Fraktal Spinnen

Vor einigen Jahren, noch bevor der Blog „Back to the Wheel“ wurde, schrieb ich mal einen Beitrag zum Fraktal spinnen. Im Laufe der Zeit fiel er der Speicherplatzentschlackung zum Opfer. Im Frühjahr habe ich mich nochmal, diesmal etwas systematischer, diesem Thema gewidmet. Und so möchte ich heute ein wenig über das fraktale Spinnen berichten, euch von meinem neuen Workshop zu diesem Thema erzählen und einen kleinen Ausblick darauf geben, was fraktal noch so geht…

Die Diskussionen zu diesem Thema beginnen oft mit der Frage „Was ist ein Fraktal?“ oder „… das erscheint mir ziemlich mathematisch…“ Ja, das Fraktal hat etwas mit Mathematik zu tun, aber letzten Endes, beim Spinnen, ist es doch relativ leicht zu verstehen und noch leichter anzuwenden.

Wie ist das nun mit der Mathematik?

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Die Mandelbrotmenge

Das Fraktal ist ein Begriff aus der Mathematik. Er leitet sich vom Lateinischen frangere brechen oder zerbrechen ab und beschreibt heute bestimmte geometrische Muster, die nicht eindeutig einer Dimension zugeordnet werden kann, d.h. dass sie z.B. nicht eindeutig linear, oder eindeutig räumlich sind, sondern etwas dazwischen. Mathematisch gesprochen sind sie nicht ganzzahlig. Das klingt jetzt kompliziert und scheint noch schwerer bildhaft vorstellbar zu sein. Doch ihr kennt vielleicht die Mandelbrotmenge oder das Sierpinski-Dreieick.

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Das Sierpinski-Dreieick

Für uns ist das zunächst einfach nur die Erklärung für den Begriff. Ihr müsst nicht zum Mathecrack werden, um fraktal zu spinnen oder gar die Dimensionen wechseln 😉

Selbstähnlichkeit ist der Schlüssel

Für uns interessant ist ausschließlich eine bestimmte Gruppe der fraktalen Muster: diejenigen mit einer hohen Selbstähnlichkeit. Das bedeutet, dass das Muster aus einem Muster zusammen gesetzt ist, welches eine Kopie seiner selbst ist. Eine sogenannte strikte Selbstähnlichkeit gibt es nur in der Mathematik. Hierbei kann in ein Muster unendlich lange hinein gezoomt werden und es würde stets aus dem gleichen Muster bestehen, egal welche Vergrößerungsstufe erreicht werden würde. Das Sierpinski-Dreieick ist solch ein Beispiel.

Selbstähnliche (nicht strikt selbstähnliche) Muster lassen sich auch in der Natur finden. Der Farn, der Blumenkohl, die Schneeflocke oder unsere Blutgefäße sind nur einige Beispiele. Das Farnblatt besteht aus vielen kleinen Blättchen, die für sich genommen die gleiche Form haben, wie das Farnblatt in seiner Gänze.

Der Farn als Vorlage

Was in der Mathematik die Struktur oder das Muster ist, ist bei uns im Spinnen die Farbe.

1907293_origDas Farnblatt bietet uns eine gute Analogie, für das, was wir nun mit Farben nachstellen wollen. Wir wollen ein Garn spinnen, in dem übertragen gesprochen ein großes Farnblatt und gleichzeitig viele kleine Farnblätter stecken. Dies geht nur mit einem Zwirn aus mindestens 2 Fäden. Der eine Faden enthält den großen Farn und der andere Faden enthält die sich wiederholenden kleinen Farnblätter. Verzwirnt ist der Faden, schachteln sich dann die kleinen Farnblätter in das große Farnblatt.

Wir übertragen also die Idee der Selbstähnlichkeit einfach auf die Farben.

Und nun mit Wolle

Was genau passiert nun? Nehmen wir an, wir spinnen mit einem handgefärbten Kammzug. Die Farbgestaltung, die durch die Färbung im Kammzug steckt, entspricht dem Muster, welches im Fraktal kopiert und skaliert in einander geschachtelt wird.

Der Faden 1 enthält diese Farbgestaltung 1:1. Der Kammzug wird direkt ohne weitere Unterteilung versponnen und die Farben ziehen sich so, wie sie gefärbt wurden in die Länge.

Der Faden 2 enthält das Muster in mehrfacher Wiederholung hintereinander gereiht und damit im kleineren  Maßstab. Durch das Aufteilen eines Kammzugs in mehrere Bänder wird das Muster kopiert und gleichzeitig verkleinert. Die Bänder sind dünner, ergeben also weniger Lauflänge und die Farben ziehen sich in kürzer Abschnitte, wie beim Faden 1. Dafür wiederholt sich das Farbmuster aber so oft, wie Bänder zuvor abgeteilt wurden.

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D.h. die Anzahl der Bänder für Faden 2 bestimmt die Skalierung des Musters, sowie die Anzahl seiner Wiederholungen.

