Faserkalender – Türchen 15: Ein letztes Mal Merino

Dies ist nun der letzte Merino- Kammzug, den ich in der Werkstat habe. Er stammt aus der Mischmasch-Tüte und ratet mal: die Angabe war süddeutsche Merinowolle, 26 mic. Wahnsinn, ein Hauch von Info 😉

thumb_imgp3473_1024Diese Wolle mag ist sehr gerne. Sie ist freilich nicht so fein, wie Merino sein kann. Mit 26mic gehört sie zu den grobem Merino-Wollen. Wir erinnern uns an die Feinheitstabellen aus dem ersten Merino-Beitrag des Faserkalenders. Betrachtet man nur die Merinowolle, verschieben sich ja die Reinheitskategorien nach unten und ab 24mic handelt es sich schon um „grobe“ Wolle.

Ich habe diese Wolle auch in meinem Shop-Angebot als handgefärbte Kammzüge, denn sie ist zum Einen aus Deutschland und ich möchte deutsche Wolle und Schäfer unterstützen und zum Anderen eignet sie sich gut für Einsteiger, sowie robustere Wollen. grob heißt ja nicht weniger edel, sondern einfach nur für andere Zwecke geeignet. Außerdem hab sie einen guten Krimp, der ein schönes Volumen in das Garn zaubert und sehr gut für Halbkammgarn geeignet ist.

Zum Abschluss der der vielen Merino-Beiträge möchte ich noch einmal alle Wollen nebeneinander zeigen.

Zunächst hatte ich einige weiße Merinos

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Zu sehen ist von links oben nach rechts unten:

  • Südamerikanisches Merino 22 mic
  • Deutsches Merino 26 mic
  • Bio-Merino 18 mic
  • Südamerikanisches Merino 26 mic, schneeweiß gebleicht

Und unten ist noch mal südamerikanisches Merino, genauer Chubut-Merino, in 3 Feinheiten, zu sehen: 16,5 – 19,5 – 21,5 mic.

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Und dann waren doch erstaunlich viele naturfarbene Merinos am Start. Ich sagte ja in einem Beitrag, dass Merinos, auch durch die Zuchtziele, überwiegend weiße Wollen produzieren und dass farbige Wollen eher selten sind. Gemessen am weltweiten Merino-Bestand ist das auch sicherlich so. Doch meine Recherchen für diesen Faserkalender zeigten mir, dass uns als Spinner doch sehr viele Farbnuancen bei der Merinowolle zur Verfügung stehen.

Dann hatte ich erstaunlich viele naturfarbige Merinos im Stashthumb_imgp3961_1024

Zu sehen ist von links oben nach rechts unten:

  • Spanische Wolle dunkelbraun
  • Deutsche Wolle mittelbraun
  • Spanische Wolle mittelbraun
  • Südamerikanische Wolle mittelbraun
  • Spanische Wolle dunkelbraun (satter und ohne helle Jahre)
  • Australische Wolle beige meliert
  • Australische Wolle grau meliert
  • Polarfuchs (da mit mir ein Nicht-Merino ins Bild gerutscht)

Diese Erkenntnis ist gepaart mit einer zweiten Erkenntnis, die mir auch erst jetzt, durch den Kalender wirklich bewusst wurde: Es gibt wahnsinnig viel Merino! Viele Wollen, die nicht als Merino bezeichnet sind, sondern einfach als „Wolle aus Land xy“ enthält überwiegend Merinowolle.Vielleicht ist es ein Mischmasch aus verschiedenen Merinowollen, mit Anteilen von anderen Schafen, die eine Merino-Einkreuzung haben, aber dennoch die Merino-Anteile im Vlies. Und vielleicht sind es auch die weniger beliebten, also auf dem Wollmarkt preislich schlechter absetzbare Merinowolle, eben weil sie nicht weiß sind, aber dennoch steckt viel mehr Merino drin, als ich es je dachte. DAs ist wirklich mein Aha-Erlebnis, bis jetzt.

