürworte. Das Schaf hat noch etwas Schutz und man schneidet beim Scheren nicht direkt auf der Haut. Übrigens hatte ich genau das gleiche Bild auch auf einen ganz anderen Demeter-Biohof mit Schafen gesehen. Das war für mich ein tolles Beispiel für schonendes Scheren!

 

IMG_3781Die Wolle ist in ihrer Handhabung nicht einfach. Zunächst bekomme ich sie zu einem Kordelband kardiert. Auch wer sie roh bekommt sollte sie fein kardieren. Sie sollte nicht mit dem kurzen Auszug versponnen werden, denn dann kratzt sie. Diese Wolle muss mit dem langen Auszug zu einem luftigen Streichgarn verarbeitet werden. Dann ist sie eine warme und einigermaßen weiche Wolle, wenn auch nichts für eine merinoverwöhnte Haut ;-). Wie das aussehen kann hatte ich ausführlich ein einem anderen Beitrag gezeigt. Doch hier noch einmal ein paar kurze Einblicke.

 

Demeter14Ich bekommen die Wolle in weiß und naturbraun. Die weiße Wolle lässt sich hervorragend färben. Danach werden diese Fasern kardiert. Entweder zu Vliesen oder zu Handrollen. Ich hatte sie ganz zu Anfang auch mit dem Kardierbrett zu Rolags gedreht. Das mache ich heute nicht mehr. Die Rolags enthalten weniger Luft und Fluff, als die Handrollen, die ich mit Handkarden kardieren kann. Dadurch sind dir Rolags komprimierter als die Handrollen. Sicherlich können die auch zu Streichgarn versponnen werden, ich persönlich ziehe aber für den langen Auszug die Handrollen vor. Hier rutschen die Faser gleichmäßig aus der Rolle und das Streichgarn wird wesentlich gleichmäßiger und spinnt sich auch schneller.


In diesen speziellen Fall machte ich sogar beides: erst Vliese und dann Handrollen aus den Vliesen. Der Grund war jedoch einfach nur um eine gleichmäßige Tweedmischung für mehrere 100g zu erzielen.

Ich mag diese Faser sehr gerne, da die Wollen wunderbar in unsere Wetterzone passen. Zu Mützen, Handschuhe oder Pullis verarbeitet können diese Sachen wirklich belastet werden ohne, dass sie sehr pillen, sie schützen gegen Regen ohne dass sie schnell feucht werden und sie sind leicht. Das Tragegefühl ist einfach anders als bei dem glatten Wollen. Aber man muss sich erst etwas an sie gewöhnen, sollen sie direkt auf der Haut getragen werden, wie eine Mütze.

 

Quellen:

(1)  http://www.demeter.de am 8.5.2016

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Herbst-Update #2 und das Herbst-Special

Heute sind sie alle fertig geworden – die Herbst-Specials.

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Das ist das FASER-PÄCKCHEN für SpinnerInnen, die sich ihre Vliese oder Rolags selbst gestalten möchten und sich gleichzeitig über eine Überraschung freuen möchten.

Die WUNDER-PÄCKCHEN funktionieren ähnlich wie die FASER-TÜTEN. Ihr habt die Wahl zwischen 5 Farbthemen:

-> INDIAN SUMMER: warm & vielfarbig, wie ein Herbstlaubwald.
-> AUTUMN SKY: kühl & intensiv, wie Septemberdrachen im strahlenden Herbsthimmel.
-> GLACIAL SPELL: hell & frostig, wie der Winterfrost und Weihnachtsschnee.
-> POLAR LIGHTS: dunkel & leuchtend, wie die Polarlichter im Nordhimmel.
-> EVERGREENS: warm & grün, wie ein dichter Nadelwald.

Diese Farbthemen grenzen die Farben im Päckchen ein, aber dennoch werden die einzelnen Päckchen immer neu gepackt und die Farben sind nie die gleichen.

Die Päckchen enthalten:

  • 200g Merinofasern: 10 Farben zu je 20g
  • 25g Mixfasern, die variieren können. Das können handgefärbte Tussahseide, Maulbeerseide, Nylon, Bambus, Banane, Angelina, Rosenfasern uva. sein.

Natürlich könnt ihr, wie bei den FASERTÜTEN auch, bestimmte Fasern oder Farben ausschließen. Doch das grundlegende Farbthema ist durch die Wahl den Päckchen schon vorbestimmt. Ein wenig Überraschung soll ja bleiben.