Fraktal3In der Grafik stellt ein Dreieck das Muster bzw. die Farbabfolge des Kammzuges dar. In Faden 1 kommt es nur 1 Mal vor. In Faden 2 mehrmals. Durch das Zwirnen werden die kleinen Muster in das große Muster geschachtelt. Jedes kleines Muster von Faden 2 trifft auf das Muster im Faden 1.

Angenommen das Muster besteht aus Gelb, Blau und Grün und der Faden 2 aus 3 Musterabschnitten, dann trifft Gelb, Blau, Grün im Faden 2 auf Gelb im Faden 1. Dann trifft Gelb, Blau, Grün vom Faden 2 auf Blau im Faden 1 und zu letzt  Gelb, Blau, Grün von Faden 1 auf Grün im Faden 1.

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Das hat zur Folge, dass es in einem fraktalen Garn stets 2-farbige Abschnitte gibt, sowie 1-farbige.

Organisch oder Exakt?

Ich unterscheide nun in meinem Workshop zwischen 2 Arten ein Fraktal zu spinnen: Das organische Fraktal und das exakte Fraktal. Ihr erinnert euch vielleicht an die oben erwähnte Unterscheidung der Mathematik in strikt und nicht stirkt. Das meine ich hier nicht wörtlich, aber es lehnt sich an diese Unterscheidung an.

Handgefärbte Kammzüge bieten einen einfachen Einstieg in die fraktale Farbgestaltung. Dennoch sind die Farben darin nicht grammgenau gleich verteilt. Und auch unser Unterteilen des Kammzuges erfolgt nach Gefühl und nicht grammgenau. Dabei kann es sein, dass die zwei Fäden unterschiedlich lang ausfallen und beim Zwirnen ein Rest auf einer Spule übrig bleibt. So verschieben sich auch die Farbverläufe zu einander. Zudem haben wir eine willkürliche Anzahl von Bändern für Faden 2 unterteilt. Beides führt dazu, dass die Farbabschnitte des Fadens 2 willkürlich auf die Farben des Musters in Faden 1 treffen. Das nenne ich ein intuitives Vorgehen. Und dieses Vorgehen passt einfach gut zu einem handgefärbten Kammzug.

Eine andere Vorgehensweise ist das grammgenaue Abwiegen der Farben. Dazu wird die Anzahl der Teilmengen, die im Faden 2 aneinander gereiht werden, exakt nach der Anzahl der verwendeten Farben gewählt. So werden sich alle Farben im Faden 2 genau einmal mit jeder Farbe im Faden 1 treffen. Auch die beiden Einzelfäden müssen hierbei exakt gleich stark und gleich lang gesponnen werden, damit dieses Vorgehen funktioniert. In der Praxis, wird solch ein Garn wohl eher nicht gesponnen werden, denn die Farbübergänge sind hart und das Vorgehen etwas mühsam, doch es zeigt ein fraktales Garn in seiner Reinform und stellt eine technische Spielerei dar.

Der Vergleich

Schauen wir es uns mal in der Strickprobe an.

Zunächst einmal sieht man im Zwirn keinen Unterschied zu einem normalen, bunten 2-fach-Zwirn. Das Fraktal entfaltet sich erst im Strickstück sichtbar. Im Vergleich zum fraktale Garn wurde noch ein Navajozwirn gesponnen, der einmal das Farbmuster enthält zur Orientierung dienen soll.

Schon beim Vergleich des vollfarbigen Musters ist zu sehen, dass die Farben des handgefärbten Kammzuges nicht klar von einander abgetrennt sind und auch nicht als klare Reinfarben auftauchen. Das führt dazu, dass das Fraktal schon alleine durch die Färbung schwerer zu erkennen ist, als wenn das Garn aus Einzelfarben fraktale gesponnen wurde.

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Das organische Fraktal: Hier wird es, zusätzlich zur Färbung an sich, durch das intuitive Teilen schwierig, die einzelnen Abschnitte von einander zu unter-scheiden. Dies kann natürlich auch gewollt sein, denn die Farbentwicklung wirkt weicher und zufälliger. Einscheidend ist aber, dass sich stets 2-farbige Abschnitte mit vollfarbigen Abschnitten abwechseln.

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Das exakte Fraktal: Die Strickprobe des exakt abge-wogenen Fraktals zeigt hingegen die genau kalkulierte Farbabfolge. Es sind 4 Abschnitte zu erkennen die je eine übergreifende Farbe mitlaufen haben: Orange, gelb, hellgrün & grün. Diese Abfolge ist oben im vollfarbigen Muster nach zu verfolgen. Dies kommt zustande, da wir mit 4 Farben und 4 Teilmengen gearbeitet haben. Auf die gleiche Weise schachteln sich die Farben noch einmal in jeden Abschnitt. So erscheint in jedem Abschnitt auch ein vollfarbiger Bereich.

