Demeter in Handrollen

Dieses Mal möchte ich euch in meinen Shopbetrieb mitnehmen, denn ich bekam eine ganz besondere Bestellung. Eine Wunschmischung aus Demeterfasern zum Verspinnen mit dem langen Auszug.

Wer ist Demeter?

IMG_3781Die Demeterfasern sind nach Demeterstandtard Bio-zertifizierte Fasern von fränkischen Milchschafen, die in meiner Umgebung leben. Ich bin begeistert von diesen Fasern, denn zum einen werden sie nur innerhalb einem SOS-Dorf-Verbund von Demeter-Biohöfen verarbeitet und nicht nach extern verschickt. Genau genommen leben die Schafe nur auf einem Hof in diesem Verbund und ein Schwesternhof hat eine angeschlossene Kardiererei, so dass die Fasern nur von dem einen Hof zum anderen Hof geschickt werden, dort gewaschen und kardiert und wieder zurück geschickt werden. Und das in einer kleinen Menge von wenigen Kilo im Jahr. Es ist so nach nachhaltig wie es nur geht.

Übrigens: Demeter-Biostandart liegen weit über den EU-Biorichtlinien. Sie übertreffen also die gesetzlichen Vorgaben und „arbeiten biologisch-dynamisch, d. h. sie arbeiten auf der Grundlage anthroposophischer und wissenschaftlicher Menschen- und Naturerkenntnis“ (Vgl. http://www.demeter.de am 8.5.2016). Demeterhöfe produzieren innerhalb des Demeterverbundes und bilden somit einen geschlossenen Kreislauf, der z.B. auch die Futtermittel für die Tiere einschließen.

Mehr zu den Demeter-Richtlinien findet ihr hier.

Der andere Punkt, der mich so an diesen Fasern begeistert ist, dass ich die Tiere direkt nach der Schur gesehen habe. Da ich selbst schon Schafe geschoren habe und bei einem Lehrgang gesehen habe, wie viele der Scherer die Tiere nach dem Scheren hinterlassen. Ich war von dieser Schur unheimlich positiv überrascht. Die Tiere hatten keine Verletzungen an der Haut. Beim schnellen oder beim unerfahrenen Scheren, passiert es gerne, dass die Haut der Tiere angeschnitten wird, eine Hautfalte rutscht einfach an die Messer der Schermaschine. Das ist auch mir passiert. Dem Schaf tut das nicht sehr weh, aber es zuckt schon. Ich nehme an, es ist damit vergleichbar, wenn wir uns mit dem Küchenmesser in den Finger schneiden. Passiert das, sollten die Wunden nach dem Scheren desinfiziert und ggf. klammert werden. In der Praxis hatte ich das leider nicht so gewissenhaft erlebt. Umso mehr freute es mich, dass diese Schafe keine Schnitte aufwiesen. Zudem wurden bei diesen Tieren etwa 1-2mm Wolle auf der Haut übrig gelassen, was ich ebenfalls sehr befürworte. Das Schaf hat noch etwas Schutz und man schneidet beim Scheren nicht direkt auf der Haut. Übrigens hatte ich genau das gleiche Bild auch auf einen ganz anderen Demeter-Biohof mit Schafen gesehen. Das war für mich ein tolles Beispiel für schonendes Scheren!

Die Fasermischung herstellen

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Diese Fasern habe ich in der Werkstatt mit Säurefarben einfarbig eingefärbt. Diese sollen nun farblich gemischt werden. Das Ziel ist eine feine Melierung, die einen Mischton ergibt, der aber immer noch etwas farbliches Leben hat, wenn die Mischung dann versponnen wird. Und so ging es:

