Demeter-Pulli

Könnt ihr euch noch an meine ersten Demeter-Rolags erinnern?Rolags2

Naturweiße demeter-zertifizierte Biowolle aus der Region mit bunten Merinofasern gemischt.

Versponnen habe ich sie mit dem langen Auszug, in erster Linie um ihn zu üben. Es ergaben ca. 200 g und ich wusste nicht wie viel Garn ich brauchen werde. Es sollte mein erster Pulli werden. Dazu habe ich den einfachsten Schnitt gewählt, den es wohl gibt und glatt rechts gestrickt. Das Vorder- und Rückenteil sind gleich und gerade hochgestrickt. Auch die Arme sind mit nur 4 Zunahmen nahe am Bündchen einfach hochgestrickt und abgekettet. Dann habe ich die Teile einfach zusammen genäht und fertig. Praktisch, dass diese einfachen weiten Schnitte ohne echte gestrickte Schultern und Armrundungen gerade in Mode sind. 😉

photo 2Der Ausschnitt ergibt so einen weiten U-Bootauschnitt, der beim Tragen über eine Schulter rutscht. Die Ärmel reichen bis über die Ellenbogen und der gesamte Pulli endet auf Taillenhöhe. Es soll ein Sommerpulli sein, der an warmen Sommernächten über ein Top gezogen werden kann. Mit 8er Nadeln gestrickt, ist er etwas transparent und man kann etwas das Top darunter erahnen. 

photoDer lange Auszug beim Spinnen macht das Garn luftig und weniger kratzig. Trotzdem hat er mein Kratztest nicht bestanden. Meine Freundinnen sagten als erstes, er würde kratzen. Tja… deutsche Schurwolle ist echt fordernd und gar nicht leicht super weich zu verspinnen. Ich weiß noch nicht wo das Limit liegt. Wie viel tragen die Fasern bei und wie viel trägt der Auszug bei? Ich werde weiter mit dem langen Auszug üben und schauen, wie weich ich diese Fasern verarbeiten kann und wann die Grenze erreicht ist. Ich denke diese Fasern sind es wert, es zu versuchen auszureizen, denn demeter-zertifizierte Biowolle aus der Region ist einfach das Beste, finde ich.

photo 1Ach ja, die Farbschattierungen finde ich wirklich schön. Er wirkt etwas streifig, aber auch etwas wie schattiert gefärbt. Dabei ist die Mischung einfach farbig auf dem Kardierbrett entstanden. Es ist spannend zu sehen, wie sich die gestrickten Farbmischungen unterscheiden, je nach Verwendung des Gerätes, also Kardiermaschine oder Brett. Mal sehen, wie es sich mit den neuen Kämmen entwickeln wird. 🙂

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Demeter-Rolags zu verkaufen!

Für alle Spinner unter euch: ich habe meinen Ökofaservorrat geplündert und Rolags daraus kardiert. 

Es gibt deshalb im Moment 3 Packen Rolags aus naturbrauner Demeterwolle von Schafen, die auf einem Demeterhof in meiner Region gehalten werden. Diese und andere Fasern gibt es ab jetzt auch im Shop.

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Für diejenigen, die das Demtersiegel nicht kennen, eine ganz knappe Erklärung: Demeter ist eine internationale Bio-Marke und die älteste ökologische Landwirtschaftsmethode, die auf Rudolph Steiner und seine Anthroposophie zurück geht und seit den 1920er praktiziert wird. Ihre Richtlinien sind schärfer als die gesetzlichen EU-Richtlinien für den normalen biologischen Anbau und Tierhaltung. Einige Besonderheiten sind z.B. dass ein Demeterhof als ein Organismus betrachtet wird und einen geschlossenen Kreislauf bilden soll. Es wird im Rhythmus der Jahreszeiten und auch im Mondzyklus gewirtschaftet. Die Fruchtbarkeit der Böden wird durch Mineralien und Kräuterpräparaten und Kuhdung erhalten. Tiere werden besonders artgerecht gehalten,Kühe etwa werden nicht enthornt und es ist nur selbsterzeugtes oder von anderen Demeterhöfen erzeugtes Futter zugelassen. Zusätze wie Tiermehl, Hormone oder Antibiotika sind nicht zulässig.