 

Ein 3-faches Fraktal

Alles was wir mit einem 2-fachen Zwirn gemacht haben, können wir auch mit einem 3-fachen Zwirn machen. Sicherlich ließen sich die Einzelfäden nach diesem Prinzip noch weiter steigern, doch ist es fraglich, ab wann das Fraktal noch sichtbar und strickbar ist. Im Workshop habe ich zu diesem Fraktal, wie auch zu 2-fädrigen Fraktalen eine Art Spinnrezept geschrieben – eine Art systematische Auflistung, für das Abwiegen der Einzelfarben und deren Reihenfolge in jedem Faden.

Fraktale Faservorbereitung

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_2adSoll ein fraktales Garn aus Einzelfarben gesponnen werden, so empfiehlt es sich, die Farben nicht einzeln hinter einander zu verspinnen, sondern die Farben in einander übergehen lassen. So werden die Übergänge harmonischer. Eine Möglichkeit bietet das Kämmen. Besonders einfach lässt es sich fraktale Kammzüge auf einer Hackle Row herstellen, da diese eine breite Zahnreihe hat, auf die Farben nach einander auf gehängt werden können.

UNADJUSTEDNONRAW_thumb_2b6Auch fraktales Kardieren ist möglich. Natürlich wäre es möglich exakt das gleiche Vorgehen wie oben beim Kämmen beschrieben auch auf das Kardiergerät anzuwenden. D.h. 2 Vliese zu kardieren, in denen die Farben fraktal angeordnet sind. Doch es kann auch anders vorgegangen werden und Vlies mit Rolags kombiniert werden.

Aber es kann auch ganz einfach ein Verlaufsvlies fraktal abgesponnen werden. Das ist ein sehr einfacher und unkomplizierter Weg zum fraktalen Garn. Die Farbabfolge liegt bereits im Vlies vor und nur die Richtung, in der du das Vlies abspinnst, entscheidet über die Lage der Abfolge im Faden. Natürlich wird so ein eher organisches Fraktale entstehen.

Ein neuer Workshop

All diese Vorbereitungsarten werden wir in diesem Workshop zusammen machen. Wir werden ein organisches Fraktal spinnen, ein Exaktes zusammen berechnen und wer mag auch ein 3-faches Fraktal anfertigen.

Wie immer in meinen Kursen werden wir mit kleinen Spinnproben arbeiten und es gibt wieder eine Spinnmappe mit Skript und Spinndokumentation. Der Kurs geht über 2 Tage, also insgesamt 12 Stunden.

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Diesmal geht es in diesem Kurs nicht um Spinntechnik im Sinne neuer Auszüge, Drallmanagement oder Artyarnkonstruktion. Dieser Kurs setzt einfach nur das geübte Spinnen mit dem kurzen Auszug voraus. Dafür geht es mehr um die geplante Farbgestaltung eines Garnes. Ideal ist dieser Kurs für SpinnerInnen, die gerne 2-fache Zwirne oder mehrfarbige Zwirne spinnen oder auf das Kombo-Spinnen stehen, welches ja gerade en vogue ist, denn hier werden verschiedene Kammzüge miteinander kombiniert, was auch fraktal erfolgen könnte!

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig mit dieser Art zu gestalten anfixen und zumindest mal die gängigen Fragen zum Fraktal klären. 🙂

Wer Lust auf einen Kurs hat, der möge sich einfach der Webseite up do date halten. Dort oder auf Ravelry & Facebook gebe ich bald wieder neue Termine bekannt. Oder ihr schreibt mir eine Mail mit einem Wunschzeitraum. Noch können Termine geschoben werden…

Frohes Spinnen!

Eure Kathrin.

Ein langer Weg zum Bouclé

Foto 1-6 KopieBouclé (franz.) bedeutet Schlinge, Kreis, Schleife. Es bezeichnet einen Garntyp der lauter kleine Schlingen beinhaltet, die später ein ganz typisches Strickbild ergibt, bei dem die kleinen Schlingen auf den Maschen aufsitzen, sie dabei ein wenig verdecken und wie viele kleine Haarlöckchen aussehen. Mich erinnert solch ein Stickstück immer ein wenig an ein kleines gelocktes Lamm. Doch der Weg zu einem handgesponnenem Bouclé ist wirklich nicht kurz und einfach.

Seit ich das erste mal „Spin Art“ von Jacey Boggs, indem sie auch das Bouclé beschreibt, gelesen hatte, wollte ich diesen Typ natürlich gleich mal ausprobieren. Doch der erste Versuch war mäßig erfolgreich. Er war völlig umbalanciert und die Schlaufen waren alles andere, nur keine kleine Kreise. Heute, 2 Jahre und einige Versuche später,  ist ein einigermaßen gut aufgebautes Bouclé entstanden, welches aber immer noch nicht perfekt ist. Warum das so ist und was ich von einem perfekten Bouclé erwarte versuche ich hier in einem Beitrag zusammen zu fassen.