  1. Demeter2Die Farben habe ich nach Augenmaß einzeln in 8 Portionen aufgeteilt. Es sollen 400g am Ende werden, die können nicht in einem Schwung gemischt werden 😉 Es wandern also 50 g auf den Drumkarder, der damit maximal ausgelastet wird.
  2. Ich schichte alle Fasern einer Portion genau übereinander. So stelle ich sicher, dass die Farben gleichmäßig im Vlies verteilt sind.
  3. Demeter3Ich erhalte so 8x50g Vliese mit dem gleichen Farbverhältnis. Die Vliese sehen vielleicht anders aus, das kommt aber nur daher, dass ich die Farben in unterschiedlicher Reihenfolge gelagert habe. Für das Ergebnis in den Rollen ist es unerheblich.
  4. Ich unterteile nun die Vliese wieder in kleine Portionen, etwa 12 in diesem Fall. Das sind die Portionen die dann auf die Handkarden kommen. Ich unterteile die Vliese zunächst in Bändern und teile diese dann wieder in Stücke. So bleibt das Farbsandwich und damit die Farbmischung vom Vlies in den Stücken erhalten.

  5. Nun wandert ein Stück nach dem anderen auf die Handkarde und das kann dauern. Das Kardieren mit dem Handkarden dient in diesem Fall nicht dem Aufbereiten der Fasern aus der Flocke zu spinnbaren Handrollen. Wäre dem so, sollten weniger Fasern auf einmal kardiert werden. Da diese Fasern schon vorbereitet wären geht es nur um die Mischung der Farben. Die Farben sollen fein meliert sein. Das könnte man sicher auch mit dem Drumkarder machen, doch es sind Handrollen gewünscht.
  6.  Nun ziehe ich die Fasern von solch einem Vliesstück auf die Handkarde ab, so findet die erste Vermischung der Farben statt.
  7. Nun kardiere ich die Fasern  etwa 2 mal von einer Karde auf die andere. Öfters mache ich es nicht, denn dann wäre die Mischung so fein gemischt, dass die Einzelfalben nicht mehr zu sehen wären. Das soll auch nicht geschehen.

    Ich kardiere alles von der ersten beladenen Karde (Bild 1) auf die zweite Karde (Bild 2), dann übertrage ich die restlichen Faser auf die zweite Karde (Bild 3) und wechsele die Karden in der Hand. Ich kardiere das zweite Mal die Fasern auf die leere Karde (Bild 4) und übertrage wieder die restlichen Fasern auf die zweite Karde und diese klemme ich dann zwischen die Beine um die Handrollen zu drehen. (Bild 5).

  8. Fertig vermischt nehme ich mir nun  die Rundstäbe vom Kardiertbrett zur Hilfe. Handrollen kann man eigentlich ausschließlich mit den Händen rollen, ich mag die Stäbe einfach nur und ich tue mir damit leicht. Aber: ich rolle keine Rolags. Ich ziehe die Fasern also nicht so fest auf die Stäbe, die bei Rolags. Ich nutze die Stäbe einfach nur für die runde Form der Rollen. Ich habe so gut wie keinen Zug beim Rollen auf den Fasern. Ich klemme nur die Faserspitzen ein, hebe die Mischung von der Karde und rolle sie mit der Hand um die Stäbe herum.

  9. Demeter14So erhalte ich ganz lockere und gar nicht kompakte (wie bei dem Rolags) Rollen. Rolags mit glatten Fasern sind zwar auch nicht fest, aber die Fasern liegen viel dichter aneinander, so dass diese schmalen, langen und glatten Röllchen entstehen. Das sollte man, meiner Meinung mit krausen Fasern nicht machen. Die Fasern würden sich auf Grund ihrer Krausheit mit einander verhakten, so dass der Auszug aus Rolags ziemlich ungemütlich würde. Die glatten Fasern hingegen rutschen viel leichter aus dem Rolags, sodass es kein Problem darstellt. Also: die krausen Fasern einfach mit viel Gefühl und wenig Zug um die Stäbe legen und sanft anhaften lassen. So lassen sie sich einfach und fluffig wieder aus den Handrollen ziehen.

Et voilà

Viele Stunden später: Das ist der Berg von mehr als 400g Handrollen.

