Spinnen mit der Kreuzspindel

Heute möchte ich gerne zeigen, wie ich mit der Kreuzspindel spinne und den Knäuel auf dem Kreuz winde.

Seitdem ich die Matthesspindeln in meinem Shop habe und unter anderem auch die Kreuzspindeln anbiete, bemerke ich, dass die Kreuzis nicht nur bei erfahrenen Handspinnern beliebt sind, sondern auch bei den Anfängern. Und so hatte ich bereits in einer Insta-Story kurz gezeigt, wie ich den Knäuel winde, um einigen Kreuzis-Neulingen eine kleine Starthilfe zu geben. Jetzt möchte ich das ein bisschen ausführlicher machen.

Die Spindeln

 

Hier sind ein paar Kreuzspindelformen, die ich in letzter Zeit in meinem Shop hatte. Ihr seht hier 2 unterschiedliche Armtypen: Die konvexen Armen – in großer und in kleiner Ausführung – und, die geschwungenen Armen – in einfacher Holzgestaltung und in 2-farbiger Holzgestaltung. Auf diesen Unterschied komme ich weiter unten nochmal zu sprechen. Oben links seht ihr, wie das Kreuz grundsätzlich aufgebaut ist. Beide Arme können in einander gesteckt werden, um das Kreuz zu bilden, welches dann auf den Schaft aufgesteckt wird. Je nach dem ob es eine Fußspindel ist, wie die hier gezeigten Spindeln, oder ob es eine Kopfvariante ist, weißt der Schaft eine unterschiedlich positionierte Verdickung auf um das Kreuz zu fixieren. Hier ist die Verdickung am unteren Ende des Schaftes und der Kreuz wird von oben über den Haken aufgesteckt und durch die Verdickung unten gestoppt.

Spinnen mit der Kreuzspindel

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Ich zeige euch meine Variante des Windens, wohl wissentlich, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, den Knäuel aufzubauen und zu wickeln. Im Grunde geht es einfach darum, den Faden auf das Kreuz zu wickeln und gleichzeitig den fast meditativen Aspekt zu genießen, ein schönes Farbmandala zu erzeugen. Einfach weil es schön aussieht und sehr entschleunigend wird. Diese Art zu Spinnen dauert natürlich sehr viel länger, als mit einer normalen Kopf- oder Fußspindel, wo der Faden einfach nur konenförmig auf den Schaft gedreht wird, ohne ihn besonders zu sortieren. Also für Ungeduldige ist diese Handspindel nichts 😉

Anspinnen ohne Leader

Ich zeige euch zunächst, wie ich die ersten Fasern an der Spindel anspinne. Das lässt sich auch auf eine normale Spindel übertragen und hat nichts mit der Kreuzspindel an sich zu tun. Ich persönlich bin eher der faule Typ und verzichte auf einen Leader um neue Fasern an die Spindel zu spinnen. Statt dessen hänge ich die ersten losen Fasern in einer Schlaufe an den Haken und spinne sie zu einem kurzen Faden. Dann drehe ich diesen Ansatz mit den Fingern wieder soweit auf, dass sich eine Schlaufe von der Größe des Schaftdurchmessers bildet. Jetzt kann ich diese Schlaufe auf den Schaft schieben und unten am Wirtel positionieren. Du kannst den Ansatz auch vom Haken nehmen und von UNTEN auf den dicken Teil des Schaftes schieben. Das ist total egal, denn im Grunde wirst du das sehr schnell nicht mehr sehen, wenn du das Winden beginnst. Ich winde den Faden wieder hoch zum Haken und beginne das ganz normale Spinnen. Et voilá: Die Fasern sind angesponnen und der Leader wird eigentlich gar nicht gebraucht.

 

Das Winden

Bei der Kreuzspindel beginne ich – ist eine Armlänge gesponnen – das Winden. Entweder man kann erstmal ein paar Meter spinnen und auf den Schaft winden um einen Vorrat an Faden anzulegen und DANN das Knäuel winden. Oder man windet immer nach einer Armlänge Faden gleich das Knäuel, das ist einfach eine persönliche Vorliebe. Ich winde immer gleich das Knäuel. Und das mache ich so:

1: Der Faden verläuft UNTER 1 Arm,

2: dann weiter ÜBER 2 Arme,

3: dann wieder UNTER 1 Arm, usw.

 

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_39abDabei sollte der Faden immer gut unter Spannung gehalten werden, klar, sonst kräuselt sich der Faden. Aber auch das Knäuel sollte straff gewickelt werden, sonst wird es viel zu lose und könnte später zu weich und wabbelig werden oder gar auseinander brechen. ABER, das Knäuel darf auch nicht zu fest gewickelt werden, sonst fällt es schwer, es später vom Kreuz zu lösen. Es ist einfach eine Frage von Gefühl. Eine gute Orientierung ist es, wenn sich die Fäden schön neben einander setzten lassen ohne zu verrutschen, ohne in die untere Lage einzuschneiden und ohne den Knäuel zu deformieren.

 

Und so sieht das ganze dann von oben und von unten aus.