Doch bevor ich das versuche möchte ich noch eines los werden, was mir sehr am Herzen liegt. Bouclé ist ein Garn, dass zeigt wie sehr traditionelles Spinnen und art-spinning  von einander profitieren und nicht es eine Frage der „Spinnphilosophie“ ist, welchem Lager man angehört. Jacey Boggs hatte in einem Interview mal gesagt, dass ihre Techniken im traditionellem Spinnen vom art-spinning  profitierten und umgekehrt. Nach nun diesen zwei Jahren intensiven Auseinandersetzen mit der Konstruktion der Garnen, kann ich dem nur bei pflichten. Ich denke ich habe beides fast 50/50 praktiziert und immer wieder in Schüben abgewechselt und jedesmal habe ich dazu gelernt. Beim art-spinning sollte man sehr gut überlegen, wie das Garn aufgebaut wird. Wo kommt die Stabilität her, wie werden die Effekte fixiert und wie viel Drall kommt in welche Richtung in das Garn. Beim traditionellem Spinnen sollten Fasereigenschaften die Technik bestimmen, die dann gut kontrolliert aus geführt wird, um ein möglichst ebenmäßiges, also beherrschtes Garn zu produzieren. Das Bouclé braucht definitiv beides.

Und so geht es:

Foto 4Es werden 3 Singles gesponnen, die sich in stärke, Drall, Richtung und Länge unterscheiden. Also eigentlich in allen Faktoren ;-). Diese werden in 2 Schritten verzwirnt. Im ersten Zwirnschritt, wird der eine Single um den anderen kerngesponnen, wobei die Schlingen erzeugt werden. Im zweiten Zwirnschritt werden diese Schlingen mit einem dritten Single an Ort und Stelle fixiert. Hier gibt es zwei große Hürden. Hürde eins sind die Schlingen. Sie sollten kreisrund sein und es auch im Verlauf des Spinnens bleiben. Hürde zwei stellt die Garnbalance dar. Es muss gut überdacht werden, in welchen Single wieviel Drall gegeben wird, sodass sich am Ende alle Drallmengen gegenseitig aufheben und das Garn balanciert und stabil hängt.

Um das Ganze zu veranschaulichen habe ich euch ein paar Skizzen gezeichnet.

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Insgesamt sind also 3 Singles benötigt. Single a) dient als Kerngarn. Es sollte wirklich unterdreht sein. Deshalb sind auch lange Fasern von Vorteil, denn sie benötigen weniger Drall, um im Single zusammen zu halten. Dieser Single kann auch etwas dicker als der Single b) werden. Warum das so ist wird später deutlich. Single b) ist nun also jener Faden, der später die Schlaufen bilden soll. Deshalb wird auch eine größere Lauflänge benötigt. Ich rechne mit etwa der dreifachen Menge. Doch das hängt von der Menge an Schlaufen ab und variiert nach Belieben. Dieser Single kommt besonders mit flauschigen Fasern wie Angora oder Kaschmir zur Geltung, die sich im Zwirnen öffnen und hautschmeichelnde Schlaufen erzeugen werden. Single c) dient im zweiten Zwirnen dem Fixieren der Schlaufen. Er kann dünn oder auch industriell gesponnen sein. Er muss aber auf jeden Fall mit der richtigen Menge an Drall vorgedreht werden. Außerdem muss noch die Spinnrichtung bedacht werden. a) und c) werden in die gleiche Richtung gesponnen und b) in die andere Richtung. Welche Richtungen es sind, ist letztlich egal, das Verhältnis zu einander ist nur wichtig. Zuletzt müssen die Mengen an Drall beachtet werden. a) muss interdreht sein, b) muss leicht überdreht sein und c) soll normal sein. Leider ist dieser Punkt eine Sache der Übung und des Feelings. Jeder wird mit leicht variierenden Drallmengen spinnen und sich wohl fühlen. Diese Mengen müssen am Ende einfach zu einander stimmen, so dass das Garn balanciert ist.

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Nun geht es an die Schlaufen. Dazu werden die beiden Einzelfäden mit unterschiedlicher Fadenspannung gezwirnt. a) wird fest angezogen und unter Spannung gehalten und somit handelt es schon ums corespinning. b) wird sehr locker in einem ca 45° Winkel aufgesponnen. Der Winkel spielt durchaus eine Rolle. ER bestimmt die Wraps pro Länge l (sei es inch oder cm, der Einfachheit spreche ich nur von l ohne Einheit). Die Anzahl der Wraps bestimmt weiter über die Menge an Drall, also der Umdrehungen oder Twists pro l. Und dies muss vorher im Hinterkopf behalten werden. Es muss nicht unbedingt gemessen oder gezählt werden, sondern einfach nur bedacht: Soll das Garn eher eng gezwirnt werden oder eher weit? Und dem entsprechend viel oder wenig Drall muss in den Single b) gegeben werden.

