Angoragarn

Und wieder ist ein Vlies von Seidenhase versponnen:-)Foto 1-3

Das hier hat sich eine liebe Freundin ausgesucht und zum Spinnen gleich bei mir gelassen.
Foto 3-1Eine Mischung aus Seidenhasen-Angora mit diversen Wollemischungen.

Daraus wurden erstmal Kardenbänder, die ich dann – diesmal mal wieder mit der Handspindel – zu einem unterdrehten einfädrigen Streichgarn versponnen habe. Und das hier wird sich bald auf die Reise machen:-)

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Dog Rose – medium draw beim corespinning

Im Moment ist bei mir corespinning ohne Ende angesagt.

Diesmal habe ich es mit anderen Fasern versucht. Normalerweise nehme ich glatte Fasern wie Merino, Milchfasern, und Angelina. Die Vliese lassen sich leicht ausziehen und die langen glatten Fasern legen sich leicht um den Core. Das Garn ist logischerweise sehr glatt und die unterschiedlichen Fasern kommen gut zur Geltung.

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Bei diesem Vlies habe ich hauptsächliche meine braune Demeterwolle benutzt. Sie ist ja etwas kraus und hat Fasern unterschiedlicher Länge im Ausgangsvlies. Eben kein Kammzug, sondern ein kardiertes Vlies, dass eigentlich für woolen oder semi-woolen yarns geeignet ist. Ich habe es im drumcarder mit ein paar pinken und hellgrünen Merinofasern, etwas handgefärbten Coburger Fuchs und Remie gemischt. Alles in allem immer noch nichts für ein glattes Garn.

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Das Vlies ist in Schichten mit den unterschiedlichen Farben aufgebaut und enthält keinen Farbverlauf. Damit alle Farben gleichmäßig im Garn auftauchen habe ich es in lange Längsstreifen geteilt. Im Querschnitt könnt ihr die farbigen Schichten sehen. Auf dem Bild liegen mehrere Streifen auf ihrer Seite hintereinander.

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Diese Streifen habe ich ausgezogen und wie Kardenbänder gewickelt.

Btw: was sagt man auf deutsch zu predrafting?

Dann ging es ans Spinnen. Ich hab etwas versucht, was eigentlich im ersten Moment absurd war. Ich habe versucht, trotz des corespinnings, mich wie beim Spinnen eines flauschiges Garn zu verhalten. Klar kann ich beim corespinning keinen echten langen Auszug machen. Aber ich kann sich die Fasern durch die Anhaftung am Kern und dessen Drehung selbst ausziehen und um ihn wickelt lassen. Dabei greife ich die Fasern wie beim medium draw weiter hinten und justiere sie nicht nach, wenn sie sich um den Kern wickeln. Und vor allem drücke ich sie nicht platt und damit die Luft hinaus.

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Es war ein spannender Prozess, der am Anfang erstmal gar nicht so gut klappte. Aber im Verlauf des Spinnens wurde er immer leichter und ich merkte, wie sich das Garn fast von alleine sponn. Die Schicht Fasern um den Kern wurde immer geringer, aber durch die Faserbeschaffenheit voluminöser. Das bedeutet für das Garn, dass es wirklich sehr viel leichter, weicher und richtig fluffig wurde. Es sind ja viel Luft und ein paar Fasern um den Kern.

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Was ich auch sehr spannend finde ist, dass ich das Garn schneller und mit geringeren Drall spinnen konnte. Es ist nun ein richtiges low-twist Garn geworden. Aber die Fasern liegen im Winkel eines corespun Garnes. Auf den Bildern sieht man den Unterschied zu einem glatten corespun vielleicht kaum. Ok, es sieht nicht so glatt aus 😉 Den Unterschied merkt man, so finde ich, erst beim Anfassen. Es ist leicht, fluffig und voller Luft. Das war eine echt faszinierende Reise. Ach ja, ab und zu sind noch ein paar autowrapps mit dem Kern dabei… Probierts aus!

