Kammzug versus Vlies

Vor einigen Tagen habe ich meine Ladehemmung überwunden und meine Kämme ausprobiert.

Als erstes Herantasten habe ich nur Kammzüge mit bereits gekämmten Fasern gezogen. Ich war überrascht, dass es nach den ersten paar Kämmen schon ganz gut klappte.

Foto 4-1 Hier habe ich den Kamm mit Fasern schichtweise beladen. Hauptsächlich habe ich naturgraues BLF verwendet. Dazwischen habe ich Merino in Rosatönen, weises Ramie und linkes Angelina geschichtet.

Foto 3-1 Kopie

Hier war ich mit dem Beladen fertig und es sind die drei Schichten zu sehen.

Foto 5-3 Hier ziehe ich den ersten Kammzug ab. Ich versuche mich dabei von der eine Seite zur anderen Seite zu arbeiten und von unten nach oben. Durch die nur drei Schichten verändert sich das Verhältnis zwischen BLF und bunten Fasern in den unterschiedlichen Abschnitten des Kammzuges. Und eine weitere Rolle spielen natürlich die Faserlängen. Das Ramie hat sehr lange Fasern, länger als BLF und Merino. Deshalb ziehen sich die Ramiefasern schneller aus, als der anderen Fasern. Das sollte bedacht werden, wird eine gleichmäßige Verteilung angestrebt. In den ersten Zügen war es mir noch nicht wichtig. Außerdem ergibt sich wieder ein Rhythmus, wenn mehre Kammzüge, die so erstellt wurden, hintereinander versponnen werden.

Foto 2 Das ist der Rest, der auf den Kämmen zwischen den Zinken hängen bleibt. Dafür gibt es sicher einen Begriff. Kennt ihr den? Wie nennt man diese Rest aus kurzen Fasern, der auf den Kämmen übrig bleibt? Ich habe ihn mir aufgehoben, um in später in ein Vlies einzukardieren.

Foto 1 Das hier sind die ersten Kammzüge, die entstanden sind. Mir gefällt diese Faseraufbereitung sehr gut. Die Fasern sind alle glatt parallelisiert, vor ausgezogen und gelockert. Perfekt um versponnen zu werden. Alles was ich bisher zum Kämmen und Kammzügen gehört habe hat sich voll bestätigt.

Foto 1 Kopie 2 Hier habe ich einen Kamm wie oben bestückt einmal abgekämmt. Ich wollte wissen, wie sich die Fasern dabei vermischen. Und hier ist zu sehen, dass sie sich ziemlich schnell (hier nach einmal) recht homogen vermischen. Würde ich diese Mischung verspinnen, würde das Garn farblich recht gleichmäßig werden. Ich persönlich finde, dass, möchte man eine gleichmäßige Fasermischung, das Mischen von Fasern so schneller geht, als beim Kardieren.

Foto 3 Die gleiche Fasermischung habe ich zusammen mit dem Rest von Kämmen (der wirklich sehr gering ist) zu einem Vlies kardiert. Das Mischverhältnis ist genau das gleiche wie beim Kämmen. Und auch der Grad der Vermischung ist ähnlich.

Ziel war es, die Garne, beider Vorbereitungsarten zu vergleichen. Ich habe aus beiden Fasern, den Kammzügen und dem Vlies, ein unverzwirntes unterdrehtes Garn gesponnen.

Foto 3 Kopie 2Das ist das Kammgarn: es hat eine gleichmäßige glatte Oberfläche. Die farbigen Fasern setzten sich noch gut von den grauen Fasern ab. Sie sind einerseits eingemischt, aber andererseits ist die Mischung nicht homogen und es gibt immer wieder Stellen, an denen die farbigen Fasern überwiegen.Foto 1-1

Foto 1 KopieHier kommt nun das Garn aus dem Vlies. Der Unterschied ist gering, aber spürbar (weniger hier auf den Bildern sichtbar). Ich weiß nicht wie, so ein Garn eingeordnet werden würde. Mit den englischen Kategorien würde ich semi-worsted sagen.

Foto 4 Kopie 2

Nach Anne Field unterscheiden sich die Kategorien so:

  • worsted: Fasern werden parallel ausgerichtet (gekämmt oder mit der Fickkarde) + kurzer Auszug
  • semi-worsted: Fasern werden nicht parallel ausgerichtet (kardiert) + kurzer Auszug
  • woolen: Fasern werden nicht parallel ausgerichtet  + langer oder mittlerer Auszug
  • semi-woolen: Fasern werden parallel ausgerichtet + langer oder mittlerer Auszug

In diesem Fall trifft semi-worsted zu: kardiert aber mit dem kurzen Auszug versponnen.