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Das Zwirnen geschieht in die gleiche Richtung in der auch der Kernfaden a) gesponnen wurde. So addiert sich der Drall aus Schritt 1 und 2 im Kernfaden auf und dieser wird von einem unterdrehten Faden zu einem mit normalem Drall. Der Faden b) hingegen verliert seinen Drall, denn er wurde ja in die Gegenrichtung gesponnen. Da durch das corespinning und die Loops mehr wraps auf dem Kerngarn landen als bei normalen Zwirnen, wird auch mehr Drall im Single b) benötig ohne, dass dieser sich auflöst und die Substanz beim Zwirnen verliert. Das ähnelt dem Zwirnen der Supercoils, bei denen der Single ebenfalls überdreht sein muss, um gut geformte coils zu erreichen. So ergibt es sich, dass sich unterschiedliche Mengen an Drall in den beiden Einzelfäden gelangen, obwohl es sich um einen Arbeitsschritt handelt. In der Skizze links wurde das mit „mehr“  verzeichnet. Und nochmal: das Mehr ergibt sich aus der Menge an Schlaufen die entstehen sollen und dem Abstand Wraps zueinander. Beides ergibt die Menge an Wraps, die auf einem Abschnitt l des Kerngarnes landen. Unter dem Strich ergibt es dann ein balancierten Single b) auf einem normal gedrehten Kerngarn a).

Um das ganze noch etwas komplizierter zu machen, bringe ich noch den Faktor Fadenstärke ins Spiel. In einem Satz gepackt: Je dicker der Faden desto weniger Drall pro Abschnitt. Warum ist das wichtig? Wir müssen uns vorher bewusst machen, wie dick die beteiligten Fäden sind, um die richtige Menge an Drall rein zu geben. Anders als bei normalen Zwirngarnen, lässt es sich währen dem Spinnen des Einzelfadens nicht durch „Selbstverdrehung“ checken, wie der Zwirn aussehen wird und ob der Drall passt. Bouclé entsteht eben in zwei Zwirnschritten und mit unterschiedlichen Drehrichtungen. Daher liegt in den Zwischenschritten ein äußerst umbalancierter Faden vor und es muss zu Beginn zwei statt ein weitere Schritt vorgeplant werden. Deshalb kommt hier nochmal ein kleiner Exkurs in Sachen wraps pro Abschnitt. Wraps ist hier beim Zwirnen automatisch gleichbedeutend mit Drall/Twist.

boucle9Die nebenstehende Skizze zeigt, dass je dünner die Fäden sind, desto mehr Drall und Wraps ergeben sich auf die gleichen Länge eines Abschnittes. Genau das gleiche passiert ja auch beim Spinnen von Einzelfäden. Je dünner, desto mehr Drall sammelt sich. So funktionieren ja auch Tick `n´thins. Hat man zwei unterschiedliche Stärken der zu verzwirnenden Fäden, gilt das gleiche: kommt ein dünner Faden als 2. Faden hinzu, passen mehr wraps in den Abschnitt. Wird nun ein Faden straff gehalten und es kommt zum corespinning, so gilt dies im Prinzip weiterhin bei gleichen Zwirnwinkel. Wenn jetzt auch noch der Winkel größer angelegt sitzen die wraps enger und es wird noch mehr Drall in den Kern gegeben.

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Sicherlich braucht der Kern eines normeln Kerngarn immer einen Hauch mehr Drall vor dem Zwirnen als der aufgezwirnte Single, da dieser die Stabilität garantiert. Wäre er exakt gleich gesponnen würde er beim zurückdrehen brechen. Doch das  spielt hier keine  Rolle, denn es ist kein normales Kerngarn, die Zwirnrichtung ist eine andere. Der ganze Punkt hierbei ist: Der unterdrehte Kern sollte so wenig wie möglich, aber soviel wie nötig an Drall abbekommen. Die Summe Drall die nun im Kerngarn steckt ist genau die Drallmenge, die wir im letzten Single c) benötigt wird. Vielleicht hilft es auch erst nach dem Schlaufen spinnen den letzten Single zu spinnen.

boucle4 Aber jetzt zu den Schlaufen: sie entstehen durch das Zusammenschieben der wraps. Wird der Single b) auf das Kerngarn ausgesponnen, so gleitet b) locker durch die Finger. Es befindet sich als praktisch keine Spannung auf dem Single, so dass die Wraps locker auf dem Kern sitzen, fast ein bisschen wie beim geführten autowrapping. Will man eine Schlaufe, so greift man an der Stelle, wo beide Einelfäden aufeinander treffen  ein und schiebt den vordersten wrap exakt einen wrap-Abstand nach hinten. So entsteht eine Schlaufe, deren Drall genau so groß ist ist, dass ein schöner Kreis stabil entsteht, aber zu wenig  Länge vorhanden ist, dass die Schlaufe beginnt sich um sich selbst zu drehen und der Kreis kringelt sich zusammen. Genau genommen sitzt der Punkt, an dem sich der Kreis kringeln würde genau dort, wo die beiden wraps auf der Unterseite zusammen treffen. Diesen Punkt nenne ich Kreuzungspunkt.

boucle5Und hier liegt für mich das entscheidende Kriterium, das zu einem perfekten Bouclé führt: die Kreise sind und bleiben auch durch den letzten Schritt hindurch als runde Kreise bestehen. Es sollen keine Schlaufen entstehen, die sich um sich selbst drehen, weil sie zu groß geworden sind. Es sollen auch keine Kreise sein, die auf dem Garn aufsitzen. Ein Kreis soll das Kerngarn umschließen. Das bedeutet, der Kreuzungspunkt liegt unterhalb des Kerngarnes.