Abschließend möchte ich euch noch ein Buch vorstellen. Ich habe es zufällig – ein Glücksfall – erst von wenigen Tagen ergattert. Ich habe es also noch nicht vollständig gelesen, aber ich habe es gesichtet und bin bereits jetzt Feuer und Flamme. Diese Buch wird mein stilles Projekt im Hintergrund für das nächste Jahr werden und ich werde danach ausführlich über dessen Inhalt berichten.

MERINO von Margaret Stove

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„Handspinning, Dyeing & Working with Merino & superfine Wools“ ist ein Buch, dass ich ausschließlich mit Merinowolle befasst. Es führt in unterschiedliche Wollen ein, zeigt Ihren Umgang und legt einen Schwerpunkt auf das Spinnen von superfeinen Fasern. Und das ist genau der Punkt, der mich anfeixt. Ich spinne ja täglich und hantiere Vollzeit mit Fasern, doch da ich aus der Artyarnecke komme und mich erst mit der Zeit ins traditionelle Genre vorgearbeitet habe, lies ich bisher die superfeinen Wollen meistens aus dem Vor, denn ich merkte, dass ich für dieses spezielle Genre – Wolle unter 18mic – ein eigenes Fasergefühl in den Fingern erlernen muss und auch andere Auszugsformen anwenden sollte, um meine gewünschte Garnqualität zu erzielen. Also ist es für ein Projekt, dem ich mich extra und ausführlich widme und nicht en passant mitnehme. Und genau hierbei empfinde ich dieses Buch als sehr aufschlussreich.

Das Inhaltsverzeichnis frei übersetzt (ohne Anhänge):

  • Historische Einführung in die Merinowolle
  • Faservorbereitung
  • Technik um Singles zu spinnen
  • Spinnradeinstellungen und das Spinnen von orientierten Faserstapeln
  • Wieviel Drall?
  • Färben und Mischen von Merino mit anderen Fasern

Margaret Stove zeigt ihren Auszugstyp, den sie sich speziell für diese Wollen angeeignet hat: ein kurzer Auszug mit Support! Quasi eine Handhaltung aus dem horizontalen supported Auszug, den ich vom Gibson und den Highwhorls kenne, nur auf das Spinnrad und den kurzen Auszug übertragen. Cool! Des Weiteren geht sie auf das exakte Zwirnen von feinsten Zwirnen ein und sie zeigt, das Mischen von Merino mit anderen Feinwollen an den englischen Kämmen. Ich freu mich so auf dieses Buch!

Es ist englischsprachig, 108 Seiten stark und erschien 1991 in London.

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Der Faserkalender – Türchen 6: Australisches Merino

Vom Merino gab es ja schon ein wenig zu lesen. Im Türchen 4 ging es um die Herkunft des Schafes vom spanischen Königshof, davon, dass es sehr viele Merino-Züchtungen gibt und von der Bemessung der Faserfeinheit.

Heute geht es um eine australische Merinofaser. Diese Faser ist naturfarben hellbeige-meliert und hellgrau-meliert. Sie zählt mit 22 mic noch zu den feinen Fasern, während die südamerikanische Merinofaser vom Türchen 4 mt 26 mic zu den mittelfeinen Fasern gehörte. Nur unter den Merino-Wollen zählen sie mit 22 mic zu den mittelfeinen Fasern und mit 26 mic sogar schon zu den groben und wir wissen, wie gut sich diese Fasern noch auf der Haut anfühlen. Es ist kein Gefühl, dass wir intuitiv mit „grob“ in Verbindung bringen würden. Die Australische Faser fühlt sich auf der Haut einfach kuschelig an und ich mag diese Faser sehr gerne, um naturfarbene Rolags und Vliese etwas weicher und farblich lebendiger zu machen, obwohl ich eigentlich keine australische Wolle führe, dies ist meine Ausnahme.

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Ich kann natürlich nicht sagen, welches Merino exakt in diesen Kammzügen steckt. Auch beim Lieferanten bekomme ich kaum ausführlichere Hintergrundinformation. Also nehme ich euch einfach mal zu den verschiedenen australischen Merinos mit, die es sein könnten.