Die Fasern eigenen sich für Vliese und Rolags und ergeben kardiert ein Kamm- oder Halbkammgarn. Sie können auch auf einem Hacklerow oder Kämmen zu Kammzügen gemischt werden.

Und das sind die ersten Mischungen:

 

Eigentlich wollte ich euch heute noch die Kammzug-Sets zeigen, doch leider hängen die frisch gefärbten Kammzüge noch zur Trocknung in der Werkstatt. Tja, im Herbst geht das Wolle Färben einfach nicht mehr so schnell. Dann kommen die Herbstkammzüge eben in den nächsten Post 🙂

Bis dahin wünsch ich euch frohes Spinnen und liebe Grüße aus der Werkstatt!

Demeter in Handrollen

Dieses Mal möchte ich euch in meinen Shopbetrieb mitnehmen, denn ich bekam eine ganz besondere Bestellung. Eine Wunschmischung aus Demeterfasern zum Verspinnen mit dem langen Auszug.

Wer ist Demeter?

IMG_3781Die Demeterfasern sind nach Demeterstandtard Bio-zertifizierte Fasern von fränkischen Milchschafen, die in meiner Umgebung leben. Ich bin begeistert von diesen Fasern, denn zum einen werden sie nur innerhalb einem SOS-Dorf-Verbund von Demeter-Biohöfen verarbeitet und nicht nach extern verschickt. Genau genommen leben die Schafe nur auf einem Hof in diesem Verbund und ein Schwesternhof hat eine angeschlossene Kardiererei, so dass die Fasern nur von dem einen Hof zum anderen Hof geschickt werden, dort gewaschen und kardiert und wieder zurück geschickt werden. Und das in einer kleinen Menge von wenigen Kilo im Jahr. Es ist so nach nachhaltig wie es nur geht.

Übrigens: Demeter-Biostandart liegen weit über den EU-Biorichtlinien. Sie übertreffen also die gesetzlichen Vorgaben und „arbeiten biologisch-dynamisch, d. h. sie arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis“ (Vgl. http://www.demeter.de am 8.5.2016). Demeterhöfe produzieren innerhalb des Demeterverbundes und bilden somit einen geschlossenen Kreislauf, der z.B. auch die Futtermittel für die Tiere einschließen.

Mehr zu den Demeter-Richtlinien findet ihr hier.

Der andere Punkt, der mich so an diesen Fasern begeistert ist, dass ich die Tiere direkt nach der Schur gesehen habe. Da ich selbst schon Schafe geschoren habe und bei einem Lehrgang gesehen habe, wie viele der Scherer die Tiere nach dem Scheren hinterlassen. Ich war von dieser Schur unheimlich positiv überrascht. Die Tiere hatten keine Verletzungen an der Haut. Beim schnellen oder beim unerfahrenen Scheren, passiert es gerne, dass die Haut der Tiere angeschnitten wird, eine Hautfalte rutscht einfach an die Messer der Schermaschine. Das ist auch mir passiert. Dem Schaf tut das nicht sehr weh, aber es zuckt schon. Ich nehme an, es ist damit vergleichbar, wenn wir uns mit dem Küchenmesser in den Finger schneiden. Passiert das, sollten die Wunden nach dem Scheren desinfiziert und ggf. klammert werden. In der Praxis hatte ich das leider nicht so gewissenhaft erlebt. Umso mehr freute es mich, dass diese Schafe keine Schnitte aufwiesen. Zudem wurden bei diesen Tieren etwa 1-2mm Wolle auf der Haut übrig gelassen, was ich ebenfalls sehr befürworte. Das Schaf hat noch etwas Schutz und man schneidet beim Scheren nicht direkt auf der Haut. Übrigens hatte ich genau das gleiche Bild auch auf einen ganz anderen Demeter-Biohof mit Schafen gesehen. Das war für mich ein tolles Beispiel für schonendes Scheren!