 

Jetzt ist die Frage, wie lange setzte ich einen Faden neben den anderen und wann beginne ich eine neue Lage. Wenn die Fäden sich nicht mehr schön neben einander setzten lassen und beginnen übereinander zu rutschen, beginne ich eine neue Lage. Ich wechsele aber auch erst zur neuen Lage, wenn die aktuelle Lage, die darunter liegende Lage vollständig von der aktuellen Lage verdeckt wird. Hier kann man nun überlegen, ob der Rhythmus, mit dem gewickelt wird, umgekehrt werden soll. Also:

1: ÜBER 1 Arme,

2: UNTER 2 Arm,

3: ÜBER 1 Arme, usw.

Damit wird das Muster einfach von untern nach oben vertauscht. Ich mache das inzwischen abwechselnd, denn das formt dem Knäuel symmetrisch, betrachtet man in der horizontalen Ebenen. Also die 1. Lage so herum und die 2. Lage anders herum und die 3. Lage wieder wie die 1. Lage usw.

Wenn das Knäuel anwächst, kann es dann so aussehen – und mit einem Verlaufskammzug finde ich es besonders hübsch. Hier würde ich übrigens noch 3-4 Fäden neben einander setzten und dann die Lage wechseln.

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Das Abziehen des Knäuels

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_39c0Hier habe ich mit einer anderen Spindel gesponnen. Die Kreuzspindel aus dem oberen Beispiel ist eine kleine Spindel, mit konvexen Armen. Diese Spindel hat geschwungene Arme. Ein wunderschönes Model, doch leider habe ich hier ein kleines Problem bekommen: Die Arm, der den inneren Arm aufnimmt ist so geformt, dass er an der Stelle, wo er den inneren Arm aufnimmt, anschwillt. Da ich das Knäuel recht fest winde hatte es dann an der Stelle, wo der Arm wieder abschwillt den Knäuel vom Herausziehen blockiert. Tattaaa, doofe Sache. Ich habe also den Knäuel nicht mehr vom Kreuz bekommen.

Normalerweise läuft das so, und mit den konvexen Kreuzen ist das auch überhaupt kein Problem: Ich ziehe zunächst den Schaft in der Mitte heraus. Dann habe ich das Kreuz mit Knäuel darauf in der Hand. Nun ziehe ich den inneren Arm aus den Kreuz heraus und zuletzt dann den äußeren Arm, sodass ich nur noch das Knäuel in der Hand halte.

 

Nun habe ich die Option mehrere Knäule mit einander zu verzwirnen und dabei kann ich den Faden aus dem Inneren des Knäules ziehen, sodass er nicht weg kullert (abgesehen davon, dass es so tolle Hilfsmittel gibt, wie Garnschalen, Schuhkartons oder DIY-Lazy Kates auch für Knäule). Ich habe aber auch die Option ein 2-ply aus nur einem Knäuel zu Zwirnen. Aber hier ist Vorsicht geboten: Durch das Abwickeln des Fadens von Außen kann sich etwas Drall zusätzlich hinein oder heraus drehen im Vergleich zu dem Fadenende, welches aus dem Inneren gezogen wird. Also einfach schauen, ob es ein Problem produziert oder nicht (bei Lacefeinheiten und der hohen Drallmenge per inch ist das wohl kaum spürbar).

In meinem Problemfall hätte ich das Knäuel wohl einfach etwas lockerere aufwinden sollen. Tja, shit happens… 😉 Aber letztlich lernt man ja einfach nur dazu und das Spinnen mit den Kreuzis macht trotzdem sehr viel Spaß und entschleunigt wunderbar.

Zuletzt eine kleine Bildergalerie zu verschiedenen Schritten des Mandalas:

  1. Hier bin ich kurz vor dem Wechsel von einer Lage zur nächsten Lage.
  2. Hier habe ich die Lagen gewechselt, bin aber beim gleichen Rhythmus (2 oben) geblieben.
  3. Hier das Gleiche, nur etwas weiter vorangeschritten.
  4. Die gleiche Lage von unten fotografiert.
  5. Hier habe ich nun eine weitere Lage aufgewunden, aber mit dem gewechselten Rhythmus (1 oben).

 

 

Wie ihr seht, könnt ihr mit dem Winden gerne etwas Spielen. Wichtig ist, dass das Knäuel einfach nicht rutscht und jeder Faden schön neben dem anderen sitzt, sodass ein schönes Mandala entsteht. Der Rest ist eurer Kreativität überlassen!

So, nun wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Spinnen mit den Kreuzis! ❤

 

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Neue Spindeln und ein altes Buch

Foto 5-8Die Spindelsammlung wächst und wächst.

Ich habe schon ein paar mal von der Drechselwerkstatt der Familie Matthes geschrieben. Sie machen wirklich wunderschöne Handspindeln aus Edelhölzern in reiner Handarbeit. In den letzten Jahren ist ihr Sortiment um einiges größer geworden, so waren diesmal in meiner Bestellung eine russische Orenburgspindel und supported Schälchen. Es ist wirklich eine große Freude, so einerseits unterschiedliche Spindeltypen zu testen und zu sammeln und gleichzeitig wunderschöne Einzelstücke zu erhalten, die in reiner Handarbeit entstanden. Letzteres ist mir inzwischen zu einem echten Anliegen geworden und ich ziehe sie jeder industriell gefertigten Arbeit vor.