Wie das Merino nach Australien kam

 

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Champion Bock, Sidney 1905

Das Merinoschaf wurde 1788 mit der 1. Flotte von England nach Australien importiert. Die zunächst 70 englischen Schafe reduzierten sich in wenigen Monaten auf nur 28 Schafe und 1 Lamm. Diese Schafe verteilten sich unter Mitglieder der Besatzung und auch Captain John MacAthur, der zum Vater der australischen Merino Industrie wurde, kaufte einige der ersten Importe. Einige Jahre später importierte er Saxons Merinos und baute zusammen mit seiner Frau Elizabeth MacAthur, immer weiter seinen Bestand auf. 1813, im Zuge der Landerschließung durch die Engländer, fand der erste Wollboom statt und der Bedarf an Merinos stieg an. 1823 erhielt  W. Riley (‚Raby‘) in der ersten Schaf Show eine Goldmedaille für dein Import der meisten Saxons. 1830 zählte der australische Schafbestand bereits 2 Millionen Schafe und Australen setzte sich beim Wollabsatz und der Frage der Feinheit gegen Deutschland durch. Deutschland begann ab 1845 den Import von Wolle aus Australien.

Die Geschichte der Australischen Merinos kann gut an einzelnen Schäfern festgemacht werden. Viele züchteten ihre eigenen Merinos mit unterschiedlichen Zielen wie Faserlänge, Körpergröße, Feinheit etc.

John Murray züchtete das South Australien Strong Wool in dem er Camdens mit tasmanischen Böcke kreuzte und erstmals Lincoln-Blut einkreuzte um die Größe der Tiere zu steigern.

Die Peppin-Brüder züchteten mit ihrem Wanganella-Schaf ein breiteres und langfaserigeres Merino durch die Einkreuzung von Rambouillets und Saxons.

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Vermontschafe

Das Vermont-Schaf wurde in den 1880er aus der USA importiert und sollte den Wollertrag erhöhen, doch leider hatte es einen negativen Einfluss auf viele Fine-Wool Herden, denn es erhöhte sich nur der Lanolingehalt im Vlies. Das Wollfett zog aber die Fliegen an, die Wolle zeigte Qualitätseinbußen und die Geburtenrate sank. Das Vermontschaf verbreite sich aber schnell und Schäfer in der USA gründeten 1889 die Rambouillet Association um die Reinheit des Rambouillets zu erhalten.

Anfang des 20. Jh.s wurde die Anzahl der Australischen Schafe von 72 Millionen auf 53 reduziert und die „Vermont Ära“ endete. Die Blutlinie des Wanganella-Schafes und des Murray-Schafes setzte sich durch.(1)

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Fine-Wool Merinos

Einige heutige australische Merinos und ihre Fasern (2):

Booroola Merino – Eine vom Aussterben bedrohte Merinoart. Sie wurde in Australien entwickelt und weißt eine hohe Lämmerzahl bei der Geburt auf. Die Züchtung wurde von Jack and Dick Seears aus Booroola, Cooma begonnen, in dem sie Mutterschafe mit Mehrfachgeburten aus ihrer Herde auswählten. (3) Ein einziges Gen, das Booroola B Gen ist für die Fruchtbarkeit dieser Merinos verantwortlich. Die Booroola Merinos wurden später nach Nord Amerika exportiert, doch ist ihr Gen nur noch in Crossbreeds zu finden.

Faser: 18-23 mic / 7,5 – 10 cm Stapellänge

Fonthill Merino – Ein Crossbreed, welche aus einem amerikanischen Rambouillet Bock zusammen mit Saxon Merino-Mutterschafen entstanden ist. Das Züchtungsziel war es hier die Wollproduktion zu erhalten und dabei die Fleischproduktion zu erhöhen.

Faser: 20 – 22 mic

 

Poll – Merino – Die hornlosen Merinos sind eigentlich Merinos, wo ein rezessive Gen zur Hornlossigkeit führt. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte des 20. Jh.s wurden diese Merinos selektiert und auf das Fehlen der Hörner gezüchtet, daher sind die Faserqualitäten der Poll Merinos auch sehr unterschiedlich und können entweder fein oder auch kraus sein.