Hier ein paar Links, einen zur Geschichte von Demeter , einen zur den Richtlinien und eine Kurzfassung.

Von solch einem Hof, auf dem ich die Tiere auch besichtigen kann, beziehe ich direkt diese Fasern in Naturfarben. Sie sind leicht kraus und haben verschiedene Längen. Sie liegen also nicht als Kammzug vor, sondern kardiert. Sie ergeben ein weiches Spinnergebnis, wenn sie auch dementsprechend versponnen werden. Das heißt mit dem langen oder mittleren Auszug. Verspinnt man sie wie glatte Fasern aus einem Kammzug mit dem kurzen Auszug, so kommt ein Garn heraus, das nicht glücklich machen wird, sondern unangenehm kratzt. Die Faservorbereitung zu Rolags eignet sich perfekt für den Auszug von wollenen Garn und kann direkt versponnen werden.

Ein Sorte Rolags ist gemischt mit Merinofasern in rot, rosa und pink (100 g).

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Die zweite Sorte ist gemischt mit Merinofasern in unterschiedlichen Blautönen (91 g).

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Und die dritte Sorte beinhaltet bunte Fasern aus recycelter indischer Sariseide (98 g).

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Ich verkaufe sie für 7,50 € / 50 g.

Die Rolags sind nicht alle gleich schwer, sondern variieren ein wenig. Wenn ihr also die Rolags unterteilen wollt, um für das Zwirnen später ungefähr gleich lange Fäden zu haben, dann achtet darauf, dass ein oder zwei Rolags ein wenig schwerer sind. Die anderen sind ein etwa ähnlich. Wer es ganz genau haben will, sollte alle Rolags einfach in der Mitte unterteilen, dann hat er exakt die Hälfte. Für das Spinnen macht es absolut keinen Unterschied, denn die Rolags sind ohnehin recht lang und es kann als angenehmer für das Spinnen empfunden werden, wenn sie kürzer sind.

Die letzte Sorte Rolags, die mit der Sariseide vermischt sind, habe ich vor einiger Zeit selbst versponnen und zu einer Mütze gestrickt. Und so sieht das Ergebnis aus:

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51scSvnvatL._SL500_PIsitb-sticker-arrow-big,TopRight,35,-73_OU15_Ein neues Buch von Anne Field „Spinning wool: Beyond Basics“ motivierte mich, mich dem langen und dem mittleren Auszug zu stellen. Bisher habe ich nur mit den verschiedenen Arten des kurzen Auszugs gearbeitet. Das hat auch gut funktioniert, weil ich meist mit glatten und langen Fasern wie Merino, Angora, Seide und auch Pflanzenfasern wie Remi, Leinen oder Bambus gesponnen habe und worsted (glattes) Garn produziert habe. Ich habe aber auch Vliese mit grausen und kürzeren Fasern, so wie den Coburger Fuchs oder die Schurwolle vom Zollhof experimentiert. Diese Fasern mag ich sehr gerne, denn sie sind regional und Demeter zertifiziert. Leider wurden meine Garne aus diesen Fasern immer sehr hart und kratzig. Man konnte sie nur sehr schwer direkt auf der Haut tragen. Das Problem hierbei liegt am Auszug. Der kurze Auszug ist der falsche für diese Fasern.