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IMG_3779Inzwischen sind diese schon bei ihrer neuen Spinnerin angekommen und werden fleißig versponnen. Ein paar Rollen sind bei mir übrig geblieben, da ich immer ein Tick mehr verarbeite – Safty first – und so habe ich auch eine Rolle versponnen und zu einem Stickmuster verstrickt (die Farben sind in echt grüner). Sie liesen sich super einfach ausziehen und sind gut für den langen Auszug geeignet.

Ich bin gespannt, was die Spinnerin daraus zaubert. Zu gerne würde ich Mäuschen bei meinen lieben Spinnkunden sein. 🙂

Ich wünsche dir viel Vergnügen, liebe Ulrike! Vielleicht findest du ja meinen Blog und siehst, welchen Weg deine Fasern ab dem Schaf in der Werkstatt gingen. 🙂

Demeter-Pulli

Könnt ihr euch noch an meine ersten Demeter-Rolags erinnern?Rolags2

Naturweiße demeter-zertifizierte Biowolle aus der Region mit bunten Merinofasern gemischt.

Versponnen habe ich sie mit dem langen Auszug, in erster Linie um ihn zu üben. Es ergaben ca. 200 g und ich wusste nicht wie viel Garn ich brauchen werde. Es sollte mein erster Pulli werden. Dazu habe ich den einfachsten Schnitt gewählt, den es wohl gibt und glatt rechts gestrickt. Das Vorder- und Rückenteil sind gleich und gerade hochgestrickt. Auch die Arme sind mit nur 4 Zunahmen nahe am Bündchen einfach hochgestrickt und abgekettet. Dann habe ich die Teile einfach zusammen genäht und fertig. Praktisch, dass diese einfachen weiten Schnitte ohne echte gestrickte Schultern und Armrundungen gerade in Mode sind. 😉

photo 2Der Ausschnitt ergibt so einen weiten U-Bootauschnitt, der beim Tragen über eine Schulter rutscht. Die Ärmel reichen bis über die Ellenbogen und der gesamte Pulli endet auf Taillenhöhe. Es soll ein Sommerpulli sein, der an warmen Sommernächten über ein Top gezogen werden kann. Mit 8er Nadeln gestrickt, ist er etwas transparent und man kann etwas das Top darunter erahnen. 

photoDer lange Auszug beim Spinnen macht das Garn luftig und weniger kratzig. Trotzdem hat er mein Kratztest nicht bestanden. Meine Freundinnen sagten als erstes, er würde kratzen. Tja… deutsche Schurwolle ist echt fordernd und gar nicht leicht super weich zu verspinnen. Ich weiß noch nicht wo das Limit liegt. Wie viel tragen die Fasern bei und wie viel trägt der Auszug bei? Ich werde weiter mit dem langen Auszug üben und schauen, wie weich ich diese Fasern verarbeiten kann und wann die Grenze erreicht ist. Ich denke diese Fasern sind es wert, es zu versuchen auszureizen, denn demeter-zertifizierte Biowolle aus der Region ist einfach das Beste, finde ich.

photo 1Ach ja, die Farbschattierungen finde ich wirklich schön. Er wirkt etwas streifig, aber auch etwas wie schattiert gefärbt. Dabei ist die Mischung einfach farbig auf dem Kardierbrett entstanden. Es ist spannend zu sehen, wie sich die gestrickten Farbmischungen unterscheiden, je nach Verwendung des Gerätes, also Kardiermaschine oder Brett. Mal sehen, wie es sich mit den neuen Kämmen entwickeln wird. 🙂

Demeter-Rolags zu verkaufen!

Für alle Spinner unter euch: ich habe meinen Ökofaservorrat geplündert und Rolags daraus kardiert. 

Es gibt deshalb im Moment 3 Packen Rolags aus naturbrauner Demeterwolle von Schafen, die auf einem Demeterhof in meiner Region gehalten werden. Diese und andere Fasern gibt es ab jetzt auch im Shop.