Die Fasermischung herstellen

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Diese Fasern habe ich in der Werkstatt mit Säurefarben einfarbig eingefärbt. Diese sollen nun farblich gemischt werden. Das Ziel ist eine feine Melierung, die einen Mischton ergibt, der aber immer noch etwas farbliches Leben hat, wenn die Mischung dann versponnen wird. Und so ging es:

  1. Demeter2Die Farben habe ich nach Augenmaß einzeln in 8 Portionen aufgeteilt. Es sollen 400g am Ende werden, die können nicht in einem Schwung gemischt werden 😉 Es wandern also 50 g auf den Drumkarder, der damit maximal ausgelastet wird.
  2. Ich schichte alle Fasern einer Portion genau übereinander. So stelle ich sicher, dass die Farben gleichmäßig im Vlies verteilt sind.
  3. Demeter3Ich erhalte so 8x50g Vliese mit dem gleichen Farbverhältnis. Die Vliese sehen vielleicht anders aus, das kommt aber nur daher, dass ich die Farben in unterschiedlicher Reihenfolge gelagert habe. Für das Ergebnis in den Rollen ist es unerheblich.
  4. Ich unterteile nun die Vliese wieder in kleine Portionen, etwa 12 in diesem Fall. Das sind die Portionen die dann auf die Handkarden kommen. Ich unterteile die Vliese zunächst in Bändern und teile diese dann wieder in Stücke. So bleibt das Farbsandwich und damit die Farbmischung vom Vlies in den Stücken erhalten.

  5. Nun wandert ein Stück nach dem anderen auf die Handkarde und das kann dauern. Das Kardieren mit dem Handkarden dient in diesem Fall nicht dem Aufbereiten der Fasern aus der Flocke zu spinnbaren Handrollen. Wäre dem so, sollten weniger Fasern auf einmal kardiert werden. Da diese Fasern schon vorbereitet wären geht es nur um die Mischung der Farben. Die Farben sollen fein meliert sein. Das könnte man sicher auch mit dem Drumkarder machen, doch es sind Handrollen gewünscht.
  6.  Nun ziehe ich die Fasern von solch einem Vliesstück auf die Handkarde ab, so findet die erste Vermischung der Farben statt.
  7. Nun kardiere ich die Fasern  etwa 2 mal von einer Karde auf die andere. Öfters mache ich es nicht, denn dann wäre die Mischung so fein gemischt, dass die Einzelfalben nicht mehr zu sehen wären. Das soll auch nicht geschehen.

    Ich kardiere alles von der ersten beladenen Karde (Bild 1) auf die zweite Karde (Bild 2), dann übertrage ich die restlichen Faser auf die zweite Karde (Bild 3) und wechsele die Karden in der Hand. Ich kardiere das zweite Mal die Fasern auf die leere Karde (Bild 4) und übertrage wieder die restlichen Fasern auf die zweite Karde und diese klemme ich dann zwischen die Beine um die Handrollen zu drehen. (Bild 5).

  8. Fertig vermischt nehme ich mir nun  die Rundstäbe vom Kardiertbrett zur Hilfe. Handrollen kann man eigentlich ausschließlich mit den Händen rollen, ich mag die Stäbe einfach nur und ich tue mir damit leicht. Aber: ich rolle keine Rolags. Ich ziehe die Fasern also nicht so fest auf die Stäbe, die bei Rolags. Ich nutze die Stäbe einfach nur für die runde Form der Rollen. Ich habe so gut wie keinen Zug beim Rollen auf den Fasern. Ich klemme nur die Faserspitzen ein, hebe die Mischung von der Karde und rolle sie mit der Hand um die Stäbe herum.

  9. Demeter14So erhalte ich ganz lockere und gar nicht kompakte (wie bei dem Rolags) Rollen. Rolags mit glatten Fasern sind zwar auch nicht fest, aber die Fasern liegen viel dichter aneinander, so dass diese schmalen, langen und glatten Röllchen entstehen. Das sollte man, meiner Meinung mit krausen Fasern nicht machen. Die Fasern würden sich auf Grund ihrer Krausheit mit einander verhakten, so dass der Auszug aus Rolags ziemlich ungemütlich würde. Die glatten Fasern hingegen rutschen viel leichter aus dem Rolags, sodass es kein Problem darstellt. Also: die krausen Fasern einfach mit viel Gefühl und wenig Zug um die Stäbe legen und sanft anhaften lassen. So lassen sie sich einfach und fluffig wieder aus den Handrollen ziehen.

Et voilà

Viele Stunden später: Das ist der Berg von mehr als 400g Handrollen.