Die Unterschiede waren besonders beim Spinnen spürbar. Das Vorgarn war wesentlich instabiler. Dadurch das die Fasern nicht in voller Länge parallel lagen, musste ich die drafting zone wesentlich kürzer halten, sonst wäre der Strang gebrochen. Es war auch deutlich sichtbar, das die Fasern nicht parallel lagen und dadurch fühlten sie sich flauschiger an. Und auch das Garn wurde weniger „hart“/glatt, sondern weicher, mit etwas weniger Fasermasse auf die Länge und auch ein Tick weniger stabil. Klar, die Fasern liegen einfach nicht glatt neben einander. Im fertigen Garn sieht man diesen Unterschied an der Oberfläche, es stehen mehr Faserenden heraus (im großen Bild zu sehen, denke ich). Es wirkt ein wenig, wie wenn man es gebürstet hätte. Ein anderer Unterschied ist die Farbverteilung. Es ist kaum sichtbar, aber dennoch vorhanden, die farbigen Fasern setzten sich nicht ganz so direkt ab, sondern sind häufiger stärker in die grauen Fasern eingemischt. Das liegt an dem nicht parallelisierten „Flaum“ des BLF und war während dem Spinnen gut zu beobachten. Trotzdem gibt es noch genauso Abschnitte, in denen die farbigen Fasern überwiegen.

Trotz der Unterschiede, die wirklich minimal sind und in erster Linie spürbar und weniger sichtbar sind, sind es fast identische Garne, die gut zusammen passen. Mich würde es interessieren, ob diese Unterschiede sichtbar werden, wenn man sie verstrickt. Die farblichen Abweichungen sind ja oft erst im Strickstück, also im Überblick der ganzen Lauflänge zu sehen. Ich denke die unterschiedliche Oberfläche wird auch verstricht etwas spürbar sein

Zum Abschluss noch ein Bild mit beiden Garnen nebeneinander. Links liegt das glatter Garn (es hat etwas mehr Lauflänge) und rechts liegt das Garn aus dem Vlies.

Foto 5-1

Peter Teals Wollkämme

Heute ist das lang ersehnte Paket angekommen.Foto-3

Es sind Wollkämme von Wingham Wool Work nach dem Design von Peter Teal.

Wingham Wool Work  ist ein Online-Shop aus England und, soweit ich es bis jetzt herausgefunden habe, der einzige der der diese Wollkämme vertreibt.

Foto-2Warum genau diese Wollkämme? Wenn ich mir so eine doch größere Anschaffung mache, dann bitte nur einmal. Deshalb sollen sie recht viel können. Einmal wollte ich unbedingt Kämme mit einer Halterung, denn diese Halterung macht es sehr viel einfacher Kammzüge von den Kämmen zu ziehen.  An dieser Halterung gefällt es mir, dass man die Kämme sicher unten reinschieben kann, wenn man sie nicht benötigt. Safety first, wer weiß, wann mal der Haushalt hier anwächst ;-). Auch super praktisch ist, dass man den eingespannten Kamm ganz easy drehen kann und die Kämme deshalb nicht tauschen oder umspannen muss.

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Und zuletzt war der Hauptgrund, die 4 Nagelreihen pro Kamm. Die meisten Kämme haben eine oder zwei Reihen pro Kamm. Mir fehlt noch die Erfahrung einzuschätzen, was das für Auswirkungen hat. Aber ich stelle mir vor, dass je enger die Nägel sitzen, desto feiner können die zu kämmenden Fasern sein können und vier Reihen machen die Abstände auch dichter. Ich wollte kein Risiko eingehen, denn bei meinem Kardiergerät sind die Nadelabstände so, dass es gut mittlere und grobe Fasern kardiert. Aber bei sehr feinen Fasern bin ich mit dem Vliesen noch unzufrieden. Da muss wohl bald ein weiteres Kardiergerät her, mit einer sehr feinen Benadelung. Eben eine dieser Doppelanschaffungen, die ich nicht so gerne mag.

Ahh, und es war ein Diz dabei! Sehr cool! 🙂

Es gibt ein tolle Video zum Gebrauch der Kämme:

 

Alle weiteren Videos lassen sich nicht einbetten und ihr könnt sie euch einfach auf Youtube ansehen.

Sobald ich die ersten Kammzüge gezogen habe, gibts mehr von den Kämmen zu lesen :-).