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Für diejenigen, die das Demtersiegel nicht kennen, eine ganz knappe Erklärung: Demeter ist eine internationale Bio-Marke und die älteste ökologische Landwirtschaftsmethode, die auf Rudolph Steiner und seine Anthroposophie zurück geht und seit den 1920er praktiziert wird. Ihre Richtlinien sind schärfer als die gesetzlichen EU-Richtlinien für den normalen biologischen Anbau und Tierhaltung. Einige Besonderheiten sind z.B. dass ein Demeterhof als ein Organismus betrachtet wird und einen geschlossenen Kreislauf bilden soll. Es wird im Rhythmus der Jahreszeiten und auch im Mondzyklus gewirtschaftet. Die Fruchtbarkeit der Böden wird durch Mineralien und Kräuterpräparaten und Kuhdung erhalten. Tiere werden besonders artgerecht gehalten,Kühe etwa werden nicht enthornt und es ist nur selbsterzeugtes oder von anderen Demeterhöfen erzeugtes Futter zugelassen. Zusätze wie Tiermehl, Hormone oder Antibiotika sind nicht zulässig.

Hier ein paar Links, einen zur Geschichte von Demeter , einen zur den Richtlinien und eine Kurzfassung.

Von solch einem Hof, auf dem ich die Tiere auch besichtigen kann, beziehe ich direkt diese Fasern in Naturfarben. Sie sind leicht kraus und haben verschiedene Längen. Sie liegen also nicht als Kammzug vor, sondern kardiert. Sie ergeben ein weiches Spinnergebnis, wenn sie auch dementsprechend versponnen werden. Das heißt mit dem langen oder mittleren Auszug. Verspinnt man sie wie glatte Fasern aus einem Kammzug mit dem kurzen Auszug, so kommt ein Garn heraus, das nicht glücklich machen wird, sondern unangenehm kratzt. Die Faservorbereitung zu Rolags eignet sich perfekt für den Auszug von wollenen Garn und kann direkt versponnen werden.

Ein Sorte Rolags ist gemischt mit Merinofasern in rot, rosa und pink (100 g).

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Die zweite Sorte ist gemischt mit Merinofasern in unterschiedlichen Blautönen (91 g).

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Und die dritte Sorte beinhaltet bunte Fasern aus recycelter indischer Sariseide (98 g).

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Ich verkaufe sie für 7,50 € / 50 g.

Die Rolags sind nicht alle gleich schwer, sondern variieren ein wenig. Wenn ihr also die Rolags unterteilen wollt, um für das Zwirnen später ungefähr gleich lange Fäden zu haben, dann achtet darauf, dass ein oder zwei Rolags ein wenig schwerer sind. Die anderen sind ein etwa ähnlich. Wer es ganz genau haben will, sollte alle Rolags einfach in der Mitte unterteilen, dann hat er exakt die Hälfte. Für das Spinnen macht es absolut keinen Unterschied, denn die Rolags sind ohnehin recht lang und es kann als angenehmer für das Spinnen empfunden werden, wenn sie kürzer sind.

Die letzte Sorte Rolags, die mit der Sariseide vermischt sind, habe ich vor einiger Zeit selbst versponnen und zu einer Mütze gestrickt. Und so sieht das Ergebnis aus:

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Medium draw

51scSvnvatL._SL500_PIsitb-sticker-arrow-big,TopRight,35,-73_OU15_Ein neues Buch von Anne Field „Spinning wool: Beyond Basics“ motivierte mich, mich dem langen und dem mittleren Auszug zu stellen. Bisher habe ich nur mit den verschiedenen Arten des kurzen Auszugs gearbeitet. Das hat auch gut funktioniert, weil ich meist mit glatten und langen Fasern wie Merino, Angora, Seide und auch Pflanzenfasern wie Remi, Leinen oder Bambus gesponnen habe und worsted (glattes) Garn produziert habe. Ich habe aber auch Vliese mit grausen und kürzeren Fasern, so wie den Coburger Fuchs oder die Schurwolle vom Zollhof experimentiert. Diese Fasern mag ich sehr gerne, denn sie sind regional und Demeter zertifiziert. Leider wurden meine Garne aus diesen Fasern immer sehr hart und kratzig. Man konnte sie nur sehr schwer direkt auf der Haut tragen. Das Problem hierbei liegt am Auszug. Der kurze Auszug ist der falsche für diese Fasern.