1825 war Alexander Riley der erste australische Schäfer, der einen Poll Merino-Bestant aufbaute. Dazu importierte er einen Bock auf Deutschland, zusammen mit Saxon-Mutterschafen. Während dem 1880er fand durch Munro auf Webollabolla, New South Wales der erste Versuch statt gezielt einen Merino-Bestand the Hörner aufzubauen. Das wurde der erste Poll Merino Bestand in Australien. Heute sind die Merinos ohne Hörner auf Grund ihrer einfacheren Haltung beliebt.(4)

South Australian Merino – Das SA -Merino ist die Züchtung von Murray (s.o.) und werden heute im trockenen Teil Australiens gehalten und liefern krausere Wolle.

Faser: ab 23 mic

Tasmanische Merino – Das  ertragreiche Insel-Merino liefert feine und sehr weiße Wolle. Es gibt Garn aus reinem Tansanischen Merino.

Faser: 18 – 21 mic

Saxon Merino – Das Saxon kann eine sehr breite Faservariabilität liefern: Extrem feine Fasern von weniger als 14 (!) mic bis hin zu 24 mic. Meistens liegt ihr Spektrum zwischen 15 und 19 mic. Auch seine Wollen sind überwiegend weiß mit feiner Kräuselung und hoher Filzgefahr. Wer solch ein Vlies roh bekommen kann, sollte mit sehr viel Sorgfalt und heißem Wasser waschen, wird aber mit feinen Fasern belohnt, die feinstes Lacegarn ermöglichen.

Faser: 14-24 mic

Peppin Merino – Der wohl wahrscheinlichste Kandidat für unsere australische Wolle deckt 70 % der australischen Wollproduktion ab.

Faser: 20 – 13 mic

Die Peppin – Brüder George und Frederick stammen aus England und sind Mitte de 19.Jh.s nach Australien ausgewandert. Sie kauften die Wanganella Station nahe der gleichnamigen Stadt und starteten dort ihre Schafzucht. Sie suchten sich dafür 200 lokale Mutterschafe aus und importieren 100 Rambouillet-Böcke aus New South Wales. Für Ihre Zucht verwendeten sie überwiegend 4 Saxon und Rambouillet-Böcke. Da war z.B. Emperor mit einem Vliesgewicht von über 5 Kilo und zwei Söhne von Old Grimes, einen berühmten Vermont-Bock. Ab den 1870er betrieben sie ihre Zucht höchst methodisch mit 2 getrennten Ställen und dokumentieren sie. Sie entwickelten das Wanganella Schaf. 1878 gewannen sie den Society’s, Goldsbrough’s and the president’s prizes for sheep. Ein Jahr später gewann ihre Züchtung den 1. Preis der Sydney International Exhibition. 1878 verkaufte der noch lebende Pippin die Farm. Es kam zu einer Aufteilung der Farm in Wanganella und Boonoke. Auf Boonoke wurde mit dem Original-Schafbestand weiter gezüchtet. Auch auf Wanganella wurde die Schafzug weiter betrieben. 1958 wurde beide Teile wieder zusammen geführt und seit 1934 wurde dort das Bonooke Poll Merino gezüchtet. (5)

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Peppin Merino Memorial, Wangenalla

 

Quellen:

(1) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Merino#Australian_Merinos am 5.12.2016.

(2) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S.136-139.

(3) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Booroola_Merino am 5. 12. 2016.

(4) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Poll_Merino am 5.12.2016.

(5) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Peppin_Merino#/media/File:WanganellaPeppinMonument.JPG am 5.12.2016.