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IMG_3779Inzwischen sind diese schon bei ihrer neuen Spinnerin angekommen und werden fleißig versponnen. Ein paar Rollen sind bei mir übrig geblieben, da ich immer ein Tick mehr verarbeite – Safty first – und so habe ich auch eine Rolle versponnen und zu einem Stickmuster verstrickt (die Farben sind in echt grüner). Sie liesen sich super einfach ausziehen und sind gut für den langen Auszug geeignet.

Ich bin gespannt, was die Spinnerin daraus zaubert. Zu gerne würde ich Mäuschen bei meinen lieben Spinnkunden sein. 🙂

Ich wünsche dir viel Vergnügen, liebe Ulrike! Vielleicht findest du ja meinen Blog und siehst, welchen Weg deine Fasern ab dem Schaf in der Werkstatt gingen. 🙂

Das perfekte Vlies… ist das die Lösung?

Vor einiger Zeit hatte ich mich gefragt, wie mein Schlaufenproblem entsteht und es zu lösen ist.

kardieren5Das hier sind die ominösen Schlaufen:

Sie hatten sich immer wieder mal in meine Vliese eingeschlichen und dann gab es wieder Vliese, die frei davon waren. Warum? Diese Frage trieb mich wirklich um. Ich möchte diese Schlaufen nicht im Vlies haben, denn sie können, bei einigen Spinntechniken wie corespinning stören. Soll eine super glatte Oberfläche bei Kerngarnen entstehen, können diese Schlaufen oben aufsitzen und eben diese Oberfläche stören. Auch bei feinen einfädrigen Garnen stehen sie im Weg. Und überhaupt möchte ich, wenn ich ein Vlies kaufe, alle Fasern fein in Reih und Glied sitzen haben. Sicherlich lassen sich diese Schlaufen durch predraften wieder auseinander ziehen, aber ich möchte eben auch manchmal nicht predraften, denn das beeinflusst die Farbentwicklung im Garn.

Also, wie kann ich kardieren, dass die Vliese schön wohlgeordnet werden, wie ich sie haben möchte?

kardieren17Nach vielen Stunden kardieren kam ich zu diesen Punkten:

1. Die richtige Position der Packer-brush einstellen.

2. Die Fasern hauchdünn über den Einzug einfüttern.

3. Keine dicken Stellen beim Painten auf die große Walze kardieren.

4. Die Vliese nicht zu dick werden lassen, sondern lieber mehrere dünnere Vliese kardieren.

5. Superfeine Fasern im Sandwich einfüttern oder Painten.

6. Vorsicht bei der Karde.

7. Fasern vorlockern hilft.

Jetzt kommen viele Bilder, wie ich mein Vlies nicht haben möchte… 😉

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Die Bürste soll die Fasern an die große Walze anlegen, damit das Fassungsvolumen erhöht wird. Sie sitzt direkt über der Zone, wo die eingefütterten Fasern entweder auf der kleinen oder der großen Walze landen und sich im letzten Fall gerade erst an die Walze angelegt haben. kardieren 16Haben sich die Spitzen noch nicht ganz angelegt kann es passieren, dass die Bürste diese Enden beim Drehen wieder nach hinten klappt und voilá, da sind die ersten Schlaufen. Ich hatte manchmal die Bürste so eingestellt, dass sie viel zu tief in den Nadeln saß. So wurden schnell auch diese Faserenden zurück geklappt, die eigentlich ganz gut auf der Walze zu liegen kamen. kardieren3Deshalb achte ich nun darauf, dass die Bürste die Nadeln nur berührt und noch genügend Platz bleibt, dass die Fasern gemütlich beim Drehen unter ihr durch wandern kann. Oder ich lasse die Bürste einfach weg. Ich habe bemerkt, dass ich sie gar nicht so dringend benötige. Sollte das Vlies zu sehr Volumen einnehmen, greife ich zur Karde vom Blending Board und lege die Fasern sanft an.