Medium3Mit der braunen Schurwolle vom Zollhof habe ich zum ersten mal versucht ein semi-woolen Garn zu produzieren. Die Wolle war schon perfekt für diesen Auszug vorbereitet: in einem lockeren Vlies, in dem die Fasern verschiedener Längen, relativ gleich ausgerichtet liegen. Trotzdem habe ich es noch einmal kardiert, um wieder etwas meiner Sariseide unter zu mischen. Die Fasern der Seide mussten zuvor unbedingt gekürzt werden um eine ähnliche Länge wie die der Wollfasern zu haben. Danach habe ich das Vlies in rollags unterteilt, die ich dann nach und nach mit dem mittleren Auszug versponnen habe.

Der mittlere Auszug erschien mit für den Anfang leichter als der lange Auszug. Es ging mir darum, mich erst einmal an das andere Auszugsverhalten zu gewöhnen, denn es passierte ganz schön schnell, wenn die Konzentration nach lies, dass meine linke Hand zur der drafting zone wanderte und den kurzen Auszug machen wollte.

Beim Spinnen fiel mir auf, wie wichtig die Faservorbereitung war. Ich wunderte mich immer, wenn dieser Punkt in Büchern so unterstrichen wurde, denn beim kurzen Auszug kann man Schwächen der Faservorbereitung ganz gut kompensieren. Beim langen und mittleren Auszug hängt sie Ebenmäßigkeit des Fadens stark von der Gleichmäßigkeit ab, in der sich die Fasern aus dem rollag ziehen lassen. Und das hängt eben davon ab, wie gut das Vlies kardiert wurde.

Was wirklich ein Aha-Moment führte, ist der Unterschied zwischen dem langen und dem mittleren Auszug. Der kurze Auszug arbeitet in kleinen Schritten, bei denen die vordere Hand (bei mir die linke) sehr nahe an der drafting zone arbeitet und den gerade entstehende Faden zwischen die Finger gleiten lässt und damit die Luft zwischen den Fasern heraus drückt. Das gilt sowohl für den Auszug nach vornen als auch den nach hinten. Das Garn wird dadurch glatt, dicht und klar definiert. Der mittlere und der lange Auszug produziert sehr luftiges und warmes Garn, den es zielt darauf ab möglichst viel Luft zwischen den Fasern einzuschließen. Das geschieht indem keine Hand an der drafting zone arbeitet, sondern die vordere Hand nur den fertigen Faden beim Einzug unterstützt und hin und wieder den Auszug der Fasern aus dem rollag mit etwas Gegenzug fördert, wenn es mal nicht so flüssig läuft, wie es sollte. Doch dabei bleibt die Hand trotzdem vornen am Einzug. Die hintere Hand arbeitet sich beim Auszug immer weiter hinter zur Hüfte. Die Fasern werden alleine durch die Kraft des Einzugs und des twists ausgezogen. Da keine Hand den gerade entstehenden Faden glättet, bleibt die Luft zwischen den Fasern. Die Beschaffenheit der Fasern und die Vorbereitung zu rollags führt dazu, dass sich die Fasern leicht kraus und nicht völlig parallelisiert verdrehen. Dieser Faden ergibt verzwirnt ein unheimlich luftiges Garn.

Der Unterschied zwischen dem mittleren und dem langem Auszug ist nun die Handhabung der rollags. Die hintere Hand hält den rollag und reguliert nach und nach die Menge der Fasern, die aus dem rollag entzogen werden. Sie dosiert also etwas und bewegt sich, angepasst daran, langsam nach hinten. Beim langen Auszug dosiert die hintere Hand gleich vornen am Einzug die Menge der Fasern, die in einem Auszug verdreht werden sollen. Es wird eine größere Menge an twist aufgebaut und dann zieht die hintere Hand nach hinten und der twist verteilt sich und verdreht die definierte Menge an Fasern. Befindet sich die Hand hinten, ist der Faden noch unterdreht und während er durch weiteren twist weiter verdreht wird, wird die vordere Hand eingesetzt um den Faden zu egalisieren. Hat der Faden den twist erreicht, den er haben soll, wird er auf einmal auf die Spule entlassen. Das Egalisieren geschieht beim mittleren Auszug während dem Ausziehen und dem Dosieren der auszuziehen Fasern. Der gewünschte twist baut sich analog zur entstehenden Fadenlänge auf, während beim langen Auszug erst die Fadenlänge mit einer Grundmenge an twist entsteht und dann kommt der restliche twist beim Egalisieren dazu.