Meine diesjährigen Wunschspindeln sind Tiefwirtelspindeln gewesen. Ich kann mich nach wie vor nicht entscheiden, welcher  Spindeltyp mir der liebste ist. Ich stelle fest, dass ich den Spindeltyp immer mehr nach der Faser aussuche. Die Faser bestimmt die Technik und diese bestimmt den Typ, das Gewicht und den Wirteldurchmesser. Also ist es gut, von jeder Sorte die wichtigsten Gewichte daheim zu haben, oder? Ich denke das ist wohl eher ein Alibi für meinen Sammeltrieb in Sachen Spindeln. 😉 (Rosenholz und Osage Orange, 28g, 29 cm; Thula Maser und Bubinga Pummele, 27g, 29 cm; Myrte Maser Schälchen)

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Für meine leichten Tiefwirtelspindeln habe ich mir noch ein Schälchen bestellt, um mir keine Sorgen über das Gewicht machen zu müssen. Es gibt zwar superleichte Lacespindeln mit nur 10g, aber ich ziehe es vor, etwas mehr in der Hand zu haben, so 25-30 g finde ich angenehm. Das hält aber – wenn schon etwas Lauflänge aufgewickelt ist – ein dünner unterdrehter Faden irgendwann nicht mehr aus. Dafür gibt es nun das Schälchen.

Dazu gab es eine Kreuzspindel aus wunderschön gemaserten Holz. Bei dieser Spindel ist die Handarbeit besonders schön gelungen. Die einzelnen Kreuzarme passen perfekt ineinander und sind glatt und rundgeschliffen. (Brown Mallee und Makasser Ebenholz, 24g, 18 cm)

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Zuletzt wünschte ich mir schon länger eine echte russische Spindel. Die Orenburg sieht nicht nur schön aus, sie ist auch wahnsinnig schnell und läuft wie eine 1. Wer schnell ausziehen kann (langer Auszug) und dünne lange Lauflängen spinnen möchte, der ist hier wohl richtig. Ich beherrsche diese Technik noch nicht. Noch:-) Jetzt kann und werde ich Üben! (Makassar Ebenholz und Padouk im Schälchen, 52g, 29cm lang)

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91DJib1zvQL._SL1500_Es gibt noch einige andere Techniken, die ich gerne auf der Handspindeln beherrschen möchte. Dazu habe ich dieses etwas ältere Buch ausfindig gemacht und bestellt: High Whorling von Priscilla A. Gibson-Roberts. Es gibt eine neuere Version von diesem Buch: Spinnig in the old Way. Es ist im Prinzip eine Neuauflage, denn inhaltlich unterscheidet sich das neue Buch kaum, so schildern es Reviews auf Foren und in Online-Shops. Ich fand eben das etwas ältere recht günstig und ich bevorzuge Hardcover, das waren die einzigen Gründe warum ich dieses und nicht das andere kaufte. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Die Autorin interessiert sich sehr für die Techniken von normadisch (denn diese nutzten bis heute die Handspindel) lebender Völker der ganzen Erde und erforscht sie anhand von Bilddokumenten und durch Ausprobieren. Vieles in dem Buch beschreibt die Grundlagen, aber sie unterscheidet sehr analytisch zwischen den unterschiedlichen Auszügen und ihr Ergebnis. So beschreibt sie z.B. auch welche Auswirkung es hat eine glattes Garn von einem „fold“ zu spinnen, anstatt die Fasern einfach vom Band abzuziehen.51CjhR3pD2L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX278_SY278_PIkin4,BottomRight,1,22_AA300_SH20_OU03_ Die Folge ist, dass ALLE Faserenden in einer Richtung liegen und nicht das eine Ende in die eine Richtung und das andere Ende in die andere Richtung. Bei Fasern wie Angora, wo gerne die Enden frei werden ist das sicherlich eine tolle Sache und ermöglicht einen noch perfekteren Eindruck von Garn. Auch kurzfaserige Materialien lassen sich so hervorragend glatt verspinnen.  Sie unterscheidet auch zwischen „draw“ und „draft“. Somit werden die Handgriffe und die Armbewegung von einander getrennt betrachtet, was das Spektrum der Technik erweitert. Zuletzt hatte ich noch einen Aha-Effekt. Da ich ja keine echte Strickerin bin, hatte ich mich zwar gewundert, aber nicht weiter darüber nachgedacht: Die Zwirnrichtung im Garn ist wichtig für das Stricken und unterschiedet sich von der in Garnen, die verhäkelt werden soll. Der S-Drall öffnet sich nicht während dem Stricken durch die Nadelbewegung und der Z-Drall nicht beim Häkeln. Sehr cool, dass ich das Problem endlich gecheckt habe 🙂

Ach ja, das Buch ist auf englisch, und nicht ganz so leicht geschrieben. Aber dafür gibt es ja Wörterbücher;-)