Medium3Mit der braunen Schurwolle vom Zollhof habe ich zum ersten mal versucht ein semi-woolen Garn zu produzieren. Die Wolle war schon perfekt für diesen Auszug vorbereitet: in einem lockeren Vlies, in dem die Fasern verschiedener Längen, relativ gleich ausgerichtet liegen. Trotzdem habe ich es noch einmal kardiert, um wieder etwas meiner Sariseide unter zu mischen. Die Fasern der Seide mussten zuvor unbedingt gekürzt werden um eine ähnliche Länge wie die der Wollfasern zu haben. Danach habe ich das Vlies in rollags unterteilt, die ich dann nach und nach mit dem mittleren Auszug versponnen habe.

Der mittlere Auszug erschien mit für den Anfang leichter als der lange Auszug. Es ging mir darum, mich erst einmal an das andere Auszugsverhalten zu gewöhnen, denn es passierte ganz schön schnell, wenn die Konzentration nach lies, dass meine linke Hand zur der drafting zone wanderte und den kurzen Auszug machen wollte.

Beim Spinnen fiel mir auf, wie wichtig die Faservorbereitung war. Ich wunderte mich immer, wenn dieser Punkt in Büchern so unterstrichen wurde, denn beim kurzen Auszug kann man Schwächen der Faservorbereitung ganz gut kompensieren. Beim langen und mittleren Auszug hängt sie Ebenmäßigkeit des Fadens stark von der Gleichmäßigkeit ab, in der sich die Fasern aus dem rollag ziehen lassen. Und das hängt eben davon ab, wie gut das Vlies kardiert wurde.

Was wirklich ein Aha-Moment führte, ist der Unterschied zwischen dem langen und dem mittleren Auszug. Der kurze Auszug arbeitet in kleinen Schritten, bei denen die vordere Hand (bei mir die linke) sehr nahe an der drafting zone arbeitet und den gerade entstehende Faden zwischen die Finger gleiten lässt und damit die Luft zwischen den Fasern heraus drückt. Das gilt sowohl für den Auszug nach vornen als auch den nach hinten. Das Garn wird dadurch glatt, dicht und klar definiert. Der mittlere und der lange Auszug produziert sehr luftiges und warmes Garn, den es zielt darauf ab möglichst viel Luft zwischen den Fasern einzuschließen. Das geschieht indem keine Hand an der drafting zone arbeitet, sondern die vordere Hand nur den fertigen Faden beim Einzug unterstützt und hin und wieder den Auszug der Fasern aus dem rollag mit etwas Gegenzug fördert, wenn es mal nicht so flüssig läuft, wie es sollte. Doch dabei bleibt die Hand trotzdem vornen am Einzug. Die hintere Hand arbeitet sich beim Auszug immer weiter hinter zur Hüfte. Die Fasern werden alleine durch die Kraft des Einzugs und des twists ausgezogen. Da keine Hand den gerade entstehenden Faden glättet, bleibt die Luft zwischen den Fasern. Die Beschaffenheit der Fasern und die Vorbereitung zu rollags führt dazu, dass sich die Fasern leicht kraus und nicht völlig parallelisiert verdrehen. Dieser Faden ergibt verzwirnt ein unheimlich luftiges Garn.

Der Unterschied zwischen dem mittleren und dem langem Auszug ist nun die Handhabung der rollags. Die hintere Hand hält den rollag und reguliert nach und nach die Menge der Fasern, die aus dem rollag entzogen werden. Sie dosiert also etwas und bewegt sich, angepasst daran, langsam nach hinten. Beim langen Auszug dosiert die hintere Hand gleich vornen am Einzug die Menge der Fasern, die in einem Auszug verdreht werden sollen. Es wird eine größere Menge an twist aufgebaut und dann zieht die hintere Hand nach hinten und der twist verteilt sich und verdreht die definierte Menge an Fasern. Befindet sich die Hand hinten, ist der Faden noch unterdreht und während er durch weiteren twist weiter verdreht wird, wird die vordere Hand eingesetzt um den Faden zu egalisieren. Hat der Faden den twist erreicht, den er haben soll, wird er auf einmal auf die Spule entlassen. Das Egalisieren geschieht beim mittleren Auszug während dem Ausziehen und dem Dosieren der auszuziehen Fasern. Der gewünschte twist baut sich analog zur entstehenden Fadenlänge auf, während beim langen Auszug erst die Fadenlänge mit einer Grundmenge an twist entsteht und dann kommt der restliche twist beim Egalisieren dazu.