Auf dem ersten Bild sitzt die Bürste erst zu tief in den Nadeln. Auf dem zweiten Bild, sitzt sie nur AN den Nadeln und im dritten Bild, ließ ich sie einfach weg.

kardierenDas bekannte Credo: Lege die Fasern so dünn vor den Einzug auf, dass du noch die Zeitung darunter lesen könntest, hat wirklich seine Berechtigung. Füttere ich zu viele Fasern auf einmal ein, landet das Zuviel wieder auf der kleinen Walze. Die Fasern werden also zwischen beide Walzen geteilt und dabei können ebenfalls die Fasernenden jener Fasern, die auf der großen Walze landen abgehoben werden und zurückgeklappt werden. Oder sie können von der Bürste zurück gebürstet werden. Es sind die unentschlossene Fasern, die dann die Schlaufen bilden. Ich lasse mir also nun sehr viel Zeit und kardiere hauchdünne Fasern ein.

kardieren12Die Fasern können auch direkt auf die Walze gesetzt werden. Dabei sollten keine dicken „Würste“ aufkardiert werden. Diese wandern dann durch die Zone zwischen beiden Walzen und an den dicken Stellen wird von der kleinen Walze wieder das Zuviel abgelöst und wir erhalten unentschlossenen Faserenden. Außerdem achte ich darauf, dass beim Painten, die aller ersten Faserenden gut zwischen den Nadeln anliegen.

kardieren9Das ganze Vlies wächst mit der Zeit und die Nadellängen geben das Fassungsvolumen vor. Wird der freie Nadelbereich immer kleiner, können auch hier, die Faserenden eher hervorstehen und in der Engstelle der Walzen oder von der Bürste in die falsche Richtung angelegt werden. Also schöpfe ich das maximale Fassungsvolumen jetzt nicht mehr aus, sondern kardiere lieber zwei Vliese.

Auf dem Bild rechts sind die Schlaufen zu sehen, die sich gerne an der Nadelunterbrechung bilden. Das passiert besonders gerne, wenn das Vlies schon recht dick geworden ist. Das sind einfach die Faserenden, die durch die Lücke nicht erfasst werden und dann an der nächsten Engstelle zurück geklappt werden.

kardieren11Superfeine oder glatte Fasern tuen sich manchmal schwer mit dem Anlegen. Ihre Enden bilden besonders gerne Schlaufen. So wie auf dem Bild links, möchte ich sie ungern im Vlies liegen haben. Deshalb lege ich sie nun wie bei einem Sandwich zwischen weniger fliegende Fasern und lasse sich gebändigt einziehen. Oder ich lege das Sandwich direkt auf die große Walze auf und painte sie ins Vlies (rechts).

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Ein weiterer Stolperstein war  die Karde vom Blendig board, die ich zum Anlegen benutze. Ich setzte sie nun nicht mehr einfach an die Walze an, sondern achte darauf, dass ich nicht VOR hervorstehene Fasern ansetzte sondern diese sanft mit der gewünschte Ausrichtung andrücke und das kann auch mal bedeuten, dass ich das Drehen unterbreche und erst die vorderen Enden in Position bringen, bevor ich weiterkurbele.

kardieren13Die Fasern, die auf der kleinen Walze zurückbleiben, ziehe ich mit dem Picker wieder ab und füttere sie auch dünn wieder ein.

Ach, was ich auch noch mache, ist, dass ich nun die Fasern aus Kammzügen (wenn es denn Kammzüge sind, die ich vermische)  in Stapel vorlockere.

kardieren21Seit dem, dauert das Kardieren doppelt so lange…Aber, die Vliese sind frei von Schlaufen, Verdickungen und kleinen Knötchen. Auf der Walze liegen die Fasern sauber neben einander (Bild unten links), was man besonders an der Rille sehen kann. Auch die Rückseite vom Vlies ist sauber (unten rechts), wo sich vorher gerne die Schlaufen beim Abziehen gezeigt haben.

kardien 20Foto 4Puh, das war eine schwere Geburt, mit dem Kardieren, aber ich bin jetzt eindeutig zufriedener mit den fertigen Vliesen. Und die Vorarbeit beim Spinnen hat sich auch reduziert und der Auszug funktioniert wieder reibungslos. 🙂

Angoragarn

Und wieder ist ein Vlies von Seidenhase versponnen:-)Foto 1-3

Das hier hat sich eine liebe Freundin ausgesucht und zum Spinnen gleich bei mir gelassen.
Foto 3-1Eine Mischung aus Seidenhasen-Angora mit diversen Wollemischungen.

Daraus wurden erstmal Kardenbänder, die ich dann – diesmal mal wieder mit der Handspindel – zu einem unterdrehten einfädrigen Streichgarn versponnen habe. Und das hier wird sich bald auf die Reise machen:-)

Foto 4-2Foto-2Foto 5-1

Kammzug versus Vlies

Vor einigen Tagen habe ich meine Ladehemmung überwunden und meine Kämme ausprobiert.