Laut Anne Field gibt es also diese Unterschiede:

kurzer Auszug (worsted):

  • es wird mit zwei Händen gearbeitet
  • die vordere Hand befindet sich direkt an der drafting zone und glättet den entstehenden Faden
  • es wird in kleinen Schritten ausgezogen und verdreht, dabei ist der vorwärts und der nach hinten gerichtete Auszug möglich.
  • es wird während dem Ausziehen egalisiert (°)
  • der twist wird in jedem Auszug/Fadenabschnitt bis zur gewünschten Menge aufgebaut
  • der Faden kann nach jedem einzelnen, aber auch erst mach mehreren Auszügen auf die Spule entlassen werden (°)
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung

mittlerer Auszug (semi-woolen): 

  • die vordere Hand unterstützt den Spinnprozess und befindet sich nicht an der drafting zone (*)
  • Fasern werden dosiert aus dem rollag entlassen
  • die hinter Hand umfasst das ganze rollag
  • die Fadenlänge entsteht langsam während dem Ausziehen
  • der twist baut sich entlang der Fadenlänge auf
  • das Egalisieren geschieht während dem Ausziehen (°)
  • der Faden kann nach jedem Auszug, aber nach mehreren Auszügen auf die Spule entlassen werden (°)
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung (*)

langer Auszug (woolen):

  • die vordere Hand unterstützt den Spinnprozess und befindet sich nicht an der drafting zone (*)
  • es wird eine vordefinierte Menge an Fasern während eines Auszugs versponnen
  • die hinter Hand greift dazu das rollag hinter dieser definierten Fasermenge und lässt keine weiteren Fasern ausziehen
  • vor dem Auszug wird durch treten twist aufgebaut
  • der Auzug erfolgt schnell nach hinten und der angestaute Twist verteilt sich auf die Länge und zieht dabei die Fasermenge in die Länge.
  • das Egalisieren erfolgt als zweiten Schritt, während der twist in der Fadenlänge die gewünschte Menge erreicht
  • der Faden wird nach jedem beendeten Auszug auf die Spule entlassen
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung (*)

(°) Gemeinsamkeit zwischen kurzem und mittleren Auszug

(*) Gemeinsamkeit zwischen mittlerem und langen Auszug

Diese Unterscheidung zeigt, dass nicht der äußere Eindruck eines langen Fadens, der während dem Spinnen bis zur Hüfte reichen kann, den langen Auszug charakterisiert. Denn das kann auch mit einem kurzen Auszug nach hinten erreicht werden. Sie zeigt viel mehr, dass eine klare technische Unterscheidung zwischen kurzen, mittleren und langen Auszug gibt. Das Resultat ist ein worsted Garn, ein semi-woolen und ein woolen Garn. Ich bin wirklich erstaunt über diese technischen Aspekte und ihre Abhängigkeit von der Faserbeschaffung und ihre Auswirkung auf ihre Vorbereitung und das Garnresultat. Noch nie habe die Entstehung eines Garnes in so einer Prozesskette gesehen, die von der Beschaffenheit der Faser ausgeht. Das war ein echtes AHA!

mediumUnd hier nun mein allererstes semi-woolen Garn. Und Ja, die Wolle, die zuvor in meinen Garnen fast untragbar war, ist weich, warm und zwar immer noch etwas kratzig, aber tragbar. Mit etwas Übung, kann vielleicht mal ein tragbares Stück daraus werden:-) Ich denke ich mache mich langsam auf den Weg zu wirklich kontrollierten und intendiertes Spinnen…