Medium draw

51scSvnvatL._SL500_PIsitb-sticker-arrow-big,TopRight,35,-73_OU15_Ein neues Buch von Anne Field „Spinning wool: Beyond Basics“ motivierte mich, mich dem langen und dem mittleren Auszug zu stellen. Bisher habe ich nur mit den verschiedenen Arten des kurzen Auszugs gearbeitet. Das hat auch gut funktioniert, weil ich meist mit glatten und langen Fasern wie Merino, Angora, Seide und auch Pflanzenfasern wie Remi, Leinen oder Bambus gesponnen habe und worsted (glattes) Garn produziert habe. Ich habe aber auch Vliese mit grausen und kürzeren Fasern, so wie den Coburger Fuchs oder die Schurwolle vom Zollhof experimentiert. Diese Fasern mag ich sehr gerne, denn sie sind regional und Demeter zertifiziert. Leider wurden meine Garne aus diesen Fasern immer sehr hart und kratzig. Man konnte sie nur sehr schwer direkt auf der Haut tragen. Das Problem hierbei liegt am Auszug. Der kurze Auszug ist der falsche für diese Fasern.

Medium3Mit der braunen Schurwolle vom Zollhof habe ich zum ersten mal versucht ein semi-woolen Garn zu produzieren. Die Wolle war schon perfekt für diesen Auszug vorbereitet: in einem lockeren Vlies, in dem die Fasern verschiedener Längen, relativ gleich ausgerichtet liegen. Trotzdem habe ich es noch einmal kardiert, um wieder etwas meiner Sariseide unter zu mischen. Die Fasern der Seide mussten zuvor unbedingt gekürzt werden um eine ähnliche Länge wie die der Wollfasern zu haben. Danach habe ich das Vlies in rollags unterteilt, die ich dann nach und nach mit dem mittleren Auszug versponnen habe.

Der mittlere Auszug erschien mit für den Anfang leichter als der lange Auszug. Es ging mir darum, mich erst einmal an das andere Auszugsverhalten zu gewöhnen, denn es passierte ganz schön schnell, wenn die Konzentration nach lies, dass meine linke Hand zur der drafting zone wanderte und den kurzen Auszug machen wollte.

Beim Spinnen fiel mir auf, wie wichtig die Faservorbereitung war. Ich wunderte mich immer, wenn dieser Punkt in Büchern so unterstrichen wurde, denn beim kurzen Auszug kann man Schwächen der Faservorbereitung ganz gut kompensieren. Beim langen und mittleren Auszug hängt sie Ebenmäßigkeit des Fadens stark von der Gleichmäßigkeit ab, in der sich die Fasern aus dem rollag ziehen lassen. Und das hängt eben davon ab, wie gut das Vlies kardiert wurde.

Was wirklich ein Aha-Moment führte, ist der Unterschied zwischen dem langen und dem mittleren Auszug. Der kurze Auszug arbeitet in kleinen Schritten, bei denen die vordere Hand (bei mir die linke) sehr nahe an der drafting zone arbeitet und den gerade entstehende Faden zwischen die Finger gleiten lässt und damit die Luft zwischen den Fasern heraus drückt. Das gilt sowohl für den Auszug nach vornen als auch den nach hinten. Das Garn wird dadurch glatt, dicht und klar definiert. Der mittlere und der lange Auszug produziert sehr luftiges und warmes Garn, den es zielt darauf ab möglichst viel Luft zwischen den Fasern einzuschließen. Das geschieht indem keine Hand an der drafting zone arbeitet, sondern die vordere Hand nur den fertigen Faden beim Einzug unterstützt und hin und wieder den Auszug der Fasern aus dem rollag mit etwas Gegenzug fördert, wenn es mal nicht so flüssig läuft, wie es sollte. Doch dabei bleibt die Hand trotzdem vornen am Einzug. Die hintere Hand arbeitet sich beim Auszug immer weiter hinter zur Hüfte. Die Fasern werden alleine durch die Kraft des Einzugs und des twists ausgezogen. Da keine Hand den gerade entstehenden Faden glättet, bleibt die Luft zwischen den Fasern. Die Beschaffenheit der Fasern und die Vorbereitung zu rollags führt dazu, dass sich die Fasern leicht kraus und nicht völlig parallelisiert verdrehen. Dieser Faden ergibt verzwirnt ein unheimlich luftiges Garn.