Als erstes Herantasten habe ich nur Kammzüge mit bereits gekämmten Fasern gezogen. Ich war überrascht, dass es nach den ersten paar Kämmen schon ganz gut klappte.

Foto 4-1 Hier habe ich den Kamm mit Fasern schichtweise beladen. Hauptsächlich habe ich naturgraues BLF verwendet. Dazwischen habe ich Merino in Rosatönen, weises Ramie und linkes Angelina geschichtet.

Foto 3-1 Kopie

Hier war ich mit dem Beladen fertig und es sind die drei Schichten zu sehen.

Foto 5-3 Hier ziehe ich den ersten Kammzug ab. Ich versuche mich dabei von der eine Seite zur anderen Seite zu arbeiten und von unten nach oben. Durch die nur drei Schichten verändert sich das Verhältnis zwischen BLF und bunten Fasern in den unterschiedlichen Abschnitten des Kammzuges. Und eine weitere Rolle spielen natürlich die Faserlängen. Das Ramie hat sehr lange Fasern, länger als BLF und Merino. Deshalb ziehen sich die Ramiefasern schneller aus, als der anderen Fasern. Das sollte bedacht werden, wird eine gleichmäßige Verteilung angestrebt. In den ersten Zügen war es mir noch nicht wichtig. Außerdem ergibt sich wieder ein Rhythmus, wenn mehre Kammzüge, die so erstellt wurden, hintereinander versponnen werden.

Foto 2 Das ist der Rest, der auf den Kämmen zwischen den Zinken hängen bleibt. Dafür gibt es sicher einen Begriff. Kennt ihr den? Wie nennt man diese Rest aus kurzen Fasern, der auf den Kämmen übrig bleibt? Ich habe ihn mir aufgehoben, um in später in ein Vlies einzukardieren.

Foto 1 Das hier sind die ersten Kammzüge, die entstanden sind. Mir gefällt diese Faseraufbereitung sehr gut. Die Fasern sind alle glatt parallelisiert, vor ausgezogen und gelockert. Perfekt um versponnen zu werden. Alles was ich bisher zum Kämmen und Kammzügen gehört habe hat sich voll bestätigt.

Foto 1 Kopie 2 Hier habe ich einen Kamm wie oben bestückt einmal abgekämmt. Ich wollte wissen, wie sich die Fasern dabei vermischen. Und hier ist zu sehen, dass sie sich ziemlich schnell (hier nach einmal) recht homogen vermischen. Würde ich diese Mischung verspinnen, würde das Garn farblich recht gleichmäßig werden. Ich persönlich finde, dass, möchte man eine gleichmäßige Fasermischung, das Mischen von Fasern so schneller geht, als beim Kardieren.

Foto 3 Die gleiche Fasermischung habe ich zusammen mit dem Rest von Kämmen (der wirklich sehr gering ist) zu einem Vlies kardiert. Das Mischverhältnis ist genau das gleiche wie beim Kämmen. Und auch der Grad der Vermischung ist ähnlich.

Ziel war es, die Garne, beider Vorbereitungsarten zu vergleichen. Ich habe aus beiden Fasern, den Kammzügen und dem Vlies, ein unverzwirntes unterdrehtes Garn gesponnen.

Foto 3 Kopie 2Das ist das Kammgarn: es hat eine gleichmäßige glatte Oberfläche. Die farbigen Fasern setzten sich noch gut von den grauen Fasern ab. Sie sind einerseits eingemischt, aber andererseits ist die Mischung nicht homogen und es gibt immer wieder Stellen, an denen die farbigen Fasern überwiegen.Foto 1-1

Foto 1 KopieHier kommt nun das Garn aus dem Vlies. Der Unterschied ist gering, aber spürbar (weniger hier auf den Bildern sichtbar). Ich weiß nicht wie, so ein Garn eingeordnet werden würde. Mit den englischen Kategorien würde ich semi-worsted sagen.