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Anders ausgedrückt: das Kerngarn liegt IM Kreis. Sitzt der Kreis auf, dann befindet sich das Kerngarn außerhalb des Kreises und der Kreuzungspunkt liegt AUF dem Kerngarn. Wie kann das passieren? In dem der Schlaufe VOR dem Aufspannen durch „Selbstverdrehung“ des Singles b) entsteht und dann erst auf das Kerngarn ausgesponnen wird. So entstehen auch mehrfach um sich selbst gedrehte Schlaufen. Trick der geschlossenen Kreise ist, dass sie durch das Zusammenschieben zweier Wraps entstehen.

Das Ganze klingt jetzt mega kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. Es ist einfach Übung und im Prozess wird schnell sichtbar, was ich meine. Ein Youtube-Video, das ich mal gefunden habe, zeigt wie easy das alles aussieht, hat man mal den Dreh raus.

 

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Zuletzt bleibt noch das Fixieren der Schlaufen. Das ist der zweite Zwirnschritt. ab) wird mit c)  in Gegenrichtung beider Fäden verzwirnt und letztlich balanciert. Hier bleibt nur noch eine einzige Hürde: die runden Kreise müssen erhalten bleiben. Hält man jetzt den ab)-Strang mit etwas Spannung fest, drehen sich nicht nur die Fasern des Kerngarnes auf, sondern auch der Verbund von a) und b) löst sich. Damit fallen die Kreise wieder auseinander. Entweder es entstehen diese Schlaufen die aufsitzen, oder die Kreise werden zu drei großen Wellen. Beides soll nicht passieren. Deshalb lasst den ab)-Strang einfach locker durch die Finger gleiten. Haltet ihn nicht fest, führt ihn nur in einem leichten Winkel auf c). c) hingegen wird zwar kein echter Kern, aber der wird doch mit mit einem Tick mehr Spannung in Zwirnposition gehalten. Auch dieser Schritt ist eine Frage des Feelings. In meinem Bouclé, dass ich euch zeigen werde, sind genau hier einige Kreise wieder aufgebrochen. Das kann nach all der vielen Arbeit, die bereits in einem Garn steckt ziemlich frustrierend werden.

boucle7Warum mir diese Kreise so wichtig sind zeigt die letze Skizze: Sind die Kreise rund und in regelmäßigen kleinen Abständen, dann erhaltet ihr ein Strickbild, dass diese Mini-Löckchen oder Schüppchen aufweisen und idealerweise genau auf einer Masche sitzen. Sind die Kreise aber unterschiedlich groß oder sind es einfach oder mehrfach verdrehte Schlaufen, dann ist der Effekt mit diesen Schüppchen dahin. Dann gibt es einfach nur heterogene Schlaufen. Sicherlich hat das auch seinen Charme. Ein typisches Bouclé ist es aber nicht mehr. Und genau das mach diesen Garntyp so irre schwierig zu spinnen. Die Einzelfäden sollten zudem extrem gleichmäßig sein, damit der Drall berechenbar bleibt.

So, und nach dieser vielen Theorie noch einige Bilder wie es NICHT aussehen sollte:

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Versuch 1: Hier sind die wraps viel zu eng, dadurch wurde das Garn total überdreht (auf dem Bild wurden die Fäden festgehalten). Dann ist alles andere zu sehen, als runde Schlaufen. Es sind Knüppel, die von einem völlig überdrehten Single b) herrühren.

 

 

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Versuch 2: Hier wurde ein Merinosingle b) gesponnen und auf einem industrielles Konengarn ausgesponnen. Zunächst kamen kleine Kreise zustanden. Aber als ich den letzten Schritt mit wieder mit einem Konengarn zwirnte passte gar nichts mehr.

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Einmal verdrehten sich die Kreise zu mehrfach verdrehten Schlaufen. Und dann war das Garn völlig umbalanciert. Grund waren die nicht vorgedrehten Konengarne.  Die Rechnung: Drall in die eine Richtung in Schritt 2 und Drall in die andere Richtung in Schritt 3 zu Balance in der Summe, ging nicht auf.

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Grund sind die unterschiedlichen Mengen an Drall und die Dünne des Kernes, der einfach nicht genug Stabilität für den Single b), der wesentlich dicker als der Kern war, bot. Das Ergebnis was ein fehlender Verbund. Das Garn ist nicht nur umbalanciert, sondern auch der Verbund löst sich, da unterschiedliche Drallmengen wirksam sind und sich gegenseitig stören.

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Versuch 3:

Hier wurden handgesponnene Singles a) und b) verwendet. Alles passt bis es zum letzten Schritt kam. Ich versuchte im ersten Bild ein Konengarn, das nicht vorgedreht wurde. Das Ergebnis ist unbalanciert.

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Dann habe ich auch das Konengarn vorgedreht und im zweiten Bild sieht man ein FAST balanciertes Garn. Nur noch an manchen Stellen löst sich der Verbund. Hier fehlt es noch am letzten Feeling, ein bisschen Drall hier und ein bisschen weniger Spannung dort. Auch die Kreise haben sich hier noch nicht stabil in Form gehalten.