 

Der Faserkalender Türchen 4 – das königliche Merinoschaf

Wer kennt es nicht, das Merino-Schaf. Nichts geht über Strickkleidung und Wolle aus 100% Merino. Zumindest ist es immer das Raunen, das ich höre, wenn unter Nicht-Spinner oder anderen Fasernerds das Wort Merino fällt… Es ist auf jeden Fall eine Schaf auf das ich setzten würde, wenn es um die meist produzierte Faser geht. Dabei steckt soviel mehr hinter dem Qualitätsmerkmals, reines Merino.

bildschirmfoto-2016-12-01-um-20-56-49Die Familie des Merinoschafes hat königliche Wurzeln. Im 12. und 13. Jh., zur Zeit der Almohaden, kreuzte der spanische Herrscher seine Mutterschafe mit Böcken der Berber in Marokko auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar. Das Ergebnis waren Schafe mit äußerst feinen und dichten Wollvliesen. Sie wurden nach dem afrikanischen Stamm der Meriniden benannt. Im Mittelalter stand der Export dieser neuen Schafrasse unter Todesstrafe und Spanien betrieb weltweit Handel mit seiner feinen Wolle. Ab dem 18. Jh. fanden die ersten Exporte der Tiere nach Nordafrika, Amerika und auch nach Deutschland statt. Europäische Siedler brachten deutsche Kreuzungen nach Australien und Neuseeland, die heute die größten Wollproduzenten der Welt sind. (1)

Die Merinos sind aber auch eine Schafrasse, die zur Einkreuzung in viele andere Schafrassen genutzt wurde. Meist ging es um die Verbesserung der Faserqualitäten wobei das Merino-Schaf die Feinheit einbringen sollte, wie z.B. das Rambouillet, das französische Merino. Hier zu findet ihr mehr in einem älteren Blog-Post über das Targhee-Columbia-Schaf.

800px-1905_championDie Merino-Faserqualitäten sind oft sehr unterschiedlich je nach Region aus der das Schaf stammt und je nach Züchtungsziel. Die Merinos untergliedern sich in unzählige Merinolinien, die einem steten Wandel durch Züchtung unterliegen. Und die Züchtungsziele können sehr unterschiedlich sein. Es kann z.B. um die höchst mögliche Produktivität gehen. So wurden Merinos gezüchtet, die eine möglichst große Hautoberfläche haben und es sind Schaf entstanden, die große Hautfalten bilden. In Klimazonen wie in Australien und Neuseeland ist so das Problem des Mulesings entstanden, eine Praktik, bei der solche Hautlappen am Po weg geschnitten werden, damit sich nicht die Larve einer dort ansässigen Fliege einnisten kann und die Tiere schädigt. Ein anderes Züchtungsziel kann auch ein bestimmter Faserdurchmesser und damit die Feinheit sein oder eine bestimmte Stapellänge.

Über die Faserfeinheit:

Mikron (micron) ist ein veraltete Bezeichnung für Mikrometer, die Einheit in der der Durchmesser eines Wollhaares gemessen werden kann. Mikron wird heute häufig genutzt, um die Faserfeinheit von Wolle auszudrücken und wird im Labor ermittelt. Je kleiner die Mikron, desto feiner die Wolle. Eine grobe Einteilung der Feinheiten hilft bei der Einschätzung der Faser und beim Fasereinkauf. Die folgende Einteilung bezieht sich nur auf die Merinowolle. Bezieht man andere Wollen mit ein, so verschiebt sich die Einteilung nach oben. Aber auch die Merinos unterscheiden sich in der Feinheit mitunter sehr. Hier ein guter Durchschnitt dieser Tabellen.

Eine grobe Reinheitseinteilung für Merino-Wollen:

< 15 mic = ultra fein / 15 – 18 mic = sehr fein / 18 – 20 = mic fein / 20 – 22 = mic mittelfein / 23-25 = mic grob

Es gibt aber auch ältere Systeme in denen Feinheiten bemessen wurden und um einiges subjektiver waren.