Foto 4 Kopie 2

Nach Anne Field unterscheiden sich die Kategorien so:

  • worsted: Fasern werden parallel ausgerichtet (gekämmt oder mit der Fickkarde) + kurzer Auszug
  • semi-worsted: Fasern werden nicht parallel ausgerichtet (kardiert) + kurzer Auszug
  • woolen: Fasern werden nicht parallel ausgerichtet  + langer oder mittlerer Auszug
  • semi-woolen: Fasern werden parallel ausgerichtet + langer oder mittlerer Auszug

In diesem Fall trifft semi-worsted zu: kardiert aber mit dem kurzen Auszug versponnen.

Die Unterschiede waren besonders beim Spinnen spürbar. Das Vorgarn war wesentlich instabiler. Dadurch das die Fasern nicht in voller Länge parallel lagen, musste ich die drafting zone wesentlich kürzer halten, sonst wäre der Strang gebrochen. Es war auch deutlich sichtbar, das die Fasern nicht parallel lagen und dadurch fühlten sie sich flauschiger an. Und auch das Garn wurde weniger „hart“/glatt, sondern weicher, mit etwas weniger Fasermasse auf die Länge und auch ein Tick weniger stabil. Klar, die Fasern liegen einfach nicht glatt neben einander. Im fertigen Garn sieht man diesen Unterschied an der Oberfläche, es stehen mehr Faserenden heraus (im großen Bild zu sehen, denke ich). Es wirkt ein wenig, wie wenn man es gebürstet hätte. Ein anderer Unterschied ist die Farbverteilung. Es ist kaum sichtbar, aber dennoch vorhanden, die farbigen Fasern setzten sich nicht ganz so direkt ab, sondern sind häufiger stärker in die grauen Fasern eingemischt. Das liegt an dem nicht parallelisierten „Flaum“ des BLF und war während dem Spinnen gut zu beobachten. Trotzdem gibt es noch genauso Abschnitte, in denen die farbigen Fasern überwiegen.

Trotz der Unterschiede, die wirklich minimal sind und in erster Linie spürbar und weniger sichtbar sind, sind es fast identische Garne, die gut zusammen passen. Mich würde es interessieren, ob diese Unterschiede sichtbar werden, wenn man sie verstrickt. Die farblichen Abweichungen sind ja oft erst im Strickstück, also im Überblick der ganzen Lauflänge zu sehen. Ich denke die unterschiedliche Oberfläche wird auch verstricht etwas spürbar sein

Zum Abschluss noch ein Bild mit beiden Garnen nebeneinander. Links liegt das glatter Garn (es hat etwas mehr Lauflänge) und rechts liegt das Garn aus dem Vlies.

Foto 5-1

Wieder Zeit für ein Effektgarn

Foto 1-2
Heute war mal wieder das Effektspinnen dran. Irgendwie brauche ich immer die Abwechslung. Im Moment mach ich mir viele Gedanken um traditionelle Garne und dann musste das hier mal zwischen drin sein: corespinnung + autowrapping + spiralplying.

Foto 2-1Auf deutsch (ok, ein Versuch), da das ja grad mein aktuelles Thema ist 😉 : kerngesponnen mit Beilaufgarn (das hier trifft es nicht) und spiralförmig verzwirnt. Hm, naja, das muss ich noch üben.

photo 2Das Vlies war eine bunte Mischung aus Merino und gefärbte Eiderwolle zusammen mit gebleichten Leinen als Texturgeber. Auf den Fotos sind leider wenige der Leinen Abschnitte zu sehen. Aber als Texturgeber funktioniert es hervorragend. Es produziert ein sehr eigenes Oberflächengefühl – einerseits sehr weich und wattig, aber mit langen, dickeren und störrigen Fasern. Es lässt sich nur schwer glatt verspinnen und wirkt deshalb chaotisch. Ich mag das ehr, es erinnert mich an Recycling 🙂  Ich werde noch ein paar Detailaufnahmen vom Leinen machen und updaten.

Nachtrag: Hier kommen noch zwei Detail-Bilder zu ein paar Garnabschnitten mit Leinen.

Foto 5 Foto 3-3

Demeter-Pulli

Könnt ihr euch noch an meine ersten Demeter-Rolags erinnern?Rolags2

Naturweiße demeter-zertifizierte Biowolle aus der Region mit bunten Merinofasern gemischt.