 

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Im letzten Versuch hat fast alles geklappt. Das Garn ist absolut balanciert. Die Spannungen passen an jeder Stelle und das Garn hängt in entspannten Bögen. Auch die Kreise haben sich fast überall in Form gehalten. Nur noch hier und dort musste die Spannung im letzten Zwirnschritt angepasst werden. Dort haben sich die Kreise einmal verdreht und AUF den Kern gelegt anstatt ihn zu umschließen (Bild links).

Zu guter Letzt noch die Bilder des geglückten Teils:

Das Garn besteht aus kartierten Gotlandlammlocken. Im Single b) wurden Sariseidenfasern in Blautönen und ein wenig weißes Ramie beigemischt. Fixiert wurde mit einem grauen Konengarn.

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E-book, Fotobuch oder was nun?

Arbeitsbuch7Ich liebe es Garne anzuschauen, aber meistens bleiben die Garne nicht alle hier und irgendwie vermisse ich meine Babies dann. Ich glaube ich bin völlig verschoben, was Garn angeht. Egal, um meine Erinnerungen zu erhalten, habe ich angefangen meine Lieblingsgarne vom letzten Jahr heraus zu suchen und zu einen „Portfolio“ zusammen zu stellen. Ich wollte eigentlich ein Fotoalbum für mich zuhause machen, damit ich mich daran erinnern kann, was ich 2013 gemacht habe und wie. Und irgendwie ist dabei jetzt ein kleines e-book daraus geworden. Und ich weiß nicht was ich damit anfangen soll. Der Versuch ein Fotoalbum drucken zu lassen, hat sich als äußerst kniffelig heraus gestellt.  Es gibt eine Flut von Anbietern, aber alle bieten kein Format, das mir gefällt. Nein, einer hatte es, aber der hat keine Software für den Mac und interessiert auch nicht nach telefonischen Nachfragen für den Teil der Kunden. Tja. Nun stehe ich verwirrt zwischen vielen Onlineanbietern und finde kein passendes Angebot. Spiralbindung, Hardcover, 150g/qm, 200g/qm… und mein Album liegt hier herum.

Artyarn wird zu Schmuck

Vor ein paar Monaten habe ich diese Garne gemacht und in zwei Beiträgen („Supercoils“ und „Again Supercoils“) berichtet: Supercoils auf Draht gesponnen.Foto-2 Kopie 4

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Diese Garne sind einerseits super weich, denn sie bestehen überwiegend aus Merino. Andererseits sind sie flexibel und formstabil.

Deshalb habe ich versucht diese Garne in Kleidung und Schmuck zu integrieren. Die Kleidungsversuche zeige ich mal bei einer anderen Gelegenheit 🙂 Aber hier sind meine ersten Schmuckversuche: drei Armbänder und eine Halskette.

Foto-1 Foto-7 Kopie Foto-2 Kopie 3 Foto-10Dazu habe ich die Garne mit einander verdreht oder einfach nur mehrfach zusammen gefasst oder „gewebt“. Die Enden habe ich vernäht und mit Lederimitat umklebt. Der Verschluss besteht hier aus Haken und Öse. Klar ist das nicht die beste Lösung, aber da es hier nur ein Versuch ist, habe ich genommen was in meiner Nähkiste herum lag. Alternativ gibt es ja auch richtige Schmuckverschlüsse zum annähen. Durch den Draht als Kern der Supercoils bleibt die Form des Armbandes genauso bestehen, wie ich es hingebogen oder die Stränge mit einander verdreht oder gewebt habe. Anders, als bei normalem Garn, fallen diese „Gewebe“ nicht zusammen.

Die Garne können ohne Problem direkt auf dem Körper getragen werden und ich habe ein Armband am Wochenende beim Tango tanzen Probe getragen. Das Coole ist: Schweiß ist kein Problem! Klar schwitze ich da auch rein, aber durch die Eigenschaften der Wolle, wird der Schweiß aufgenommen ohne dass das Armband feucht wird und danach kann es wieder ausgelüftet werden. Das ist für mich als Tangotänzer echt mega praktisch.

Experiment: Bubblewrapping nach Jacey Boggs

Foto-4Ich hab ja schon öfters mal was von Jacey Boggs nachgesponnen. Diesmal habe ich es mit dem bubblewrapping aus ihrem Buch Spin Art versucht.

Dazu kam ein handkardiertes Vlies aus reinem Merino zum Einsatz.Foto-2 Kopie

Das habe ich per corespinning zu einem Single versponnen. Dabei ließ ist ein türkisen reinen Seidenzwirn mit laufen lassen (autowrapping). Und danach wurde der Single mit dem gleichen Seidenzwirn wieder verzwirnt. Dabei gehen die Fasern wieder auf und auch der autowrap dreht sich wieder auf. Dieser wird aber durch das Zwirnen gleichzeitig fixiert und kann nicht verrutschen. So entstehen die bubbles.