Der Unterschied zwischen dem mittleren und dem langem Auszug ist nun die Handhabung der rollags. Die hintere Hand hält den rollag und reguliert nach und nach die Menge der Fasern, die aus dem rollag entzogen werden. Sie dosiert also etwas und bewegt sich, angepasst daran, langsam nach hinten. Beim langen Auszug dosiert die hintere Hand gleich vornen am Einzug die Menge der Fasern, die in einem Auszug verdreht werden sollen. Es wird eine größere Menge an twist aufgebaut und dann zieht die hintere Hand nach hinten und der twist verteilt sich und verdreht die definierte Menge an Fasern. Befindet sich die Hand hinten, ist der Faden noch unterdreht und während er durch weiteren twist weiter verdreht wird, wird die vordere Hand eingesetzt um den Faden zu egalisieren. Hat der Faden den twist erreicht, den er haben soll, wird er auf einmal auf die Spule entlassen. Das Egalisieren geschieht beim mittleren Auszug während dem Ausziehen und dem Dosieren der auszuziehen Fasern. Der gewünschte twist baut sich analog zur entstehenden Fadenlänge auf, während beim langen Auszug erst die Fadenlänge mit einer Grundmenge an twist entsteht und dann kommt der restliche twist beim Egalisieren dazu.

Laut Anne Field gibt es also diese Unterschiede:

kurzer Auszug (worsted):

  • es wird mit zwei Händen gearbeitet
  • die vordere Hand befindet sich direkt an der drafting zone und glättet den entstehenden Faden
  • es wird in kleinen Schritten ausgezogen und verdreht, dabei ist der vorwärts und der nach hinten gerichtete Auszug möglich.
  • es wird während dem Ausziehen egalisiert (°)
  • der twist wird in jedem Auszug/Fadenabschnitt bis zur gewünschten Menge aufgebaut
  • der Faden kann nach jedem einzelnen, aber auch erst mach mehreren Auszügen auf die Spule entlassen werden (°)
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung

mittlerer Auszug (semi-woolen): 

  • die vordere Hand unterstützt den Spinnprozess und befindet sich nicht an der drafting zone (*)
  • Fasern werden dosiert aus dem rollag entlassen
  • die hinter Hand umfasst das ganze rollag
  • die Fadenlänge entsteht langsam während dem Ausziehen
  • der twist baut sich entlang der Fadenlänge auf
  • das Egalisieren geschieht während dem Ausziehen (°)
  • der Faden kann nach jedem Auszug, aber nach mehreren Auszügen auf die Spule entlassen werden (°)
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung (*)

langer Auszug (woolen):

  • die vordere Hand unterstützt den Spinnprozess und befindet sich nicht an der drafting zone (*)
  • es wird eine vordefinierte Menge an Fasern während eines Auszugs versponnen
  • die hinter Hand greift dazu das rollag hinter dieser definierten Fasermenge und lässt keine weiteren Fasern ausziehen
  • vor dem Auszug wird durch treten twist aufgebaut
  • der Auzug erfolgt schnell nach hinten und der angestaute Twist verteilt sich auf die Länge und zieht dabei die Fasermenge in die Länge.
  • das Egalisieren erfolgt als zweiten Schritt, während der twist in der Fadenlänge die gewünschte Menge erreicht
  • der Faden wird nach jedem beendeten Auszug auf die Spule entlassen
  • Fasereigenschaften und ihre Vorbereitung (*)

(°) Gemeinsamkeit zwischen kurzem und mittleren Auszug

(*) Gemeinsamkeit zwischen mittlerem und langen Auszug

Diese Unterscheidung zeigt, dass nicht der äußere Eindruck eines langen Fadens, der während dem Spinnen bis zur Hüfte reichen kann, den langen Auszug charakterisiert. Denn das kann auch mit einem kurzen Auszug nach hinten erreicht werden. Sie zeigt viel mehr, dass eine klare technische Unterscheidung zwischen kurzen, mittleren und langen Auszug gibt. Das Resultat ist ein worsted Garn, ein semi-woolen und ein woolen Garn. Ich bin wirklich erstaunt über diese technischen Aspekte und ihre Abhängigkeit von der Faserbeschaffung und ihre Auswirkung auf ihre Vorbereitung und das Garnresultat. Noch nie habe die Entstehung eines Garnes in so einer Prozesskette gesehen, die von der Beschaffenheit der Faser ausgeht. Das war ein echtes AHA!

mediumUnd hier nun mein allererstes semi-woolen Garn. Und Ja, die Wolle, die zuvor in meinen Garnen fast untragbar war, ist weich, warm und zwar immer noch etwas kratzig, aber tragbar. Mit etwas Übung, kann vielleicht mal ein tragbares Stück daraus werden:-) Ich denke ich mache mich langsam auf den Weg zu wirklich kontrollierten und intendiertes Spinnen…