Versponnen habe ich sie mit dem langen Auszug, in erster Linie um ihn zu üben. Es ergaben ca. 200 g und ich wusste nicht wie viel Garn ich brauchen werde. Es sollte mein erster Pulli werden. Dazu habe ich den einfachsten Schnitt gewählt, den es wohl gibt und glatt rechts gestrickt. Das Vorder- und Rückenteil sind gleich und gerade hochgestrickt. Auch die Arme sind mit nur 4 Zunahmen nahe am Bündchen einfach hochgestrickt und abgekettet. Dann habe ich die Teile einfach zusammen genäht und fertig. Praktisch, dass diese einfachen weiten Schnitte ohne echte gestrickte Schultern und Armrundungen gerade in Mode sind. 😉

photo 2Der Ausschnitt ergibt so einen weiten U-Bootauschnitt, der beim Tragen über eine Schulter rutscht. Die Ärmel reichen bis über die Ellenbogen und der gesamte Pulli endet auf Taillenhöhe. Es soll ein Sommerpulli sein, der an warmen Sommernächten über ein Top gezogen werden kann. Mit 8er Nadeln gestrickt, ist er etwas transparent und man kann etwas das Top darunter erahnen. 

photoDer lange Auszug beim Spinnen macht das Garn luftig und weniger kratzig. Trotzdem hat er mein Kratztest nicht bestanden. Meine Freundinnen sagten als erstes, er würde kratzen. Tja… deutsche Schurwolle ist echt fordernd und gar nicht leicht super weich zu verspinnen. Ich weiß noch nicht wo das Limit liegt. Wie viel tragen die Fasern bei und wie viel trägt der Auszug bei? Ich werde weiter mit dem langen Auszug üben und schauen, wie weich ich diese Fasern verarbeiten kann und wann die Grenze erreicht ist. Ich denke diese Fasern sind es wert, es zu versuchen auszureizen, denn demeter-zertifizierte Biowolle aus der Region ist einfach das Beste, finde ich.

photo 1Ach ja, die Farbschattierungen finde ich wirklich schön. Er wirkt etwas streifig, aber auch etwas wie schattiert gefärbt. Dabei ist die Mischung einfach farbig auf dem Kardierbrett entstanden. Es ist spannend zu sehen, wie sich die gestrickten Farbmischungen unterscheiden, je nach Verwendung des Gerätes, also Kardiermaschine oder Brett. Mal sehen, wie es sich mit den neuen Kämmen entwickeln wird. 🙂

Polwarth corespun

Foto 1-7Gestern ist wieder ein corespun Garn fertig geworden. Ich spinne diese Garne einfach sehr gerne. Diesmal wurde es aus einem handkardierten Vlies  gesponnen, welches aus naturweißen Polwarth und Merino in unterschiedlichen Rottönen (50:50) bestand und mit etwas weißem Ramie veredelt wurde.

Foto 2-8

Polwarth ist einfach die Wucht! Ich persönlich finde Polwarth angenehmer als Merinofasern. Es ist etwas weicher als Merino und lässt sich supersoft ausziehen. Es fühlt sich wie Wölckchen an ;-).  Auch das corespun Garn ist weicher als die Merino corespun Garne. Und hier sind ein paar Bilder …

Foto 3-7

E-book, Fotobuch oder was nun?

Arbeitsbuch7Ich liebe es Garne anzuschauen, aber meistens bleiben die Garne nicht alle hier und irgendwie vermisse ich meine Babies dann. Ich glaube ich bin völlig verschoben, was Garn angeht. Egal, um meine Erinnerungen zu erhalten, habe ich angefangen meine Lieblingsgarne vom letzten Jahr heraus zu suchen und zu einen „Portfolio“ zusammen zu stellen. Ich wollte eigentlich ein Fotoalbum für mich zuhause machen, damit ich mich daran erinnern kann, was ich 2013 gemacht habe und wie. Und irgendwie ist dabei jetzt ein kleines e-book daraus geworden. Und ich weiß nicht was ich damit anfangen soll. Der Versuch ein Fotoalbum drucken zu lassen, hat sich als äußerst kniffelig heraus gestellt.  Es gibt eine Flut von Anbietern, aber alle bieten kein Format, das mir gefällt. Nein, einer hatte es, aber der hat keine Software für den Mac und interessiert auch nicht nach telefonischen Nachfragen für den Teil der Kunden. Tja. Nun stehe ich verwirrt zwischen vielen Onlineanbietern und finde kein passendes Angebot. Spiralbindung, Hardcover, 150g/qm, 200g/qm… und mein Album liegt hier herum.