Das Bradford System (English Worsted Yarn Count System oder spinnig count): die Bradford Courts lassen sich mit Mikron korrelieren, messen aber in Strängen (die Einheit s steht für Single). Ursprünglich wurde gemessen wieviel 560-yard-Stränge ein Spinner aus 500g Kammzug herstellen konnten. Je feiner gesponnen wurde, desto mehr solcher Stränge konnten produziert werden. Von den feinsten Wollen konnten 80 solcher Stränge, also 80s, gesponnen werden. Von den gröbsten Wollen 34s. (2) Dieses System endet bei 80s, doch heute gibt es auch Merino-Wolle mit einer Feinheit von 90s. Für die Wollklassifizierung nach der Schur vor Ort, waren Vergleichs-Proben in den verschiedenen Feinheiten verfügbar, mit denen die frischen Wollen vergleichen werden konnten, oder an denen die Wollklassifizierter ihr Gefühl trainieren konnten. Dennoch bleibt dieses System subjektiv und ein Vlies enthielt zudem auch nicht nur eine Feinheit.

s in Bezug zu mic:

10-17 mic = <80s / 18-18,5 = 80s / 19-20 mic = 70s / 21-21,5 mic = 64s / 22-23 mic = 62s / 24-24,5 mic =60s / 25-26 mic = 58s / 27-27,5 mic = 56s / 28-29 mic = 54s / 30 mic und mehr = 50s (3)

Das Blood System stammt aus den 19. Jh. und betrachtet die Erblinie. Ausgangspunkt ist hier auch das Merino, welches in die USA importiert wurde und mit regionalen Schafen gekreuzt. Wieviel Merino im Schaf steckt führte zur Faserfeinheit: 1/2-Blut (nur ein Elternteil ist ein Merino), 1/4-Blut usw. (4)

Fine Wool 2 1/2 inches in staple length Very fine crimp (close together)
1/2 Blood Wool 3 inches in staple length Meduim fine crimp
3/8ths Blood Wool 3 1/2 inches in staple length Medium crimp
1/4 Blood Wool 4 inches in staple length Medium coarse crimp
Low 1/4 Wool 4 1/2 inches in staple length Coarse crimp (large waves)
Common 5 inches in staple length Very coarse
Braid 6 inches in staple length The most coarse

Es lassen sich natürlich auch alle drei Systeme zu einander in Bezug setzten. Das sieht dann so aus:

Fine Wool 64 to 70 to 80 Hanks Less than 22.04 Microns
1/2 Blood 60 to 62 Hanks 22.05 to 24.94 Microns
3/8 Blood 56 to 58 Hanks 24.95 to 27.84 Microns
1/4 Blood 50 to 54 Hanks 27.85 to 30.99 Microns
Low 1/4 46 to 48 Hanks 31.00 to 34.39 Microns
Common 44 to 40 Hanks 34.40 to 36.19 Microns
Braid 40 to 36 Hanks 36.20 to 40.20 Microns

Und zu guter letzt kann dies auch auch einige Schafrassen, von denen wir wohl einige vom Spinnen kennen, anwenden:

Delaine Merino 80’s Down to 64’s 18 to 22 Microns
Rambouillet 70’s Down to 60’s 19 to 25 Microns
New Zealand Merino 64’s Down to 60’s 20 to 25 Microns
Targhee & Romeldale 62’s Down to 58’s 22 to 26 Microns
Corriedale & Columbia 62’s Down to 46’s 22 to 34 Microns
Southdown 60’s Down to 50’s 24 to 31 Microns
Blue Leicester 60’s Down to 56’s 24 to 28 Microns
Shropshire, Suffolk, Dorset Horn, Montadale 58’s Down to 50’s 25 to 31 Microns
Finish Landrace (Finns) & Cheviot 58’s Down to 48’s 25 to 32 Microns
Oxford 50’s Down to 46’s 29 to 34 Microns
Romney 48’s Down to 44’s 31 to 36 Microns
Border Leicester 46’s Down to 40’s 33 to 38 Microns
Lincoln & Cotswold 40’s Down to 36’s 37 to 40 Microns

USDA-Grades: Das U.S. Department for Agriculture (USDA) wollte diese Systeme in Bezug setzen und objektivieren. So entstanden die UDSA-Grades, die auch heute noch genutzt werden. Ein Haken ist jedoch, dass sie in der gleichen Einheit wie das Bradford System messen und eine Verwechselungsgefahr besteht, wenn nicht angegeben wird, welches System angewendet wurde. Zudem gibt es eine Standardabweichung von 7,59 mic. D.h. dass ein Vlies, das mit 56s klassifiziert wurde in Micron gemessen 7,59 mic nach oben oder unten abweichen kann und somit z.B. die natürlichen Feinheitsschwankungen im Vlies berücksichtigt. Weicht die Feinheit mehr ab, so rutscht das Vlies in die entsprechend nächste Wollklasse. Zu guter Letzt bleibt noch die Frage, ob die Feinheit von  gewaschener oder fettiger Wolle ermittelt wurde. Das Bradford System klassifizierte meist fettige Wolle, also nach der Schur. Die USDA-Grades wurde wie die Micron an der gewaschenen Wolle angewendet.