Laut Anne Field gibt es also diese Unterschiede:

kurzer Auszug (worsted):

  • es wird mit zwei Händen gearbeitet
  • die vordere Hand befindet sich direkt an der drafting zone und glättet den entstehenden Faden
  • es wird in kleinen Schritten ausgezogen und verdreht, dabei ist der vorwärts und der nach hinten gerichtete Auszug möglich.
  • es wird während dem Ausziehen egalisiert (°)
  • der twist wird in jedem Auszug/Fadenabschnitt bis zur gewünschten Menge aufgebaut
  • der Faden kann nach jedem einzelnen, aber auch erst mach mehreren Auszügen auf die Spule entlassen werden (°)
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung

mittlerer Auszug (semi-woolen): 

  • die vordere Hand unterstützt den Spinnprozess und befindet sich nicht an der drafting zone (*)
  • Fasern werden dosiert aus dem rollag entlassen
  • die hinter Hand umfasst das ganze rollag
  • die Fadenlänge entsteht langsam während dem Ausziehen
  • der twist baut sich entlang der Fadenlänge auf
  • das Egalisieren geschieht während dem Ausziehen (°)
  • der Faden kann nach jedem Auszug, aber nach mehreren Auszügen auf die Spule entlassen werden (°)
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung (*)

langer Auszug (woolen):

  • die vordere Hand unterstützt den Spinnprozess und befindet sich nicht an der drafting zone (*)
  • es wird eine vordefinierte Menge an Fasern während eines Auszugs versponnen
  • die hinter Hand greift dazu das rollag hinter dieser definierten Fasermenge und lässt keine weiteren Fasern ausziehen
  • vor dem Auszug wird durch treten twist aufgebaut
  • der Auzug erfolgt schnell nach hinten und der angestaute Twist verteilt sich auf die Länge und zieht dabei die Fasermenge in die Länge.
  • das Egalisieren erfolgt als zweiten Schritt, während der twist in der Fadenlänge die gewünschte Menge erreicht
  • der Faden wird nach jedem beendeten Auszug auf die Spule entlassen
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung (*)

(°) Gemeinsamkeit zwischen kurzem und mittleren Auszug

(*) Gemeinsamkeit zwischen mittlerem und langen Auszug

Diese Unterscheidung zeigt, dass nicht der äußere Eindruck eines langen Fadens, der während dem Spinnen bis zur Hüfte reichen kann, den langen Auszug charakterisiert. Denn das kann auch mit einem kurzen Auszug nach hinten erreicht werden. Sie zeigt viel mehr, dass eine klare technische Unterscheidung zwischen kurzen, mittleren und langen Auszug gibt. Das Resultat ist ein worsted Garn, ein semi-woolen und ein woolen Garn. Ich bin wirklich erstaunt über diese technischen Aspekte und ihre Abhängigkeit von der Faserbeschaffung und ihre Auswirkung auf ihre Vorbereitung und das Garnresultat. Noch nie habe die Entstehung eines Garnes in so einer Prozesskette gesehen, die von der Beschaffenheit der Faser ausgeht. Das war ein echtes AHA!

mediumUnd hier nun mein allererstes semi-woolen Garn. Und Ja, die Wolle, die zuvor in meinen Garnen fast untragbar war, ist weich, warm und zwar immer noch etwas kratzig, aber tragbar. Mit etwas Übung, kann vielleicht mal ein tragbares Stück daraus werden:-) Ich denke ich mache mich langsam auf den Weg zu wirklich kontrollierten und intendiertes Spinnen…