Foto-7Das Garn ist genauso weich und glatt wie jedes andere verzwirnte corespun Garn aus Merino. Der bubbles sind zufällig, wirken aber im Ganzen gleichmäßig. Irgendwie, ist das Garn spannend. Ich kann mir vorstellen, dass es verstrickt etwas an bucclée erinnre könnte. Wer weiß. Auf jeden Fall macht es total Spaß es zu spinnen.

Garnhybrid: Traditionell und doch nicht.

Foto-2Vor einiger Zeit habe ich ganz schlichte Fasern mit wunderbarer Qualität gekauft: ein naturbrauner Merinokammzug mit Milchseide grob gezogen.

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Diese Fasern waren wirklich ein Traum zu verspinnen, super leicht zum Ausziehen, weich, ein wenig seidig und ein klein wenig krauser als die super soften gefärbten Merinos und deshalb perfekt für ein weiches elastisches Garn. Also wurde ein recht dicker 2-fach-Zwirn daraus und er wurde wirklich wunderbar weich und federnd. Aber trotzdem wollte ich es etwas farbiger und irgendwie schräg. Und so entstand aus dem eigentlich ganz traditionellem Zwirn ein Mix. 

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Während dem Zwirnen nahm ich immer wieder bunte Merinofasern und spinnte sie UM den Zwirn herum. Dazu brauchte ich nur sehr wenige Fasern, die nicht viel länger als ihre eigene Fasernlänge zu sein brauchten. 

Foto-3 Kopie Kopie KopieDenn je länger die Fasern beisammen liegen, desto mehr Twist kommt in den Zwirn und der muss nach dem Umspinnen wieder ausbalanciert werden. Im Prinzip war es corespinning bei dem der fertige Zwirn als Kern diente. Die Fasern wurden kurz vor ihrem Ende noch zwischen den Singles geankert und sitzen absolut fest und unverrutschbar. Tja und das ist das Garn nun. Ist es ein normaler 2-facher Zwirn oder ist es ein Artyarn? Keine Ahnung. Verstricken wird es sich wohl völlig normal und easy, aber zu Spinnen war es wohl eher die Kategorie Artyarn.

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Zwirn oder Single?

Der zweite Satz rolags wurde zum Garn. Rolags

Ich bin mir nicht sicher ob es ein Zwirngarn wurde oder nicht. Ein Zwirn ist ein Garn, das nach dem Spinnen in einem zweiten Arbeitsschritt verzwirnt wurde. So steht es in den Lehrbüchern.  Allerdings habe ich immer wieder zwischen zwirnen und wrapping gewechselt. Ich wusste gar nicht, dass es überhaupt möglich ist, einen Einzelfaden in die Gegenrichtung zu wrappen ohne, dass er reißt. Aber es ging. Wenn die wraps dann noch recht eng sitzen, dann reißt er auch nicht, wenn man an ihm zieht. Er ist stabil und im Aufbau von außen statt von innen gesichert.

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Seidenhase

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Diesmal habe ich mich an etwas heran gewagt, was unter Art Yarn-Spinner häufig gemacht wird. Ein Garn, das einen fertigen Zustand erreicht hat und so bleiben könnte, weiter verzwirnen. Besonders schön hat das Steph Gorin in einem Video für das Ashford Wheel „Country Spinner“ gezeigt. Hier nimmt sie ein corespun Single und verzwirnt ihn nach Navajoart und arbeitet dabei Locken mit ein.

DSC_0022Ähnliches habe ich nun auch mal versucht. Basis ist ein Vlies aus naturgrauer Angorawolle, die mit recycelter Sariseide aus Indien und Gotlandlammlocken im drumcarder vermischt wurde. Diese habe ich auf einen core gespinnen und ein Singlegarn mit normalem Twist, also kein lowtwist-Garn, denn es soll ja nicht single-Garn verbleiben, erhalten. Im letzten Schritt habe ich zwei solcher Einzelgarne mit einander verzwirnt.

ImageDas Ergebnis ist ein wunderbar seidiges Garn, das klar definiert ist. Corespun Garn lässt sich wirklich sehr schön verzwirnen. In diesem letzten Schritt gehen die Fasern wie bei normalem Zwirn etwas auf und entwickeln ein schöneres haitischen Resultat. Entweder weicher oder, wie hier, seidiger, je nach Ausgangsfaser. Trotzdem bleibt der Vorzug des corespinnings erhalten. Die Fasermischung des Vlieses wird optimal um den core trappiert und kommt auch noch im Zwirn schöner zur Geltung. Außerdem ist der Winkel des Faserverlaufs ein größerer, als mein normal gesponnen Einzelfäden. Auch das wird im Zwirn noch bemerkbar und produziert einfach ein etwas anderes Aussehen.

FotoDieses Garn hier ist diesmal recht dick geworden und ich werde es wohl eines Tages in eine Handtasche verarbeiten. Ist es jemand zu dick, so kann er es ganz einfach beim Schritt des corespinnings anpassen. Hierbei ist es möglich, abhängig vom core, auch sehr dünne singles zu erzeugen.

Probiert´s mal! Es macht super viel Spaß!