USDA-GRADES grob unterteilt:

  • Fein: < 80 –  64s = 17 – 22 mic
  • Medium: 62 – 54s = 22 – 30 mic
  • Kraus: 52 – 44s = 30 – 36 mic
  • Sehr kraus: 42 – >36s = >36 mic

In diesem Kalendertürchen steckt übrigens ein südamerikanisches Merino, hier schneeweiß gebleicht. Ich nutze dieses Merino sehr gerne für meine Fasermischungen, denn die Faser ist glatt, nicht zu fein, denn das muss nicht immer das Beste sein und ich bekomme diese Faser in vielen herzlichen Farben aus denen ich die bunten Fasermischungen kardieren kann.

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Diese Faser stammt also nicht aus Neuseeland und Australien, sondern aus Südamerika, meist Argentinien. Hier besteht nicht das Larvenproblem, wodurch ich mehr Sicherheit habe, das die Wollproduktion die tierfreundlich verlief. Doch kann ich leider nicht sagen, welches Merino genau in diesem Kammzug steckt, es wird wohl eine Mischung sein. Schade, dass man beim Erwerb der Fasern nur so spärliche Informationen bekommen…

Dennoch einige allgemeine Merino-Faserdaten: Stapellänge: 5-12,5 cm / 12-25 mic / kleine Kräuselung, die von flach bis stark unterschiedlich ausgeprägt sein kann (5).

banana7Mein südamerikanischer Freund liegt übrigens bei 26 mic und gehört damit zu dem groben Merinos… Das zeigt, wie vorsichtig man mit dem Begriffen sein muss: grob heißt nicht kratzig oder weniger edel. Dieses Merino hat eine sehr gute und verlässliche Qualität und lässt wie ein Allrounder beim Spinnen einsetzen. Seine Stapellänge liegt mit fast 15 cm im langen Bereich.

Im Faserkalender werden noch mal die Merinos erscheinen. Dann berichte ich mehr von Vliesen und Kammzügen.

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Übrigens: Warum sind manche Vliese recht sauber, wenn sie direkt nach der Schur vom Schaf kommen und manche nicht? Das Wollfett ist der Schlüssel. Es gibt Schafrassen, so auch das Merino, die viel Wollfett produzieren. Das verteilt sich in den Faser und wirkt wasserabweisend. So kann, trotz Regen und Wetter, der Dreck nicht in das Vlies eindringen, sondern bleibt an der Oberfläche. So sind nur die Faserenden verschmutzt. Schaut man aber zwischen die Fasern, so sind diese sehr sauber und nur mit Schweiß und Lanolin versetzt. Solche Vliese sind ein Traum, wenn man die Wolle direkt nach der Schur bekommt und verarbeiten möchte. Ich hatte das Glück ein Merino-Mix frisch vom Schaf geschenkt bekommen zu haben und es war einfach wunderbar, solche Fasern zu waschen!

(1) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S.135.

(2) Vgl: https://en.wikipedia.org/wiki/Bradford_system am 2.12.2016.

(3) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S.138.

(4) Vgl.: http://www.gfwsheep.com/blood.count.html am 2.12.2016.

(5) Vgl.: D. Robson u. C. Ekarius: The Fleece & Fiber sourcebook, North Adams 2011, S.140.

Bildquelle Merinoschaf 1:  http://mhstatic.de/fm/1/MH_TC_Icebreaker_Shirt_900c.jpg

Bildquelle Merino 2: Champion Merino ram, 1905 Sydney Sheep Show Wikipedia, Commons